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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 19. August 2015

EXTINCTION (2015)

Regie: Miguel Ángel Vivas, Drehbuch: Alberto Marini, Miguel Ángel Vivas, Musik: Sergio Moure
Darsteller: Jeffrey Donovan, Matthew Fox, Quinn McColgan, Valeria Vereau, Clara Lago
 Extinction
(2015) on IMDb Rotten Tomatoes: 25% (5,2); weltweites Einspielergebnis: $2,4 Mio.
FSK: 16, Dauer: 117 Minuten.
 Neun Jahre nach dem Ausbruch einer fatalen Zombie-Epidemie harren zwei Männer und ein Kind in der schneebedeckten Kleinstadt Harmony irgendwo im amerikanischen Norden aus. Während Jack (Jeffrey Donovan, "Der fremde Sohn") sich in einem Haus rührend um seine Tochter Lu (Quinn McColgan, "Non-Stop") kümmert, versucht auf der anderen Straßenseite Patrick (Matthew Fox, "8 Blickwinkel") noch immer unbeirrt, per Funk Kontakt zu eventuellen anderen Überlebenden aufzunehmen. Direkter Kontakt zwischen Jack und Lu auf der einen Seite und Patrick auf der anderen besteht aufgrund eines lange in der Vergangenheit liegenden Vorfalls nicht mehr, nur Patricks Hund hält sich nicht so ganz an das "Kontaktverbot" und läßt sich immer wieder von Lu mit Leckereien anlocken. Die Eiszeit zwischen den beiden Männern rückt jedoch (etwas) in den Hintergrund, als Patrick bei einem Ausflug in eine nahegelegene Stadt zu Versorgungszwecken feststellen muß, daß die Zombies nicht, wie erhofft, in der Zwischenzeit "gestorben" oder verhungert sind. Nein, sie sind in Harmony angekommen, sie sind gefährlich und sie haben noch immer gewaltigen Appetit auf Menschenfleisch …

