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Freitag, 29. August 2014

OSCAR-News: Deutscher Beitrag, Ehren-OSCARs

Na sowas. Da haben wir gerade Ende August erreicht und schon bringt "Der Kinogänger" wieder OSCAR-News? Keine Sorge, die eigentlich Awards Season geht natürlich erst wieder im Dezember los, bis dahin werde ich höchstens ab und zu kurze Bilanzen zu den kommenden Herbstfestivals (Venedig läuft seit vorgestern) präsentieren; und das auch nur, falls die Qualität der dortigen Premieren es rechtfertigt. Aber da die Ehren-OSCARs seit einigen Jahren nicht mehr im Rahmen der eigentlichen Verleihung im Februar vergeben werden, sondern in einer eigenen Veranstaltung (den "Governors Awards") bereits im November, werden auch die Namen der Preisträger sehr früh bekanntgegeben. In diesem Fall: gestern.

Vier sehr würdige Rezipienten hat die Academy gefunden, darunter Maureen O'Hara. Es gibt ja inzwischen leider nicht mehr allzu Stars aus der "Goldenen Ära" Hollywoods in den 1930er bis 1950er Jahren, 2014 sind wieder einige von uns gegangen (Lauren Bacall, Mickey Rooney). Doch Maureen O'Hara lebt noch, sie scheint sogar trotz ihrer bemerkenswerten 94 Jahre noch sehr rüstig zu sein, erst im April war sie bei einem Filmfestival zu Gast. Und irgendwie kann es kaum verwundern, daß sich die temperamentvolle Irin mit dem geradezu klischeehaft feuerroten Haar nicht so leicht unterkriegen läßt. Zwar war sie nie ein ganz großer Kritikerliebling, doch die Herzen des Publikums hat die rassige, grünäugige Schönheit ebenso problemlos im Sturm erobert wie in ihren Rollen ihre prominenten Filmpartner. Daß sich ihre Rollen oft ähnelten ... was soll's, wenn jemand sie so hervorragend ausfüllt wie es O'Hara tat? Regelmäßig war sie Hauptdarstellerin in Piratenfilmen wie Hitchcocks Frühwerk "Riff-Piraten", Henry Kings "Der Seeräuber" oder George Shermans Epos "Gegen alle Flaggen" mit Errol Flynn und Anthony Quinn, auch in vielen Western und romantischen Abenteuerfilmen wie William Dieterles "Der Glückner von Notre Dame" (ihr Hollywood-Debüt im Jahr 1939), John Fords "Rio Grande" oder David Leans "Die Sieger" hinterließ sie, häufig als absolut ebenbürtige Leinwandpartnerin John Waynes, bleibenden Eindruck.

Bleibenden Eindruck hinterließ selbstverständlich auch das Multitalent Harry Belafonte. Der 87-jährige gebürtige New Yorker avancierte bereits in den 1950er Jahren zu einem der ersten afroamerikanischen Stars in den USA. Am berühmtesten ist er wohl bis heute als Sänger u.a. des legendären "Banana Boat Song", doch auch als Schauspieler machte er immer wieder mal von sich reden (1959 in Robert Wises Film noir "Wenig Chancen für morgen", 1974 in Sidney Poitiers "Samstagnacht im Viertel der Schwarzen", 1996 in Robert Altmans "Kansas City", 2006 in Emilio Estevez' "Bobby"), zudem engagiert sich der überzeugte Sozialist seit langem leidenschaftlich und durchaus kontrovers politisch sowie als Bürgerrechtler. Dafür erhält er den Jean Hersholt Humanitarian Award.

Dritter Preisträger ist der 82-jährige französische Schriftsteller und Drehbuch-Autor Jean-Claude Carrière, der im Filmbereich primär für seine langjährige Zusammenarbeit mit dem spanischen Surrealisten Luis Buñuel bekannt ist. "Tagebuch einer Kammerzofe", "Belle de jour", "Der diskrete Charme der Bourgeoisie", "Dieses obskure Objekt der Begierde" und "Das Gespenst der Freiheit" sind nur einige der Geniestreiche des exzentrischen Regisseurs, bei denen Carrière für die Drehbücher (mit-)verantwortlich zeichnete. Auch für Louis Malle ("Viva Maria!"), Jess Franco ("Das Geheimnis des Doktor Z"), Milos Forman ("Taking Off", "Goyas Geister"), Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel", "Die Fälschung", "Der Unhold"), Nagisa Ôshima ("Max mon amour"), Andrzej Wajda ("Danton"), Jean-Paul Rappeneau ("Cyrano de Bergerac", "Der Husar auf dem Dach") oder Philip Kaufman ("Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins") verfaßte Carrière großartige Vorlagen, weshalb er sich diesen Ehren-OSCAR (nach einem Gewinn 1963 für einen Kurzfilm sowie drei Nominierungen für "Der diskrete Charme der Bourgeoisie", "Dieses obskure Objekt der Begierde" und "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins") absolut verdient hat.

Der mit Abstand jüngste Preisträger in diesem Jahr ist Hayao Miyazaki mit seinen 73 Jahren. Die japanische Zeichentrick-Legende, die als Mitgründer des Studio Ghibli und als Schöpfer ebenso zauberhafter wie anspruchsvoller Meisterwerke wie "Chihiros Reise ins Zauberland" oder "Prinzessin Mononoke" das Genre revolutionierte und ein standhaftes Gegengewicht zu den amerikanischen CGI-Animationsfilmen von Pixar, Disney und Dreamworks bildete, hat erst kürzlich mit dem OSCAR-nominierten "Wie der Wind sich hebt" seinen mutmaßlich letzten Film in die Kinos gebracht. Wie es mit dem Studio Ghibli ohne ihn und seinen noch etwas älteren Mitstreiter Isao Takahata ("Die letzten Glühwürmchen") weitergehen wird, hängt derzeit ziemlich in der Schwebe. Man kann nur hoffen, daß eine gute Lösung gefunden wird und die Filmfans weltweit weiterhin mit wunderbaren handgezeichneten Filmen wie diesen versorgt werden (immerhin eifert Miyazakis Sohn Gorō mit Werken wie "Der Mohnblumenberg" seinem Vater bereits nach). Vielleicht hilft dabei ja der Ehren-OSCAR für Hayao Miyazaki, der seinen einzigen regulären Academy Award übrigens 2003 für "Chihiros Reise ins Zauberland" gewann.

Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben, daß diese Woche der deutsche Beitrag für die Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film des Jahres 2014" ausgewählt wurde: Dominik Graf geht mit seiner auf der Berlinale gefeierten (aber bei der Preisverleihung übergangenen) historischen Romanze "Die geliebten Schwestern" ins Rennen, einer Dreiecksgeschichte über die Liebe des Dichters Friedrich Schillers zu zwei Schwestern. Soweit sich das ohne Kenntnis aller Mitbewerber sagen läßt, dürfte "Die geliebten Schwestern" ganz gute Chancen auf eine OSCAR-Nominierung haben.

Quellen:

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