Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 4. Oktober 2012

THE HAPPENING (2008)

Regie und Drehbuch: M. Night Shyamalan, Musik: James Newton Howard
Darsteller: Mark Wahlberg, Zooey Deschanel, John Leguizamo, Spencer Breslin, Robert Bailey Jr., Betty Buckley, Alan Ruck, Ashlyn Sanchez, Frank Collison, Victoria Clark, Jeremy Strong
 The Happening
(2008) on IMDb Rotten Tomatoes: 18% (4,0); weltweites Einspielergebnis: $163,4 Mio.
FSK: 16, Dauer: 90 Minuten.

Central Park, New York, morgens: Das Wetter ist schön, der Park gut gefüllt; plötzlich bleiben alle Menschen stehen, wirken verwirrt – und bringen sich dann kollektiv selbst um. Mit allen Hilfsmitteln, die dafür irgendwie in Frage kommen. Natürlich wird sogleich ein Terroranschlag vermutet und New York unverzüglich evakuiert. Davon betroffen ist auch der Lehrer Elliot Moore (Mark Wahlberg, "Date Night"), der gemeinsam mit seiner Frau Alma (Zooey Deschanel, "(500) Days of Summer"), seinem befreundeten Kollegen Julian (John Leguizamo, "Land of the Dead") und dessen kleiner Tochter Jess (Ashlyn Sanchez) nach Philadelphia fliehen will. Doch das mysteriöse Selbstmord-Phänomen breitet sich schneller aus als der Zug in die "Stadt der brüderlichen Liebe" fahren kann. Also sind Elliot und die anderen gezwungen, sich auf eigene Faust in Sicherheit zu bringen ...

Kritik:
M. Night Shyamalan war zum Kinorelease von "The Happening" erst 37 Jahre alt und hatte bereits eine wahre Karriere-Achterbahnfahrt als Regisseur hinter sich, die mancher 80-jährige Hollywood-Veteran nicht vorweisen kann. Auf den Megaerfolg mit "The Sixth Sense" folgten die bei Publikum und Kritikern ähnlich populären "Unbreakable" und "Signs" (wenngleich dessen Rezensionen schon negativer wurden). Sein nächster Film "The Village" wurde dann von den Kritikern gnadenlos verrissen und war auch kommerziell nur noch ein mittlerer Erfolg. "Das Mädchen aus dem Wasser" schließlich verstärkte den unguten Trend: Gehasst von vielen (der sowieso nur wenigen) Kinozuschauern, verachtet von den professionellen Schreiberlingen – wobei ich immer noch der Meinung bin, daß letzteres auch damit zusammenhängen könnte, daß eine wichtige Nebenfigur des Films ein extrem unsympathischer Filmjournalist ist ...

Mit "The Happening", dem ersten Shyamalan-Film, der in den USA die höchste kommerziell verträgliche Alterseinstufung "R" (freigegeben ab 17 Jahren) erhielt, sollte jedenfalls alles wieder besser werden, denn schon lange vor Kinostart sorgte der Stoff für Aufsehen: Es gab einen regelrechten Bieterstreit um das Drehbuch, ein früher Trailer legte die Internetserver beinahe lahm und der finale Trailer sah sogar noch besser aus. M. Night Shyamalan also wieder in Hochform? Leider nein. Es hat schon seinen Grund, warum fast alle Szenen in den Trailern aus der ersten halben Stunde stammen – denn die ist das absolute Highlight des Films. Die bedrohliche Szenerie wird mit den von Shyamalan gewohnten atmosphärischen Aufnahmen konsequent aufgebaut, der Boden für einen emotionalen Höllenritt bis hin zum grandiosen Showdown clever bereitet. Nur: Keines der filmischen Versprechen dieses gelungenen ersten Aktes wird auch nur ansatzweise überzeugend eingelöst.


Dabei sind die Ansätze wirklich vielversprechend: Mit "The Happening" wird dem Publikum ein Öko-Thriller mit beklemmender Prämisse präsentiert, der stilistisch zwischen Alfred Hitchcocks klaustrophobischem Meisterwerk "Die Vögel" und der beißenden Gesellschaftskritik der "Zombie"-Filme von George A. Romero schwankt und in seiner (wenig subtilen) Botschaft so weit geht, daß so mancher republikanische Politiker ihn mit Sicherheit als anti-amerikanisch einstuft. Aber gute Ansätze reichen eben bekanntermaßen nicht aus. So ist "The Happening" beispielsweise alles andere als ein charaktergetriebener Film. Zahlreiche der teils durchaus interessanten Nebenfiguren verschwinden bereits nach wenigen Minuten vollständig von der Bildfläche, selbst Leguizamos Figur – die zunächst wie eine zweite Hauptrolle neben Wahlberg wirkt – wird sträflich verschwendet. Und Mark Wahlberg? So gut er schauspielerisch auch sein kann (siehe "The Departed"): Hier erfüllt er seine allzu klischeebeladene Rolle niemals mit Leben. Lediglich Zooey Deschanel gelingt dies bei ihrer Figur leidlich, was den Film aber auch nicht retten kann.

Daß sich im Handlungsverlauf einige Logikfehler ergeben, ist für einen Horrorfilm keine große Überraschung und normalerweise nicht übermäßig störend. Doch die teils arg abstrus wirkenden Erklärungsversuche der Figuren sorgen immer wieder für Erheiterung im Publikum – geradezu legendär geworden ist in dieser Hinsicht Wahlbergs Entschuldigung bei einer Zimmerpflanze! Allerdings gehe ich wohlwollend davon aus, daß Shyamalan speziell diese Szene und auch einige andere ganz gezielt dermaßen lachhaft gestaltet hat, um die Ahnungslosigkeit und Hilflosigkeit der Menschheit gegenüber der Natur zum Ausdruck zu bringen. In dem Fall wäre es also ein durchaus angemessenes Stilmittel, das in seiner Umsetzung aber trotzdem albern wirkt. Gleiches gilt für einige hoffnungslos überzeichnete Figuren, die völlig unglaubwürdig wirken und deren einzige Daseinsberechtigung ihre Skurrilität zu sein scheint ...

Gibt es nach so viel Leerlauf denn wenigstens noch den erhofften grandiosen Showdown? Weit gefehlt. Das lahme Finale ist mindestens genauso enttäuschend wie die 60 Minuten zuvor und die "überraschende" letzte Szene ist so vorhersehbar wie der tägliche Sonnenaufgang. Schade, wirklich schade. Was bleibt, ist ein gut gemeinter Öko-Horrorthriller, der nach einem wunderbar beklemmenden Auftakt fast alles falsch macht und eigentlich nur mit seiner zynischen, letztlich anti-humanen Aussage in Erinnerung bleibt.

Die deutsche Kinofassung ist übrigens ärgerlicherweise auch noch um ein paar recht explizite Suizidszenen erleichtert, um eine Altersfreigabe ab 16 Jahren zu erhalten. Sinnigerweise erhielt die ungeschnittene Version für die Heimkinoauswertung dann aber die gleiche Freigabe ...

Fazit: "The Happening" ist ein Horror-Thriller mit interessanter Öko-Prämisse, der mit einem mysteriös-atmosphärischen Auftakt ein Interesse schürt, das er im weiteren Verlauf infolge eines unheilvollen Aufeinandertreffens von frappierender Ideenlosigkeit und unglaubwürdigen Charakteren nicht einmal ansatzweise befriedigen kann.

Wertung: 4 Punkte.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen