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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Dienstag, 28. September 2021

DUNE (2021)

Regie: Denis Villeneuve, Drehbuch: Jon Spaihts, Denis Villeneuve und Eric Roth, Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Timothée Chalamet, Oscar Isaac, Rebecca Ferguson, Josh Brolin, Jason Momoa, Stellan Skarsgård, Dave Bautista, Stephen McKinley Henderson, Sharon Duncan-Brewster, Chen Chang, Javier Bardem, Zendaya, Charlotte Rampling, David Dastmalchian, Benjamin Clementine, Babs Olusanmokun
Dune (2021) on IMDb Rotten Tomatoes: 91% (8,0); weltweites Einspielergebnis nach zwei Wochen (noch ohne USA): $77,8 Mio.
FSK: 12, Dauer: 156 Minuten.
80 Jahre lang hat das aktuell von Baron Wladimir (Stellan Skarsgård, "Thor") angeführte Haus Harkonnen den lebensfeindlichen Wüstenplaneten Arrakis beherrscht und die einheimischen Fremen brutal unterdrückt, um das allein auf Arrakis vorkommende Spice abzubauen. Diese Wundersubstanz hat auf ihre Nutzer nicht nur körperliche Auswirkungen wie eine fast endlose Lebensspanne, vor allem ist sie unerläßlich für interstellare Raumfahrt. Nun hat der Imperator jedoch die Verantwortung für Arrakis und die Spice-Produktion vom Haus Harkonnen auf das Haus Atreides übertragen, dessen nobles Oberhaupt Herzog Leto (Oscar Isaac, "Ex Machina") auf Zusammenarbeit mit den Fremen setzen will. Gemeinsam mit Leto reisen seine Frau Lady Jessica (Rebecca Ferguson, "Mission: Impossible – Fallout"), ihr einziger Sohn Paul (Timothée Chalamet, "Little Women") sowie der legendäre Waffenmeister Gurney Halleck (Josh Brolin, "Deadpool 2") nach Arrakis, wo Pauls Mentor Duncan Idaho (Jason Momoa, "Aquaman") und der Assassinenmeister Thufir Hawat (Stephen McKinley Henderson, "Manchester by the Sea") alles vorbereitet haben. Schon kurz nach der Ankunft stellt sich jedoch heraus, daß es sich in Wirklichkeit um eine perfide Falle für das dem Imperator zu mächtig gewordene Haus Atreides handelt – eine Falle, der Letos Sohn und seine Mutter Lady Jessica gerade so entgehen. Sie hoffen, Hilfe bei den Fremen unter ihrem Anführer Stilgar (Javier Bardem, "Skyfall") zu finden …
 
Kritik:
Frank Herberts im Jahr 1965 erschienener Roman "Der Wüstenplanet" gilt als Meisterwerk des Science Fiction-Genres und zog nicht nur etliche Fortsetzungen nach sich (nach seinem Tod führten sein Sohn Brian und der genreerprobte Kevin J. Anderson die Reihe fort), sondern auch mehrere (versuchte) Adaptionen für Kino oder TV. So brachte der "Twin Peaks"-Schöpfer David Lynch 1984 im Zuge des Erfolgs der originalen "Star Wars"-Trilogie "Der Wüstenplanet" auf die große Leinwand, eine farbenfrohe, aber relativ lose und arg komprimierte Version der Vorlage, die bei den Kritikern durchfiel und das Publikum polarisierte. Meinem Eindruck nach fiel Lynchs Werk bei Kennern der Vorlage zumeist durch, während "Uneingeweihte" dem exzentrischen Film deutlich mehr abgewinnen konnte – so übrigens auch ich. In den Jahren 2000 und 2003 gab es zwei durchaus sehenswerte TV-Miniserien ("Dune – Der Wüstenplanet" und "Children of Dune"), dazu kamen über die Jahrzehnte hinweg etliche im Vorfeld gescheiterte Projekte, von denen jener bereits in den 1970er Jahren geplanten des chilenischen Kino-Visionärs Alejandro Jodorowksy ("El Topo") bis heute am meisten nachgetrauert wird – wieder vermehrt, seit 2013 Frank Pavich in seinem hochgelobten Dokumentarfilm "Jodorowskys Dune" das ziemlich weit fortgeschrittene Konzept (u.a. mit dem späteren "Alien"-Szenen- und Kostümbildner HR Giger) vorstellte. Ein Problem aller Adaptionen war natürlich, daß eine adäquate Umsetzung der von Herbert erdachten SciFi-Welten erstens technisch lange Zeit nur schwer möglich und zweitens selbstredend ausgesprochen teuer gewesen wäre. Daher ist es nicht überraschend, daß zu einer Zeit, in der die Technik weit fortgeschritten ist, endlich ein neuer Kinoversuch gestartet wurde – und mit dem allseits hochrespektierten Kanadier Denis Villeneuve wurde dafür ein Filmemacher gefunden, der mit "Blade Runner 2049" und "Arrival" bereits mehrfach sein Talent für intelligente Science Fiction mit Tiefgang nachgewiesen hat.
 
