Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 6. Mai 2014

KINOVORSCHAU SOMMER 2014 (Teil 2)

Letztes Update vom 23. August: Neu am 28. August ist Dario Argentos "Dracula 3-D".

Nachdem ich im ersten Teil meiner Sommer-Kinovorschau die Filmstarts von Mai und Juni vorgestellt habe, sind nun die nächsten beiden Monate an der Reihe. Dabei ist auch der Juli zunächst noch von der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien geprägt, was dem Kinoprogramm durchaus anzumerken ist. Ab der zweiten Monatshälfte schlägt Hollywood dann aber mit einer Großproduktion nach der anderen zurück:

3. Juli:
"Tammy":
Melissa McCarthy schwimmt seit einigen Jahren auf einer Erfolgswelle: Hauptdarstellerin einer populären TV-Sitcom ("Mike & Molly"), eine OSCAR-Nominierung für ihre markante Nebenrolle im Überraschungshit "Brautalarm", dazu mit "Voll abgezockt" und "Taffe Mädels" zwei weitere Komödien-Erfolge. Mal sehen, ob sich das diesen Sommer fortsetzt, wenn sie in der von ihrem Ehemann Ben Falcone inszenierten und (gemeinsam mit McCarthy) geschriebenen Komödie gemeinsam mit ihrer Alkoholiker-Großmutter (Susan Sarandon, "Robot & Frank") quer durch Amerika fährt, nachdem sie am gleichen Tag ihren Job verloren und ihren fremdgehenden Mann in flagranti erwischt hat. 

"The Unknown Known":
Errol Morris ist einer der bekanntesten Dokumentarfilmer der Gegenwart, der sich bereits vielen brisanten Themen gewidmet hat. Als besonders eindrucksvoll gilt zu Recht der 2004 OSCAR-gekrönte "The Fog of War", in dem im Gespräch mit dem früheren US-Verteidigungsminister Robert S. McNamara eine intensive und hintersinnige Bestandsaufnahme der US-Politik vor allem während der 1960er Jahre (samt Kubakrise und Vietnam-Krieg) präsentiert wurde. Mit "The Unknown Known" wagt sich Morris an ein ähnliches Thema, denn wiederum steht ein umstrittener früherer Verteidigungsminister der USA im Mittelpunkt: Donald Rumsfeld, der speziell nach 9/11 in der Bush-Regierung durch markige Sprüche oft für Aufsehen sorgte, aber die US-Politik bereits zuvor über Jahrzehnte hinweg maßgeblich prägte.

"Jack und das Kuckucksuhrherz" (3D):
Ein französischer Animationsfilm über einen schottischen Jungen namens Jack, der im 19. Jahrhundert mit einem zu Eis gefrorenen Herzen zur Welt kommt. Dennoch lebt Jack, weil seine offenbar ausgesprochen einfallsreiche Hebamme das Eis-Herz durch ein mechanisches Uhrwerk ersetzte. Dieses funktioniert allerdings nur, solange sich Jack an einige buchstäblich überlebenswichtige Regeln hält. Eine davon: Er darf keine starken Gefühle entwickeln und sich deshalb vor allem nicht verlieben. Genau ein Mal darf der geneigte Leser raten, was nun wohl passiert, als der inzwischen junge Erwachsene Jack auf die liebreizende Sängerin Aracia trifft … Mathias Malzieu, Sänger der französischen Gruppe Dionysos, liefert hiermit sein Debüt als Regisseur und Drehbuch-Autor ab und bezeichnet sein Werk selbstbewußt als eine Mischung aus Sergio Leone ("Spiel mir das Lied vom Tod"), Federico Fellini ("La dolce vita") und Georges Melliés (Filmpionier und eine der Hauptfiguren von Scorseses "Hugo Cabret"). Kritiker loben den im Rahmenprogramm der Berlinale gezeigten Film für die wunderschöne Animation und die exzentrischen Figuren, beklagen aber eine allzu simpel gestrickte Handlung.

"Mindscape":
In dem übernatürlichen Thriller des spanischen Newcomers Jorge Dorado verkörpert der Brite Mark Strong ("Robin Hood") einen Polizisten und Kriminalpsychologen, der Gedanken und auch Erinnerungen der Menschen lesen kann und diese Fähigkeit für seinen Beruf nutzt. Als er jedoch die 16-jährige Mordverdächtige Anna (Taissa Farmiga aus der TV-Serie "American Horror Story") beurteilen soll, gerät er schnell an die Grenzen seiner Möglichkeiten. In weiteren Rollen sind Brian Cox ("Trick 'r Treat"), Indira Varma (TV-Serie "Rom") und Noah Taylor ("Edge of Tomorrow") zu sehen. Die meisten Kritiker loben die Darsteller und auch den Stil des Films, kritisieren aber stark das Drehbuch.

"Große Jungs – Forever Young":
Mehr als eineinhalb Millionen Zuschauer haben sich in Frankreich über die unwahrscheinlichen Abenteuer eines jungen Musikers (Max Boublil) mit seinem in der Midlife-Crisis befindlichen Schwiegervater in spe (Alain Chabat, Julius Cäsar in "Asterix und Obelix: Mission Kleopatra") amüsiert. Vielleicht reicht es ja auch in Deutschland zu einem kleinen Hit, immerhin finden französische Filme hierzulande immer wieder ihr Publikum (manchmal sogar ein sehr großes, siehe "Willkommen bei den Sch'tis" oder "Ziemlich beste Freunde").

