Empfohlener Beitrag

In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Montag, 9. November 2015

TV-Tips für die Woche 46/2015

Ehe ich zu den eigentlichen TV-Tips für diese Woche komme, muß ich noch ein Versäumnis korrigieren: In der Nacht von Freitag auf Samstag zeigte Arte nämlich im Rahmen seiner wöchentlichen Kurzfilm-Nacht die Free-TV-Premiere des brandaktuellen schwedischen Festival-Lieblings "Kung Fury". Der schwedische 30-Minüter ist eine gewollt trashige und herrlich bescheuerte Hommage an TV-Serien, Videospiele und B-Actionfilme der 1980er Jahre und handelt von einem Cop in einem futuristischen Miami des Jahres 1985 (yep, das stimmt so), der mit übernatürlichen Kung Fu-Kräften ausgestattet ist ... Da Arte "Kung Fury" (in seiner englischsprachigen Originalfassung mit deutschen Untertiteln) noch bis Ende der Woche online zeigt, kann man diesen einfallsreichen und sehr witzigen, ein wenig an "Turbo Kid" erinnernden Nonsens-Kurzfilm noch bequem nachholen.

Montag, 9. November:
Arte, 20.15 Uhr: "The Kids Are All Right" (2010)
Die vielfach prämierte Arthouse-Tragikomödie über ein lesbisches Ehepaar mit zwei Kindern, deren harmonisches Leben durch das Auftauchen des leiblichen Vaters der beiden Kinder durcheinandergebracht wird, glänzt vor allem durch die schauspielerischen Leistungen (aber auch durch die Dialoge): Annette Bening und Julianne Moore verkörpern die Eltern, Mia Wasikowska ("Crimson Peak") und Josh Hutcherson ("Die Tribute von Panem") die Kinder und Mark "Hulk" Ruffalo den leiblichen Vater; Bening und Ruffalo wurden jeweils für einen OSCAR nominiert.

Eins Festival, 20.15 Uhr: "Away We Go – Auf nach Irgendwo" (2009)
In seinem inhaltlich wohl unspektakulärsten Film zeigt "Spectre"-Regisseur Sam Mendes, wie ein Ehepaar (Maya Rudolph und John Krasinski) versucht, durch einen Roadtrip zu über die gesamten USA verteilten Bekannten und Freunden mit seiner ungeplanten Schwangerschaft klarzukommen.

Eins Plus, 21.45 Uhr: "Im Winter ein Jahr" (2008)
Kommerziell gesehen war das Charakterdrama um die Trauerbewältung der jungen Lilli (Karoline Herfurth), die ein Jahr zuvor ihren Bruder verloren hat, der erste Flop von OSCAR-Gewinnerin Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika"). Qualitativ zählt die einfühlsam präsentierte Geschichte auch dank der starken Leistungen von Karoline Herfurth und Josef Bierbichler (als Maler, der zu Lillis Vertrauensperson wird) zu ihren stärksten Filmen.

Arte, 21.55 Uhr: "Venus mit den 1000 Gesichtern" (1969)
Der französisch-deutsche Kultursender setzt seine "Trash"-Reihe mit der Free-TV-Premiere eines stylishen chinesischen Shaw Brothers-Thrillers über eine weibliche Gangsterbande in Hongkong und die Polizistin, die sie jagt, fort.

Arte, 23.15 Uhr: "Tartüff" (1925)
Die (relativ lose) Adaption von Molières berühmtem Theaterstück "Tartuffe oder Der Betrüger" wurde von "Nosferatu"-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau als Stummfilm mit hochkarätiger Besetzung (u.a. die damaligen Superstars Emil Jannings und Lil Dagover) umgesetzt. Jannings spielt den leichtlebigen Enkel eines reichen alten Mannes, dessen scheinheilige Haushälterin sich als Erbschleicherin versucht.

HR, 1.00 Uhr: "Das Messer" (1985)
In dem recht konstruierten, aber sehr spannenden Gerichtsthriller spielt der junge Jeff Bridges einen Mann, der des Mordes an seiner reichen Ehefrau verdächtigt wird. Gemeinsam mit seiner unerfahrenen Anwältin (Glenn Close) versucht er, vor Gericht seine Unschuld zu beweisen.

