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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 15. Februar 2013

PARKER (2013)

Regie: Taylor Hackford, Drehbuch: John J. McLaughlin, Musik: David Buckley
Darsteller: Jason Statham, Jennifer Lopez, Michael Chiklis, Nick Nolte, Patti LuPone, Clifton Collins Jr., Bobby Cannavale, Emma Booth, Wendell Pierce, Daniel Bernhardt, Billy Slaughter, Micah Hauptman, Carlos Carrasco, Kip Gilman
 Parker
(2013) on IMDb Rotten Tomatoes: 41% (4,8); weltweites Einspielergebnis: $46,2 Mio.
FSK: 16, Dauer: 118 Minuten.

Parker (Jason Statham, "The Expendables 2") ist ein Krimineller mit Prinzipien: Er stiehlt nur von denjenigen, die sowieso genug Geld haben, und Unschuldige dürfen nicht zu Schaden kommen. Als er gemeinsam mit einem vierköpfigen Team, das ihm sein Schwiegervater Hurley (Nick Nolte, "Hulk") vermittelt hat, die Einnahmen eines Vergnügungsparks in Ohio raubt, muß er feststellen, daß seine Komplizen sich nur wenig um Parkers Prinzipien scheren – und als er sich weigert, seinen Anteil direkt in einen nächsten, weit größeren Raubzug zu stecken, schießen sie mehrmals auf ihn, werfen ihn aus dem Auto und lassen den scheinbar Toten einfach liegen. Doch der unverwüstliche Parker wird gefunden und in ein Krankenhaus gebracht, wo er sich in Rekordzeit erholt. Sein nächstes Ziel: Rache. Mit der unwissentlichen Hilfe der attraktiven, aber weinerlichen Immobilienmaklerin Leslie Rodgers (Jennifer Lopez) findet Parker recht schnell heraus, welchen Coup seine verräterischen Ex-Partner im mondänen Küstenort Palm Beach planen. Allerdings muß er auch erfahren, daß die Männer, an denen er sich rächen will, ziemlich große Fische mit direkten Verbindungen zu einem mächtigen Mafiaboß in Detroit sind ...

Kritik:
Auch wenn der britische Ex-Wasserspringer Jason Statham vor allem durch seine Hauptrollen in schlichten, aber oft unterhaltsamen und handwerklich grundsoliden Actionkrachern wie der "Transporter"- oder der "Crank"-Reihe zum Genrestar wurde – hin und wieder versucht er sehr wohl, sich und seine schauspielerischen Fähigkeiten in anspruchsvolleren Filmen zu beweisen. "Snatch", "The Italian Job" oder "Bank Job" sind gelungene Beispiele dafür, "Parker" sollte offensichtlich ein weiteres werden. Das zeigt schon die Tatsache, daß mit Hollywood-Veteran und OSCAR-Gewinner Taylor Hackford ("Ein Offizier und Gentleman", "Ray") ein echter Könner für die Regie angeworben wurde. Zudem basiert der Film (lose) auf einem Roman der beliebten "Parker"-Kriminalromanreihe von Donald E. Westlake (veröffentlicht unter dem Pseudonym Richard Stark), die bereits Grundlage mehrerer erfolgreicher Kinoadaptionen war. Doch an genau diesen – allen voran John Boormans Action-Klassiker "Point Blank" mit Lee Marvin aus dem Jahr 1967, John Flynns "Revolte in der Unterwelt" (1973) mit Robert Duvall und Brian Helgelands "Payback" (2006) mit Mel Gibson – muß sich "Parker" dann natürlich auch messen lessen. Und dieser Vergleich fällt für Hackfords Film nicht sehr schmeichelhaft aus.

Denn selbst für sich genommen ist "Parker" bestenfalls ein mittelmäßiger Thriller. Zwar beginnt es mit dem Überfall auf den Vergnügungspark recht vielversprechend, doch anschließend geht es qualitativ fast nur noch bergab. Das fängt schon damit an, daß Parker sich selbst von schwersten Verletzungen in Windeseile erholt – zugegeben, das ist sozusagen eine typische Genre-Krankheit, über die man normalerweise wohlwollend hinwegblicken könnte. Doch Parkers Selbstheilungskräfte sind dermaßen extrem ausgeprägt, daß es schon ziemlich lächerlich ist. Für einen Film, der sich anders als etwa "Crank" nicht als durchgeknalltes B-Movie sieht, sondern eigentlich als seriösen Kriminal-Thriller, ist das dann doch peinlich. Auch ansonsten dominieren Logikfehler und unglaubwürdige Verhaltensweisen (warum zum Teufel warnt Parker seine Familienangehörigen erst dann vor eventuellen Vergeltungsschlägen der Mafia, nachdem er seinen Rachefeldzug bereits angetreten hat? Hätte jemand mit seiner Erfahrung und Abgebrühtheit das nicht besser wissen müssen?). Ganz zu schweigen davon, daß der Handlungsverlauf sehr vorhersehbar ist und damit im Lauf der immerhin zwei Stunden ziemlich langweilt. Hackford macht auch kaum Anstalten, die Story irgendwie aufzulockern. Zaghafte Versuche, etwas Humor einzubringen, mißlingen, stattdessen nervt der Regisseur zu Beginn mit völlig sinnfreien Rückblenden, die zum Glück schnell im Nichts verlaufen. Hinzu kommt, daß der finale Raubzug der Bösewichte dermaßen dilettantisch geplant ist, daß er – zumindest in der Art, wie er in "Parker" gezeigt wird – niemals erfolgreich sein dürfte. Kurzum: Die ganze Angelegenheit entwickelt sich ziemlich ärgerlich.

Besonders erschreckend ist, daß Hackford, der immerhin Louis Gossett Jr. und Jamie Foxx zu OSCARs geführt hat, hier seine Darsteller nicht einmal ansatzweise zu Karrierebestleistungen treibt. Statham macht seine Sache wie gewohnt ordentlich und baut zumindest ansatzweise eine emotionale Bindung zum Publikum auf, aber ansonsten gibt es in Sachen Schauspieler wenig Erbauliches. Jennifer Lopez, die unter der Regie von Steven Soderbergh in "Out of Sight" bewiesen hat, zu was sie in einem Film dieser Art fähig ist, bleibt sehr blaß, was auch an der offensichtlich fehlenden Chemie mit Statham liegt. Während in "Out of Sight" zwischen Lopez und George Clooney die erotischen Funken nur so sprühten, knistert es zwischen ihr und Statham noch nicht einmal leise. Nick Noltes Beitrag beschränkt sich im Wesentlichen darauf, erschreckend alt auszusehen, und selbst Michael Chiklis (TV-Serie "The Shield") hat als Oberbösewicht zwar ein paar nette Szenen, bleibt aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Lediglich Patti LuPone ("Der einzige Zeuge", "Miss Daisy und ihr Chaffeur") sorgt in ihrer Nebenrolle als Leslies pragmatische Mutter für etwas Schwung. Davon abgesehen ist auch die Synchronisation nicht allzu hilfreich, indem sie versucht, Parkers texanischen Akzent (den er für eine Tarnung vorübergehend verwendet) ins Deutsche zu übertragen. Das Resultat klingt erwartungsgemäß unnatürlich und albern – allerdings kann es theoretisch natürlich sein, daß dies sogar gewollt und Stathams Akzent in der Originalfassung ähnlich unglaubwürdig ist.

So enttäuschend das alles ist, ein Totalausfall ist "Parker" dennoch nicht. Das liegt vor allem an den zwar eher wenigen, jedoch routiniert inszenierten Actionszenen, in denen Statham seine physische Präsenz und seine Kampffertigkeiten ausspielen kann. Auch der rockige Soundtrack von David Buckley ("The Town") macht Laune. Das reicht zwar bei weitem nicht aus, um Hackfords Film in höhere Wertungsgefilde zu hieven, aber immerhin macht es "Parker" zu mediokrer Genreware.

Fazit: "Parker" ist ein generischer Action-Thriller, der trotz guter Ansätze in Vorhersehbarkeit erstickt. Solide Actionszenen und ein in diesem Genre bewährter Hauptdarsteller sorgen wenigstens gelegentlich für Freude, dafür nerven die schablonenhaften Charaktere, die sich ausgesprochen dämlich verhalten.

Wertung: 5 Punkte.


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