"Die Mamba":
In der deutsch-österreichischen Agenten-Komödie von Ali Samadi Ahadi ("Salami Aleikum") muß der unbedarfte Durchschnittsbürger Hossein (Michael Niavarani) feststellen, daß er einem internationalen Auftragsmörder zum Verwechseln ähnlich sieht – was ihm erhebliche Probleme beschert. In Frankreich haben in den letzten Jahren zwei beliebte "OSS 117"-Filme bewiesen, daß der Spionage-Bereich noch immer genug Stoff für Komödien birgt. Mal sehen, ob Deutsche und Österreicher das bestätigen können. In weiteren Rollen sind die Komiker Christoph Maria Herbst ("Stromberg") und Monika Gruber zu sehen.

"Eine ganz ruhige Kugel":
Der dritte französische Filmstart dieser Woche ist eine Sozialkomödie, in der Gérard Depardieu ("Das Schmuckstück") einen Tunichtgut spielt, der seine Leidenschaft für eine Variante des französischen Nationalsports Boule entdeckt. War in Frankreich ein Flop und dürfte hierzulande kaum besser laufen.

10. Juli:
"Die große Versuchung":
Im Jahr 2003 schuf der franko-kanadische Regisseur Jean-François Pouliot mit "Die große Verführung" eine charmante kleine Wohlfühlkomödie über einen Fischerort, der mit allen Mitteln versucht, einen Arzt anzulocken, da nur dann eine neue Fabrik eröffnet werden kann, die viele Arbeitsplätze bringt. Gut zehn Jahre später folgt ein Remake, wiederum in Kanada produziert, diesmal aber mit einem Regisseur aus dem englischsprachigen Teil Kanadas (Don McKellar) und englischsprachigen Darstellern: Taylor Kitsch ("John Carter") spielt den jungen Arzt, der zum Bleiben bewegt werden soll, Brendan Gleeson ("The Guard") den Ortsvorsteher. Die Kritiker zeigten sich nach der Premiere beim Festival in Toronto nicht übermäßig begeistert, beim Publikum kam der Film aber gut an.

"Die Karte meiner Träume" (3D):
Der französische Kinopoet Jean-Pierre Jeunet ("Die fabelhafte Welt der Amélie", "Die Stadt der verlorenen Kinder") präsentiert seine Adaption des Romandebüts von Reif Larsen. Es geht um einen amerikanischen Jungen namens T.S. Spivet, der als Sohn eines Ranchers und einer Wissenschaftlerin eher nach seiner Mutter schlägt und sich eines Tages alleine auf die Reise nach Washington macht, wo er einen Preis für seine wissenschaftlichen Zeichungen erhalten soll (die Juroren wußten nicht, daß er noch ein Kind ist). Die Titelrolle im Eröffnungsfilm des Münchener Filmfests 2014 übernimmt Kyle Catlett aus der TV-Serie "The Following", als Mutter mit von der Partie ist Helena Bonham-Carter ("Sweeney Todd").

"Rico, Oskar und die Tieferschatten":
Die Kritiker zeigen sich ziemlich begeistert von Neele Leana Vollmars ("Maria, ihm schmeckt's nicht!") Kinderbuchverfilmung. In der freunden sich der geistig etwas langsame zehnjährige Rico und der zwei Jahre jüngere, hochbegabte, aber auch etwas merkwürdige Oskar an und nutzen ihre unterschiedlichen Talente, um Verbrecher zur Strecke zu bringen. Die Erwachsenenrollen sind mit Karoline Herfurth ("Fack ju Göhte"), David Kross ("Der Vorleser"), Ronald Zehrfeld ("Wir wollten aufs Meer"), Milan Peschel ("Nicht mein Tag"), Axel Prahl ("Tatort"), Katharina Thalbach ("Die Blechtrommel") und Anke Engelke ("Late Show") sehr prominent besetzt.

"The Signal":
In dem unabhängig produzierten futuristischen Thriller geraten zwei junge Hacker und ihre Freundin in Schwierigkeiten, als sie sich von einem verfeindeten Hacker in die Wüste locken lassen, wo ihnen Unglaubliches widerfährt. Schließlich wachen sie in einem Forschungslabor auf, wo sie von einem Wissenschaftler (Laurence Fishburne, "Predators") begrüßt werden, der ihnen offensichtlich nicht alles sagt, was er über die Vorkommnisse weiß. Beim Sundance Filmfestival kam der Film von William Eubank recht gut an, vor allem der visuelle Stil und die SciFi-Atmosphäre wurden sehr gelobt – gleichzeitig soll allerdings die Story einige vor allem logische Mängel aufweisen.

"Wara No Tate – Die Gejagten":
In seinem neuen Werk widmet sich der japanische Vielfilmer Takashi Miike ("Ace Attorney") wieder einmal dem Action-Genre und erzählt die Geschichte eines alten, reichen Mannes, der nach der Ermordung seiner Enkelin ein hohes Kopfgeld auf den Täter aussetzt. Um sein Leben zu retten, stellt sich dieser der Polizei, die es aber erst einmal schaffen muß, diesen nun meistgehassten und angesichts des Kopfgeldes auch meistgejagten Mann Japans halbwegs unterversehrt ins Polizei-Hauptquartier zu bringen. Die Story klingt sehr nach dem Bruce Willis-Actioner "16 Blocks" (und etlichen weiteren Werken aus verschiedenen Genres), unter Miikes Regie darf man aber sicher mehr erwarten als einen durchschnittlichen Oldschool-Actionfilm. Tatsächlich soll er den Kritiken zufolge viel Wert auf die Figuren und die moralischen Anforderungen an sie legen.

"Fonzy":
Das dürfte rekordverdächtig sein: Gerade einmal drei Jahre ist es her, daß die kanadische Komödie "Starbuck" über einen Mittvierziger, der erfährt, daß aus seinen frühen Samenspenden über 500 Kinder hervorgegangen sind, Publikum und Kritiker verzauberte. Nun kommt bereits das dritte (!) Remake in die Kinos. Das erste war die indische Bollywood-Variante "Vicky Donor", von der außerhalb Asiens kaum jemand etwas mitbekommen haben dürfte. Es folgten die Amerikaner mit "Der Lieferheld" mit Vince Vaughn, nun sind die Franzosen mit "Fonzy" dran. Da die von Regisseurin Isabelle Doval realisierte Version der Geschichte mit Komiker José Garcia ("Die Unfaßbaren") und Audrey Fleurot ("Ziemlich beste Freunde") aber schon in Frankreich nicht über Platz 8 in den Kinocharts hinauskam, dürften die Erfolgsaussichten in Deutschland erst recht sehr begrenzt sein.

17. Juli:
"Transformers 4: Ära des Untergangs" (3D):
Ganz ehrlich: Ein halber "Transformers"-Film hat vollkommen ausgereicht, um mich zum festen Vorsatz kommen zu lassen, mir niemals einen weiteren "Transformers"-Teil unter der Regie von Michael Bay anzutun. Daran wird sich mit "Ära des Untergangs" angesichts der miesen Kritiken nichts ändern; dennoch muß ich zugeben, daß die Trailer für den Neuanfang der Reihe – mit Mark Wahlberg ("Date Night") statt Shia LaBeouf als menschlichem Hauptdarsteller – richtig gut gemacht sind. Zumal es nun offensichtlich auch formschöne Dinobots gibt.

"Wie der Wind sich hebt":
Es ist nicht das erste Mal, daß der japanische Zeichentrick-Großmeister Hayao Miyazaki ("Chihiros Reise ins Zauberland", "Prinzessin Mononoke") nach einem fertiggestellten Film sein Karriereende angekündigt hat; doch angesichts seines Alters von 73 Jahren und der stets mehrjährigen Arbeitszeit an einem neuen (im Gegensatz zu Hollywood noch immer komplett handgezeichneten statt computergenerierten) Werk könnte es sein, daß es dieses Mal stimmt. Ein Grund mehr, Miyazakis möglichen Abschiedsgruß stilgerecht auf der großen Leinwand zu bewundern. Dabei unterscheidet sich der wie üblich OSCAR-nominierte "Wie der Wind sich hebt" inhaltlich ziemlich von dem, was man sonst von Miyazaki kennt, denn anstelle einer phantastischen, magischen Story präsentiert er hier die (im Kern wahre) Geschichte eines japanischen Flugzeug-Konstrukteurs. Das mag nicht sonderlich aufregend klingen, hat aber mit Miyazakis typischen visuellen und stilistischen Stärken die meisten Kritiker ebenso begeistert wie seine früheren Werke.

Eine deutsche Generationen-Komödie über eine Studenten-WG und eine Senioren-WG, die zu Nachbarn werden. Regie führte Ralf Westhoff ("Shoppen"), in tragenden Rollen sind u.a. Heiner Lauterbach ("Der Eisbär"), Gisela Schneeberger ("Eine ganz heiße Nummer"), Gustav Peter Wöhler ("Absolute Giganten") und Karoline Schuch ("Hannas Reise") zu sehen.

"The King of Pigs":
Bereits im August 2012 war dieser gesellschaftskritische südkoreanische Animationsfilm für Erwachsene in Deutschland auf dem Fantasy Filmfest zu sehen, zuvor lief er beim Festival in Cannes. Der junge Regisseur Yeun Sang-ho erzählt in "The King of Pigs" eine ziemlich rabiate, nicht mit Gewalt geizende Schulgeschichte über einige Streber (die "Schweine"), die anhaltend und hingebungsvoll von den reichen und beliebten Kids gemobbt und gequält werden, bis einer von ihnen zurückschlägt und somit zum "König der Schweine" wird. Die Erlebnisse dieser Zeit prägen die jungen Männer bis ins Erwachsenenleben hinein, und zwar stärker, als es ihnen lieb sein kann. Nichts für Zartbesaitete.

24. Juli:
"Drachenzähmen leicht gemacht 2" (3D):
In der Fortsetzung des höchst populären 3D-Animationsfilms aus dem Jahr 2010 leben die Wikinger von der Insel Berk dank der Anstrengungen des jungen Hicks im ersten Teil nun in friedlicher Koexistenz mit den Drachen. Doch als Hicks mit "seinem" Drachen Ohnezahn auf eine Eishöhle stößt, die neben zahllosen unbekannten, wilden Drachenarten einen mysteriösen "Drachenreiter" beherbergt, gerät der Frieden in Berk wieder einmal in Gefahr … Teil 3 ist übrigens bereits für 2016 in Vorbereitung.
Über zehn Millionen Zuschauer haben "Monsieur Claude und seine Töchter" in Frankreich zum erfolgreichsten Film seit "Ziemlich beste Freunde" gemacht – Philippe de Chauverons Komödie über einen konservativen katholischen Familienvater (Christian "Asterix" Clavier), dessen vier Töchter Männer unterschiedlicher Nationalitäten, Hautfarben und Religionen heiraten wollen, hat im seit Jahren von Integrationsproblemen und dem politischen Aufkommen rechtspopulistischer Parteien geplagten Frankreich offensichtlich einen Nerv getroffen. Die Story könnte hierzulande aber ebenfalls gut funktionieren, sofern die Qualität stimmt (mein Französisch ist leider nicht so gut, aber die dortigen Kritiken scheinen gemischt ausgefallen zu sein).

"Viel Lärm um nichts":
Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Bereits 2012, während kurzer Auszeiten von den Dreharbeiten zum Mega-Blockbuster "The Avengers", realisierte Regisseur und Drehbuch-Autor Joss Whedon bei sich zu Hause mit einer Gruppe von Freunden aus der großen "Whedon-TV-Serien-Familie" eine Low Budget-Adaption von William Shakespeares berühmter Komödie "Viel Lärm um nichts" – nun kommt sie tatsächlich noch in die deutschen Kinos! Das Resultat dieses kostengünstigen und deshalb logischerweise in der Gegenwart spielenden Liebhaber-Projekts wird sicherlich keine Massen anlocken, kam auf diversen Festivals und bei den Kritikern aber richtig gut an. Umso erfreulicher, daß auch wir in ausgewählten Lichtspielhäusern in den Genuß kommen dürfen, beliebte TV-Schauspieler wie Nathan Fillion ("Castle"), Amy Acker ("Angel", "Person of Interest"), Alexis Denisof ("Angel"), Sean Maher ("Firefly"), Fran Kranz ("Dollhouse"), Tom Lenk ("Buffy") oder Clark Gregg ("Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.") unter Whedons Anleitung Shakespeare-Dialoge rezitieren zu sehen und hören.

"The Raid 2":
Im Jahr 2011 schuf der gebürtige Waliser Gareth Evans in Indonesien mit der blutigen Geschichte einer Polizei-Einheit, die in einem Hochhaus unter massiven Gangster-Beschuß gerät, einen modernen Action-Kultfilm. Die Fortsetzung von "The Raid" (den ich übrigens gar nicht so toll fand), wiederum mit Evans als Regisseur und Drehbuch-Autor sowie mit Iko Uwais in der Hauptrolle, soll noch kompromißloser und besser geworden sein und wurde u.a. beim Sundance Filmfestival euphorisch gefeiert. Ein dritter Teil wurde bereits angekündigt. In den deutschen Kinos wird erfreulicherweise die ungeschnittene Fassung laufen, für die (von der FSK strenger bewertete) Heimkinoveröffentlichung steht das eher zu bezweifeln. Ein Grund mehr also für einen Kinobesuch.

31. Juli:
In der Fortsetzung der bemerkenswert unterhaltsamen modernisierten Kinoversion der 1980er Jahre-Kultserie "21 Jump Street" über Undercover-Cops (darunter Johnny Depp) an der High School verschlägt es die beiden ungleichen Cops Jenko (Channing Tatum) und Schmidt (Jonah Hill, "The Wolf of Wall Street") ans College. Da Regie (Phil Lord und Christopher Miller) und Drehbuch-Autor (Michael Bacall, dieses Mal gemeinsam mit Oren Uziel und Rodney Rothman) unverändert geblieben sind, besteht berechtigte Hoffnung auf einen erneut sehr vergnüglichen Film. Die hervorragend ausgefallenen US-Kritiken bestätigen das.

"Die geliebten Schwestern":
Seit Ende der 1980er Jahre ist Dominik Graf einer der profiliertesten deutschen Regisseure, der mit Werken wie "Die Katze" mit Götz George (1988) oder dem Polizei-Thriller "Die Sieger" (1994) für Furore sorgte. Das Kinopublikum entschied sich aber zunehmend für Anderes, und so zog sich Graf nach dem gefloppten DDR-Coming of Age-Film "Der rote Kakadu" (2006) in den TV-Bereich zurück. Anspruchsvolle Stoffe verwirklichte er auch dort noch, allen voran die hochgelobte Thriller-Serie "Im Angesicht des Verbrechens". Die natürlich ebenfalls floppte. Dennoch, mit Anstellungen bei "Tatort" oder "Polizeiruf 110" blieb er gut im Geschäft. Doch irgendwann wollte er einfach wieder einen Kinofilm drehen und "Die geliebten Schwestern" stellt seine – den Reaktionen auf die Premiere bei der Berlinale zufolge – triumphale Rückkehr dar. Über fast drei schwelgerische Stunden hinweg erzählt Graf nach einem eigenen Drehbuch, wie sich der berühmte Dichter Friedrich Schiller (dargestellt von Florian Stetter, "Nanga Parbat") im späten 18. Jahrhundert in zwei Schwestern (Hannah Herzsprung aus "Ludwig II." und Henriette Confurius aus dem TV-Film "Die Holzbaronin") verliebt, die seine Gefühle beide erwidern. Das mag nicht sonderlich aufregend klingen (und wird Graf vermutlich wieder keinen kommerziellen Hit bescheren), wurde von nationalen und internationalen Kritikern wie auch dem Publikum aber fast ausnahmslos gefeiert und bereits mit einem bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.

"Jersey Boys":
So ziemlich das letzte, was man von dem alten Haudegen Clint Eastwood ("Invictus") erwarten würde, ist eine Musical-Verfilmung. Genau die legt er als Regisseur mit dieser Adaption eines großen Broadway-Hits nun jedoch vor. "Jersey Boys" widmet sich dem Erfolgsweg der aus vier italienischstämmigen jungen Männern bestehenden späteren Erfolgsband The Four Seasons, die in den 1960er Jahren Triumphe und Niederlagen erlebte und dabei sogar mit der Mafia aneinandergeriet. Die vier Hauptrollen sind mit Unbekannten mit Broadway-Erfahrung besetzt, als Gangsterboß tritt zudem Christopher Walken ("Hairspray") vor die Kamera. Eigentlich war "Jersey Boys" von vielen als ernsthafter OSCAR-Anwärter erwartet worden, der Starttermin bereits im Sommer spricht aber eher dafür, daß es sich "nur" um gute Musical-Unterhaltung handeln dürfte.

"The Purge 2 – Anarchy":
Letztes Jahr sorgte der Low Budget-Horror-Thriller "The Purge – Die Säuberung" mit Ethan Hawke und Lena Headey dank einer interessanten Prämisse – in einer Nacht pro Jahr sind in der nahen Zukunft alle Verbrechen bis hin zum Mord erlaubt – und einer cleveren Marketing-Kampagne für einen echten Hype. Der bescherte dem Film einen sehr starken US-Start, dem allerdings große Ernüchterung ob der durchwachsenen Qualität der Home Invasion-Story folgte. Da der Film dank des Mini-Budgets dennoch ein großer kommerzieller Erfolg war, steht bereits diesen Sommer die Fortsetzung an, in der ein Ehepaar auf dem Weg zu Heim und Kindern eine Autopanne erleidet und deshalb die "Säuberung" ohne jeden Schutz überstehen muß. Für Regie und Drehbuch zeichnet erneut James DeMonaco verantwortlich, vor der Kamera stehen dieses Mal Frank Grillo ("The Grey"), Kiele Sanchez (TV-Serie "The Glades") und Zach Gilford ("The Last Stand").

"Eyjafjallajökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm":
Im Jahr 2010 wurde ein bis dahin den meisten Menschen komplett unbekannter isländischer Vulkan mit sehr kompliziertem Namen europaweit bekannt, als er mit einem heftigen Ausbruch tagelang den Flugverkehr lahmlegte. Der französische Regisseur Alexandre Coffre nutzt dieses historische Ereignis als Aufhänger für eine Beziehungskomödie: Das nicht wirklich friedlich geschiedene Ex-Ehepaar Valérie (Valérie Bonneton, "Super-Hypochonder") und Alain (Dany Boon, "Willkommen bei den Sch'tis") wird von dem Vulkanausbruch ausgerechnet auf dem Weg zur Hochzeit der gemeinsamen Tochter erwischt. So stranden die beiden in München und müssen sich wohl oder übel mit einem Mietwagen auf den Weg nach Athen machen, wo die Hochzeit stattfindet …

"Die innere Zone":
In diesem kompliziert klingenden deutsch-schweizerisch-holländischen Mystery-Drama spielt Jeanette Hain ("Poll") die Hauptrolle einer von Erinnerungslücken geplagten Psychologin. Sie soll die Folgen einer der Öffentlichkeit aufgrund einer sehr gelungenen Vertuschungsaktion jahrzehntelang verborgen gebliebenen Kernschmelze in einem unterirdischen Forschungslabor in den Bergen untersuchen. Klingt gar nicht so uninteressant, aber bei der Premiere bei den Hofer Filmtagen soll der Film beim Publikum vor allem für Verwirrung gesorgt haben.

7. August:
In der Fortsetzung der erstaunlich hochklassigen "Planet der Affen"-Vorgeschichte mit dem "deutschen" Untertitel "Prevolution" haben die intelligenten Affen um ihren Anführer Caesar (Andy Serkis, "Der Hobbit – Eine unerwartete Reise") bereits die Herrschaft über die Erde übernommen. Jene Menschen, die das im Vorgänger verbreitete tödliche Virus überlebten, haben sich zu Widerstandszellen vereint, die sich gegen die Affen wehren und idealerweise einen dauerhaften Frieden schließen will. Von den Menschen-Darstellern des ersten Teils ist offiziell niemand mehr dabei (wobei mich ein überraschendes Cameo von James Franco oder Freida Pinto nicht wundern würde), neue Hauptdarsteller sind Gary Oldman ("Dame, König, As, Spion"), Jason Clarke ("Der große Gatsby"), Keri Russell ("Mission: Impossible III") und Kodi Smit-McPhee ("The Road"). Nach Meinung der US-Kritiker ist das Resultat der wahrscheinlich beste Sommer-Blockbuster des Jahres.

"Ein Augenblick Liebe":
Nach der auch in Deutschland erfolgreichen (und in Hollywood mit Miley Cyrus der Remake-Prozedur unterzogenen) Komödie "LOL" arbeitet die französische Regisseurin und Drehbuch-Autorin Lisa Azuelos erneut mit Sophie Marceau ("Braveheart") zusammen. "Ein Augenblick Liebe" ist eine klassische Romanze, in der die Welt des eigentlich glücklich verheirateten Familienvaters Pierre (François Cluzet, "Ziemlich beste Freunde") aus den Fugen zu geraten droht, als er die erfolgreiche, ebenso schöne wie faszinierende Schriftstellerin Elsa (Marceau) kennenlernt – die aber aus Prinzip nichts mit verheirateten Männern anfängt. Es sollte also nichts weiter passieren, doch das Schicksal scheint anderes mit den beiden vorzuhaben …

"Step Up: All In" (3D):
Der mittlerweile fünfte Teil der vor allem in Europa immer noch erfolgreichen Tanzfilm-Reihe für Jugendliche.

"Ab durch den Dschungel" (3D):
Ein südkoreanisch-mexikanischer Animationsfilm für Kinder, in dem es um zwei unglücklich verliebte Nasenbären geht. Als Sacha, die Tochter des Königs der Nasenbären, von Menschen entführt wird, sieht der schusselige Manu endlich die Chance gekommen, seinen Wert für die Gemeinschaft und seine Eignung als Sachas Partner zu beweisen.

14. August:
"Lucy":
In den letzten Jahren hat sich der französische Starregisseur Luc Besson ("Léon – Der Profi", "Adéle und das Geheimnis des Pharaos") vor allem auf seine Produzententätigkeit und das Verfassen von Drehbüchern für Action-Thriller wie "Colombiana" oder die "96 Hours"- und "Transporter"-Reihen konzentriert. Gelegentlich steht er allerdings auch noch selbst hinter der Kamera, zuletzt 2013 für die Mafia-Komödie "Malavita" mit Robert De Niro und Michelle Pfeiffer. Sein letzter Hit als Regisseur ist bereits eine ganze Weile her (im Grunde genommen war das "Das fünfte Element" 1997), "Lucy" klingt aber durchaus nach dem Potential für einen neuen Publikumserfolg. Denn daß Scarlett Johansson als actionbetonte Superheldin funktioniert, wissen wir ja spätestens seit ihrer Rolle als "Black Widow" in Marvels "Avengers"-Filmen. Hier spielt sie allerdings eine etwas andere "Superheldin", denn Lucy arbeitet als Drogenkurierin für Gangster in Taiwan. Als ein ganz besonderes Drogenpaket während des Transports in ihrem Körper leckt, beeinflußt es Lucys gesamten Kreislauf, woraufhin sie unverhofft übernatürliche Kräfte entwickelt. Die sie gegen die Gangster einsetzen will. In weiteren Rollen sind Morgan Freeman ("Oblivion"), Analeigh Tipton ("Crazy, Stupid, Love") und der dänische "Borgen – Gefährliche Seilschaften"-Star Pilou Asbæk zu sehen.

"Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück":
Simon Pegg ("Star Trek") übernimmt in der deutsch-kanadischen Tragikomödie unter der Regie von Peter Chelsom ("Darf ich bitten?") die Hauptrolle des recht exzentrischen Psychiaters Hector, der das Gefühl hat, bei seinen Patienten überhaupt nichts zu bewirken. Eines Tages entschließt er sich kurzerhand, die Welt zu bereisen und nach dem Glück an sich sowie vor allem nach seinem eigenen Glück zu suchen – falls es denn existiert. In der Literaturverfilmung sind auch Rosamund Pike ("Barney's Version"), Christopher Plummer ("Das Kabinett des Doktor Parnassus"), Toni Collette ("Ganz weit hinten"), Stellan Skarsgård ("Melancholia"), Jean Reno ("22 Bullets") und Veronica Ferres zu sehen.

"Dido Elizabeth Belle":
In dem britischen Historiendrama von Amma Asante verkörpert Gugu Mbatha-Raw (bekannt aus den TV-Serien "Doctor Who" und "Touch") die titelgebende historische Figur und erfährt für ihre Leistung viel Lob. Belle war im 18. Jahrhundert die illegitime Tochter eines späteren Admirals mit einer schwarzen Sklavin, die trotz ihrer dunklen Hautfarbe wie eine Aristokratin aufgezogen wurde und zu einer zentralen Figur im Kampf um ein Verbot der Sklaverei in England wurde. In weiteren Rollen sind Tom Wilkinson ("Lone Ranger"), Matthew Goode ("Stoker"), Emily Watson ("Anna Karenina"), Miranda Richardson ("Das Phantom der Oper") und Tom Felton ("Harry Potter"-Reihe) zu sehen.

"Night Moves":
In dem dramatischen Thriller der "Wendy and Lucy"-Regisseurin Kelly Reichardt wollen drei radikale Umweltschützer einen Staudamm in die Luft sprengen. In den Hauptrollen sind Jesse Eisenberg ("Die Unfaßbaren"), Dakota Fanning ("Krieg der Welten", "Twilight"-Reihe) und Peter Sarsgaard ("An Education") zu sehen. Bereits seit Spätsommer 2013 tourt der arthouselastige Öko-Thriller durch zahlreiche Filmfestivals in aller Welt und sorgt dabei für überwiegend positive Reaktionen.

"Jimmy's Hall":
Wieder einmal ist der britische Regie-Altmeister Ken Loach beim Filmfestival in Cannes mit einem neuen Film vertreten: "Jimmy's Hall" erzählt die wahre Geschichte des James Gralton, der in die Geschichte einging als der einzige Ire, der jemals aus Irland deportiert wurde. Das konnte deshalb geschehen, da er zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Amerika emigriert war und die US-Staatsbürgerschaft annahm, ehe er in seine ursprüngliche Heimat zurückkehrte und dort politisch aktiv wurde. Um seine kommunistischen Überzeugungen zu propagieren, nutzte er auch einen von ihm gegründeten Musikclub ("Jimmy's Hall"). Als er 1933 in gewaltsame Proteste verwickelt war, wurde Gralton in die USA abgeschoben. Ein sehr passender Stoff also für Ken Loach, der seit Jahrzehnten für gesellschaftskritische Filme mit Protagonisten aus der Arbeiterklasse bekannt ist.

"Planes 2 – Immer im Einsatz" (3D):
Eigentlich war der Disney-Animationsfilm "Planes" – ein Spin-Off von Pixars "Cars"-Reihe – im Jahr 2013 nur für den Heimkinomarkt vorgesehen, wurde dann aber doch in die Kinos gebracht. Ein bemerkenswertes globales Einspielergebnis von rund $220 Mio. war trotz erwartet mäßiger Kritiken das Resultat. Kein Wunder, daß die Fortsetzung nicht lange auf sich warten ließ und natürlich erneut in die Kinos kommt. Diesmal kämpft Rennflugzeug Dusty mit seinen Freunden aufopferungsvoll gegen einen verheerenden Waldbrand in einem Nationalpark.

"Saphirblau":
Die deutsche Verfilmung von Kerstin Giers Jugend-Fantasyroman "Rubinrot" mit Maria Ehrich als zeitreisender Gwen blieb 2013 mit unter einer halben Million Zuschauern recht deutlich unter den Erwartungen. Dennoch folgt mit "Saphirblau" nun die schnelle Fortsetzung. Mal sehen, ob die erfolgreich genug läuft, damit auch noch der Trilogie-Abschluß "Smaragdgrün" realisiert wird.

"Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste":
Ein brillanter Filmtitel, der aber nicht zu einer Komödie gehört, sondern zu einem gewitzten Dokumentarfilm über die Tatsache, daß Frauen im Filmbusiness noch immer ganz eklatant unterrepräsentiert sind: Als die deutsche Filmemacherin Isabell Šuba 2012 mit einem Kurzfilm zum Festival in Cannes eingeladen wird, heuert sie kurzerhand die Schauspielerin Anne Haug an, die sich in Cannes für Šuba ausgibt. Die Regisseurin selbst hält sich als vermeintliche Filmstudentin im Hintergrund und dokumentiert das wilde Treiben beim Festival, bei dem fast ausnahmslos männliche Regisseure ihre Filme präsentieren und die anwesenden Frauen (auf dem Roten Teppich oder an den von Paparazzi belagerten Stränden) fast nur ihre Brüste …

21. August:
Im dritten Teil der "ältere Herrschaften zeigen den jungen Actionkino-Stars, wie man richtig draufhaut"-Reihe fehlt zwar Bruce Willis (der von Hauptdarsteller und Produzent Sylvester Stallone wegen zu hoher Gagenforderungen mehr oder weniger rausgeschmissen wurde), dafür sind mit Harrison "Han Solo" Ford, Mel Gibson ("Machete Kills"), Antonio Banderas ("Haywire") und Wesley Snipes ("Blade"-Trilogie) sehr namhafte Neuzugänge zu vermelden. Die Regie hat dieses Mal der Australier Patrick Hughes ("Red Hill") übernommen, unter dessen Leitung "The Expendables 3" hoffentlich den sehr launigen Fun-Action-Ansatz des gelungenen zweiten Teils fortführt. Der spartanisch gehaltene Teaser zur legendären "Die Brücke am Kwai"-Pfeifmelodie ist jedenfalls schon mal ein kleiner Geniestreich, die im Gegensatz zu den beiden Vorgängern jugendfreie Zulassung in den USA kommt bei Fans weit weniger gut an.

"Madame Mallory und der Duft von Curry":
Der schwedische Regisseur Lasse Hallström ist Spezialist für gefällige Literaturverfilmungen, was er mit Werken wie "Chocolat", "Gottes Werk & Teufels Beitrag" oder "Lachsfischen im Jemen" hinlänglich bewiesen hat. Da überrascht es nicht, daß auch sein neuester Streich auf einem Roman (von Richard C. Morais) basiert: "Madame Mallory und der Duft von Curry" erzählt die turbulente Geschichte einer indischen Familie, die nach Südfrankreich zieht und ein indisches Restaurant eröffent – in unmittelbarer Nähe zu einem berühmten französischen Restaurant. Dessen von der OSCAR-Preisträgerin Helen Mirren ("Die Queen") verkörperte Besitzerin ist von der ambitionierten Konkurrenz gar nicht begeistert und zettelt einen Kleinkrieg an, der aber durch amouröse Verwicklungen schnell ziemlich verkompliziert wird …

"Storm Hunters":
1996 machte Jan de Bonts "Twister" viel Wind in den weltweiten Kinos (man möge mir das alberne Wortspiel verzeihen), seitdem hat sich Hollywoods Katastrophenfilm-Abteilung lieber anderen Naturgewalten als Wirbelstürmen zugewandt – etwa Vulkanen ("Volcano", "Dante's Peak", "Pompeji"), Meteoriten ("Armageddon", "Deep Impact"), Eiszeiten ("The Day After Tomorrow"), mordlüsternen Pflanzen ("The Happening") oder auch Sturmfluten jeglicher Couleur ("Noah", "The Impossible", "Der Sturm"). Höchste Zeit also für einen neuen Tornado-Film. Das dachte sich offensichtlich auch "Final Destination 5"-Regisseur Steven Quale und präsentiert diese von Richard Armitage (Zwergenkönig Thorin Eichenschild in der "Der Hobbit"-Trilogie) angeführte Found Footage-Variante, die mit recht eindrucksvollen Trailern auf sich aufmerksam gemacht hat.

"Besser als nix":
In der deutschen Tragikomödie von Ute Wieland ("Freche Mädchen") spielt Jungstar François Goeske ("Summertime Blues") den antriebslosen Außenseiter Tom, der seit dem Tod seiner Mutter vor ein paar Jahren nur noch zu seinem Freund Mike und seiner Großmutter (Hannelore Elsner) ein gutes Verhältnis hat. Nachdem er das Abitur vermasselt hat, landet er schließlich in einem Bestattungsinstitut, wo es ihm überraschend gut gefällt. Als er in Sarah (Anna Fischer, "Wir sind die Nacht") sogar eine Seelenverwandte kennenlernt, scheint sich alles zum Guten zu wenden – doch dann trifft Tom ein erneuter Schicksalsschlag … Story und Besetzung (neben den Genannten sind auch noch Wotan Wilke Möhring und Clemens Schick mit von der Partie) lassen auf anspruchsvolle Unterhaltung jenseits des deutschen Komödien-Mainstreams hoffen.

28. August:
So konsequent und erfolgreich, wie Comicriese Marvel das "Cinematic Universe" rund um seine "Avengers"-Superhelden aufgebaut hat, ist zwar jeder neue Solo-Film von Iron Man, Thor oder Captain America ein Kino-Ereignis, aber ein für die Produzenten ziemlich risikoarmes. Daß man durchaus auch jenseits mutiger Personalentscheidungen bei den Regisseuren der Filme bereit ist, ein Risiko einzugehen, beweist diesen Sommer "Guardians of the Galaxy". Auch die Guardians gehören zu besagtem "Cinematic Universe" (wie bereits der Teaser am Ende von "Thor – The Dark Kingdom" zeigte), unterscheiden sich aber sehr deutlich von den bereits etablierten Superhelden: Es handelt sich hierbei um eine bunt zusammengewürfelte Truppe intergalaktischer Kreaturen, zu der unter anderem eine Art genmanipulierter Waschbär (im Original gesprochen von "Hangover"-Star Bradley Cooper), ein Baumwesen (gesprochen von Vin "Riddick" Diesel) und eine grünhäutige Killerin (Zoe Saldana, "Star Trek Into Darkness") gehören und die zur unwahrscheinlichen letzten Hoffnung für die Galaxie werden. Inszeniert wird das Ganze passenderweise von B-Movie-Spezialist James Gunn ("Slither", "Super"), der erstmals ein Blockbuster-Budget zur Verfügung gestellt bekam.

"Diplomatie":
Der deutsche Regie-Altmeister Volker Schlöndorff widmet sich einmal mehr dem Zweiten Weltkrieg (wie bereits in "Die Blechtrommel", "Der Unhold", "Der neunte Tag" und "Das Meer am Morgen"). Diesmal präsentiert er die Geschichte des deutschen Stadtkommandanten von Paris Dietrich von Choltitz (Niels Arestrup, "Gefährten"), der sich im Sommer 1944 – als die Alliierten gewissermaßen bereits vor der Tür stehen (allerdings ohne höflich anzuklopfen) – entscheiden muß, ob er dem Befehl des "Führers", Paris in Schutt und Asche zu legen, folgen soll … oder doch lieber kapitulieren und damit viele Menschenleben auf beiden Seiten retten? In weiteren Rollen sind Burghart Klaußner ("Das weiße Band"), Robert Stadlober ("Krabat") und André Dussolier ("Kein Sterbenswort", "Die Schöne und das Biest") zu sehen.

Im neuen Film des irischen "Once"-Regisseurs John Carney dreht sich wieder alles um Musik und Liebe: Eine junge Musikerin (Keira Knightley, "Stolz und Vorurteil") versucht, in New York richtig durchzustarten, wird aber emotional ziemlich ausgebremst, als ihr langjähriger Freund mit ihr Schluß macht. Doch als sie einen Musikproduzenten (Mark Ruffalo, "Brothers Bloom") kennenlernt, fliegen die Funken … Beim Festival in Toronto wurde die musische Romanze sehr freundlich aufgenommen, sie soll aber nicht ganz an "Once" heranreichen.

"Doktorspiele":
Eine auf einer Party spielende Teenager-Komödie rund um Liebeswirren von "Schule"-Regisseur Marco Petry, der als Vorbild ausdrücklich den US-Genreklassiker "American Pie" nennt. Als Eltern der Hauptfigur Andi (Merlin Rose) sind Christiane Paul ("Im Juli") und Oliver Korittke ("Bang Boom Bang") zu sehen.

"Wolfskinder":
Ein deutsches Historiendrama um Kinder, die kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu Vertriebenen aus ihrer Heimat Ostpreußen werden und unter widrigsten Umständen in der Wildnis Litauens um ihr Überleben kämpfen. Regie führte der Newcomer Rick Ostermann (Regieassistent u.a. bei "Die kommenden Tage" und "Gnade"), in kleineren Erwachsenen-Rollen sind Jürgen Vogel und Jördis Triebel zu sehen (die bereits im Jahr 2006 in "Emmas Glück" gemeinsam agierten). 

"Dracula 3-D":
Früher, in den 1970er und 1980er Jahren, hat der italienische Regisseur und Drehbuch-Autor Dario Argento reihenweise Werke vorwiegend aus dem Horrorgenre geschaffen, die heute als Kultklassiker gelten. In Deutschland teilweise bis heute indizierte Filme wie "Suspiria", "Rosso – Farbe des Todes" oder "Tenebre – Der kalte Hauch des Todes" überzeugen noch immer mit einer unfaßbar dichten Atmosphäre, einer stylishen Inszenierung und natürlich viel, viel Blut. Irgendwann scheint Argento aber sein Händchen für gute Filme verloren zu haben, sein letztes überwiegend freundlich aufgenommenes Werk war im Jahr 1987 die "Phantom der Oper"-Variation "Terror in der Oper". Alles, was danach kam (u.a. "Das Stendhal Syndrom" und "The Card Player"), gilt bestenfalls als mittelmäßig, doch den absoluten Tiefpunkt erreichte Argento (hoffentlich) 2012 mit "Dracula 3-D", der nun – warum auch immer – sogar noch eine limitierte deutsche Kinoauswertung erfährt. Trotz einer durchaus recht ansprechenden, genreerfahrenen Besetzung mit dem deutschen Hollywood-Export Thomas Kretschmann ("Wanted", "King Kong") in der Titelrolle, dem holländischen Altstar Rutger Hauer ("Blade Runner", "The Hitcher", "Sin City") als Van Helsing und Argentos attraktiver Tochter Asia ("Die Bartholomäusnacht", "xXx") als Lucy sorgte "Dracula 3-D" selbst im Rahmen des Fantasy Filmfest vorwiegend für fassungsloses Kopfschütteln, obwohl das Publikum dieses Festivals nun wahrlich so einiges an trashigen Filmen gewohnt ist. Grottige Dialoge, gelangweilte Darsteller, eine schlampige Inszenierung, mißlungene CGI-Effekte, so lautet das Urteil auch der professionellen Kritiker. Kurzum: Diese "Dracula"-Adaption dürfte nur etwas für beinharte Fans sein ...


Das ist es also, das deutsche Kinoprogramm des Fußball-WM-Sommers 2014. Ab September werden dann wieder vermehrt etwas kleinere, aber inhaltlich tendentiell anspruchsvollere Filme starten, und auch das Horrorgenre wird rechtzeitig zu Halloween nicht vernachlässigt werden. Mehr dazu wird es natürlich wieder in meiner Herbst/Winter-Vorschau geben ...


Bei Gefallen an meinem Blog würde ich mich über die Unterstützung von "Der Kinogänger" mittels etwaiger amazon.de-Bestellungen über einen der Links in den Rezensionen oder das amazon-Suchfeld in der rechten Spalte freuen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen