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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

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Freitag, 15. August 2014

MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER (2014)

Originaltitel: Qu'est-ce qu'on a fait au Bon Dieu?
Regie: Philippe de Chauveron, Drehbuch: Guy Laurent und Philippe de Chauveron, Musik: Marc Chouarain
Darsteller: Christian Clavier, Chantal Lauby, Pascal N'Zonzi, Élodie Fontan, Noom Diawara, Frédérique Bel, Medi Sadoun, Julia Piaton, Ary Abittan, Émilie Caen, Frédéric Chau, Salimata Kamate, Tatiana Rojo, Elie Semoun, Loïc Legendre
 Qu'est-ce qu'on a fait au Bon Dieu?
(2014) on IMDb Rotten Tomatoes: -; weltweites Einspielergebnis: $175,9 Mio.
FSK: 0, Dauer: 97 Minuten.

Eigentlich führt das wohlhabende und konservative ältere Ehepaar Claude (Christian "Asterix" Clavier) und Marie Verneuil (Chantal Lauby, "Portugal, mon amour") ein sehr erfülltes Leben: Sie sind in der Gemeinde angesehen, bewohnen ein recht stattliches Anwesen in schöner Lage und haben vier intelligente und hübsche erwachsene Töchter. Das Problem an der Sache: Drei der Töchter sind bereits verheiratet – und zwar nicht mit "echten", katholischen Franzosen, sondern mit einem Chinesen, einem muslimischen Araber und einem Juden. Selbstverständlich sind Claude und Marie keine Rassisten, und eigentlich finden sie ihre Schwiegersöhne sogar einigermaßen sympathisch. Mit einem davon könnten sie auch sicher leben, aber gleich drei? Das ist dann doch ein bißchen viel des Guten. Immerhin gibt es ja noch eine Hoffnung, nämlich Nesthäkchen Laure (Élodie Fontan). Und tatsächlich – zur Begeisterung ihrer Eltern verlobt sie sich mit einem Katholiken! Er ist zwar Schauspieler, aber was soll's? Ein klitzekleines Detail hat Laure ihren Eltern jedoch verschwiegen: ihr Verlobter Charles (Noom Diawara) stammt aus der Elfenbeinküste und ist schwarz. Und er hat einen Vater (Pascal N'Zonzi, "Night on Earth"), der ebenso konservativ und stur ist wie Claude und seinem Sohn alles wünscht, bloß keine weiße, französische Ehefrau. Na, das kann ja eine heitere Hochzeit werden …

Kritik:
Es ist sicher kein Zufall, daß ausgerechnet zu einer Zeit, in der die französische Gesellschaft um den richtigen Umgang mit den vielen Immigranten ringt und eine rechtsextreme Partei bei der Europawahl zur stärksten Kraft wird, eine leichte Komödie über kulturelle Unterschiede und latenten Rassismus rund zwölf Millionen Zuschauer in die Kinos lockt. Die in der Theorie recht brisante Themenwahl hat "Monsieur Claude und seine Töchter" zweifellos dabei geholfen, zum erfolgreichsten französischen Film seit "Ziemlich beste Freunde" aus dem Jahr 2011 zu werden – eine ernsthafte Beschäftigung mit der Thematik darf man allerdings nicht erwarten. Regisseur und Co-Drehbuch-Autor Philippe de Chauveron ("Die Vollpfosten") entschied sich stattdessen dafür, eine liebenswürdige Komödie voller im Kern sympathischer Charaktere zu erschaffen, die spielerisch mit Klischees und Vorurteilen umgeht, ohne dabei je auch nur ansatzweise in die Tiefe zu gehen. Oder zumindest nicht tiefer als mit der Erkenntnis von Schwiegersohn Rachid (Medi Sadoun, "Mea Culpa – Im Auge des Verbrechens"), daß wir letzten Endes doch alle ein bißchen rassistisch seien. Das kann man als eine vertane Chance bedauern – oder man erfreut sich einfach an einer spritzigen, amüsanten Sommerkomödie mit viel typisch französischem Charme.

Dieser Charme ist allerdings bei den Männern des Films deutlich stärker ausgeprägt als bei den Frauen, was nicht nur angesichts des deutschen Titels schade ist. Die vier Töchter der Verneuils bleiben weitgehend hübsche Staffage, lediglich Laure als Claudes letzte Hoffnung auf einen "ordentlichen" Schwiegersohn bekommt etwas mehr zu tun, ihre Schwester Ségolène (Emilie Caen, "My Way – Ein Leben für das Chanson"), eine Malerin, ist mit ihren schaurig-depressiven Selbstportraits zumindest noch für einen (gelungenen) Running Gag gut. Selbst Mutter Marie bekommt nicht viel mehr zu tun als ihren sturen Ehemann zu beschwichtigen respektive zurechtzuweisen, ähnlich ergeht es Charles' resoluter Mutter Madeleine (Salimata Kamate, "Ziemlich beste Freunde"). Nein, gute Frauenrollen hat "Monsieur Claude und seine Töchter" nicht wirklich zu bieten. Auf der männlichen Seite sieht es da schon deutlich besser aus – zumindest in Bezug auf den Unterhaltungswert, denn die Frauen dürfen schon deutlich vernünftiger sein, was aber nach Komödien-Logik eben keine allzu interessante Tugend ist.

Bei den Männern kann von Vernunft kaum die Rede sein. Lediglich Laures Verlobter Charles kann in dieser Hinsicht punkten, aber sein Vater ist ebenso wie Monsieur Claude ein riesiger Starrkopf, während die drei übrigen Schwiegersöhne sich nicht einmal untereinander grün sind. Das Drehbuch spart bei der Figurenzeichnung nicht an Klischees, alles in allem gelingt die Gratwanderung aber ziemlich gut, jene Vorurteile durch Übertreibung zu veralbern, ohne ihren (vermeintlich?) wahren Kern zu leugnen. Dafür, daß die Anhäufung von Klischees letztlich kaum jemandem übel aufstoßen kann, sorgt vor allem die Tatsache, daß im Grunde genommen alle Figuren unter ihrem teilweise recht rauhen Kern doch liebenswürdig sind. So mag Rachid der aufbrausende Muslim sein, David (Ary Abittan, "Vive la France") der geschäftstüchtige Jude und Chao (Frédéric Chau, "Lucy", "District 13: Ultimatum") der schmeichlerische Chinese, aber es wird schnell klar, daß diese Stereotype eben doch nur die Oberfläche darstellen, das, was man auf den ersten Blick zu erkennen glaubt. Wenn man sie näher kennenlernt – und das gilt für das Publikum ebenso wie für die Männer untereinander –, dann erweisen sie sich als unreife, aber sympathische und wohlmeinende Kindsköpfe, die einem immer stärker ans Herz wachsen, als sich selbst zusammenraufen (vor allem angesichts der neuen "Gefahr" für den Familienfrieden durch den armen Charles) …

So entspinnt sich also die Handlung sehr vorhersehbar und dramaturgisch wie inszenatorisch unspektakulär, mit den üblichen Schwierigkeiten für die Filmhelden (in diesem Falle Laure und Charles) im Mittelteil, für die vor allem die beiden Sturköpfe Claude und André sorgen, und einem unvermeidlichen Happy End. Das ist, wie gesagt, alles andere als weltbewegend oder auch nur spannend, aber da die Gagdichte hoch ist und die Qualität der Komik meist ebenfalls ansprechend – sofern man nichts gegen ein bißchen Slapstick und so manch ausgelassene Herumalberei wie den Bau eines Schneemannes mit asiatischen, jüdischen und muslimischen Merkmalen hat –, ist das gar nicht schlimm. Und wenn das Ganze am Ende vielleicht sogar doch für ein kleines bißchen Völkerverständigung sorgt, umso besser …

Fazit: "Monsieur Claude und seine Töchter" ist eine hochgradig sympathische Culture Clash-Komödie, die zwar die Gelegenheit ausläßt, die gerade in Frankreich hochaktuelle Vorurteils- und "latenter Rassismus"-Thematik wirklich bissig aufs Korn zu nehmen, dafür aber einfach sehr witzig ist.

Wertung: 7,5 Punkte.


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