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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

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Freitag, 22. Mai 2015

TOKYO GHOUL (TV-Serie, 2014, Episoden 1-3)

Regie: Shuuhei Morita, Shin Matsuo und Souichi Shimada, Drehbuch: Chuuji Mikasano, Musik: Yutaka Yamada
Deutsche Sprecher: Ricardo Richter, Jeffrey Wipprecht, Sarah Alles, Thomas Kästner, Giuliana Jakobeit, Dirk Petrick
FSK: 16, Dauer: 71 Minuten.
Ghule gehen um in Tokio. Vor allem in einem Stadtteil häufen sich Funde gräßlich zugerichteter Leichen, was die Besorgnis der Bürger naturgemäß schürt. Auch der 18-jährige Ken und sein bester Freund Hide wohnen in dieser Gegend. Beide sind ganz normale Studenten, Ken ist ein erklärter Bücherwurm und bandelt gerade mit der schönen Liz an. Doch eines Nachts wird Kens Welt auf den Kopf gestellt, als er einen Ghul-Angriff knapp überlebt und nach und nach erkennen muß, daß er nun halb Mensch, halb Ghul ist! Da normales Essen für ihn verdorben schmeckt und sein Hunger auf Menschenfleisch immer größere Ausmaße annimmt, droht Ken die Verzweiflung zu übermannen. Dann findet er heraus, daß es viel mehr Ghule gibt als er je gedacht hätte. Die meisten bewegen sich ganz unauffällig unter den Menschen – manche wie der fiese Kommilitone Nishiki mißbrauchen ihre übermenschlichen Kräfte, andere wie die hübsche Bedienung Toka und ihr weiser Mentor Yoshimura wollen ein möglichst normales Leben führen und helfen Ken bei der Gewöhnung an seine neue Existenz in oder zwischen zwei eigentlich unvereinbaren Welten …

Kritik:
Nach dem recht locker erzählten "Hamatora – The Animation" ist "Tokyo Ghoul" nun also meine zweite TV-Serien-Rezension anhand eines Rezensionsexemplars von Kazé Anime – und nachdem mir die ersten drei Folgen von "Hamatora" trotz heftiger Stimmungswechsel schon recht gut gefallen haben, legt "Tokyo Ghoul" noch mal eine kleine Schippe drauf. Erzählerisch bleibt zwar natürlich wiederum zu konstatieren, daß nach nur drei Episoden ein stichhaltiges Urteil fast unmöglich ist; und das trifft hier sogar noch stärker zu, da sich, anders als bei "Hamatora", noch kein richtiger roter Faden erkennen läßt – abgesehen von einem sich wenig überraschend abzeichnenden Konflikt zwischen den Menschen und den Ghulen. Inhaltlich ist das natürlich nachvollziehbar, schließlich ist die Prämisse von "Tokyo Ghoul" doch komplexer und die Anpassung Kens an sein neues Dasein als Halb-Ghul muß einfach eine Weile dauern – wohingegen in "Hamatora" die Protagonisten zu Beginn der Serie ja schon seit langem übermenschlich begabte "Minimum Holder" sind und daher die Regeln des Spiels kennen.

Ob die Story, die "Tokyo Ghoul" erzählt, im Lauf der Staffel noch so richtig spannend oder gar mitreißend wird, ist also schwer zu sagen – Fakt ist dagegen, daß mich die melancholisch-düstere Atmosphäre und der elegante, zur Thematik passend von dunklen Farben dominierte Zeichenstil stark ansprechen. Obwohl nicht völlig auf Humor verzichtet wird, rechtfertigt "Tokyo Ghoul" doch die FSK16-Freigabe und konzentriert sich erkennbar auf die ernsteren Seiten seiner Geschichte. Deshalb wirkt der Beginn der Serie auch deutlich harmonischer als beim beständig zwischen Comedy, Action und Dramatik schwankenden "Hamatora". "Tokyo Ghoul" läßt sich Zeit mit seiner Handlung und der Einführung der zentralen Charaktere, und so etwas kann nie schaden (wenn es gut gemacht ist). Ken bleibt zwar zunächst noch etwas blaß und wirkt recht weinerlich – doch angesichts seines grausigen Schicksals kann man ihm das kaum verdenken. Speziell die übrigen Ghule hinterlassen dagegen von Beginn an Eindruck, wobei es mir vor allem die impulsive Toka angetan hat.

Fazit: "Tokyo Ghoul" ist eine schön gezeichnete japanische Animeserie, die mit einem zum Überleben auf den Genuß von Menschenfleisch angewiesenen (Halb-)Ghul als Hauptfigur eine unkonventionelle und schön gruselige Coming of Age-Geschichte mit Horrorelementen erzählt.

Wertung: 7,5 Punkte.

Vol. 1 von "Tokyo Ghoul" ist Ende April 2015 bei Kazé Anime auf DVD und Blu-ray erschienen. Zum Bonusmaterial zählen neben einem Sammelschuber für die gesamte Staffel ein Booklet samt Interview mit Regisseur Morita und der fast 250 Seiten umfassende Band 1 der Manga-Vorlage (von der inzwischen acht Bände auf Deutsch erschienen oder angekündigt sind). Neben der deutschen Tonspur ist auch die japanische Sprachfassung enthalten, deutsche Untertitel gibt es natürlich auch (bei der japanischen Version zwangsweise).

Bei Gefallen an meinem Blog würde ich mich über die Unterstützung von "Der Kinogänger" mittels etwaiger amazon.de-Bestellungen über einen der Links in den Rezensionen oder das amazon.de-Suchfeld in der rechten Spalte freuen.


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