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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Samstag, 7. April 2012

DIE PASSION CHRISTI (2004)

Originaltitel: The Passion of the Christ
Regie: Mel Gibson, Drehbuch: Benedict Fitzgerald und Mel Gibson, Musik: John Debney
Darsteller: Jim Caviezel, Monica Bellucci, Luca Lionello, Maia Morgenstern, Christo Jivkov, Hristo Shopov, Mattia, Sbragia, Giacinto Ferro, Francesco De Vito, Rosalinda Celentano
 The Passion of the Christ
(2004) on IMDb Rotten Tomatoes: 49% (5,9); weltweites Einspielergebnis: $611,9 Mio.
FSK: 16, Dauer: 127 Minuten.

Ca. 30 nach Christus: Jesus von Nazareth (James Caviezel, TV-Serie "Person of Interest") wird nach dem Verrat seines Jüngers Judas (Luca Lionello) von den Tempelwachen festgenommen und vor den römischen Statthalter Pontius Pilatus (Hristo Shopov, "Das Haus der Lerchen") gebracht. Nach der Unterhaltung mit Jesus ist Pilatus eigentlich von dessen Unschuld überzeugt und sucht nach einem Weg, die von den jüdischen Autoritäten verlangte Todesstrafe zu vermeiden. Doch seine Versuche schlagen fehl und so muß Jesus sich auf den schweren Weg zu seiner eigenen Kreuzigung machen ...

Kritik:
Bei all den Kontroversen, die sich nach dem Kinostart 2004 um diesen auf lateinisch, hebräisch und aramäisch gedrehten Film entzündeten, erwartet man eines wohl zuallerletzt: einen sterbenslangweiligen Film. Genau das ist "Die Passion Christi" jedoch - zumindest für mich als Atheist. Denn Mel Gibsons dritte Regiearbeit (nach "Der Mann ohne Gesicht" und "Braveheart") richtet sich ganz eindeutig an gläubige Christen. Das merkt man schon daran, daß sich Gibson nicht mit auch nur den geringsten Erklärungen zu Personen oder Vorgeschehnissen aufhält. Wer wie ich über eher rudimentäre Bibelkenntnisse verfügt, der wird durch Gibsons Vorgehensweise teilweise schlichtweg überfordert, zumal die Nebencharaktere weder richtig eingeführt werden noch sonstwie eine größere Rolle spielen oder gar eine echte Entwicklung durchlaufen.

Dadurch, daß sich der Film auf die letzten 12 Stunden im Leben von Jesus beschränkt, ist eine Dramaturgie kaum auszumachen. In diesen letzten 12 Stunden gibt es nun einmal nicht allzu viel Diversität, sondern fast nur die Leiden von Jesus auf dem Kreuzweg und bei der Kreuzigung selbst. Dabei ist der Prolog noch recht vielversprechend. Wunderschöne Bilder und sogar ein bißchen Handlung, dazu der interessante Kunstgriff, Satan in Person zu involvieren. Aber spätestens ab der ewig langen Auspeitschung von Jesus dominieren nur noch die Leiden des Heilands. Theoretisch ist es eine nette Idee, diese dadurch für den Zuschauer greifbarer zu machen, daß sie so ausführlich und realistisch brutal gezeigt werden wie in keinem anderen Film zuvor. Doch in der Praxis führt dieser Versuch schlicht zu Übersättigung, weshalb die unerträglichen Schmerzen, die Jesus durchleiden muß, nach kurzer Zeit kaum noch berühren. Allein geschätzte 10 Minuten Auspeitschung irritierenderweise samt Zeitlupeneinsatz wirken einfach nur ermüdend. Wie gesagt, das ist ausdrücklich aus der Sicht eines bloßen, nicht-gläubigen, Filmbetrachters beurteilt. Die Kreuzigung selbst ist in ihrer Schonungslosigkeit zugegebenermaßen durchaus beeindruckend in Szene gesetzt. Aber das rettet den Film auch nicht mehr.

Handwerklich ist "Die Passion Christi" hingegen wenig vorzuwerfen. Ausstattung, Kostüme und Kameraführung sind ausgezeichnet, die Musik von John Debney gefällt ebenfalls. Die Schauspieler wiederum sind größtenteils unterfordert. Hauptdarsteller James Caviezel hat eigentlich nicht viel mehr zu tun als zu leiden, zu schreien und zu beten. Monica Belluccis ("Pakt der Wölfe") Rolle der Maria Magdalena ist dramaturgisch komplett überflüssig, lediglich Hristo Shopov als Pontius Pilatus erhält vom Drehbuch genügend Gelegenheit, um sein darstellerisches Können zu beweisen.

So wenig mir "Die Passion Christi" insgesamt also gefallen hat, halte ich doch einen immer wieder geäußerten Vorwurf für haltlos: den des Antisemitismus. Die Juden kommen hier keinesfalls schlechter weg als die Römer. Und schon gar nicht schlechter als in vielen Vietnamkriegs-Filmen die Vietnamesen. Oder in vielen Weltkriegsfilmen die Deutschen oder Japaner. Laut Bibel sind die Juden hier nunmal die Bösen, da kann man dem Film kaum vorwerfen, daß er die jüdischen Figuren nicht als große Sympathieträger präsentiert ...

Fazit: "Die Passion Christi" ist als Film trotz schöner Bildkompositionen ein ziemlicher Reinfall mit kaum vorhandener Dramaturgie, plumpem Symbolismus, mäßigen Darstellerleistungen und einer schier endlosen und dabei erstaunlich schonungslosen Gewaltdarstellung. Als Meditationshilfe für Hardcore-Christen oder als (ob der Brutalität allerdings fragwürdige) Auflockerung für den Latein-Unterricht aber wohl nicht gänzlich ungeeignet. 

Wertung: 3,5 Punkte.


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