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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 16. März 2017

MOJIN: THE LOST LEGEND (2015)

Originaltitel: Xun Long Jue
Regie: Wuershan, Drehbuch: Zhang Jia Lu, Musik: Kôji Endô
Darsteller: Chen Kun, Huang Bo, Shu Qi, Angelababy, Xia Yu, Liu Xiaoqing, Cherry Ngan, Xia Yu
 The Ghouls
(2015) on IMDb Rotten Tomatoes: 56% (5,0); weltweites Einspielergebnis: $259,4 Mio.
FSK: 12, Dauer: 125 Minuten.
 
Die Mojin sind eine Gruppe von professionellen Grabräubern, die vor Hunderten von Jahren von einem Herrscher gegründet wurde. Ihre Aufgabe ist es, unter Einhaltung strenger Regeln alte, mit tödlichen Fallen gespickte chinesische Grabmäler zu plündern, um mit dem Gold der Toten die Lebenden zu ernähren. Nach einem gefährlichen Einsatz schwört das legendäre Mojin-Trio Hu Bayi (Chen Kun, "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin"), Wang Kaixuan (Huang Bo, "Legend of the Fist") und Shirley Yang (Shu Qi, "Transporter") im Jahr 1988, diesen Beruf aufzugeben, woraufhin sie gemeinsam nach New York ziehen und sich dort als Straßenhändler mühsam über Wasser halten. Wang bereut die Entscheidung, als Mojin aufzuhören, schnell, weshalb er eigenmächtig vom zwielichtigen Mark (Jonathan Kos-Read, "Ip Man 3") den Auftrag annimmt, für die ominöse Kultführerin Schwester Hong (Liu Xiaoqing) die antike Grabkammer einer legendenumwobenen Prinzessin in der Mongolei zu finden. Der Grund dafür liegt in einem in den Auftrag verwickelten Artefakt, der "Blüte der Tag- und Nachtgleiche", dem Wang und Hu bereits rund 20 Jahre zuvor begegneten – mit tödlichen Folgen unter anderem für Hus damalige Freundin Ding Sitian (Angelababy, "Independence Day: Wiederkehr") …

