Regie und Drehbuch: Rian Johnson, Musik: Nathan Johnson
Darsteller:
Daniel Craig, Josh O'Connor, Josh Brolin, Glenn Close, Thomas Haden
Church, Jeremy Renner, Kerry Washington, Andrew Scott, Cailee Spaeny,
Daryl McCormack, Mila Kunis, Jeffrey Wright, Annie Hamilton, James
Faulkner, Noah Segan, Joseph Gordon-Levitt (Stimme)
IMDb:
7,3; Rotten Tomatoes: 92%; US-Einspielergebnis: $1,6 Mio.
FSK:
12, Dauer: 144 Minuten.
Als
der exzentrische Kleinstadt-Priester Jefferson Wicks (Josh Brolin,
"Dune") während einer kurzen Pause des
Karfreitags-Gottesdienstes in einer Nebenkammer tot zusammenbricht,
ruft die Polizeichefin Geraldine Scott (Mila Kunis, "Jupiter
Ascending") den berühmten Privatdetektiv Benoic Blanc (Daniel
Craig, "Skyfall") zur Hilfe. Als Hauptverdächtiger des
schnell als Mord eingestuften Todesfalls gilt Wicks' junger
Priester-Assistent Jud Duplenticy (Josh O'Connor, "Challengers"),
ein ehemaliger Boxer, der mit Wicks wegen dessen selbstherrlicher und
oft eher alttestamentarischer Art immer wieder aneinandergeriet.
Blanc hält Jud jedoch für unschuldig und macht ihn kurzerhand zu
seinem Assistenten bei den Ermittlungen zum wahren Täter. In Frage
für den Mord kommt in erster Linie eine siebenköpfige Gruppe
besonders leidenschaftlicher Anhänger von Wicks, zu der u.a. dessen
rechte Hand Martha Delacroix (Glenn Close, "Die Frau des
Nobelpreisträgers"), der trunksüchtige Arzt Nat Sharp (Jeremy
Renner, "Arrival") und die auf eine Wunderheilung hoffende
junge Musikerin Simone Vivane (Cailee Spaeny, "Bad Times at the El Royale") zählen. Nur: Was könnte deren Motiv sein? Blanc
erkennt nach einigen Wendungen, daß dies nicht einfach nur ein
weiterer Fall für ihn ist, sondern eine ganz besonders harte Nuß
...
Kritik:
Zum
dritten Mal versammelt Regisseur und Drehbuch-Autor Rian Johnson
("Looper") ein edles Schauspiel-Ensemble um sich, um Daniel
Craig in der Rolle des leicht exzentrischen, aber genialen Meisterdetektivs Benoit
Blanc einen weiteren rätselhaften Mordfall lösen zu lassen. Das ist
erneut grundsätzlich in einem sehr klassischen Whodunit-Stil á la
Agatha Christie gehalten, glänzt aber wie gewohnt mit schrägen
Charakteren, überraschenden Wendungen und gewitzten Dialogen. Einen
größeren Unterschied zu den ersten beiden Filmen "Knives Out"
und "Glass Onion" gibt es allerdings: "Wake Up Dead
Man" leistet sich einen ausführlichen Prolog, der den Mordfall
sorgfältig vorbereitet und alle Verdächtigen geschickt etabliert,
ehe die Ermittler auf den Plan treten. Geschlagene 40 Minuten dauert
es, bis der von der Polizeichefin Geraldine eingeladene Blanc die
Szenerie betritt. Dies mag manche Zuschauer stören, immerhin ist die
seit dem zweiten Teil von Netflix produzierte Reihe eigentlich
deutlich auf ihren Protagonisten zugeschnitten – objektiv
betrachtet funktioniert der Kniff (den Johnson so ähnlich auch in
seiner TV-Krimiserie "Poker Face" anwendet, bei der jede
Episode ebenfalls mit einem für das Genre ungewöhnlich langen
Prolog beginnt) aber gut. Das wiederum liegt daran, daß Blancs
Quasi-Ersatz in diesen ersten 40 Minuten eine ähnlich gute Figur
macht: Josh O'Connor gewinnt als charismatischer, aufrichtiger
Priester Jud mit traumatischer Vergangenheit schnell die Sympathien
des Publikums. Und als Blanc schließlich auftaucht und den
vermeintlichen Hauptverdächtigen Jud – ähnlich wie in "Knives
Out" die von Ana de Armas verkörperte Marta – zu seinem
Assistenten macht, bilden die beiden ein dynamisches Duo, dem man bei den Ermittlungen mit Freude folgt. Kurzum: "Wake Up Dead Man"
hält im Wesentlichen die hohe Qualität der Reihe und läßt auf
weitere Fälle von Benoit Blanc hoffen!