Dienstag, 10. November:
Super RTL, 22.15 Uhr: "Die Thomas Crown Affäre" (1999)
Meist fallen Remakes bekanntlich schwächer aus als die Originalfilme, doch im Fall dieser beschwingten Gaunerkomödie ziehe ich die Neufassung vor – dabei konnte "Thomas Crown ist nicht zu fassen" 1968 immerhin mit Steve McQueen und Faye Dunaway punkten. Dennoch gefällt mir das temporeichere, witzigere Remake besser, in dem Pierce Brosnan den reichen Gentleman-Dieb aus Leidenschaft spielt, der den perfekten Coup plant (den Raub eines Monet-Gemäldes), durch eine clevere Versicherungsdetektivin (Rene Russo in einer ihrer schönsten Rollen) aber kräftig ins Schwitzen kommt ...

Mittwoch, 11. November:
SAT.1, 20.15 Uhr: "Der Staatsfeind Nr. 1" (1998)
Ich war nie ein großer Fan des mittlerweile verstorbenen Tony Scott, dessen Werk sich für mich immer ein bißchen als Krawall-Version seines älteren Bruders Sir Ridley Scott darstellte. "Der Staatsfeind Nr. 1" mit Will Smith als in bester Hitchcock-Manier unschuldig Verfolgtem zählt jedoch definitiv zu Tony Scotts besten und unterhaltsamsten Filmen und ist mit seiner Thematik des dank NSA "gläsernen Bürgers" rückblickend fast schon visionär zu nennen ...

Kabel Eins, 20.15 Uhr: "Der Prinz aus Zamunda" (1988)
Ende der 1980er Jahre hatte Eddie Murphy seine wohl erfolgreichste Zeit als Kinoheld, was sich nach den ersten beiden "Bevery Hills Cop"-Teilen auch und ganz besonders im großen Erfolg (allein in Deutschland fast vier Millionen Zuschauer) dieser recht originellen Komödie von "Blues Brothers"-Regisseur John Landis manifestierte. Murphy spielt darin den titelgebenden afrikanischen Prinzen, der kurz vor seinem 21. Geburtstag vor seiner von seinem Vater (James Earl Jones) nach alten Traditionen arrangierten Heirat nach New York "flieht", wo er, als Student getarnt, nach einer Frau sucht, mit der er tatsächlich den Rest seines Lebens verbringen will.

ARD, 1.55 Uhr: "Das tote Mädchen" (2006)
Unbekannt, aber ziemlich gut ist dieser düstere episodische Thriller mit Josh Brolin über den Fund eines toten Mädchens in einer US-Kleinstadt und darüber, wie ihr Tod sich auf die Leben diverser, auf verschiedene Art und Weise mit ihr verbundener Bürger auswirkt.

Außerdem:
Hesher (ungewöhnlicher Coming of Age-Film über einen Jungen, in dessen nach dem Tod der Mutter sowieso schon kompliziertes Leben sich plötzlich der anarchische, von Joseph Gordon-Levitt verkörperte Heavy Metal-Fan Hesher drängt; 22.15 Uhr bei Eins Plus)
Wrong (Free-TV-Premiere der unbeschreiblich bizarren Nonsens-Komödie von Quentin "Mr. Oizo" Dupieux; 22.55 Uhr bei Arte)
Poll (ein solides Historiendrama mit Paula Beer, Edgar Selge, Jeanette Hain und Richy Müller über eine deutsche Arztfamilie, die im Estland des frühen 20. Jahrhunderts in eine beginnende Revolution verwickelt wird; 0.25 Uhr bei Arte)

Donnerstag, 12. November:
Arte, 14.05 Uhr: "Arsen und Spitzenhäubchen" (1944)
Die schwarze Komödie von Regielegende Frank Capra ("Ist das Leben nicht schön?") wird nicht ohne Grund zu den witzigsten Filmen aller Zeiten gezählt. Cary Grant spielt den Schriftsteller Mortimer, der am Tag seiner Hochzeit herausfindet, daß seine beiden liebenswürdigen alten Tanten in ihrem Keller diverse Leichen stapeln und keinerlei schlechtes Gewissen deshalb haben. Während er noch überlegt, was er ob dieser Enthüllung tun soll, wird die Lage durch die Ankunft zweier Mörder (Peter Lorre und Raymond Massey), die im Haus Unterschlupf suchen, zusätzlich verkompliziert ...

