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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

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Dienstag, 22. April 2014

Neues aus Hollywood (16/2014)

In der Osterwoche war erwartungsgemäß nicht allzu viel los in der Filmbranche, aber zwei interessante Meldungen gab es dennoch:

  • Dalton Trumbo ist fraglos eine der faszinierendsten Figuren der Filmgeschichte: Der von 1905 bis 1976 lebende ursprüngliche Romanautor machte ab Mitte der 1930er Jahre Karriere als Drehbuch-Autor und erhielt 1940 eine OSCAR-Nominierung für das Drama "Fräulein Kitty", woraufhin er endgültig zu einem der begehrtesten und entsprechend bestbezahlten Autoren der Filmbranche wurde. Doch als Mitglied der amerikanischen Kommunistischen Partei und überzeugter Gewerkschafter geriet Trumbo nach dem Zweiten Weltkrieg schnell ins Visier des fanatischen Senators Joseph McCarthy und des "Komitees für unamerikanische Umtriebe". Da er zu den wenigen aus der Filmbranche Vorgeladenen zählte, der sich weigerte, Kollegen ans Messer zu liefern und stattdessen die Aussage verweigerte ("Hollywood Ten"), mußte er für ein knappes Jahr ins Gefängnis. Anschließend landete er ein gutes Jahrzehnt lang auf der Hollywood-Blacklist von Personen, die keine Anstellung in der Filmbranche erhalten durften, was er allerdings unter Verwendung diverser Pseudonyme erfolgreich umging: Unter anderem gewann Trumbo auf diese Weise zwei OSCARs für "Ein Herz und eine Krone" (1953) und "Roter Staub" (1956), die er aber natürlich nicht selbst in Empfang nehmen konnte. Nach seiner Rehabilitierung schrieb er wieder unter eigenem Namen die Manuskripte zu heutigen Klassikern wie Stanley Kubricks "Spartacus" (1960) mit Kirk Douglas oder dem Gefängnisklassiker "Papillon" (1973) mit Steve McQueen, außerdem verfilmte er 1971 als Regisseur sein eigenes Buch "Johnny zieht in den Krieg" – trotz fast vollständig fehlender Kriegsszenen der vielleicht erschütterndste Antikriegsfilm, der je gedreht wurde (manchen vielleicht unbewußt bekannt durch das Metallica-Musikvideo "One" aus dem Jahr 1988, in dem einige Szenen aus dem Film zu sehen sind). Wie man sieht: Trumbos Leben bot mehr als genügend Stoff, um daraus einen eigenen Film zu machen. Was nun geschehen soll. Das Projekt befindet sich zwar noch in einem frühen Entwicklungsstadium, weshalb es wenig Definitives zu berichten gibt. Fest steht aber, daß der "Breaking Bad"-Star Bryan Cranston die Titelrolle in "Trumbo" übernehmen soll. Für die Rolle als seine Ehefrau befindet sich OSCAR-Gewinnerin Helen Mirren ("Die Queen") in Verhandlungen, die Regie soll Jay Roach ("Austin Powers"-Reihe) übernehmen und der erste Drehbuch-Entwurf stammt von TV-Autor John McNamara ("In Plain Sight", "Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark", "Die Abenteuer des Brisco County Jr."). Da der Drehbeginn noch nicht absehbar ist, wird "Trumbo" sicher nicht vor 2015 in die Kinos kommen, angesichts des durchaus preisverleihungsfreundlichen Stoffes ist ein Start rechtzeitig zur Awards Season im Herbst 2015 denkbar.

  • Nachdem Alejandro González Iñárritu zu Beginn des 21. Jahrhunderts einer der "heißesten" jungen Regisseure war, der zunächst in seiner Heimat Mexiko mit "Amores Perros" (2000) auf sich aufmerksam machte, anschließend mit dem anspruchsvollen Hollywood-Drama "21 Gramm" (2003) mit Naomi Watts und Sean Penn die in ihn gesetzten Hoffnungen bestätigte und schließlich mit dem sorgfältig konstruierten, siebenfach OSCAR-nominierten Episodendrama "Babel" (2006) einen (ersten?) Schaffenshöhepunkt erreichte, ist es in den letzten Jahren ziemlich ruhig um ihn geworden. Zwar erhielt auch sein (überwiegend) spanischsprachiges Drama "Biutiful" 2010 noch gute Kritiken und zwei weitere OSCAR-Nominierungen, blieb aber an den Kinokassen doch hinter den Erwartungen zurück und erhielt generell überraschend wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Normalerweise dauert es immer mindestens drei Jahre, bis Iñárritu einen neuen Film in die Kinos bringt, doch nun scheint er sein Arbeitstempo deutlich anzuziehen. Noch dieses Jahr steht seine allererste Komödie "The Birdman" über einen abgehalfterten Ex-Superhelden-Darsteller (ironischerweise dargestellt von Ex-Batman Michael Keaton) ins Haus, bereits nächstes Jahr soll "The Revenant" folgen. In der Rachegeschichte nach einem Drehbuch von Mark L. Smith ("Motel") und Iñárritu selbst, das auf einem Buch von Michael Punke basiert, geht es um einen amerikanischen Trapper im 19. Jahrhundert, der zunächst von einem Grizzlybär angegriffen und schwer verletzt und anschließend von einigen Exemplaren einer anderen Raubtierart – dem Menschen – ausgeraubt wird. Nachdem der Trapper wider alle Wahrscheinlichkeit überlebt, will er sich rächen. Nicht am Bär, sondern an den Menschen, versteht sich. Für die Hauptrolle wurde nun kein Geringerer als Leonardo DiCaprio verpflichtet, der damit nach seinem letzten Versuch mit "The Wolf of Wall Street" einen neuen Anlauf auf seinen überfälligen ersten Academy Award starten könnte. Die Dreharbeiten sollen im Herbst beginnen. Es dürfte zwar eng werden, aber sollte die Produktion sehr zügig ablaufen, könnte es vielleicht wieder für eine Weltpremiere beim Festival von Cannes im Mai 2015 reichen (wo bereits "Babel" und "Biutiful" präsentiert wurden), ansonsten dürfte ein Kinorelease im Spätsommer oder Herbst anstehen.

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