Die
ersten 40 Minuten dienen aber natürlich nicht nur dazu, Jud als
Sympathieträger und zweiten Protagonisten zu etablieren, sondern
auch oder sogar vor allem dazu, in bester Whodunit-Manier die übrigen
Verdächtigen und ihre möglichen Motive genauer vorzustellen. Und
das Opfer, dessen selbstherrliches Verhalten im Prinzip mehr als genügend Motive liefert. So
pickt sich Wicks bei so ziemlich jedem Gottesdienst ein – sofern
vorhanden – neues Gesicht im "Publikum" aus und
provoziert das im Rahmen seiner Predigt so lange durch radikale
Bibel-Interpretationen, bis sein ausgesuchtes Opfer im Idealfall
wütend aus der Kirche stürmt. Keine gute Methode, um die Gemeinde
zu erweitern, ganz im Gegenteil. Aber eine sehr gute Methode, um den
"inneren Kreis" der Eingeweihten immer stärker zu
festigen. Auf diese Weise schart Wicks einen kleinen Kult um sich,
der alles für ihn tun würde – und Jud, dessen ausgeprägtem
Gerechtigkeitsgefühl Wicks' Verhalten immer wieder in die Quere
kommt, ist dabei ein unwillkommender Störfaktor, dem mit mehr oder
weniger offener Ablehnung begegnet wird. Trotz der stolzen Laufzeit
von knapp zweieinhalb Stunden sind der Figurenzeichnung des guten halben
Dutzends an Mordverdächtigen naturgemäß Grenzen gesetzt, zumal sie
im Vergleich zu Wicks und Jud weniger Zeit gewidmet bekommen; aber insgesamt funktioniert die Einführung der Verdächtigen gut.
Die kleinen erzählerischen Mängel werden durch die hochkarätige Besetzung so gut wie möglich
kompensiert, aber letztlich bleiben diese Nebenfiguren – inklusive
der von Mila Kunis gespielten Polizeichefin – vergleichsweise
oberflächlich charakterisiert und relativ blaß. Abgesehen
vielleicht von Martha, die von Glenn Close gewohnt eindringlich
verkörpert wird. Am hohen Unterhaltsamkeitsgrad der Geschichte
ändern diese leichten, kaum vermeidbaren Schwächen zum Glück kaum
etwas. Die Nachforschungen von Blanc und Jud sind amüsant
geschildert und Blancs leicht exzentrische Manierismen sorgen wieder
einmal für den nötigen Humor. Dazu paßt, daß Blanc zu seiner
eigenen Überraschung immer wieder mal an seine ermittlerischen
Grenzen zu stoßen scheint – was ihn angesichts der Herausforderung
für seinen Intellekt regelrecht zu begeistern scheint. Als Zuschauer
muß man durchaus aufmerksam sein, um den vielen Theorien und
Wendungen zu folgen, doch letztlich ergibt alles Sinn – wenn manche
Ereignisse auch zweifellos recht unwahrscheinlich wirken. Das vergibt
man angesichts der schwungvollen Inszenierung, der knackigen Dialoge
und der dargebotenen Schauspielkunst aber gerne – und Rian Johnsons
"Maskottchen" Noah Segan und Joseph Gordon-Levitt haben
natürlich auch wieder ihre Gastauftritte. Insgesamt ist Johnson zum
dritten Mal ein äußerst vergnügliches Ratespiel gelungen, das
deutlich traditioneller ausfällt als der direkte Vorgänger "Glass
Onion", aber ähnlich gut unterhält wie die ersten beiden Filme.
Fazit:
"Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery" ist ein gut
durchdachter, mit viel Humor und Schauspielkunst angereicherter
Krimi, der von Anfang bis Ende Spaß macht.
Wertung:
8,5 Punkte.
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