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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 11. Juni 2026

WAKE UP DEAD MAN: A KNIVES OUT MYSTERY (2025)

Regie und Drehbuch: Rian Johnson, Musik: Nathan Johnson
Darsteller: Daniel Craig, Josh O'Connor, Josh Brolin, Glenn Close, Thomas Haden Church, Jeremy Renner, Kerry Washington, Andrew Scott, Cailee Spaeny, Daryl McCormack, Mila Kunis, Jeffrey Wright, Annie Hamilton, James Faulkner, Noah Segan, Joseph Gordon-Levitt (Stimme)
IMDb: 7,3; Rotten Tomatoes: 92%; US-Einspielergebnis: $1,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 144 Minuten.

Als der exzentrische Kleinstadt-Priester Jefferson Wicks (Josh Brolin, "Dune") während einer kurzen Pause des Karfreitags-Gottesdienstes in einer Nebenkammer tot zusammenbricht, ruft die Polizeichefin Geraldine Scott (Mila Kunis, "Jupiter Ascending") den berühmten Privatdetektiv Benoic Blanc (Daniel Craig, "Skyfall") zur Hilfe. Als Hauptverdächtiger des schnell als Mord eingestuften Todesfalls gilt Wicks' junger Priester-Assistent Jud Duplenticy (Josh O'Connor, "Challengers"), ein ehemaliger Boxer, der mit Wicks wegen dessen selbstherrlicher und oft eher alttestamentarischer Art immer wieder aneinandergeriet. Blanc hält Jud jedoch für unschuldig und macht ihn kurzerhand zu seinem Assistenten bei den Ermittlungen zum wahren Täter. In Frage für den Mord kommt in erster Linie eine siebenköpfige Gruppe besonders leidenschaftlicher Anhänger von Wicks, zu der u.a. dessen rechte Hand Martha Delacroix (Glenn Close, "Die Frau des Nobelpreisträgers"), der trunksüchtige Arzt Nat Sharp (Jeremy Renner, "Arrival") und die auf eine Wunderheilung hoffende junge Musikerin Simone Vivane (Cailee Spaeny, "Bad Times at the El Royale") zählen. Nur: Was könnte deren Motiv sein? Blanc erkennt nach einigen Wendungen, daß dies nicht einfach nur ein weiterer Fall für ihn ist, sondern eine ganz besonders harte Nuß ...

Kritik:
Zum dritten Mal versammelt Regisseur und Drehbuch-Autor Rian Johnson ("Looper") ein edles Schauspiel-Ensemble um sich, um Daniel Craig in der Rolle des leicht exzentrischen, aber genialen Meisterdetektivs Benoit Blanc einen weiteren rätselhaften Mordfall lösen zu lassen. Das ist erneut grundsätzlich in einem sehr klassischen Whodunit-Stil á la Agatha Christie gehalten, glänzt aber wie gewohnt mit schrägen Charakteren, überraschenden Wendungen und gewitzten Dialogen. Einen größeren Unterschied zu den ersten beiden Filmen "Knives Out" und "Glass Onion" gibt es allerdings: "Wake Up Dead Man" leistet sich einen ausführlichen Prolog, der den Mordfall sorgfältig vorbereitet und alle Verdächtigen geschickt etabliert, ehe die Ermittler auf den Plan treten. Geschlagene 40 Minuten dauert es, bis der von der Polizeichefin Geraldine eingeladene Blanc die Szenerie betritt. Dies mag manche Zuschauer stören, immerhin ist die seit dem zweiten Teil von Netflix produzierte Reihe eigentlich deutlich auf ihren Protagonisten zugeschnitten – objektiv betrachtet funktioniert der Kniff (den Johnson so ähnlich auch in seiner TV-Krimiserie "Poker Face" anwendet, bei der jede Episode ebenfalls mit einem für das Genre ungewöhnlich langen Prolog beginnt) aber gut. Das wiederum liegt daran, daß Blancs Quasi-Ersatz in diesen ersten 40 Minuten eine ähnlich gute Figur macht: Josh O'Connor gewinnt als charismatischer, aufrichtiger Priester Jud mit traumatischer Vergangenheit schnell die Sympathien des Publikums. Und als Blanc schließlich auftaucht und den vermeintlichen Hauptverdächtigen Jud – ähnlich wie in "Knives Out" die von Ana de Armas verkörperte Marta – zu seinem Assistenten macht, bilden die beiden ein dynamisches Duo, dem man bei den Ermittlungen mit Freude folgt. Kurzum: "Wake Up Dead Man" hält im Wesentlichen die hohe Qualität der Reihe und läßt auf weitere Fälle von Benoit Blanc hoffen!

