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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 23. Februar 2012

EXTREM LAUT & UNGLAUBLICH NAH (2011)

Originaltitel: Extemely Loud & Incredibly Close
Regie: Stephen Daldry, Drehbuch: Eric Roth, Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Tom Hanks, Sandra Bullock, Thomas Horn, Max von Sydow, Viola Davis, Jeffrey Wright, John Goodman, Zoe Caldwell
 Extremely Loud & Incredibly Close
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 46% (5,5); weltweites Einspielergebnis: $55,2 Mio.
FSK: 12, Dauer: 129 Minuten.
Das größte Vergnügen des 9-jährigen Oskar Schell (Thomas Horn) sind die an Schnitzeljagden erinnernden Aufgaben und Rätsel, die sein Vater (Tom Hanks) ihm stellt. Als dieser am 11. September 2011 im World Trade Center stirbt, wird für Oskar und seine Mutter (Sandra Bullock) ihre bislang heile Welt zerstört. Ein Jahr später findet Oskar bei den Sachen seines Vaters einen in einer Vase versteckten Schlüssel. Oskar ist sich sicher, daß sein Vater ihm ein letztes Rätsel gestellt hat und so macht er sich auf den Weg, anhand der wenigen Hinweise irgendwo in New York das passende Schloß zu finden ...

Kritik:
Die erste Hälfte von Stephen Daldrys ("Der Vorleser") Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Jonathan Safran Foer ("Alles ist erleuchtet") ist erstaunlich: Ich kann mich nicht erinnern, daß ich schon einmal von einem Film mit einer so bewegenden Grund-Thematik, in dem zudem dermaßen reichlich geheult und geschrien wird, so wenig emotional berührt wurde. Oskars Tobsuchtsanfälle – so verständlich sie sind, zumal er auch noch mit unklaren Ergebnissen auf das Asperger-Syndrom getestet wurde – nerven vor allem, und auch seine Suche in New York wird lange Zeit erschreckend beliebig und damit regelrecht langweilig dargestellt. Von jenem feinen Humor mit einem Hang zur Skurrilität, den die vorherige Foer-Verfilmung "Alles ist erleuchtet" von Liev Schreiber ausgezeichnet hat und der durchaus auch zu dieser traurigen Geschichte passen würde, ist zudem weit und breit keine Spur zu entdecken. Inwiefern das allerdings der Vorlage entsprechen mag, kann ich nicht beurteilen, da ich beide Bücher nicht gelesen habe.

Daß man die beim Thema "9/11" immer ungemein schwierige Gratwanderung zwischen erschütterndem Drama und ärgerlichem Helden-Pathos durchaus meistern kann, haben in der Vergangenheit Werke wie (bezüglich der Anschläge selbst) Paul Greengrass' "Flug 93" oder (in der subtilen Darstellung der Nachwirkungen auf die Gesellschaft) Spike Lees "25 Stunden" bewiesen – "Extrem Laut & Unglaublich Nah" scheitert an dieser Aufgabe zumindest in dieser ersten Hälfte grandios. Glücklicherweise ist zumindest die musikalische Untermalung durch Alexandre Desplat recht dezent ausgefallen. Hätte er einen zum Tonfall dieser ersten Stunde durchaus denkbaren Tränenzieher-Score komponiert, wäre ich wohl schreiend aus dem Kino gerannt ...

Glücklicherweise ist die zweite Filmhälfte deutlich besser gelungen. Genau genommen gilt dies ab jenem Moment, in dem die für diese Rolle für einen OSCAR als Bester Nebendarsteller nominierte Filmlegende Max von Sydow ("Die sieben Siegel", "Der Exorzist", "Shutter Island", "Conan, der Barbar") als stummer Untermieter von Oskars Großmutter die Handlungsbühne betritt. Er hilft dem Jungen bei seiner ambitionierten Suche und durch die wortlose Kommunikation zwischen den beiden ungleichen Gefährten gelingt es dem Film allmählich doch noch, eine gewisse emotionale Bindung zum Publikum aufzubauen. Jungdarsteller Thomas Horn macht seine Sache übrigens durchgehend gut (daß Oskar zu Beginn so nervt, ist allein der Rolle anzulasten), im Zusammenspiel mit von Sydow blüht er sogar noch ein Stückchen weiter auf. Da zudem die Auflösung des Schlüssel-Rätsels richtig gut gelungen und deutlich bewegender ist, als ich es lange Zeit für möglich gehalten hätte, konnte ich das Kino doch noch halbwegs zufrieden verlassen – die überraschende OSCAR-Nominierung als Bester Film bleibt für mich jedoch absolut nicht nachvollziehbar, zumal Filme wie "Drive" oder "Dame, König, As, Spion" übergangen wurden.

Fazit: "Extrem Laut & Unglaublich Nah" ist eine hochkarätig besetzte, aber lange Zeit unerklärlich blutleere Schilderung des Versuches eines Kindes, den unbegreiflichen Tod seines geliebten Vaters zu verarbeiten.

Wertung: 5,5 Punkte (3 für die erste Hälfte, 7,5 für die zweite).


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