Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 10. August 2016

LADYKILLERS (2004)

Regie und Drehbuch: Joel und Ethan Coen, Musik: Carter Burwell:
Darsteller: Tom Hanks, Irma P. Hall, J.K. Simmons, Tzi Ma, Marlon Wayans, Diane Delano, Ryan Hurst, Stephen Root, George Wallace, Greg Grunberg, Aldis Hodge, Bruce Campbell
 Ladykillers
(2004) on IMDb Rotten Tomatoes: 55% (6,1); weltweites Einspielergebnis: $76,7 Mio.
FSK: 12, Dauer: 104 Minuten.
Ein Kaff, irgendwo in den amerikanischen Südstaaten: Professor Goldthwaite Higginson Dorr (Tom Hanks, "Saving Mr. Banks") quartiert sich als Untermieter im Haus der betagten Marva Munson (Irma P. Hall, "Collateral") ein, einer liebenswürdigen, hilfsbereiten und gottesfürchtigen Afroamerikanerin. Vorgeblich will der Professor den gemieteten Raum nutzen, um in Ruhe mit einigen Freunden zu musizieren. In Wirklichkeit plant die Truppe jedoch den Einbruch in einem nahen Casino. Der exzentrische Professor ist das Gehirn des Vorhabens, Garth Pancake (J.K. Simmons, "Terminator: Genisys") ist der Sprengstoffspezialist, ein Vietnamese, der nur "der General" genannt wird (Tzi Ma, "Der stille Amerikaner"), fungiert als Tunnelbauexperte, Lump Hudson (Ryan Hurst, TV-Serie "Sons of Anarchy") ist der Mann fürs Grobe und der vorlaute Gawain (Marlon Wayans, "Taffe Mädels") ist als Casino-Angestellter der Insider. Der Professor hat einen scheinbar unfehlbaren Plan entwickelt, der jedoch durch einen Unglücksfall nach dem nächsten – viele vollkommen unabsichtlich herbeigeführt von der freundlichen Vermieterin Marva – auf eine sehr harte Probe gestellt wird …

Kritik:
"Ladykillers" ist ohne Zweifel einer der ganz großen Komödienklassiker! Unglücklicherweise meine ich jedoch nicht dieses seltsam uninspirierte Remake, sondern das britische Original von Alexander Mackendrick aus dem Jahr 1955, in dem Schauspielgrößen wie Alec Guinness, Peter Sellers und Herbert Lom als Gauner zum höchsten Vergnügen des Publikums von einer (von Katie Johnson verkörperten) Witwe und Hobby-Detektivin an den Rand des Wahnsinns (und darüber hinaus) getrieben werden. Ein solches Meisterwerk des britischen schwarzen Humors der Remake-Prozedur zu unterziehen, ist an sich ein hoffnungsloses Unterfangen – doch wenn sich die gefeierten mehrfachen OSCAR-Gewinner Joel und Ethan Coen an jenes Unterfangen wagen, dann sollte doch Hoffnung bestehen, daß ihnen zumindest eine ordentliche modernisierte Variation der haarsträubenden Geschichte gelingen könnte – zumal mit einem Tom Hanks in der Guinness-Rolle! Doch so sehr ich die Coens ansonsten (meist) schätze, mit diesem Remake haben sie sich gewaltig verhoben.

Dabei ist ihr "Ladykillers" gar kein schlechter Film – speziell jene Zuschauer, die das Original nicht kennen, dürften sich durchaus passabel amüsieren. Aber wenn man Mackendricks Werk mit seiner perfekten Mischung aus feinem Dialogwitz und hemmungslosem Slapstick gesehen hat, dann ist es geradezu erschreckend, wie belanglos, laut und einfach mittelmäßig die neue Version ausgefallen ist. Obwohl sich die Coens ausdrücklich am damaligen, für den OSCAR nominierten Drehbuch von William Rose orientiert haben, ist der Großteil des Witzes irgendwie bei der Übertragung in die USA des 21. Jahrhunderts verloren gegangen. Ja, man muß es so sagen: Dieser "Ladykillers"-Film ist nur selten komisch. Das liegt einerseits am neuen Skript, andererseits auch an den Darstellern – wobei sich das natürlich ein Stück weit gegenseitig bedingt. Ein großes Problem ist, daß die Coens den Fehler vieler Remakes begehen und noch eine Schippe drauflegen wollen (mir fällt da etwa Martin Scorseses "Departed" ein, der zwar viele OSCARs gewann, das aber nur deshalb, weil den meisten gar nicht klar war, daß es sich um ein zwar sehr unterhaltsames, dabei aber unglaubwürdig übertriebenes Remake des viel besseren und ernsthafteren Hongkong-Thrillers "Infernal Affairs" handelt).

In diesem Fall führt das unter anderem dazu, daß die Gags allzu oft laut und offensichtlich, manchmal sogar recht derb ausfallen. Das mag manchem Adam Sandler-Fan ein paar Lacher entlocken, wird der Vorlage aber nicht ansatzweise gerecht. Eine weitere Fehlentscheidung, die mit diesem grobschlächtigeren Humor eng zusammenhängt, ist es, aus den eigentlich ebenso gerissenen wie skrupellosen Verbrechern von 1955 strunzdumme Möchtegern-Kriminalgenies zu machen, die im Grunde genommen jeder Vollidiot zur Strecke bringen könnte. Mit dieser Vorgehensweise wird eben die wunderbare Prämisse von Mackendricks Film, in dem richtige Profis von einer übereifrigen Witwe zur Strecke gebracht werden, ziemlich ad absurdum geführt. Dazu kommt, daß auch die Darstellerriege bei weitem nicht die Qualität des großen Vorbilds erreicht. Wie gesagt, das ist sicherlich nicht nur den Schauspielern anzulasten, die nunmal mit dem arbeiten müssen, was die Regisseure und Autoren ihnen vorlegen; trotzdem ist es schon erschreckend, daß selbst ein Tom Hanks trotz sichtlicher Spielfreude mit einer oft übertrieben blasierten Performance teilweise eher nervt als unterhält. Simmons, Hurst und Wayans sind in ihren stereotypen Witzfigur-Rollen komplett verschenkt, während Tzi Ma als knallharter General wenigstens ein paar starke Szenen hat. Gerettet wird das Ensemble letztlich nur durch eine wirklich gute Vorstellung von Irma P. Hall, die für ihre überzeugende Leistung als die gutmütige Vermieterin Marva sogar den Jurypreis in Cannes gewann. Ansonsten ist aber leider nicht viel los in dieser Version der "Ladykillers", am gelungensten ist noch der schmissige, gospellastige Soundtrack geraten.

Fazit: "Ladykillers" ist für sich genommen eine mittelmäßige Komödie mit einer guten, aber verschenkten Besetzung; als Remake eines der größten Klassiker des britischen Kinos ist die Neufassung schlicht sinnlos.

Wertung: 5 Punkte.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen