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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 18. Dezember 2012

SILENT HILL (2006)

Regie: Christophe Gans, Drehbuch: Roger Avary, Musik: Jeff Danna und Akira Yamaoka
Darsteller: Radha Mitchell, Sean Bean, Jodelle Ferland, Laurie Holden, Alice Krige, Deborah Kara Unger, Kim Coates, Tanya Allen, Colleen Williams, Roberto Campanella
 Silent Hill
(2006) on IMDb Rotten Tomatoes: 30% (4,5); weltweites Einspielergebnis: $97,6 Mio.
FSK: 16, Dauer: 126 Minuten.

Als ihre Adoptivtochter Sharon (Jodelle Ferland, "The Cabin in the Woods", "ParaNorman"), die seit längerem schlafwandelt und dabei von einem Ort namens "Silent Hill" spricht, bei einem ihrer nächtlichen Ausflüge fast ums Leben kommt, entscheidet sich Rose da Silva (Radha Mitchell, "Olympus Has Fallen"), gegen den Willen ihres Mannes Christopher (Sean Bean, "Der Herr der Ringe") mit Sharon in die ehemalige Bergarbeiterstadt Silent Hill zu fahren – obwohl es sich dabei nach ihrer Internet-Recherche um eine nach einem gewaltigen Feuer ausgestorbene Geisterstadt handelt. Kaum dort angekommen, ist Sharon plötzlich verschwunden und Rose macht sich gemeinsam mit der taffen Polizistin Cybil (Laurie Holden, "Der Nebel", TV-Serie "The Walking Dead") auf die Suche nach ihr. Diese bleibt zunächst erfolglos, stattdessen treffen die beiden auf einige grauenerregende, alptraumhafte Kreaturen und müssen schließlich sogar feststellen, daß es scheinbar unmöglich ist, die Stadt wieder zu verlassen. Folglich versuchen die Frauen weiterhin, Sharon zu finden und kommen so langsam dem schrecklichen Geheimnis der doch nicht ganz so toten Stadt auf den Grund ...

Kritik:
Keine Frage: "Silent Hill" war zum Zeitpunkt des Kinostarts 2006 sowohl die beste als auch die authentischste Verfilmung eines Computer- oder Videospiels bis dahin (und ist es wohl noch im Jahr 2012, eventuell gemeinsam mit Mike Newells "Prince of Persia"). Nun will das angesichts der überwiegend erbärmlichen Konkurrenz von "Alone in the Dark", "Wing Commander" oder "Max Payne" zugegebenermaßen noch nicht viel heißen. Tatsächlich ist "Silent Hill" mit seiner für das Genre erstaunlich langen Dauer von rund zwei Stunden aber ein richtig guter und sehr gruseliger Horrorfilm – vor allem, jedoch keineswegs ausschließlich für Kenner der Spiele –, der sich vollkommen zurecht als veritabler Publikumserfolg erwiesen hat.

Dem französischen Regisseur Christophe Gans ("Pakt der Wölfe") ist es trotz so einiger inhaltlicher Abweichungen von dem als Basis des Films dienenden ersten Spiel hervorragend gelungen, die Atmosphäre der kultigen Reihe des japanischen Herstellers Konami einzufangen. Das verkommen aussehende, menschenleere Städtchen ist permanent in Nebel gehüllt (der hier allerdings streng genommen ein ununterbrochener Ascheregen infolge eines unterirdischen Feuers ist), die trostlosen Gebäude, darunter ein Hotel, ein Krankenhaus und eine Schule, erinnern stark an die Räumlichkeiten der Spiele. Die von Patrick Tatopoulos ("Independence Day", "I Am Legend") designten und ebenfalls den Spielen nachempfundenen Kreaturen sind zudem äußerst wirkungsvoll eingesetzt. Zwar hätte ich mir einerseits gewünscht, sie noch etwas öfter zu Gesicht zu bekommen, aber andererseits läßt sich nicht leugnen, daß durch Gans' eher sparsamen Einsatz die gruselige Wirkung umso höher ausfällt. Das Highlight ist sicherlich "Pyramid Head", die hervorragend umgesetzte Kultfigur der Spielereihe, die eigentlich erst im brillanten "Silent Hill 2" in die Spielewelt eingeführt wurde. Als besonders bedeutsam für die apokalyptische Atmosphäre des Films erweist sich ganz wie in den Spielen die Musik (im weiteren Sinne), denn die gesamte Szenerie ist unterlegt von den vertraut verstörenden Klängen des Spiel-Komponisten Akira Yamaoka – und von einer wahrlich angsteinflößenden Sirene, die nichts Gutes verheißt ...

Leider hält das Drehbuch von Roger Avary ("Pulp Fiction", "Killing Zoe") nicht ganz mit der Atmosphäre mit. Zwar hat er in Anlehnung an die Vorlage eine schön düstere Geschichte mit für Genreverhältnisse ordentlicher Figurenzeichnung und einem recht behutsam (für manche allerdings sogar zu langsam) ansteigenden Spannungsbogen geschaffen, die stilistisch gut zu "Silent Hill" paßt. Aber vor allem die arg gewöhnliche Auflösung der Mysterien erweist sich als größte Schwäche des Films. Dies gilt weniger für den Inhalt, sondern eher für die gezwungen wirkende Einbettung in den narrativen Kontext. Zwar ist die entsprechende Sequenz kurz vor dem großen Finale optisch sehr schön in den aus den Spielen bekannten körnigen Bildern umgesetzt, aber letztlich ziemlich banal. Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, daß sie eigens für diejenigen eingefügt wurde, die "Silent Hill" noch nicht kennen. Die Filmemacher versuchen, die Geschehnisse so zu erklären, daß alles auch für diejenigen einigermaßen Sinn ergibt, die das Spieleuniversum nicht kennen. Doch dadurch verliert der Film jedoch auf der Zielgeraden noch viel von seiner geheimnisvollen Atmosphäre, die zuvor so mühsam und detailverliebt aufgebaut wurde und die – wie in den Spielen – gar nicht darauf angewiesen ist, vollkommen nachvollziehbar zu sein. "Silent Hill" steht seit jeher für alptraumhafte Gruselunterhaltung mit starken Geschichten, die aber nicht immer Sinn ergeben müssen. Bei der Kino-Adaption hat man sich offenbar nicht getraut, das genauso zu handhaben. Dieses Zugeständnis an das "normale" Publikum tut dem Film jedenfalls nicht gut, auch wenn trotzdem noch Spielraum für Interpretationen bleibt.

Die größtenteils weibliche Besetzung von "Silent Hill" mit Hauptdarstellerin Mitchell, Holden, Deborah Kara Unger ("Hurricane", "Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein"), Alice Krige (der Borg-Königin aus "Star Trek: Der erste Kontakt") und der überzeugenden Jungdarstellerin Jodelle Ferland ist zwar nicht herausragend, macht ihre Sache aber trotz so manch eines qualitativ eher zweifelhaften Dialoges gut. Lediglich Sean Bean, dessen Erlebnisse in der "realen Welt" auf der Suche nach Frau und Tochter die eigentliche Handlung immer wieder kurz unterbrechen, wirkt eher deplaziert. Das liegt jedoch eindeutig nicht an ihm, sondern an seiner Rolle, die von Roger Avary erst nachträglich auf Wunsch des Studios in sein ursprünglich nur Frauenrollen enthaltendes Skript integriert wurde.

Fazit: "Silent Hill" ist ein bildgewaltiger Horrorfilm, der vor allem auf seine schaurig-schöne Atmosphäre setzt, aber im spektakulären Finale auch ein paar drastische Splatterszenen zu bieten hat (dennoch gab es von der FSK eine überraschende Altersfreigabe ab 16 Jahren). Optisch und akustisch ist der Film eine echte Wucht, inhaltlich leider nicht so sehr.

Wertung (aus Sicht eines Horrorfans): 7,5 Punkte. Horrorfans mit "Silent Hill"-Erfahrung dürfen sogar bis zu einen Punkt aufschlagen, Zuschauer ohne Faible für das Genre sind hier dafür definitiv fehl am Platz.


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