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Dienstag, 13. März 2012

HAYWIRE (2011)

Regie: Steven Soderbergh, Drehbuch: Lem Dobbs, Musik: David Holmes
Darsteller: Gina Carano, Ewan McGregor, Channing Tatum, Michael Douglas, Bill Paxton, Michael Fassbender, Antonio Banderas, Michael Angarano, Mathieu Kassovitz
 Haywire
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 80% (6,8); weltweites Einspielergebnis: $33,4 Mio.
FSK: 16, Dauer: 93 Minuten.
Mallory Kane (Gina Carano) ist eine Spezialistin für verdeckte Operationen, die für ein privates Unternehmen arbeitet, zu dessen Auftraggebern auch die US-Regierung zählt. Als bei einem vermeintlich leichten Einsatz plötzlich ihr Partner versucht, sie zu töten, erkennt Mallory, daß sie offensichtlich einer Verschwörung in den Weg geraten ist. Also muß sie nun fliehen und kämpfen, bis sie die Hintergründe der Verschwörung aufdecken kann ...

Kritik:
Steven Soderbergh ist mit Sicherheit einer der vielseitigsten Regisseure Hollywoods. Ob klassische Independentfilme ("Sex, Lügen und Video", "The Limey"), Hochglanzkino ("Out of Sight", "Ocean´s Eleven"), eine Mischung aus beidem ("Der Informant!", "Contagion") oder sogar experimentelle Werke wie "Bubble" und "The Girlfriend Experience", die kaum jemand gesehen hat. Bei letzterem hat Soderbergh offenbar auch Gefallen daran gefunden, seine Filme um Quereinsteiger herum aufzubauen, denn in "The Girlfriend Experience" spielte Pornostar Sasha Grey die zentrale Rolle. Und nun hat er die attraktive Mixed Martial Arts-Kämpferin Gina Carano zur Hauptdarstellerin seines Action-Thrillers "Haywire" gemacht.

Ob "Haywire" für Carano – die optisch wie eine Mischung aus Drew Barrymore und Mariska Hargitay (aus der TV-Serie "Law & Order: Special Victims Unit") wirkt – tatsächlich das Sprungbrett zu einer erfolgreichen Schauspieler-Karriere bildet, läßt sich schwer beurteilen, da ihre Rolle darstellerisch wahrlich nicht allzu fordernd ist. Die Figur der Mallory Kane bringt sie aber auf jeden Fall überzeugend auf die Leinwand und gutaussehende Hollywood-Stars nach Strich und Faden verprügeln kann sie zweifellos. Insofern sind ähnliche Rollenangebote wohl nur eine Frage der Zeit und da es seit Cynthia Rothrock eigentlich keinen echten weiblichen Kampf-Star gab, stehen ihre Chancen sicher nicht schlecht – wenngleich sich erst noch zeigen muß, ob sie sich im Kino etablieren kann oder doch eher zu Direct-to-DVD-Produktionen zurückfällt.

Seine Inspiration für "Haywire" hat sich Steven Soderbergh inhaltlich, formal und auch musikalisch bei den zahllosen Actionstreifen der 1970er Jahre geholt, bei Blaxploitationfilmen á la "Shaft" oder "Foxy Brown" ebenso wie bei den Filmen mit Charles Bronson. "Haywire" ist betont altmodisch in Szene gesetzt und sieht tatsächlich so aus wie seine Vorbilder, auch wenn Soderbergh hin und wieder zur Handkamera greift (was übrigens wörtlich zu nehmen ist, denn er fungiert nicht nur als Regisseur, sondern unter Pseudonym auch als Kameramann). Bezüglich der Handlung hätte "Haywire" sich aber durchaus von diesen filmischen Vorbildern lösen dürfen, denn die Verschwörungsgeschichte ist wirr erzählt und ehrlich gesagt sowieso ziemlich langweilig – auch wenn sie immerhin erfreulich schlüssig zu Ende geführt wird. Leider sind zudem die spektakulären Kampfszenen, die erwartungsgemäß die größte Stärke von "Haywire" sind, zu rar gesät. Jene Teile des Films, die letztlich nur als Überbrückung zwischen den Actionsequenzen dienen, hat Soderbergh zu ausführlich ausgewälzt. Das wäre lobenswert, wenn es eine ausgeklügelte und interessante Handlung gäbe. Da dies nicht der Fall ist, geht jedoch einfach nur immer wieder das gerade mühsam gewonnene Tempo verloren. Auch wenn "Haywire" sowieso nur 90 Minuten dauert – eine Straffung wäre definitiv vorteilhaft gewesen.

Fazit: "Haywire" ist ein solider Action-Thriller, der unter einer ziemlich lahmen Story und einigen unglaubwürdigen Szenen leidet, aber eine spannende Hauptdarstellerin zu bieten hat, die sich inmitten eines Aufgebots von Hollywoodstars (buchstäblich) hervorragend schlägt.

Wertung: 6 Punkte.


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