Kabel Eins, 0.30 Uhr: "A Clockwork Orange" (1971)
Und noch ein unumstrittener Klassiker der Filmgeschichte: Stanley Kubricks wahnwitziger Genremix (am ehesten vielleicht noch als satirische Dystopie zu bezeichnen) ist vor allem zu Beginn – als wir den brutalen Amoklauf einer von Malcolm McDowell angeführten Jugendbande verfolgen – schwer zu ertragen, enthüllt aber nach und nach seine dramaturgische Brillanz. Der gesamte Film sprüht nur so vor innovativen inhaltlichen und filmischen Ideen und regt im Handlungsverlauf gekonnt zu gesellschaftspolitischen Diskussionen über Recht und Unrecht, Freiheit und Verantwortung an. Bestimmt kein einfacher Film, aber definitiv ein Meisterwerk, das in der IMDb Top 250 aktuell auf Platz 80 rangiert.

Freitag, 13. November:
Servus TV, 22.25 Uhr: "Keoma – Ein Mann wie ein Tornado" (1976)
In einem der besten Italo-Western spielt Franco "Django" Nero die Titelfigur, ein Halbblut, das nach einem Massaker an seinem Indianerstamm in einer Kleinstadt aufwächst, wo er aber stets ein Außenseiter bleibt. Als eine brutale Gangsterbande die Stadt bedroht, will Keoma ihr Paroli bieten. Ähnlich wie "Der Tod ritt dienstags" überzeugt auch "Keoma" von Enzo G. Castellari mit einer ungewöhnlich ausgefeilten, vergleichsweise komplexen Figurenzeichnung, die einige emotionale Wendungen ermöglicht. Wie bei so vielen Italo-Western spielt auch hier die Musik eine ganz wichtige Rolle, wenngleich sie diesmal nicht vom allgegenwärtigen Ennio Morricone stammt, sondern sich (laut Regisseur ganz gezielt) an Leonard Cohens "McCabe & Mrs. Miller"-Soundtrack orientiert.

3sat, 22.35 Uhr: "Tombstone" (1993)
Von den unzähligen Filmen über Wyatt Earp zählt dieser zu den besten. Erstaunlicherweise, denn Regisseur George Pan Cosmatos war sonst eher für inhaltlich anspruchslose Actionfilme wie "Rambo II" bekannt. Doch mit "Tombstone" ist ihm eine wirklich gute Version des Kampfes der Gebrüder Earp gegen die berüchtigten Clanton-Bande gelungen, was auch mit der starken Besetzung um Kurt Russell, Val Kilmer (als Doc Holliday), Sam Elliott, Michael Biehn und Altstar Charlton Heston zusammenhängt.

Pro 7, 23.40 Uhr: "Irgendwann in Mexiko" (2003)
Der Abschluß von Robert Rodriguez' "Mariachi"-Trilogie ist zwar der aufwendigste, leider aber auch der schwächste Teil geworden, was vor allem daran liegt, daß der von Antonio Banderas verkörperte Killer-Mariachi fast zum Nebendarsteller in einem wenig aufregend präsentierten Revolutions-Handlungsstrang verkommt. Daß "Irgendwann in Mexiko" trotzdem sehenswert ist, ist der eigentlichen Nebenhandlung rund um Johnny Depp als zwielichtigem CIA-Agenten zu verdanken, in der Rodriguez (wie auch Depp) seine Pulp-Fähigkeiten voll und ausgesprochen unterhaltsam ausspielt. Wäre der gesamte Film so gut wie diese eine Storyline, dann wäre "Irgendwann in Mexiko" ein Genreklassiker.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen