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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 25. Juni 2013

X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG (2011)

Originaltitel: X-Men: First Class
Regie: Matthew Vaughn, Drehbuch: Ashley Edward Miller, Zack Stentz, Jane Goldman und Matthew Vaughn, Musik: Henry Jackman
Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbender, Kevin Bacon, Rose Byrne, Jennifer Lawrence, January Jones, Oliver Platt, Nicholas Hoult, Jason Flemyng, Ray Wise, Zoë Kravitz, Edi Gathegi, Lucas Till, Caleb Landry Jones, Álex González, Rade Serbedzija, James Remar, Michael Ironside, Glenn Morshower, Matt Craven, Brendan Fehr, Don Creech, James Faulkner, Laurence Belcher, Bill Milner, Olek Krupa, Tony Curran, Wilfried Hochholdinger, Ludger Pistor
 X-Men: First Class
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 86% (7,4); weltweites Einspielergebnis: $353,6 Mio.
FSK: 12; Dauer: 131 Minuten.

Anfang der 1960er Jahre will der Bösewicht Dr. Sebastian Shaw (Kevin Bacon, "Super"), ein klassischer größenwahnsinniger Wissenschaftler, die Welt der Menschen zerstören und treibt dafür USA und Sowjetunion in die Kubakrise, die bekanntlich um ein Haar den Dritten Weltkrieg ausgelöst hätte. Aufhalten wollen ihn zwei Mutanten mit außergewöhnlichen Fähigkeiten: Erik Lehnsherr alias Magneto (Michael Fassbender, "Shame") und der frisch habilitierte Professor und Telepath Charles X. Xavier (James McAvoy, "Abbitte"). Mehr oder weniger im Auftrag einer mißtrauischen CIA sammeln sie eine Gruppe junger Mutanten und bilden diese aus, um gegen Shaw und seine Mutanten-Helfer zu bestehen und eine globale Katastrophe zu verhindern ...

Kritik:
Als bekannt wurde, daß die kommerziell höchst erfolgreiche, im Ruf nach den nur mittelmäßig aufgenommenen "X-Men: Der letzte Widerstand" und "X-Men Origins: Wolverine" aber leicht beschädigte Marvel-Mutanten-Reihe ein Reboot respektive Prequel erfahren würde (ein Prequel ist es auf jeden Fall, aber zumindest teilweise auch ein Reboot, da etliche Storydetails nicht mit den vorherigen Filmen übereinstimmen), reagierten viele Fans erst einmal mit Unverständnis und großer Skepsis. Hätte der Reihe nicht vielleicht eine etwas längere Pause gutgetan? Und danach eine Fortsetzung mit den bewährten Darstellern? Aber das Mißtrauen erwies sich als unbegründet, denn "X-Men: Erste Entscheidung" ist ein richtig guter Film geworden, der sich qualitativ nicht im geringsten hinter seinen Vorgängern verstecken muß.

Bryan Singer, Regisseur und Co-Autor von "X-Men" und "X-Men 2", ist als Produzent wieder mit an Bord und zählt zusätzlich zu den sechs Personen, die am Drehbuch beteiligt waren. Normalerweise ist eine so große Anzahl von Autoren nicht unbedingt ein gutes Zeichen, und tatsächlich ist die größte Schwäche von "X-Men: Erste Entscheidung" die arg klischeehafte Weltvernichtungsstory. Doch in allen anderen Bereichen – Humor, Figurenzeichnung, Dialoge – merkt man dem Drehbuch die vielen Beteiligten zum Glück nicht an. Das liegt sicher auch an der ebenso souveränen wie inspirierten Regie des Briten Matthew Vaughn ("Kick-Ass", "Der Sternwanderer"), dem es scheinbar mühelos gelingt, aus einer Vielzahl von Charakteren und Handlungssträngen ein sehr überzeugendes Ganzes zu gestalten.

Zu den größten Stärken des Films zählt zweifellos seine Besetzung. Der Deutsch-Ire Michael Fassbender und der Schotte James McAvoy verkörpern die beiden Protagonisten sehr gut und ausdrucksstark und harmonieren in ihren häufigen Wortgefechten hervorragend miteinander. Fassbender, der ja die anspruchsvolle Aufgabe hat, gewissermaßen einen jungen Sir Ian McKellen zu spielen, tut dies sogar atemberaubend gut, während McAvoy zwar auf ähnlich hohem schauspielerischen Niveau agiert, auf mich aber nur bedingt wie eine junge Version von Sir Patrick Stewart wirkt. Kevin Bacon wiederum gibt trotz der Klischeehaftigkeit seiner Figur einen überzeugenden Schurken, dem zuzusehen dank Bacons Präsenz und seines Charismas einfach Spaß macht. Doch nahezu ebenso beeindruckend sind die Nebenrollen besetzt. Selbst in kleinsten Rollen sind noch illustre Darsteller wie Ray Wise ("Excision"), Rade Serbedzija ("Eyes Wide Shut"), Michael Ironside ("Starship Troopers"), Oliver Platt ("Pieces of April") oder Jason Flemyng ("Kampf der Titanen") zu sehen, während die jungen Mutanten von einigen der talentiertesten Jungstars verkörpert werden. Vor allem die spätere OSCAR-Gewinnerin Jennifer Lawrence ("Silver Linings", "Die Tribute von Panem") als junge Mystique und Nicholas Hoult ("Jack and the Giants") als Beast beeindrucken, aber das Zusammenspiel der Jungdarsteller ist insgesamt äußerst gelungen. Rose Byrne ("Brautalarm") bleibt in der weiblichen Hauptrolle der Dr. Taggart dagegen etwas blaß (gerade im Vergleich zu Fassbender und McAvoy) und "Mad Men"-Aktrice January Jones agiert relativ ausdruckslos – was aber durchaus mit ihrer Figur der Emma Frost zusammenhängen könnte (ich kenne die Comicvorlage nicht und kann das daher nicht beurteilen). Achja, und außerdem gibt es zwei Cameos von Darstellern der alten Filme, von denen eines zu den denkwürdigsten der Filmgeschichte zählen dürfte ...

Die Spezialeffekte sind aufgrund eines im Vergleich zum über $200 Mio. teuren "X-Men: Der letzte Widerstand" um rund ein Viertel reduzierten Budgets nur selten richtig spektakulär und allgemein für einen Superhelden-Film vergleichsweise spärlich eingesetzt. Aber das schadet nicht im Mindesten, da so eben mehr Platz für Figurenzeichnung und Dialoge ist – und die sind ausgezeichnet umgesetzt. Auch die wunderbar abwechslungsreiche musikalische Untermalung durch "Kick-Ass"-Komponist Henry Jackman fügt sich nahtlos in das positive Gesamtbild ein – ob treibende Action-Themes, sanfte Untermalung der ruhigeren Szenen oder auch groovige 1960er Jahre-Melodien: es paßt einfach alles, und selbst der Abspann-Song "Love Love" von Take That weiß zu gefallen (klingt allerdings eher nach den 1980ern).

Ein perfekter Film ist Matthew Vaughn aber natürlich auch nicht gelungen. Am störendsten ist es, daß etliche Charaktere – ohne spoilern zu wollen – zu schnell eine recht einschneidende Veränderung durchlaufen. Psychologisch wäre es definitiv besser gewesen, diese Wandlung zumindest bei einigen Rollen erst in einer Fortsetzung zu vollziehen. Auch das Storypotential der ursprünglichen Konstellation hätte man ruhig noch etwas länger ausreizen können. Das hohe Tempo der Figurenentwicklung sorgt in Kombination mit dem großen Figurenensemble zudem dafür, daß zwangsweise einige Charaktere etwas auf der Strecke bleiben. Im Vergleich zum eindeutig überfrachteten "X-Men: Der letzte Widerstand" gelingt es Matthew Vaughns Prequel insgesamt dennoch, eine gute Balance zu finden. Mit einem langsameren Erzähltempo hätte "Erste Entscheidung" aber sogar noch besser werden können. Schade ist außerdem, daß das geradezu klassische "X-Men"-Thema der Toleranz gegenüber Fremdem ziemlich kurz kommt. Es wird zwar in der Story aufgegriffen und das sehr wohl überzeugend, aber eben doch etwas knapp.

Die übrigen Mängel sind dagegen fast vernachlässigbar. Einer betrifft sowieso nur die deutsche Synchronfassung, denn den Sprecher des jungen Charles fand ich wenig überzeugend – aber er hat sowieso nur wenige Sätze zu sagen. Etwas ärgerlicher ist, daß speziell in der ersten Filmhälfte in einigen Magneto-Szenen ziemlich offensichtlich ist, daß der Film zugunsten einer niedrigeren Altersfreigabe in den USA um ein paar Gewaltspitzen erleichtert wurde. Doch das sind letztlich nur kleine Schönheitsfehler, die nichts an dem Urteil ändern, daß "X-Men: Erste Entscheidung" einer der besten Sommer-Blockbuster der letzten Jahre ist. Und das wurde zumindest insofern belohnt, als trotz ein bißchen unter den Erwartungen (und den Vorgängern) bleibender Einspielergebnisse die Fortsetzung "X-Men: Days of Future Past" bewilligt wurde.

Fazit: "X-Men: Erste Entscheidung" ist eine rundum gelungene Verjüngungskur des zuvor strauchelnden X-Men-Franchise. Die Grundhandlung ist zwar nicht wirklich einfallsreich, aber die adrenalingetränkte inszenatorische Umsetzung, die sorgfältige Figurenzeichnung, die stets unterhaltsamen Dialoge und nicht zuletzt die fast ausnahmslos großartige Besetzung machen den Film zu einem großen und (für einen Sommer-Blockbuster) sogar erstaunlich intelligenten Vergnügen.

Wertung: 8,5 Punkte.


1 Kommentar:

  1. Ich fand den total schrecklich...-.-

    Ich mochte alle anderen X-Men Filmchen also 1-3 (nach VÖ).

    Die anderen Darsteller passten mir nicht...

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