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Donnerstag, 11. September 2014

COHERENCE (2013)

Regie und Drehbuch: James Ward Byrkit, Musik: Kristin Øhm Dyrud
Darsteller: Emily Foxler, Nicholas Brendon, Maury Sterling, Hugo Armstrong, Lauren Maher, Elizabeth Gracen, Lorene Scafaria, Alex Manugian
 Coherence
(2013) on IMDb Rotten Tomatoes: 88% (7,3); weltweites Einspielergebnis: $0,2 Mio.
FSK: 16, Dauer: 88 Minuten.
An einem Abend, an dem ein großer Komet die Erde ungewöhnlich nah passiert, treffen sich acht Freunde bei Gastgeber Mike (Nicholas Brendon, Xander in der TV-Serie "Buffy") zu einem gemeinsamen Essen. Es entwickelt sich schnell eine angeregte Unterhaltung, auch wenn früh sämtliche Telefonverbindungen zusammenbrechen und die eher ungeplante Anwesenheit von Kevins (Maury Sterling, TV-Serie "Homeland") Ex-Freundin Laurie (Lauren Maher, "Fluch der Karibik") für leichte Spannungen sorgt – vor allem bei Kevins aktueller Freundin Emily (Emily Foxler). Als zu vorgerückter Stunde der Strom ausfällt, macht sich zunächst keiner großartig Sorgen – seltsam ist nur, daß die gesamte Nachbarschaft von dem Stromausfall betroffen ist, ein Haus zwei Blocks weiter aber als einziges hell erleuchtet bleibt. Hugh (Hugo Armstrong) und Amir (Alex Manugian) beschließen, dort nach dem Rechten zu sehen, zumal Hugh hofft, ein funktionierendes Telefon zu finden, mit dem er seinen Bruder einen Wissenschaftler, der ihn vor den möglichen Auswirkungen des Komets gewarnt hatte kontaktieren kann. Doch was die beiden am Ziel ihres kurzen Weges finden, versetzt die gesamte Gruppe in leicht panische Aufregung …

Kritik:
Es ist unheimlich schwierig, eigentlich sogar fast unmöglich, mehr als obigen Text zum Inhalt von "Coherence" zu schreiben, ohne die Handlung massiv zu spoilern. Also fange ich einfach mal mit den "basic facts" an: "Coherence" ist ein Low Budget-Film, der größtenteils in Mikes Haus stattfindet. Eigentlich handelt es sich um ein klassisches Kammerspiel, in dem sehr viel geredet und diskutiert wird, Action gibt es dagegen kaum. Damit so etwas funktioniert, muß das Drehbuch richtig gut und durchdacht sein, auch die Schauspieler müssen ihr Handwerk beherrschen. Beides trifft auf "Coherence" glücklicherweise zu. James Ward Byrkit ist zwar schon einige Jahre im Filmbusiness beschäftigt (so zeichnete er für die Story des erfolgreichen Animationsfilms "Rango" mitverantwortlich), doch ist dies sein Debüt als Regisseur und Autor eines Langfilms. Und eines ist sicher: Mit "Coherence" gibt er eine richtig gute Visitenkarte in Hollywood ab.
Wobei "Autor" in diesem Fall übrigens nicht so ganz das bedeutet, was man normalerweise darunter versteht. Denn Byrkit schuf vor den Dreharbeiten lediglich das Grundgerüst seiner mit Science Fiction-Elementen angereicherten Geschichte sowie der acht handelnden Charaktere, der Rest wurde von ihm und den Schauspielern während des Drehs erarbeitet, wobei in den einzelnen Szenen viel improvisiert wurde. Das merkt man dem Film durchaus an, einmal daran, daß die Schauspieler ihre Textzeilen nicht perfekt auswendig gelernt vortragen, sondern auch mal ein bißchen ins Stottern kommen und immer wieder durcheinanderreden; das ist aber gar nicht schlimm, es unterstreicht vielmehr den authentischen Ansatz, der durch den Einsatz der Handkamera unterstrichen wird (allzu viele "Wackelkamera"-Szenen gibt es aber zum Glück nicht). Weniger gut ist, daß sich das Improvisieren mitunter auch dahingehend auswirkt, daß sich manche Dialoge ein wenig im Kreis drehen und etliche Reaktionen übertrieben wirken, mithin sich der Film im Mittelteil einfach etwas zieht.
Schlauerweise hat sich Byrkit aber eine gute Ausrede für diese Mängel einfallen lassen, denn gleich zu Beginn läßt er die Freunde ausgiebig über den Kometen diskutieren und über die Auswirkungen auf menschliches Verhalten, die dieser nach Ansicht Mancher möglicherweise ausüben könnte. So kann man also wunderbar argumentieren, daß der Komet für die zunächst doch etwas übertrieben hysterische Reaktion auf die Folgen eines simplen Stromausfalls oder auf "verdächtige" Geräusche außerhalb des Hauses verantwortlich ist. Das ist aber ja nur der Anfang, doch wie gesagt: Stärker möchte ich nicht auf die folgenden, immer seltsameren und vor allem komplizierteren Geschehnisse eingehen, denn wer sich "Coherence" ansehen will, der sollte dies möglichst unbeeinflußt tun. Daher nur so viel: Quantenphysik und Metaphysik spielen eine wichtige Rolle. Ich persönlich habe von dieser Materie nicht viel Ahnung, aber nach allem, was ich (nach dem Kinobesuch) über den Film gelesen habe, scheint er sie erstaunlich ernsthaft und logisch nachvollziehbar umzusetzen. Bestätigen kann ich jedenfalls, daß Byrkit bei aller Improvisation die Handlung hervorragend durchdacht hat, denn während der eineinhalb Stunden wird immer wieder auf selbst kleine, vermeintlich nebensächliche Vorkommnisse oder Bemerkungen vom Beginn des Films Bezug genommen. Das erfordert ein höchst sorgfältiges Vorgehen (und hohe Aufmerksamkeit des Zuschauers), und die Konsequenz, mit der Byrkit die Story und die Dialoge aufgebaut hat, ist wirklich bemerkenswert. Selbst vermeintliche Logik-Fehler werden wenig später durch eine neue überraschende Erkenntnis aufgeklärt – letzten Endes kann ich zwar nicht dafür garantieren, daß all das, was Byrkit dem Publikum vorsetzt, wirklich Sinn ergibt (vor allem hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs habe ich da meine Zweifel); aber mir sind zumindest keine ganz offensichtlichen Fehler aufgefallen, die das gesamte gewagte Handlungskonstrukt in sich zusammenstürzen lassen würden. Und das muß ein Film dieser Art auch erst einmal hinkriegen …
Als alter "Highlander"-Fan habe ich mich übrigens gefreut, endlich wieder etwas von Elizabeth Gracen zu sehen, die in der "Highlander"-TV-Serie in 20 Episoden die wiederkehrende Gastrolle der verführerischen Unsterblichen Amanda innehatte und diese später sogar in einem (leider nach einer Staffel eingestellten) Spin-Off namens "The Raven" fortführte. Dies ist ihre erste Filmrolle seit dem Jahr 2002, und ich muß sagen: Auch mit 52 Jahren sieht sie noch richtig gut aus. Und vor allem erweist sie sich als unerwartetes Improvisationstalent, ebenso wie ihre sieben – von Byrkit sorgfältig ausgewählten – Kollegen. Schauspielerische Meisterleistungen sind zwar nicht gefordert, aber das Zusammenspiel dieser Gruppe funktioniert hervorragend, auch subtilere Momente transportieren sämtliche Akteure überzeugend auf die Leinwand.

Fazit: "Coherence" ist ein faszinierendes, inhaltlich recht anspruchsvolles, kammerspielartiges Gedankenexperiment mit Science Fiction-Einschlag, das mit einem nicht allzu prominenten, dafür aber gut harmonierenden Ensemble und einem klug konstruierten Drehbuch überzeugt.

Wertung: 7,5 Punkte.

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