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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 20. Oktober 2016

JOHNNY ENGLISH (2003)

Regie: Peter Howitt, Drehbuch: Neil Purvis, Robert Wade und William Davies, Musik: Edward Shearmur
Darsteller: Rowan Atkinson, John Malkovich, Natalie Imbruglia, Ben Miller, Kevin McNally, Tim Pigott-Smith, Steve Nicolson, Greg Wise, Oliver Ford Davies, Prunella Scales
 Johnny English - Der Spion, der es versiebte
(2003) on IMDb Rotten Tomatoes: 33% (4,8); weltweites Einspielergebnis: $160,6 Mio.
FSK: 6, Dauer: 87 Minuten.
Als der entfernt mit der britischen Königsfamilie verwandte französische Unternehmer Pascal Sauvage (John Malkovich, "Burn After Reading") mit einem diabolischen Plan die Königskrone für sich gewinnen will, gibt es nur eine Person, die ihn aufhalten kann: Johnny English (Rowan Atkinson, "Mord im Pfarrhaus"), Geheimagent im Dienste Ihrer Majestät, der Queen (Prunella Scales aus "Fawlty Towers", der vielleicht witzigsten TV-Serie aller Zeiten). Daß er die letzte Hoffnung des Königreichs ist, liegt jedoch nicht direkt an seinen Qualitäten, sondern vielmehr daran, daß aufgrund seiner beträchtlichen Inkompetenz alle anderen Geheimagenten tot sind. Insofern ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß sein Chef Pegasus (Tim Pigott-Smith, "V wie Vendetta") seinen Nachforschungen bezüglich Sauvage keinen Glauben schenkt – und so muß Johnny English fast alleine den Kampf gegen den Möchtegern-Usurpator aufnehmen, nur unterstützt von seinem treuen Assistenten Bough (Ben Miller, TV-Serie "Death in Paradise") und der schönen, aber undurchschaubaren Interpol-Agentin Lorna (Natalie Imbruglia) …

Kritik:
Spionagefilm-Parodien gehen immer! Das dachten sich über die Jahrzehnte hinweg nicht nur die Macher von Filmen wie "Ist ja irre – Agenten auf dem Pulverfaß" (1964), "Casino Royale" (1967), "Le Magnifique – Ich bin der Größte" (1973), "Top Secret!" (1984), "Agent 00" (1996), "Austin Powers" (1997, 1999 und 2002) oder "OSS 117" (2006 und 2009), sondern auch die Werbestrategen eines großen britischen Kreditkartenunternehmens. Die heuerten nämlich den als "Mr. Bean" und "Black Adder" in den Kultstatus aufgestiegenen Rowan Atkinson an, um in einer Reihe von Werbespots eine trottelige James Bond-Parodie zu mimen. Der Plan ging auf, die Spots waren so populär, daß schon bald mit einer Filmversion geliebäugelt wurde – die dann 2003 unter der Regie von Peter Howitt ("Laws of Attraction") tatsächlich in die Kinos kam. Mit der Kreditkartenfirma hat der Film zwar nichts mehr tun, auch der Name des Protagonisten wurde geändert, aber immerhin einige Gags wurden beibehalten. Unglücklicherweise kamen jedoch nicht allzu viele gelungene neue hinzu, weshalb "Johnny English" zwar immer wieder zum Schmunzeln einlädt, aber kaum humoristische Höhepunkte zu bieten hat.

Das ist umso bedauerlicher, als mit dem Engagement der erfahrenen James Bond-Drehbuch-Autoren Purvis und Wade ("Die Welt ist nicht genug", "Stirb an einem anderen Tag", "Casino Royale", "Ein Quantum Trost", "Skyfall", "Spectre") eigentlich ein echter Coup gelang. Doch nur weil jemand erwiesenermaßen gute Bond-Abenteuer schreibt, muß er sie noch lange nicht gut durch den Kakao ziehen können. Bei "Johnny English" setzen sie und ihr Co-Autor William Davies ("Drachenzähmen leicht gemacht") allzu stark auf das Stilmittel der Übertreibung. Die Story ist dermaßen weit hergeholt, daß sie eher zum Kopfschütteln als zum Lachen animiert, selbst für die Zwecke einer Slapstick-Komödie ist das wirklich eher zu viel des (nicht so richtig) Guten. Mit all seiner Erfahrung und seiner unnachahmlichen Mimik holt Rowan Atkinson zwar unterstützt von der gelungenen, zitatenreichen musikalischen Untermalung durch Ed Shearmur ("Wimbledon") aus vielen noch so albernen und nur selten überraschenden Gags erstaunlich viel heraus, doch das Potential dieses begnadeten Komikers wird in "Johnny English" ziemlich verschwendet.

Immerhin sorgt Atkinsons Zusammenspiel mit dem ebenfalls erfahrenen Komiker Ben Miller in der Rolle seines Assistenten Bough (so hieß übrigens Atkinsons Figur in den Werbespots) für gelegentliche Höhepunkte und auch die australische Popsängerin Natalie Imbruglia harmoniert in einem ihrer seltenen Ausflüge ins Schauspielfach erstaunlich gut mit Atkinson, wenngleich sie erwartungsgemäß nicht übermäßig glänzen kann. Sympathisch kommt sie aber allemal rüber und sorgt so auch für ein wenig Erdung neben dem hyperaktiven English und dem von Malkovich (der offensichtlich Spaß an der Rolle hat) fast schon grotesk überzogen gespielten Fiesling Sauvage. Aus heutiger Sicht wirken viele der größenwahnsinnigen Bond-Schurken aus der Anfangszeit der Reihe ja selbst schon wie Parodien; die noch übertrumpfen zu wollen, ist nicht die allerbeste Idee, selbst wenn man dafür einen Könner wie Malkovich anheuert. Letztlich hängt es natürlich vor allem vom persönlichen Humorgeschmack ab, inwiefern man "Johnny English" etwas abgewinnen kann oder nicht, für mich ist der Film ein gutes Stück zu kindisch geraten (zu den besseren Einfällen gehört noch, daß einer von Sauvages Handlangern auf den hübschen Namen "Klaus Vendetta" hört) – und daß die Logik im Handlungsverlauf mehr Löcher hat als ein Schweizer Käse, ist auch nicht unbedingt hilfreich. Das Beste an "Johnny English" ist eigentlich, daß er die Grundlage für die erst acht Jahre später folgende Fortsetzung "Johnny English – Jetzt erst recht!" legte, die ausgereifter und schlicht besser daherkommen sollte.

Fazit: "Johnny English" ist eine mittelmäßige James Bond-Parodie, die vor allem von ihren talentierten Darstellern lebt, die aus den altbackenen Gags noch einiges herausholen.

Wertung: 6 Punkte.


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