Die ersten 40 Minuten dienen aber natürlich nicht nur dazu, Jud als Sympathieträger und zweiten Protagonisten zu etablieren, sondern auch oder sogar vor allem dazu, in bester Whodunit-Manier die übrigen Verdächtigen und ihre möglichen Motive genauer vorzustellen. Und das Opfer, dessen selbstherrliches Verhalten im Prinzip mehr als genügend Motive liefert. So pickt sich Wicks bei so ziemlich jedem Gottesdienst ein – sofern vorhanden – neues Gesicht im "Publikum" aus und provoziert das im Rahmen seiner Predigt so lange durch radikale Bibel-Interpretationen, bis sein ausgesuchtes Opfer im Idealfall wütend aus der Kirche stürmt. Keine gute Methode, um die Gemeinde zu erweitern, ganz im Gegenteil. Aber eine sehr gute Methode, um den "inneren Kreis" der Eingeweihten immer stärker zu festigen. Auf diese Weise schart Wicks einen kleinen Kult um sich, der alles für ihn tun würde – und Jud, dessen ausgeprägtem Gerechtigkeitsgefühl Wicks' Verhalten immer wieder in die Quere kommt, ist dabei ein unwillkommender Störfaktor, dem mit mehr oder weniger offener Ablehnung begegnet wird. Trotz der stolzen Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden sind der Figurenzeichnung des guten halben Dutzends an Mordverdächtigen naturgemäß Grenzen gesetzt, zumal sie im Vergleich zu Wicks und Jud weniger Zeit gewidmet bekommen; aber insgesamt funktioniert die Einführung der Verdächtigen gut.

Die kleinen erzählerischen Mängel werden durch die hochkarätige Besetzung so gut wie möglich kompensiert, aber letztlich bleiben diese Nebenfiguren – inklusive der von Mila Kunis gespielten Polizeichefin – vergleichsweise oberflächlich charakterisiert und relativ blaß. Abgesehen vielleicht von Martha, die von Glenn Close gewohnt eindringlich verkörpert wird. Am hohen Unterhaltsamkeitsgrad der Geschichte ändern diese leichten, kaum vermeidbaren Schwächen zum Glück kaum etwas. Die Nachforschungen von Blanc und Jud sind amüsant geschildert und Blancs leicht exzentrische Manierismen sorgen wieder einmal für den nötigen Humor. Dazu paßt, daß Blanc zu seiner eigenen Überraschung immer wieder mal an seine ermittlerischen Grenzen zu stoßen scheint – was ihn angesichts der Herausforderung für seinen Intellekt regelrecht zu begeistern scheint. Als Zuschauer muß man durchaus aufmerksam sein, um den vielen Theorien und Wendungen zu folgen, doch letztlich ergibt alles Sinn – wenn manche Ereignisse auch zweifellos recht unwahrscheinlich wirken. Das vergibt man angesichts der schwungvollen Inszenierung, der knackigen Dialoge und der dargebotenen Schauspielkunst aber gerne – und Rian Johnsons "Maskottchen" Noah Segan und Joseph Gordon-Levitt haben natürlich auch wieder ihre Gastauftritte. Insgesamt ist Johnson zum dritten Mal ein äußerst vergnügliches Ratespiel gelungen, das deutlich traditioneller ausfällt als der direkte Vorgänger "Glass Onion", aber ähnlich gut unterhält wie die ersten beiden Filme.

Fazit: "Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery" ist ein gut durchdachter, mit viel Humor und Schauspielkunst angereicherter Krimi, der von Anfang bis Ende Spaß macht.

Wertung: 8,5 Punkte.

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