Tatsächlich ist "Dune" ein bemerkenswerter Film geworden, der in seiner zweieinhalbstündigen Laufzeit auf Action weitgehend verzichtet, sich beim Erzählen der Story und der Etablierung der vielen wichtigen Figuren viel Zeit läßt und sich vor allem im gekonnten Worldbuilding hervortut. Kurzum: Villeneuves "Dune" ist ein wunderschön gestaltetes Epos, das zwar vor lauter nötiger Exposition selten wirklich mitreißend ist, aber ein hervorragendes Fundament legt für hoffentlich folgende Fortsetzungen – immerhin deckt der Film lediglich die Hälfte des ersten Buches von Frank Herbert ab! Um die Dimensionen klarzumachen: Während Lynchs "Dune" in etwas mehr als zwei Stunden das komplette erste Buch erzählt, nimmt sich Villeneuve satte zweieinhalb Stunden Zeit, um gerade einmal etwa die Hälfte der Story abzuhaken! Angesichts dessen ist klar, daß Villeneuve nicht Lynchs Fehler wiederholt, seinen Film hoffnungslos zu überfrachten – und das ist eine gute Nachricht für alle (abgesehen von reinen Actionfans, die sich vermutlich langweilen könnten). Das Figurenensemble von "Dune" ist beträchtlich und trotz Villeneuves überlegter Herangehensweise kann sein Film nicht allen gerecht werden. Das läßt sich wohl einfach nicht vermeiden, wird aber zumindest (wie bei Lynch) durch die namhaften Schauspieler etwas kompensiert, gerade Jason Momoa holt aus seinen vergleichsweise wenigen Szenen als Pauls Mentor und Freund Duncan Idaho noch viel heraus (auch wenn es sehr ungewohnt ist, Momoa ohne Bart zu sehen!), Gleiches gilt für Josh Brolin als Gurney Halleck. Selbstredend werden etliche Charaktere später in der Geschichte noch eine deutlich größere Rolle spielen, so kommen die Fremen mit ihrem Anführer Stilgar und der in Pauls Träumen auftauchenden Chani (Zendaya, "Greatest Showman") in diesem Film noch kaum vor und auch die Bösewicht-Seite ist mit Baron Harkonnen und seinem Neffen Glossu "die Bestie" Rabban (Dave Bautista, "Hotel Artemis") deutlich unterrepräsentiert, während der Strippenzieher Imperator Shaddam IV. sogar lediglich erwähnt wird.
 
Gerade der Mangel an gut ausgearbeiteten Antagonisten – die Harkonnen kommen primär als degenerierte, brutale Ausbeuter ohne interessante charakterliche Facetten rüber, wenngleich der Baron zweifellos gerissen vorgeht – ist dramaturgisch nicht ganz unproblematisch, doch dafür widmet Denis Villeneuve dem Oberhaupt des Haus Atreides umso mehr Zeit. Oscar Isaac verkörpert Herzig Leto gewohnt charismatisch als noblen und respektierten Anführer, der so ziemlich das Gegenteil des seine Macht auf Furcht begründenden Baron Harkonnen ist und auf Diplomatie und gemeinsames Miteinander setzt anstatt auf Krieg und Ausbeutung. Dabei ist er wohlgemerkt nicht naiv, immerhin genießt die Armee von Haus Atreides nicht ohne Grund einen glänzenden Ruf und wird von ihren Feinden gefürchtet – den Bemühungen von Männern wie Gurney Halleck, Duncan Idaho oder Thufir Hawat sei es gedankt. Die Beziehung zwischen Leto und seinem Sohn Paul wird natürlich ebenfalls intensiv beleuchtet, die nicht immer einfach ist – der intelligente, aber eher zarte Paul legt wenig Wert darauf, dereinst seinem Vater als Anführer nachzufolgen –, aber doch sehr liebevoll. Wichtig ist ebenso Pauls Mutter Lady Jessica, da sie zum mysteriösen Frauenorden der Bene-Gesserit gehört und als solche über mächtige mentale Kräfte verfügt (beispielsweise kann sie andere Menschen mit "der Stimme" stark beeinflussen), die sie – entgegen den Regeln – ihrem Sohn beibringt, den wiederum manche Fremen deshalb für "den Ausgewählten" aus einer uralten Prophezeiung halten. Timothée Chalamet spielt Pauls Reifung vom ernsten, jedoch relativ unbeschwerten Herzogssohn zur letzten Hoffnung des Haus Atreides feinfühlig und überzeugend und offenbart einmal mehr, warum er zu den talentiertesten Nachwuchsschauspielern in Hollywood gezählt wird. Dadurch, daß Villeneuve die komplizierte Geschichte mit Bedacht und ohne große Eile erzählt, sollte man übrigens auch als jemand, der weder das Buch noch die früheren Adaptionen kennt, gut mitkommen. Action spielt derweil, wie erwähnt, eine überraschend kleine Rolle. Es gibt zwar eine ziemlich spektakuläre Schlacht in der Filmmitte, aber selbst die fällt eher kurz aus – tendentiell sogar zu kurz, denn so aufregend und visuell beeindruckend, wie sie inszeniert ist, hätte ich gerne etwas mehr davon gesehen. Generell zählt die Technik erwartungsgemäß zu den größten Stärken von "Dune", das einfach sensationell gut aussieht – und daher unbedingt auf einer möglichst großen Leinwand gesehen werden sollte! – und dank eines wieder einmal klangvollen, auch hinsichtlich der eingesetzten Instrumente abwechslungsreichen und angemessen exotischen Scores von Altmeister Hans Zimmer ("Interstellar") fast genauso gut klingt (obgleich ein richtiger Ohrwurm fehlt). Insgesamt mag "Dune" inhaltlich noch ausbaufähig sein, zumal es eben kein richtiges Ende gibt, sondern die Story mittendrin abbricht; aber Denis Villeneuve hat trotzdem einen starken, intelligenten Science Fiction-Film geschaffen, der Seinesgleichen sucht – und für die geplante Fortsetzung sieht es anhand der frühen Einspielergebnisse glücklicherweise gut aus.
 
Fazit: Denis Villeneuves "Dune" ist ein technisch brillantes Science Fiction-Epos, das neben dem grandiosen Worldbuilding auch inhaltlich mit einer komplexen, ruhig erzählten Story und interessanten Charakteren überzeugt, erzählerisch aber noch Potential nach oben hat.
 
Wertung: 8,5 Punkte.
 
 
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