Kritik:
Ich konstatiere besser gleich zu Beginn, daß meine Kritik zum chinesischen Monsterhit "Mojin – The Lost Legend" nicht der Weisheit letzter Schluß ist – denn wie mir vielfach glaubwürdig versichert wurde (der Film lief auf dem Fantasy Filmfest 2015, das ich leider krankheitsbedingt verpaßte), muß man diesen deutlich von Genreklassikern wie den "Indiana Jones"- und "Die Mumie"-Filmen inspirierten Abenteuerstreifen in 3D sehen, um ihn voll und ganz wertschätzen zu können. Selbst in der 2D-Fassung, die mir zur Verfügung stand, kommen die sehr aufwendig gestalteten und reichlich verwendeten Computer-Spezialeffekte gut zur Geltung und täuschen einigermaßen über die sehr, sehr dünne Story hinweg, doch bereits hier läßt sich erahnen, wie spektakulär der größtenteils in einem vertikal angeordneten antiken Grabmal spielende Film in 3D sein muß – da können die allzu oft nur wenig überzeugenden Hollywood-3D-Konvertierungen einpacken. Auch in der 2D-Fassung macht "Mojin" Genrefreunden mit hohem Tempo und sehr ansprechendem Kreaturendesign durchaus Freude, die von der inhaltlichen Einfallslosigkeit und einem zu starken Fokus auf überdrehte Comedy-Elemente jedoch deutlich geschmälert wird.
Abseits der Schauwerte, die ich nur bedingt in meine Bewertung miteinfließen lassen kann, hat "Mojin" leider nicht übermäßig viel zu bieten. Die Handlung ist extrem dünn und wirkt – obwohl sie auf einer erfolgreichen Romanreihe basiert – munter zusammengeklaut aus den besagten Hollywood-Blockbustern sowie auch asiatischen Vorläufern wie dem Jackie Chan-Vehikel "Der rechte Arm der Götter". Zusammenfassen läßt sie sich verlustfrei mit "Helden-Trio sucht von unzähligen Fallen und übernatürlichen Wesen beschütztes Artefakt" – auch wenn gelegentliche Rückblenden auf die Geschehnisse von vor 20 Jahren für ein wenig Abwechslung sorgen. Na gut, es gibt auch noch eine Bösewicht-Gruppe rund um Schwester Hong (Liu Xiaoqing) und ihre Schergen Mark (Jonathan Kos-Read) und Yuko (Cherry Ngan, "Nightfall"), aber diese Schurken sind so albern und überzeichnet in Szene gesetzt, daß man sie nicht einmal ansatzweise ernst nehmen kann. Und da ist selbstredend noch die unvermeidliche Liebesgeschichte, die sich hier zwischen Hu und Shirley entspinnt und die sogar sehr sympathisch daherkommt, solange sie eher zurückhaltend am Rande thematisiert wird – im letzten Drittel rückt sie leider zunehmend in den Mittelpunkt und wird dann dermaßen übertrieben kitschig, daß sie ähnlich nervt wie der arg infantile Humor, der den gesamten Film durchzieht.
Der ist wohlgemerkt sehr typisch für asiatische Filme dieser Machart (ebenso wie die politische Propaganda, die sich hier gegen die USA, aber interessanterweise in den Rückblenden auch gegen die damalige Ausprägung des Maoismus richtet, der ziemlich lächerlich gemacht wird), aber es gibt genügend Beispiele, wie man es wesentlich subtiler, charmanter und/oder schlicht witziger machen kann – Jackie Chan (speziell in seinen früheren Werken) läßt grüßen! Selbst innerhalb von "Mojin" wird das demonstriert, denn die Neckereien zwischen Shirley und Hu sind anfangs durchaus amüsant, weshalb der Holzhammer-Humor in den Szenen ihres Kollegen Wang sowie vor allem des völlig überdrehten Grill (Xia Yu, "Der bunte Schleier") – so eine Art "Zuhälter" der drei Grabräuber, der ihnen Aufträge besorgt und sich um das Finanzielle und die Verträge kümmert; allerdings nicht besonders gut – umso stärker negativ ins Auge fällt. Es ist schade, daß den Comedy-Figuren so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, wo die geerdeten Shirley und Hu doch dramaturgisch viel besser funktionieren und klar im Zentrum von "Mojin" stehen sollten; das Format dafür hätten sie allemal. Das ist auch den Darstellern zu verdanken, denn während insgesamt viel Overacting vorherrscht, konzentrieren sich Chen Kun und Shu Qi auf ernsthafteres Schauspiel. Speziell die mit ihren 40 Jahren bereits auf eine sehr lange und abwechslungsreiche Karriere zurückblickende und immer noch wunderschöne Taiwanesin Shu Qi – die als Softporno-Darstellerin begann, ehe sie als Jackie Chans "love interest" in "Under Control" im Jahr 1999 den Sprung ins Mainstream-Kino schaffte und 2002 als Jason Stathams Leinwandpartnerin in "Transporter" international bekannt wurde – demonstriert als schlagfertige Shirley einmal mehr echte Starqualitäten.
Aber wie gesagt: Im Vordergrund stehen letztlich – ob in 2D oder in 3D – die Spezialeffekte und die können sich wahrlich sehen lassen. Zwar merkt man vereinzelt schon, daß hier fast alles am Computer entstanden ist, aber die meiste Zeit über ist die technische Qualität mehr als beeindruckend und kann sich locker mit Hollywood messen lassen. Computerspieler dürften sich übrigens über die vertikale Struktur des Grabmals freuen, denn die Höhenunterschiede und Ebenenwechsel lassen nicht nur bestimmt die 3D-Effekte besonders gut zur Geltung kommen, sondern wecken auch wohlige Erinnerungen an die Kraxeleien in den "Tomb Raider"-Spielen. Weniger gelungen sind hingegen die eingestreuten Rätsel, die die Mojin zum Vorankommen lösen müssen (also auch ganz wie in den "Tomb Raider"-Spielen), deren Lösungen aber trotz ausführlicher Erklärungen für westliche Zuschauer kaum nachvollziehbar sind, da sie stark mit der chinesischen Mythologie verwoben sind. Man ist gezwungen, den Protagonisten einfach zu glauben, daß sie schon wissen werden, was sie da sagen und tun … Dafür wird man dann mit einer spaßigen Tour (unter erschwerten Bedingungen, versteht sich) durchs Grabmal belohnt, die mit rasanten, von Kôji Endôs ("Ace Attorney") ein bißchen an Hans Zimmers "Sherlock Holmes"-Scores erinnernder Abenteuermusik begleiteten Actionsequenzen und Kämpfen gegen schön gruselig designte Zombies aufwartet. Anspruchsvoll ist das nie, spaßig allemal.

Fazit: "Mojin: The Lost Legend" ist ein inhaltlich einfallsloser, visuell umso beeindruckenderer chinesischer Abenteuer-Blockbuster auf "Indiana Jones"-Spuren, dessen infantiler Humor aber Geschmackssache ist.

Wertung: 6,5 Punkte für die 2D-Fassung. Mit der 3D-Fassung auf einem möglichst großen Bildschirm (oder auf einer Leinwand) gibt es vermutlich ein bis zwei Punkte mehr.


"Mojin: The Lost Legend" erscheint am 17. März von capelight pictures auf DVD und Blu-ray in mehreren Varianten (2D, 3D, Steelbook, verschiedene Covermotive). Freundlicherweise wurde mir eine Rezensionsmöglichkeit zur Verfügung gestellt.


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