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Mittwoch, 10. Oktober 2012

PARIS-MANHATTAN (2012)

Regie und Drehbuch: Sophie Lellouche, Musik: Jean-Michel Bernard
Darsteller: Alice Taglioni, Patrick Bruel, Marine Delterme, Michel Aumont, Marie-Christine Adam, Louis-Do de Lencquesaing, Yannick Soulier, Margaux Châtelier, Paul-Edouard Gondard, Arséne Mosca, Gladys Cohen, Woody Allen
 Paris-Manhattan
(2012) on IMDb Rotten Tomatoes: 43% (5,3); weltweites Einspielergebnis: $3,0 Mio.
FSK: 0, Dauer: 78 Minuten.

Alice (Alice Taglioni, "Ca$h") ist eine Pariserin um die 30, Single und Apothekerin. Während ihre Versuche, einen passenden Lebenspartner zu finden, zunächst eher glücklos verlaufen (ihr "Traummann" Pierre heiratet lieber ihre Schwester), sind ihre Fähigkeiten als unkonventionelle Apothekerin legendär: Kunden erzählen sich ehrfürchtig, wie sie einst einen Patienten allein mit Lubitsch-Filmen vom Sodbrennen heilte! Als sich schließlich durch die ebenso unerwünschten wie beharrlichen Verkupplungsversuche ihrer Familie doch zwei interessante Möglichkeiten auftun, sitzt sie bald zwischen allen Stühlen. Soll sie Pierres reichen, gutaussehenden und charmanten Jugendfreund Vincent (Yannick Soulier) bevorzugen oder doch den eher rustikalen Alarmanlagenkonstrukteur Victor (Chansonnier Patrick Bruel, "Der Vorname"), mit dem sie sich wunderbare Wortgefechte liefert? Selbst ihr Idol Woody Allen, der von einem Plakat in ihrem Schlafzimmer aus mit ihr spricht, kann ihr da nicht wirklich weiterhelfen ...

Kritik:
Das Spielfilmdebüt der 42-jährigen Französin Sophie Lellouche ist eine Mischung aus Woody Allen-Hommage und typisch französischer Beziehungskomödie mit ernsten Zwischentönen. Zu Beginn dominieren die Anspielungen auf Allen, mit dem sie häufig Zwiegespräch führt und über dessen Vorzüge sie tagelang referieren könnte. In der zweiten Hälfte rückt dieses Element vorrübergehend in den Hintergrund, es geht verstärkt um ihre Beziehungsgeschichten und auch um die Probleme ihrer Eltern und ihrer Schwester. Dadurch, daß Lellouches Dialoge deutlich an die von Woody Allen erinnern und auch die Handlung immer wieder direkt oder indirekt Bezug auf den berühmtesten Stadtneurotiker der Welt nimmt, schwebt dieser aber ständig wie ein guter Geist über dem Film. Man muß jedoch kein ausgewiesener Fan von Woody Allen sein, um "Paris-Manhattan" zu mögen; es ist zwar von Vorteil, da einem sonst viele Anspielungen entgehen, aber die Handlung läßt sich auch ohne jede Kenntnis von Allens Werk gut verfolgen. Wer aber überhaupt nichts mit ihm und seinen Filmen anfangen kann, der wird mit großer Wahrscheinlich auch mit "Paris-Manhattan" nicht glücklich werden.

Obwohl die Handlung alles andere als originell ist und von vornherein kein Zweifel besteht, für wen sich Alice am Ende entscheiden wird, funktioniert sie ziemlich gut. Vielleicht verfranst sich Sophie Lellouche in ein bißchen zu vielen nur kurz angeschnittenen Handlungsfäden, aber dank der wunderbaren Hauptfigur ist das halb so schlimm. Die attraktive Alice erinnert ein wenig an die Titelfigur von Jean-Pierre Jeunets "Die fabelhafte Welt der Amélie", mit ihren putzigen Weltverbesserungsversuchen, einer gewissen Schnoddrigkeit und einer zunächst verleugneten tiefromantischen Ader. Die Qualität und die Originalität von Jeunets Meisterwerk (oder die der besten Filme von Woody Allen) erreicht "Paris-Manhattan" zwar nie, aber auch Alice weiß das Publikum zu verzaubern. Zudem harmoniert Darstellerin Alice Taglioni gut mit Patrick Bruel, der seine Rolle ebenso sympathisch und charismatisch verkörpert wie sie.

Obwohl er nur gut 75 Minuten dauert, fühlt sich der Film länger an. Das klingt nicht unbedingt nach einem Kompliment, ist aber gar nicht böse gemeint. Es ist tatsächlich so, daß "Paris-Manhattan" gefühlt genauso lang dauert wie eine durchschnittliche romantische Komödie von 90 oder 100 Minuten, ohne dabei aber langatmig zu wirken. Vermutlich läßt sich diese gefühlte Länge damit erklären, daß Lellouche ihre Story fast ausschließlich mit Dialogen vorantreibt und auf die obligatorischen "Zwischenszenen" (Landschaftsaufnahmen, wortlose Spaziergänge oder Autofahrten u.ä.) verzichtet. Für eine Komödie nicht ganz so glücklich ist es, daß es keinen einzigen echten Lacher gibt, aber dafür gibt es jede Menge Anlaß zum Schmunzeln ...

Fazit: "Paris-Manhattan" ist eine locker-leichte französische Beziehungskomödie mit zwei ungemein sympathischen Hauptdarstellern, deren Handlungsverlauf zwar sehr schablonenhaft ist, die aber durch die Einbeziehung von Woody Allen einen besonderen Kniff vorweisen kann.

Wertung: 7 Punkte. Plus/minus einen Punkt, je nachdem, wie sehr man Woody Allen mag.


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