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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 31. Mai 2018

ZWEI IM FALSCHEN FILM (2017)

Regie und Drehbuch: Laura Lackmann, Musik: Lukas und Simon Frontzek
Darsteller: Laura Tonke, Marc Hosemann, Hans Longo, David Bredin, Katrin Wichmann, Rolf Becker, Christine Schorn, Josefine Voss, Arnd Klawitter, Dietrich Hollinderbäumer
 Zwei im falschen Film
(2017) on IMDb Rotten Tomatoes: -; FSK: 12, Dauer: 107 Minuten.

Hans (Marc Hosemann, "Oh Boy") und Laura (Laura Tonke, "Der Staat gegen Fritz Bauer"), Spitzname "Heinz", sind bereits seit acht Jahren ein Paar. Sie sind nicht verheiratet, weil Heinz das immer spießig fand, sie haben auch keine Kinder, weil zuerst sie (aus beruflichen Gründen) nicht wollte und dann er. Wirklich glücklich sind sie nach den acht Jahren vielleicht nicht mehr, aber eigentlich sind sie zufrieden in ihrem Alltagstrott. Hans ist Mitbesitzer eines Copyshops, Laura arbeitet als Synchronsprecherin und wenn sie am Abend zu Hause sind, spielen sie am liebsten zusammen Playstation und gelegentlich gehen sie ins Kino. Der dortige Besuch einer romantischen Komödie aus deutschen Landen sorgt allerdings nicht für Begeisterung – viel zu kitschig! Als dann aber bei einem gemeinsamen Essen zum Jahrestag der Beziehung in einem Restaurant Heinz' Ex-Freund Max (Hans Longo) auftaucht und Hans ihm anstandslos und ohne jeden Anflug von Eifersucht ihre Telefonnummer gibt, ist Heinz doch etwas geschockt. Sind sie wirklich so festgefahren in ihrer ereignisarmen Beziehung, daß sie nichts mehr richtig berührt? Auf Heinz' Drängen versuchen die beiden, vielleicht doch etwas mehr Romantik in die traute Zweisamkeit zu bringen – doch das erweist sich zunächst als eher kontraproduktiv …

