Trotz Fußball-WM kann in diesem Jahr von einem Sommerloch in den deutschen Kinos nicht die Rede sein: Mit "Masters of the Universe", "Supergirl" und Spielbergs "Disclosure Day" starten gleich drei Hollywood-Großproduktionen, dazu gesellen sich zwei späte Fortsetzungen ("Jackass 5" und "Scary Movie 6"), ein ungewöhnlicher Robin Hood-Film ("The Death of Robin Hood") und zwei der alleine durch die US-Einspielergebnisse bereits rentabelsten Horrorfilme aller Zeiten ("Backrooms" und "Obsession"). Nur der deutsche Film macht sich angesichts der geballten Konkurrenz ziemlich rar ...
4. Juni:
"Masters of
the Universe" (3D):
Vor
39 Jahren brachte Garry Goddard eine erste Verfilmung der beliebten
Mattel-Fantasy-Actionfiguren rund um den edlen He-Man und den bösen
Skeletor in die Kinos. "Masters of the Universe" mit Dolph
Lundgren und Frank Langella erhielt allerdings miese Kritiken und
floppte an den Kinokassen brutal, weshalb eine bereits angekündigte
Fortsetzung rasch gestrichen wurde und das erhoffte Kino-Franchise in
Rekordzeit wieder Geschichte war. In den beinahe vier Dekaden seitdem
gab es immer wieder lose Pläne für einen Neuanfang mit teils
durchaus prominenten Namen (wie der Hongkong-Filmemacher-Legende John
Woo), aber erst im Jahr 2026 ist es so weit: Travis Knight hat sich
mit dem Stop Motion-Animationsfilm "Kubo – Der tapfere
Samurai" und dem "Transformers"-Spin-Off "Bumblebee"
bereits einen guten Namen gemacht und durfte sich nun mit einem
beachtlichen Budget von $170-200 Mio. am neuen "Masters of the
Universe" versuchen. Der Brite Nicholas Galitzine (derzeit auch
mit dem populären Schafkrimi "Glennkill" in den Kinos)
verkörpert den außerirdischen Prinzen Adam, der von seinen Eltern
als Kind wegen eines Bürgerkrieges zur Erde geschickt wurde –
dummerweise verlor er bei der Bruchlandung jedoch sein mächtiges
magisches Schwert. Als er dieses 15 Jahre später wiederfindet,
bringt es ihn zurück in seine Heimat Eternia, die inzwischen vom
tyrannnischen Skeletor (Jared Leto, "Blade Runner 2049") beherrscht wird. Nun muß Adam zu
"He-Man" werden – der mächtigsten Person des Universums –, um Eternia zu befreien … Mit Idris Elba, Camila Mendes, Alison
Brie, Morena Baccarin und Charlotte Riley.
"Scary
Movie":
Nicht
ganz so alt wie die von "Masters of the Universe" ist die
Geschichte des "Scary Movie"-Franchise, das aber immerhin
auch schon 26 Jahre auf dem Buckel hat. Im Jahr 2000 erschien das
erste "Scary Movie" als Parodie auf Horrorfilme wie
"Scream" und "Ich weiß, was du letzten Sommer getan
hast" und startete eine ganze Welle von – meist leider nicht
sehr guten – Parodie-Filmen inklusive vier direkter Sequels. Nach
13 Jahren Pause meldet sich die Reihe mit einem sechsten Teil zurück,
der allerdings wie der Erstling schlicht unter dem Titel "Scary
Movie" fungiert. Das mag eine Art Reboot suggerieren, allerdings
handelt es sich tatsächlich um eine direkte Fortsetzung mit vielen
Bezügen auf die Vergangenheit (was durchaus Sinn ergibt, immerhin
ist die primär Pate stehende "Scream"-Reihe ja immer noch
sehr erfolgreich und auch von "Ich weiß, was du letzten Sommer
getan hast" gab es letztes Jahr eine späte
Fortsetzung). Zwar gibt es mit dem genreerfahrenen Michael Tiddes
("Ghost Movie") einen neuen Regisseur, das Drehbuch
verantworten aber erneut die Wayans-Brüder Marlon, Shawn und Keenan
Ivory (gemeinsam mit Rick Alvares), die auch vor der Kamera
auftreten. Und die beiden prägendsten Darstellerinnen der
Reihe, Anna Faris und Regina Hall, kehren als Cindy Campbell
respektive Brenda Meeks ebenfalls zurück, denn nach 26 Jahren hat es ein
maskierter Serienkiller erneut auf die damaligen Überlebenden
abgesehen.
"Sommer auf
Asphalt":
In
Simon Ostermanns (TV-Serie "Stardust Hotel") sommerlicher
Tragikomödie nach einem Roman von Wolf Schmidt spielt Mala Emde
("303") die Fahrradkurierin Les, die nicht wirklich ein
Ziel im Leben hat, sondern lieber sorglos die Nächte durchfeiert.
Das ändert sich, als zweierlei passiert: Erstens taucht nach langer
Zeit ihr Vater (Christoph Maria Herbst) wieder bei ihr auf und
enthüllt ihr schließlich, daß er schwer krank ist – und zweitens
wird sie ungeplant schwanger. Zeit zum Erwachsenwerden?
"Ab durch
die Mitte – Mit Vollgas durch Paris":
In
der französischen Komödie von Grégoire Vigneron läßt sich der
junge Bauunternehmer Stan (Rayane Bensetti, "Superheld wider Willen") zu einer
Kurzschlußhandlung hinreißen, als ihm die versprochene Beförderung
verwehrt wird: Er stiehlt kurzerhand eine Million Euro Schwarzgeld
aus dem Tresor seines Chefs und will sich mit seiner Freundin ins
Ausland absetzen. Doch im letzten Moment erfährt Stan, daß er nun
doch befördert werden soll – also will er das gestohlene Geld
sofort zurückbringen, bevor der Raub bemerkt wird. Dafür braucht er jedoch die Hilfe des
nervigen Hippolyte (Christian Clavier, "Monsieur Claude und seine Töchter") vom Schlüsseldienst ...
"Disclosure
Day – Der Tag der Wahrheit":
Steven
Spielbergs mit Spannung erwartete Rückkehr zum Science Fiction-Kino
(das er bereits u.a. mit "Unheimliche Begegnung der dritten
Art", "E.T.", "Minority Report" und "Krieg
der Welten" prägte) gibt sich bezüglich der
Handlung im Vorfeld ziemlich zugeknöpft. Bekannt ist eigentlich nur,
daß Emily Blunt ("Jungle Cruise") die Hauptrolle einer TV-Meteorologin spielt, die mit
einem offensichtlich außerirdischen Phänomen konfrontiert wird –
das die Regierungsbehörden unbedingt vertuschen wollen. Ersten
(überwiegend euphorischen) Vorabkritiken zufolge sollte man den Film
aber sowieso mit möglichst wenig Vorwissen genießen! Weitere
wichtige Rollen spielen Josh O'Connor ("Challengers"),
Colin Firth, Wyatt Russell, Eve Hewson und Colman Domingo.
"Dolly":
Recht
wohlwollend rezensierter Indie-Slasher von Rod Blackhurst ("Blood
for Dust"), basierend auf dessen Kurzfilm "Babygirl"
von 2022, in dem Macy (Fabianne Therese, "Southbound") und
Chase ("American Pie"-Star Seann William Scott) in einer
abgelegenen Bergregion wandern gehen, wobei Chase seiner Freundin
einen Heiratsantrag machen will. Vorher wird er jedoch von einer
durchgeknallten Frau in einer Puppenmaske aus Porzellan angegriffen
(gespielt von der transsexuellen Profi-Wrestlerin "Max the
Impaler"), die es fortan auch auf Macy abgesehen hat ...
"Zombies im
Zoo – Verrückt nach Mitternacht":
In
dem trotz der Thematik familienfreundlichen und humorvollen, von der
Kritik mit viel Lob bedachten kanadisch-französisch-belgischen
Animationsfilm von Rodrigo Perez-Castro und Ricardo Curtis verwandelt der Einschlag eines Meteors in einem Zoo fast alle Tiere in Zombies! Nicht
betroffen sind u.a. ein Wolf und ein Berglöwe, die sich daraufhin
zusammentun, um den Zoo zu retten und eine Ausbreitung des
Zombievirus zu verhindern.
