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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 9. Oktober 2012

INVICTUS (2009)

Regie: Clint Eastwood, Drehbuch: Anthony Peckham, Musik: Kyle Eastwood, Michael Stevens
Darsteller: Morgan Freeman, Matt Damon, Julian Lewis Jones, Adjoa Andoh, Matt Stern, Patrick Mofokeng, Marguerite Wheatley, Leleti Khumalo, McNiel Hendriks, Zak Feaunati, Scott Eastwood, Rolf E. Fitschen, Grant L. Roberts, Vaughn Thompson, Graham Lindemann
 Invictus
(2009) on IMDb Rotten Tomatoes: 76% (6,6); weltweites Einspielergebnis: $122,2 Mio.
FSK: 6, Dauer: 133 Minuten.

Südafrika kurz nach dem Ende der Apartheid: Nelson Mandela (Morgan Freeman, "The Dark Knight") ist gerade zum Präsidenten gewählt worden. Während ein nicht unbeträchtlicher Teil der jahrzehntelang brutal unterdrückten schwarzen Bevölkerungsmehrheit auf verschiedenste Art und Weise auf Vergeltung aus ist, plädiert Mandela dafür, lieber in die Zukunft zu sehen und diese gemeinsam friedlich zu gestalten. Deshalb wehrt er sich auch gegen Forderungen, die bei den meisten Schwarzen verhassten traditionellen Farben und die Hymne der "Springboks", des von den Weißen im Land heiß und innig geliebten südafrikanischen Rugby-Teams, zu verbieten. Er sieht gerade angesichts der bevorstehenden Weltmeisterschaft im eigenen Land die Chance, durch den Rugbysport den Versöhnungsprozeß im Land voranzubringen und nimmt deshalb den Kapitän der Mannschaft, François Pienaar (Matt Damon, "Der Informant!"), in die Pflicht ...

Kritik:
Als bekannt wurde, daß Altmeister Clint Eastwood einen Film über Nelson Mandela drehen würde, waren sich die meisten Branchenkenner einig, daß Hauptdarsteller Morgan Freeman sich seinen OSCAR als Bester Hauptdarsteller eigentlich nur noch abholen müsse. Daß es für ihn wie auch für Matt Damon bei einer Nominierung blieb (und dies auch die einzigen OSCAR-Nominierungen des Films waren), läßt bereits erahnen, daß "Invictus" mit einigen Problemen zu kämpfen hat.

Es mag unfair sein, Eastwood vorzuwerfen, daß er die schwierige Apartheid-Thematik nicht ernst genug angehe. Ganz offensichtlich ging es Eastwood nicht darum, einen Apartheid-Film zu drehen – er wollte lediglich einen einzelnen, aus historischer Sicht vergleichsweise unwichtigen, aber durchaus interessanten Aspekt der damaligen Geschehnisse aufgreifen und zu einem unterhaltsamen Film verarbeiten, der der Person Nelson Mandela und ihrem Wirken gerecht wird. Das ist ihm einigermaßen gelungen, denn sein "Invictus" ist ebenso gefällig wie sympathisch – aber leider auch ziemlich beliebig und arg oberflächlich. Speziell einige sehr plakativ eingestreute Szenen über die Versöhnung zwischen Schwarzen und Weißen durch den Katalysator Rugby wirken so verharmlosend, daß sie regelrecht ärgerlich sind. Wenigstens bei Mandelas Personenschutz gelingt es Eastwood recht überzeugend, die anfängliche starke Antipathie sowie das sich ganz langsam entwickelnde gegenseitige Verstehen und (angesichts ihrer Aufgabe unerläßliche) Vertrauen nachzuzeichnen. Dieser kleine Handlungsstrang zeigt, wie gut Eastwoods Film hätte werden können, doch leider kann der Rest da nicht mithalten.

Das erstaunlichste Problem von "Invictus" ist jedoch sicherlich, daß Mandela selbst gar nicht wie die Hauptfigur der Geschichte wirkt. Freeman verkörpert ihn mit gewohnter Souveränität, aber abgesehen von ein paar Szenen, in denen er seine Stärken als Moderator zwischen den verfeindeten Volksgruppen zeigen kann, gibt ihm Eastwood leider kaum etwas von Belang zu tun. Diese unerwartete Halbherzigkeit überträgt sich auch auf den Rugby-Teil der Geschichte. Bis auf Pienaar, der sich zumindest durch Nelson Mandela beeinflussen lassen darf, bleiben die Spieler beliebig und die Sportart selbst verharrt komplett im Hintergrund. Für jemanden, der keine Ahnung von Rugby hat, ist das einerseits eher eine Erleichterung, andererseits wirkt der Film dadurch nicht wirklich rund. Und als es zum Finale des Films dann doch längere Szenen auf dem Spielfeld zu sehen gibt, wirken diese unübersichtlich und wenig mitreißend inszeniert (und bleiben für Regelunkundige sowieso ein ziemliches Rätsel).

Fazit: "Invictus" ist eine technisch einwandfrei inszenierte, nett anzuschauende und gut gespielte, aber letztlich enttäuschend belanglose Mischung aus Sportfilm und Mandela-Biopic, bei der beide Hauptelemente infolge eines zu oberflächlichen Drehbuchs nie richtig in Fahrt kommen.

Wertung: 6,5 Punkte.


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