Kritik:
Es ist schon erstaunlich, wie die Filmemacher es immer noch schaffen, Zombiefilme mit neuen Ideen auszustatten, auch wenn diese sich in der Regel auf Details beschränken. Besonders einfallsreich in dieser Hinsicht zeigte sich zuletzt etwa der australische Low Budget-Funsplatter "Wyrmwood", aber auch die deutlich ernsthaftere internationale Koproduktion (unter spanischer Führung) "Extinction" variiert das Zombie-Motiv ein bißchen. Denn die Untoten in "Extinction" sind – abgesehen von dem überraschungsarmen und viel zu wacklig gefilmten, aber davon abgesehen effektiven Prolog – nicht die, die wir normalerweise kennen. Nein, nach neun Jahren in einer Gegend mit permanenter Kälte haben sie sich im Sinne der Evolution weiterentwickelt und an die Begebenheiten angepaßt: Sie sind nun "Eis-Zombies", die optisch eher an die Höhlen-Kreaturen (Crawlers) aus Neil Marshalls "The Descent" erinnern als an die typischen Romero- oder "The Walking Dead"-Zombies. Was sogar Sinn ergibt, da auch die Crawlers sich in einer ungewöhnlichen, lebensfeindlichen Umgebung anpassen mußten, um zu überleben. Während das in "The Descent" allerdings über sehr lange Zeit hinweg geschah und daher im Rahmen eines Filmes durchaus nachvollziehbar war, sind die neun Jahre in "Extinction" für einen solchen Evolutionssprung schon ziemlich unglaubwürdig. Aber andererseits: Wir reden hier über blitzschnelle (und von den Filmemachern optisch überzeugend gestaltete) Zombies, die sich evolutionär entwickeln. Wer will da noch groß über Logik nachdenken?
Zumal die Eis-Zombies sowieso erst in der zweiten Filmhälfte eine Hauptrolle spielen. Bis dahin präsentiert Regisseur Miguel Ángel Vivas ("Kidnapped") hauptsächlich ein postapokalyptisches Familiendrama. Teilweise funktioniert das ganz ordentlich, da die drei Hauptfiguren und ihre komplizierte Verbindung zueinander recht ausführlich vorgestellt werden und die Darsteller ihre Sache gut machen. Der Versuch, durch das "Geheimnis" um den Konflikt zwischen Jack und Patrick Spannung zu erzeugen, geht aber ziemlich in die Hose. Zumindest auf Dauer, denn die Auflösung, die primär durch kurze Flashbacks langsam vorangetrieben wird, zieht sich wirklich ewig hin und leidet vor allem an einer beträchtlichen Vorhersehbarkeit. Und wenn ein dermaßen großes Getöse um ein Geheimnis gemacht wird, das sich am Ende als ziemlich banal erweist, dann ist das erstens ärgerlich und zweitens mit zunehmender Handlungsdauer langweilig. Was übrigens genauso ebenfalls auf die hin und wieder eingestreuten billigen Jump Scares zutrifft, die so phantasielos daherkommen, daß sie zumindest bei Genrekennern nur in den seltensten Fällen funktionieren.
So ergibt sich ein Bild, das einerseits von einer stimmigen Atmosphäre, ziemlich glaubwürdig ambivalenten Charakteren und guten schauspielerischen Leistungen geprägt ist, andererseits aber auch durch eine zu langatmige Erzählweise, nicht immer glaubwürdige Verhaltensweisen und ins Leere führende Nebenhandlungsstränge (beispielsweise antwortet Patrick irgendwann per Funk ein Mann, der überraschend genau über Patricks Situation Bescheid weiß – man erfährt aber nie, was das soll oder ob es vielleicht sogar nur eine Halluzination war, wofür einiges spricht). Das wäre noch zu verschmerzen, wenn "Extinction" dafür mit einer gelungenen Auflösung glänzen könnte. Stattdessen gibt es einen generischen, viel zu langen Showdown, der actionreich gestaltet ist, aber erschreckend inspirationslos, teilweise sogar hanebüchen (Lu wird von den Erwachsenen allein in den vorher nicht weiter überprüften, aber "sicheren" Keller geschickt, in dem sich vollkommen überraschend ein Zombie versteckt ...) daherkommt. Das Ganze erinnert ein wenig an "30 Days of Night", zu dem "Extinction" sowieso einige Parallelen aufweist – dramaturgisch, optisch und qualitativ. Noch mal kurz zu den Darstellern: Obwohl ich deren Leistungen gelobt habe, möchte ich doch noch etwas differenzieren. Denn wenngleich Jeffrey Donovan seinen Job solide erledigt und die junge Quinn McColgan als quirlige und etwas altkluge Lu sehr sympathisch herüberkommt, so wird "Extinction" doch klar von Matthew Fox dominiert. Zugegebenermaßen hat er im Vergleich zu Donovan die dankbarere Rolle, aber die grimmige, mit emotionaler Verletzlichkeit gemischte Intensität, mit der Fox den trunksüchtigen Einzelgänger Patrick verkörpert, ist wirklich beeindruckend und läßt mich einmal mehr voller Verwunderung darüber zurück, daß er nach dem Ende der TV-Serie "Lost" zumindest bislang nicht den Durchbruch zum Filmstar geschafft hat, den ihm viele zutrau(t)en. Bei "Extinction" ist er jedenfalls der größte Pluspunkt eines Horrorfilms, der das Potential seiner interessanten Prämisse trotz einiger netter Drehbuchideen niemals ausreizt.

Fazit: "Extinction" ist ein mediokrer Horrorfilm, der mit eisiger Atmosphäre, vergleichsweise gut ausgearbeiteten Protagonisten und einem hervorragenden Matthew Fox punktet, aber durch ein unausgegorenes Drehbuch und ein generisch-langweiliges Finale im Sumpf der Mittelmäßigkeit versinkt.

Wertung: 5,5 Punkte.


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