18.
Juni:
"The Death
of Robin Hood":
Die
Legende des noblen englischen Räubers, der die Reichen bestiehlt und
den Armen gibt, zählt historisch gesehen zu den meistverfilmten
Geschichten überhaupt. Hollywood wagte sich letztmals 2018 an den
Stoff, wobei Otto Bathhursts "Robin Hood" mit Taron Egerton
in den Titelrolle allerdings kräftig floppte (besser erging es erst
letztes Jahr der neuen TV-Serie "Robin Hood" mit Sean Bean
als Sheriff von Nottingham, die für eine zweite Staffel verlängert
wurde). Eine etwas andere Variante der altbekannten Geschichte
präsentiert nun Michael Sarnoskis ("A Quiet Place: Tag Eins")
"The Death of Robin Hood", der sich einem gealterten und
desillusionierten Robin widmet. Auch das ist kein ganz neuer Ansatz
(Richard Lesters "Robin und Marian" von 1976 mit Sean
Connery und Audrey Hepburn), aber doch ein vergleichsweise
unverbrauchter. Robin wird hier vom Australier Hugh Jackman ("Greatest Showman") verkörpert und sehnt seinen Tod regelrecht herbei – bis er schwer
verwundet auf die geheimnisvolle Schwester Brigid (Jodie Comer, "The
Last Duel") trifft, die für ihn der Schlüssel zur Erlösung
sein könnte ...
"Backrooms":
Gleich
zwei Indie-Horrorfilme von US-YouTubern starten in Deutschland diesen
Juni, die in Nordamerika für Furore gesorgt haben (der zweite folgt
nächste Woche mit "Obsession"). Dieser vom Kultstudio A24
vertriebene Found Footage-SciFi-Horrorfilm stammt vom gerade mal
20-jährigen Kane Parsons, der seit 2022 auf seinem YouTube-Kanal
"The Backrooms" erfolgreich Kurzfilme veröffentlicht.
Diese durfte er jetzt selbst mit einem Budget von weniger als $10
Mio. fürs Kino adaptieren und schon der Vorverkauf macht klar, daß
es sich um einen der größten Horrorstarts aller Zeiten in den USA
handeln wird! OSCAR-Nominee Chiwetel Ejiofor ("12 Years a
Slave") spielt die Hauptrolle des Möbelgeschäft-Besitzers
Clark, der offenbar in eine andere Dimension verschwunden ist. Seine
Psychiaterin Dr. Kline (Renate Reinsve, "Der schlimmste Mensch
der Welt") versucht, ihn zu retten.
"LOL 2.0":
17
Jahre nach der weltweit erfolgreichen französischen Komödie "LOL"
– die 2012 ein Hollywood-Remake mit gleichem Namen und Miley Cyrus
und Demi Moore in den Hauptrollen erhielt – kommt eine Fortsetzung
in die Kinos. Erneut unter der Regie von Lisa Azuelos ("Der
Vater meiner besten Freundin") kehrt Sophie Marceau
("Braveheart") als Mittfünfzigerin Anne zurück, die nach
dem Auszug ihrer inzwischen erwachsenen Kinder die neue Freiheit in
Berufs- und Privatleben genießt. Zumindest so lange, bis ihre
Tochter Louise (Thaïs
Alessandrin) nach diversen
Rückschlägen doch wieder bei ihr einzieht. Nicht mehr mit dabei ist
kurioserweise die jugendliche "LOL"-Protagonistin Lola
(Christa Théret), deren Name Pate für den Filmtitel stand ...
"The
Furious":
Von
der Kritik und Genrefans gefeierter Hongkong-Martial Arts-Kracher von
Kenji Tanigaki ("Enter the Fat Dragon"), in dem es der
gewöhnliche Handwerker Wei (Mo Tse, "The Monkey King")
nach der Entführung seiner Tochter mit der Hilfe eines nicht nur verbal schlagfertigen Journalisten
(Joe Taslim, "The Raid") mit einem ganzen kriminellen
Imperium aufnimmt, um sie zu retten.
25.
Juni:
"Supergirl":
Nachdem
James Gunns "DC Universe" letzten Sommer mit "Superman"
einen weitgehend erfolgreichen Kinostart hinlegte (begleitet von den
TV-Serien "Creature Commandos" und "Peacemaker"),
folgt nun mit Craig Gillespies ("I, Tonya") "Supergirl"
der zweite Streich. Supermans Cousine Kara Zor-El wird – wie
bereits bei ihrem Cameo in "Superman" – vom australischen
"House of the Dragon"-Star Milly Alcock verkörpert und
befindet sich in einer ernsthaften Sinnkrise. Von ihren Eltern wurde
sie von Krypton zur Erde geschickt, um Kal-El zu beschützen – nur
daß das gar nicht nötig ist, da der deutlich früher angekommene
Kal-El alias Clark Kent ganz alleine zum mächtigsten Superhelden der
Erde geworden ist. Also macht sich Kara an ihrem 23. Geburtstag
gemeinsam mit ihrem Hund Krypto auf eine Reise durch die Galaxis.
Dabei trifft sie das Mädchen Ruthye (Eve Ridley), deren Vater vom
Weltraumpiraten Krem (Matthias Schoenarts, "Red Sparrow")
getötet wurde. Ruthye überredet Kara, ihr bei ihrem Rachefeldzug zu
helfen ... Jason Momoa, im alten DCEU als "Aquaman" aktiv,
gibt in "Supergirl" sein Debüt als außerirdischer
Kopfgeldjäger Lobo.
"Obsession –
Du sollst mich lieben":
Anders
als "Backrooms" konnte "Obsession" trotz starker
Kritiken nicht bereits vor seinem Kinostart einen gewaltigen Hype
entfachen, entpuppte sich dafür aber als klassischer Langläufer.
Nach einem guten, wenngleich unspektakulären Start legte "Obsession"
dank überragender Mundpropaganda am zweiten Wochenende deutlich zu –
anstatt wie die meisten Horrorfilme um mindestens 60% einzubrechen! –
und sollte damit ziemlich locker die $100 Mio.-Marke durchbrechen.
Und angesichts von Produktionskosten von unter $1 Mio. bedeutet das,
daß "Obsession" einer der kommerziell rentabelsten Filme
aller Zeiten sein wird! Dabei
ist die Prämisse des Horrorfilms von Curry Barker gar nicht
sonderlich originell, denn der Film erzählt vom hoffnungslosen
Romantiker und Musikladen-Angestellten Bear (Michael Johnston,
TV-Serie "Teen Wolf"), der zufällig auf ein altes
Spielzeug stößt, das einen Wunsch erfüllen soll. Natürlich
wünscht sich Bear, daß seine Angebetete Nikki (Inde Navarette,
TV-Serie "Superman & Lois") ihn mehr liebt als alles
andere – und das geschieht tatsächlich! Doch dummerweise erweist
sich Bears konkrete Wunsch-Formulierung als nicht ideal, denn Nikki
wird zunehmend besessen von Bear ...
"Jackass –
Einer geht noch":
Zum
fünften und angeblich letzten Mal kommt die Chaoten-Truppe um Spike
Jonze und Johnny Knoxville zusammen, um ihre Fans mit aberwitzigen
und komplett bescheuerten Stunts und Gags zu unterhalten. Zudem
werden noch einmal Highlights aus der über 25-jährigen
Franchise-Geschichte gezeigt.
"Power
Ballad – Der Song meines Lebens":
Der
irische Musikfilm-Spezialist John Carney bringt nach "Once",
"Can a Song Save Your Life?" oder "Sing Street"
eine weitere musikalische Geschichte in die Kinos, die von den
Kritikern viel Lob erfährt. Paul "Ant-Man" Rudd spielt
Rick, den Sänger einer Hochzeitsband, der immer vom großen
Durchbruch träumte, ihn aber nie schaffte. Dann trifft Rick auf
einer Hochzeit auf den Ex-Boyband-Sänger Danny (Nick Jonas,
"Jumanji: The Next Level") und die beiden merken bei einer
Jam-Session, daß sie musikalisch hervorragend miteinander
harmonieren. Scheinbar ergibt sich daraus zwar nichts, doch einige
Monate später stellt Rick fest, daß Danny einen von Rick
geschriebenen Song als seinen eigenen ausgegeben und zu einem Nummer
1-Hit gemacht hat ...
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