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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 21. August 2014

GELIEBTE JANE (2007)

Originaltitel: Becoming Jane
Regie: Julian Jarrold, Drehbuch: Kevin Hood und Sarah Williams, Musik: Adrian Johnston
Darsteller: Anne Hathaway, James McAvoy, James Cromwell, Julie Walters, Dame Maggie Smith, Ian Richardson, Laurence Fox, Joe Anderson, Helen McCrory
 Becoming Jane
(2007) on IMDb Rotten Tomatoes: 57% (6,0); weltweites Einspielergebnis: $37,3 Mio.
FSK: 0, Dauer: 121 Minuten.

Wir schreiben das ausgehende 18. Jahrhundert: Die junge Pfarrerstochter Jane Austen (Anne Hathaway, "Les Misérables") ist eine ebenso talentierte wie ambitionierte Schriftstellerin, doch im viktorianischen England – in dem eine Frau, die öffentlich Intelligenz zeigt, als unschicklich gilt – ist dies eine recht problematische Berufswahl. Eigentlich soll Jane ja den gut betuchten, aber reichlich langweiligen Mr. Wisley (Laurence Fox, "Gosford Park") ehelichen, doch als der arrogante, emotionale Tom Lefroy (James McAvoy, "Abbitte") als Strafe für seine städtischen Ausschweifungen von seinem reichen Onkel auf das Land geschickt wird, sprühen schon bald sichtlich die Funken zwischen ihm und Jane ...

Kritik:
"Geliebte Jane" erzählt unter der Regie des britischen Regisseurs Julian Jarrold ("Wiedersehen mit Brideshead") die größtenteils fiktive Lebensgeschichte der berühmten Autorin Jane Austen ("Stolz und Vorurteil", "Sinn und Sinnlichkeit", "Emma"). Das klingt zunächst nach einer interessanten Idee, doch unglücklicherweise gibt sich das Drehbuch von Kevin Hood und Sarah Williams erschreckend fantasielos. Den ironischen Witz und Esprit der echten Jane Austen erreicht "Geliebte Jane" nur selten, die Handlung des Films ist letztlich kaum mehr als eine Variation von Austens Werken, allen voran "Stolz und Vorurteil". Das wäre an sich ja nicht so schlimm, wenn es nur nicht bereits so viele Austen-Verfilmungen für Kino und TV gäbe, von denen viele deutlich besser geraten sind. Damit sich "Geliebte Jane" irgendwie von diesen abheben oder sich auch nur auf Augenhöhe mit ihnen messen könnte, wäre einfach mehr nötig als die bloße Prämisse, Austen zu einem Pendant ihrer eigenen Romanheldinnen werden zu lassen.

So ergeben sich nach einem zugegebenermaßen sehr spritzigen Beginn für Kenner der Materie ständige Déjà-vu-Erlebnisse, die aber häufig nicht wie intelligente oder ironische Anspielungen auf Austens Werk rüberkommen, sondern eher wie billige Kopien. Und das führt dann eben dazu, daß sich die zwei Stunden Laufzeit des Films noch länger anfühlen, als sie es ohnehin schon sind. Doch bevor das alles gar zu negativ klingt: "Geliebte Jane" ist keineswegs ein schlechter Film – er hat seine guten Momente, die schauspielerischen Leistungen sind mit wenigen Ausnahmen ausgezeichnet, auch die Kostümabteilung und alle anderen, die für den viktorianischen Look des Films verantwortlich zeichnen, haben ganze Arbeit geleistet. Nur sorgen das wenig einfallsreiche Drehbuch und Jarrolds eher biedere, vollkommen risikofreie Inszenierung dafür, daß "Geliebte Jane" nicht mehr als gehobenes Mittelmaß erreicht. Richtige Austen-Fanatiker werden vielleicht etwas besser bedient, möglicherweise gibt es ja sogar viele subtile Anspielungen, die mir als eher durchschnittlichem Austen-Kenner komplett entgangen sind. Angesichts der generell verhaltenen Kritiken gehe ich aber eher nicht davon aus, daß dies der Fall ist.

Doch immerhin hat man ja noch die hochkarätige Besetzung auf der Habenseite. Es hat ja fast schon Tradition, daß in Großbritannien mit seiner großen Theater-Geschichte die Verfilmungen der Werke britischer Autoren wie Jane Austen, Charles Dickens, den Geschwistern Brontë oder selbstverständlich William Shakespeare durch die starken schauspielerischen Leistungen renommierter Darsteller veredelt werden. "Geliebte Jane" macht da keine Ausnahme – auch wenn ungewöhnlicherweise ausgerechnet die Rolle der Jane Austen von einer Amerikanerin verkörpert wird. Anne Hathaway hatte damals ihren Durchbruch zum richtigen Filmstar noch vor sich, an Heldinnen "echter" Austen-Verfilmungen wie Keira Knightley in "Stolz und Vorurteil", Kate Winslet in "Sinn und Sinnlichkeit" oder auch Gwyneth Paltrow in "Emma" (um nur einige der bekanntesten Kino-Beispiele der letzten 20 Jahre zu nennen) reicht sie in "Geliebte Jane" nicht ganz heran; das liegt aber mit Sicherheit auch oder sogar vor allem an der erwähnten eher mittelmäßigen Qualität des Drehbuchs, insgesamt macht Hathaway ihre Sache auf jeden Fall gut. Zudem harmoniert sie hervorragend mit James McAvoy, der seine ziemlich ambivalente Rolle als Tom Lefroy ebenfalls sehr überzeugend interpretiert, obwohl Toms heftiger Sinneswandel im Handlungsverlauf nur bedingt nachvollziehbar und damit glaubwürdig wirkt. Am meisten glänzen aber wieder einmal die wunderbaren Altstars in den Nebenrollen, allen voran Dame Maggie Smith ("Mord im Pfarrhaus") als Lady Gresham, James Cromwell ("Die Queen") und Julie Walters ("Kalender Girls") als Janes Eltern sowie Ian Richardson ("Brazil") als Richter Langlois in seiner letzten Rolle.

Fazit: "Geliebte Jane" ist eine nette, mitunter geistreiche tragikomische Romanze im typischen Austen-Stil, die zwar mit einer starken Besetzung aufwarten kann, aber etwas zu langatmig inszeniert ist und generell nicht die literarische Qualität der echten Austen-Werke erreicht.

Wertung: 6,5 Punkte.

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