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Montag, 12. März 2012

Klassiker-Rezension: DER HIMMEL ÜBER BERLIN (1987)

Regie: Wim Wenders, Drehbuch: Peter Handke, Richard Reitinger und Wim Wenders, Musik: Jürgen Knieper
Darsteller: Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Peter Falk, Otto Sander, Curt Bois
 Der Himmel über Berlin
(1987) on IMDb Rotten Tomatoes: 98% (8,6); US-Einspielergebnis: $3,8 Mio.
FSK: 6, Dauer: 127 Minuten.

Damiel (Bruno Ganz, "Der Untergang") und Cassiel (Otto Sander, "Das Boot") sind zwei waschechte Engel. Sie wachen über das Berlin kurz vor der Wende, beobachten dabei die Menschen, deren Gedanken sie hören können. Stets sind sie auf der Suche nach kleinen, aber bemerkenswerten oder ungewöhnlichen Dingen und menschlichen Verhaltensweisen. Doch Damiel reicht es nicht mehr, nur zu beobachten. Er möchte selbst Mensch werden, möchte nicht mehr nur zusehen, sondern selbst handeln, möchte lieben und geliebt werden, möchte die alltäglichsten Dinge tun und das Leben als Mensch genießen. Nicht ganz unbeteiligt an seiner Sehnsucht ist die französische Zirkus-Artistin Marion (Solveig Dommartin, "Bis ans Ende der Welt"), auf die Damiel aufmerksam geworden ist und die ihn regelrecht bezaubert hat ...

Kritik:
Die Story, die "Der Himmel über Berlin" erzählt, ist bestenfalls rudimentär zu nennen. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um die Stadt Berlin und ihre Bewohner, deren Gedankenwelten der (politisch durchaus umstrittene) österreichische Schriftsteller Peter Handke in unglaublich poetische, wunderschöne Worte und Satzfetzen gekleidet hat. "Der Himmel über Berlin" ist denn auch im Grunde weniger ein Film als ein Gedicht. Man sieht die Engel durch das geteilte Berlin streifen und hört den teils banalen, teils amüsanten, teils erstaunlich tiefschürfenden inneren Monologen der Berliner zu und genießt dabei stets die wundervollen Bilder von Kameramann Henri Alekan sowie die hervorragende Musik samt einem mitreißenden Konzertauftritt von Nick Cave & The Bad Seeds.

Getragen wird "Der Himmel über Berlin" natürlich auch von den Schauspielern. Bruno Ganz und Otto Sander waren selten so gut wie hier, vor allem Ganz nimmt man seine Figur des so menschlichen und doch stets irgendwie unirdischen Engels Damiel ohne jedes Zögern ab. Des weiteren fasziniert der während der Dreharbeiten fast 90-jährige Ex-Kinderstar Curt Bois – bereits in den 1919 Jahren in Ernst Lubitschs Stummfilmkomödie "Die Austernprinzessin" zu sehen, später unter anderem in einer kleinen Nebenrolle im Filmklassiker "Casablanca" – trotz seiner Gebrechlichkeit als alternder Poet Homer (und wurde prompt mit dem Europäischen Filmpreis als Bester Nebendarsteller belohnt), Peter "Columbo" Falk glänzt selbstironisch als "Der Filmstar" und die wahrhaft engelsgleiche Solveig Dommartin (die Anfang 2007 mit nur 45 Jahren an einem Herzinfarkt verstarb) hat als liebenswerte Artistin Marion mit Sicherheit nicht nur die Herzen von Engel Damiel und Regisseur Wenders erobert, dessen Lebensgefährtin sie anschließend mehrere Jahre lang war.

Den Unterschied zwischen der Welt der Engel und jener der Menschen macht Wenders übrigens durch einen ebenso simplen wie effektiven Trick deutlich: Die Engel sehen alles nur in schwarz-weiß, die Welt der Menschen dagegen ist farbig. So ist dies auch das erste, was Damiel nach seiner Menschwerdung bemerkt – und mit welch kindlicher Begeisterung Bruno Ganz dieses erste Erleben von Farben spielt, ist schlicht hinreißend.

Fazit: "Der Himmel über Berlin" ist nicht weniger als ein Meisterwerk, ein absoluter Meilenstein der deutschen Kinogeschichte. Ein Film, der in seiner unkonventionellen Inszenierung und dank Peter Handkes faszinierender literarischer Handschrift in den Dialogen so wunderschön und so emotional ist, daß man am liebsten einfach nur vor Freude heulen möchte. So gut war Wim Wenders nie zuvor und nie danach (auch nicht in der leider deutlich schwächeren Fortsetzung "In weiter Ferne, so nah").

Wertung: 10 Punkte.


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