Kritik:
Romantische Komödien, die noch in den 1990er Jahren die Zuschauer in Scharen in die Kinos trieben, haben es im 21. Jahrhundert und speziell im laufenden Jahrzehnt irgendwie nicht mehr leicht. Zugegeben, in Deutschland gab und gibt es dank der bewährten-Querstrich-gefürchteten Schweiger/Schweighöfer-Kombination immer wieder Publikumshits aus diesem Genre, aber die Anzahl der gefloppten deutschen "RomComs" ist deutlich höher. Und in den USA befindet sich in den Top 10 der (nach Einspielergebnis) erfolgreichsten romantischen Komödien kein einziger Beitrag aus der laufenden Dekade, stattdessen kamen alle zehn Filme zwischen 1990 ("Pretty Woman") und 2009 ("Selbst ist die Braut") in die Lichtspielhäuser – erst auf Platz 12 findet sich mit "Silver Linings" (2012) ein etwas neuerer Vertreter, der aber kaum als klassische RomCom zu bezeichnen ist. Aber das paßt dann auch ganz gut zu "Zwei im falschen Film", denn auch die zweite Langfilm-Regie- und Drehbucharbeit von Laura Lackmann ("Mängelexemplar") nähert sich dem Genre auf erfrischend unkonventionelle Art und Weise an, die mich ein klein wenig an Marc Webbs wunderbare Anti-RomCom "(500) Days of Summer" erinnert hat. So sehr konnte ich mich für "Zwei im falschen Film" zwar nicht begeistern, aber Laura Lackmann ist definitiv ein gerade für deutsche Verhältnisse sehenswerter, charmanter und sogar ziemlich origineller Genrebeitrag gelungen.
Wie raffiniert konstruiert "Zwei im falschen Film" tatsächlich ist, erkennt man eigentlich erst am Schluß, den ich natürlich nicht spoilern werde. Doch bereits auf dem Weg dorthin gibt es viele Details, die zeigen, mit wie viel Liebe und Sorgfalt Laura Lackmann ihr Drehbuch entwickelt hat. Bereits die Auftaktszene im Kino ist stellvertretend für die Art von unaufgeregtem, cleveren Humor, der den ganzen Film auszeichnet: In der romantischen Komödie, die sich die von Laura Tonke und Marc Hosemann verkörperten Heinz und Hans anschauen, spielen Laura Tonke und Marc Hosemann die Hauptrollen – und da unser Pärchen von dem Film gar nicht angetan ist, lästern sie anschließend ausgiebig über ihn (was Heinz aber nicht davon abhält, sich später ihre Haare wie die der Hauptdarstellerin stylen zu lassen …). Überhaupt spielt das geläufige cineastische Bild von romantischer Liebe eine bedeutende Rolle für die Geschichte: Heinz und Hans führen eigentlich eine sehr harmonische, wenn auch nicht unbedingt allzu ambitionierte Beziehung, die ihnen aber von Familie und Freunden so lange madig gemacht wird, bis sie selbst ins Zweifeln kommen. Das ist einerseits nicht schlecht, weil es sicher kein Fehler ist, eine so eingefahrene Beziehung, die sie derweil als selbstverständlich zu betrachten scheinen, ein bißchen zu hinterfragen und auch mal etwas Neues auszuprobieren; andererseits ist es vielleicht nicht die allerbeste Idee, das eigene Glück von den Vorstellungen anderer Personen oder gar von den Ideen von Drehbuch-Autoren abhängig zu machen …
So oder so: Der Versuch von Heinz und dem eher widerwilligen Hans, wieder mehr Romantik in ihre Beziehung zu bringen, erfreut das Publikum mit zahlreichen schrägen, dabei aber immer betont realistisch gehaltenen Situationen, die mit herrlich trockenem Humor und einem feinen Gespür für amüsante Einzelheiten (wie dem uralten VW Käfer, bei dem man sich fragt, wie der durch den TÜV kam und bei dem schon seit Jahren die Kassette mit dem "Dirty Dancing"-Soundtrack festhängt, weshalb selbst zum unpassendsten Zeitpunkt "Time of my Life" läuft …) punkten, zumal auch die visuelle Gestaltung sich im Handlungsverlauf gekonnt wandelt. Daß "Zwei im falschen Film" funktioniert, liegt natürlich auch und besonders am zentralen, von Laura Tonke und Marc Hosemann sehr überzeugend verkörperten Paar, das so wunderbar miteinander harmoniert, daß man gar nicht anders kann, als ihm tatsächlich ein so klassisches Hollywood-Happy-End zu wünschen wie das des Films, über den sie zu Beginn lästern. Danach sieht es jedoch nicht aus, denn Heinz' Bemühungen gehen eher nach hinten los, weshalb "Zwei im falschen Film" nach und nach einen deutlich ernsteren Tonfall annimmt, ein paar auch für die Zuschauer recht unangenehm mitanzusehende Situationen inklusive. Realitätsnähe wird auch in dieser Phase großgeschrieben, was zu einigen intensiven, schmerzhaft ehrlichen und sehr offenen (durchaus mit Maren Ades "Toni Erdmann" vergleichbaren) Dialogen führt, in denen die beiden Protagonisten ihr Innerstes offenlegen; das Äußere übrigens ebenso, denn Sexualität spielt selbstredend auch eine wichtige Rolle bei ihrer Suche nach einer besseren Beziehung.
Mir persönlich hat die leichtere erste Hälfte etwas besser gefallen als die ernsthaftere zweite, aber das dürfte Geschmackssache sein, denn ein qualitativer Abfall im Drehbuch läßt sich kaum feststellen. Man kann darüber diskutieren, ob man die "Auflösung", die Laura Lackmann für das Dilemma von Heinz und Hans anbietet, etwas raffinierter hätte entwickeln können als durch die Zuhilfenahme einer Art Deus ex machina, zudem ist die finale Botschaft des Films erwartbar und nicht übermäßig originell – was sie allerdings nicht weniger sympathisch und ehrlich macht. Bedauerlich finde ich aber, daß Laura Lackmann den Nebenfiguren nicht etwas mehr Beachtung geschenkt hat, denn von denen gibt es zwar viele, die durchaus interessant gestaltet sind – allerdings haben die meisten nur einen größeren Auftritt, womit letztlich alle Figuren außer Heinz und Hans (und vielleicht noch Max, der aber eigentlich auch nur Mittel zum Zweck ist) relativ blaß und austauschbar bleiben. Das ist kein großes Problem, da Heinz und Hans in all ihrer Antriebslosigkeit und Stoffeligkeit problemlos sympathisch und liebenswert genug gezeichnet (und gespielt) sind, daß sie diesen Film notfalls auch ganz alleine tragen könnten; aber ein bißchen schade ist es schon. Dennoch: "Zwei im falschen Film" ist absolut eine Empfehlung wert!

Fazit: "Zwei im falschen Film" ist eine einfallsreich gestaltete, lebensnahe und sehr charmante deutsche (Anti-)RomCom mit viel trockenem Witz und zwei starken Hauptdarstellern.

Wertung: 7,5 Punkte.


"Zwei im falschen Film" wird vom farbfilm verleih am 31. Mai 2018 in den deutschen Kinos gestartet. Eine Rezensionsmöglichkeit wurde mir netterweise vom Entertainment Kombinat zur Verfügung gestellt.


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