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Mittwoch, 13. Juni 2012

THE GUARD – EIN IRE SIEHT SCHWARZ (2011)

Regie und Drehbuch: John Michael McDonagh, Musik: Calexico
Darsteller: Brendan Gleeson, Don Cheadle, Liam Cunningham, Mark Strong, David Wilmot, Fionnula Flanagan, Rory Keenan, Gary Lydon, Katarina Cas, Michael Og Lane, Owen Sharpe, Laurence Kinlan, Sarah Greene, Dominique McElligott, Pat Shortt
 The Guard
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 95% (7,7); weltweites Einspielergebnis: $19,6 Mio.
FSK: 16, Dauer: 96 Minuten.

Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson) ist ein ziemlich unkonventioneller und eigenwilliger irischer Dorfpolizist. Er erfreut sich seines recht einfachen Lebens, bis plötzlich eine Leiche mit einem Loch im Kopf in seinem Zuständigkeitsbereich gefunden wird. Dann verschwindet noch sein neuer Partner spurlos und auf einer Informationsveranstaltung referiert der dunkelhäutige FBI-Agent Wendell Everett (Don Cheadle, "Iron Man 3") vor den Polizisten der Gegend über eine Gruppe gefährlicher Drogenschmuggler (und freut sich ungemein über Zwischenrufe von Gerry wie "Ich dachte, nur Schwarze würden mit Drogen dealen"). Boyle erkennt in einem der von Everett gezeigten Fotos sein Mordopfer wieder und nimmt in der Folge gemeinsam mit dem von der Zusammenarbeit nur mäßig begeisterten FBI-Agenten die Ermittlungen auf ...

Kritik:
Obige Inhaltsbeschreibung mag zunächst nach einer relativ konventionellen Krimi-Komödie klingen. Dieser Eindruck täuscht jedoch extrem, denn "The Guard" ist das Kinodebüt des Iren John Michael McDonagh. Dessen Bruder Martin hatte bereits drei Jahre zuvor seinen ersten Langfilm gedreht und mit "Brügge sehen ... und sterben?" (ebenfalls mit Gleeson in einer der Hauptrollen) mal eben ein kleines Meisterwerk des schwarzen Humors geschaffen. In der Familie McDonagh muß es lustig zugegangen sein, denn auch "The Guard" strotzt nur so vor herrlich zynischem Humor irischer Prägung und muß sich qualitativ keineswegs hinter "Brügge sehen ... und sterben?" verstecken. Vor allem Boyles knackige Oneliner und seine (ziemlich erfolgreichen) Versuche, den FBI-Agenten Wendell mit mit Unschuldsmiene vorgetragenen verbalen Seitenhieben in den Wahnsinn zu treiben, sorgen für viel gute Laune beim Publikum.

Dennoch sind die stilistischen Ähnlichkeiten zum betont melancholischen "Brügge sehen ... und sterben?" gar nicht so groß, wie man meinen könnte. Zwar ist der Humor bei beiden Filmen vergleichbar schwarz, aber "The Guard" erinnert mehr an eine Mischung der Werke von Quentin Tarantino und dem jungen Guy Ritchie ("Bube, Dame, König, GrAs", "Snatch"). Vor allem das herrlich absurde und überzeichnete, von Liam Cunningham ("Harry Brown"), Mark Strong ("Dame, König, As, Spion") und David Wilmot (TV-Serie "Die Tudors") brillant verkörperte Gangster-Trio erntet zahlreiche Lacher und hätte definitiv mehr Szenen bekommen dürfen. Daß die drei überdeutlich an Tarantino-Gangster in Filmen wie "Reservoir Dogs" oder "Pulp Fiction" angelehnt sind, wenn sie beispielsweise über ihre Lieblings-Philosophen diskutieren, ist zwar auffällig, stört aber nicht. Gleiches gilt für die im Kern recht simple Kriminalhandlung, die durch etliche überraschende Entwicklungen genau im richtigen Maße und zur richtigen Zeit gewürzt wird.

Das Herz des Films ist ohne jede Frage Brendan Gleeson in der Titelrolle des Gerry Boyle. Schon seit "Braveheart" bin ich ein großer Fan des charismatischen Iren und freue mich, daß er im Lauf der Jahre zu einem begehrten und populären Nebendarsteller in großen Hollywood-Produktionen von "Troja" über "Gangs of New York" bis hin zu den Harry Potter-Filmen geworden ist, der in seiner Heimat auch immer wieder Hauptrollen wie diese hier bekommt. Und die politisch extrem unkorrekte Rolle des Sergeant Gerry Boyle ist ihm geradezu auf den Leib geschrieben. Zudem harmoniert er hervorragend mit dem von Don Cheadle gespielten, eher drögen FBI-Agenten Wendell, der so seine Probleme mit Gerrys schamlosem Verhalten und seinen Sprüchen hat, sich aber in bester Buddy-Komödien-Manier mit ihm zusammenrauft. Strenggenommen ist Cheadle mit dieser Rolle eigentlich unterfordert, dennoch funktioniert das Zusammenspiel mit Gleeson einwandfrei.

Bemerkenswert ist schließlich noch der eigentlich anachronistische, ein wenig an Ennio Morricones Italowestern-Melodien erinnernde Soundtrack der amerikanischen Band Calexico, der überraschenderweise hervorragend mit der schwarzhumorigen Story und McDonaghs Regiestil harmoniert. Aber Gerry Boyle erinnert tatsächlich ein bißchen an einen Einzelgänger wie den von Clint Eastwood unsterblich gemachten namenlosen Blonden in Sergio Leones "Zwei glorreiche Halunken" ...

Fazit: "The Guard" ist eine höchst unterhaltsame Mischung aus Krimi und schwarzer Komödie, die mit einem herausragenden Schauspielerensemble, einem großen Herz für die unzähligen schrägen Figuren und zahlreichen gelungenen Gags begeistert – sofern man sich generell für rabenschwarzen Humor begeistern kann.

Wertung: 8,5 Punkte.


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