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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 20. Dezember 2013

RARE EXPORTS (2010)

Regie und Drehbuch: Jalmari Helander, Musik: Juri und Miska Seppä
Darsteller: Onni Tommila, Jorma Tommila, Tommi Korpela, Rauno Juvonen, Peeter Jakobi, Jonathan Hutchings, Per Christian Ellefsen, Ilmari Järvenpää, Risto Salmi
 Rare Exports
(2010) on IMDb Rotten Tomatoes: 89% (7,0); weltweites Einspielergebnis: $4,0 Mio.
FSK: 16, Dauer: 82 Minuten.

Kurz vor Weihnachten an der russisch-finnischen Grenze: Auf der russischen Seite läßt der Wissenschaftler Riley (Jonathan Hutchings) tiefe Grabungen vornehmen – er ist auf der Suche nach dem Grab des "ursprünglichen Weihnachtsmannes". Dieser war der Legende zufolge keineswegs ein gutmütiger Geschenkeonkel, sondern eine gnadenlose Kreatur, die Kinder, die nicht brav waren, nicht einfach nur die Geschenke vorenthält, sondern sie sehr hart und brutal bestraft. Auf der finnischen Seite will derweil eine kleine Dorfgemeinschaft wie stets in der Weihnachtszeit ihre das restliche Jahr über freilaufende Rentierherde zusammentreiben – nur um festzustellen, daß fast alle tot sind, scheinbar von Wölfen zerfleischt. Als ein Loch im Grenzzaun entdeckt wird, sind sich die Erwachsenen sicher, daß die Wissenschaftler aus Rußland die Schuld daran tragen. Doch in Wirklichkeit stammt das Loch von zwei Kindern, dem schüchternen Pietari (Onni Tommila) und dem wagemutigen Juuso (Ilmari Järvenpää). Pietari ist überzeugt, daß der Weihnachtsmann für die toten Rentiere verantwortlich ist. Natürlich glaubt ihm das keiner, doch dann findet Pietaris Vater Rauno (Jorma Tommila) in einer Wildfalle in der Nähe seines Hauses einen zauseligen, weißbärtigen alten Mann, der nichts sagt, aber sehr finster dreinschaut ...

Kritik:
Die Skandinavier haben sich in den letzten Jahren einen Ruf erarbeitet als Hort verrückter, aber auch kreativer und sogar ziemlich innovativer Genreproduktionen: "Trollhunter", "Iron Sky" und "Dead Snow" sind drei der bekanntesten Beispiele, "Dead Snow"-Regisseur Tommy Wirkola schaffte sogar den Sprung nach Hollywood, ohne seinen Stil großartig zu ändern ("Hänsel und Gretel: Hexenjäger"). Auch die finnische Weihnachts-Horrorkomödie "Rare Exports" von Jalmari Helander (der 2014 mit dem Abenteuerfiilm "Big Game" mit Samuel L. Jackson ebenfalls in englischsprachige Gefilde wechselt), die übrigens komplett ohne weibliche Note auskommt, ist ein Teil dieser Welle und war in ihrer Heimat sogar ein großer kommerzieller Erfolg.

Letzteres kann allerdings auch damit zusammenhängen, daß diese etwas andere Weihnachts-geschichte deutlich massenkompatibler präsentiert ist als die anderen genannten Beispiele skandinavischer Kinokunst. Für eine Horrorkomödie gibt es nämlich erstaunlich wenig Comedy und noch weniger Horror, dafür ein kleines bißchen Familiendrama (das Verhältnis von Pietari zu seinem verwitweten Vater ist nicht das allerbeste) und Sozialstudie und sogar eine Prise Coming of Age-Film. Zusammengerührt ergibt dieses einigermaßen unkonventionelle Rezept einen gefälligen, wenn auch weitgehend harmlosen und ab einem bestimmten Punkt komplett vorhersehbaren Gruselspaß für die ganze Familie (abgesehen von den Kleinsten).

Lobenswert ist dabei, daß Regisseur Helander seine Geschichte (die auf einem gleichnamigen, von ihm inszenierten Werbe-Kurzfilm aus dem Jahr 2003 basiert) seriös erzählt und nicht auf billige Schocks oder Lacher aus ist. Helander nimmt die Figuren und ihre Sorgen und Ängste ernst, anstatt sie zu Witzfiguren zu machen; vor allem zu Beginn liefert er zudem – soweit das im Rahmen einer nur rund 80-minütigen Horrorkomödie machbar ist – eine genau beobachtete Schilderung des rauhen Milieus der von der Zivilisation nahezu komplett abgeschnittenen Rentierzüchter. Darunter leiden dann eben die (schwarzhumorigen) Humorpassagen, die recht sparsam auf die Handlung verteilt sind. Daß der Großteil des Films aus der Perspektive des naiven Pietari erzählt wird (dessen charakterliche Entwicklung leider etwas zu rasant vonstatten geht, um richtig glaubwürdig zu wirken), sorgt andererseits dafür, daß "Rare Exports" stets ein wenig märchenhaft wirkt – und Märchen sind bekanntlich meist ein wenig gruselig.

Dieser Gruselfaktor entfaltet sich in Helanders Film nur sehr gemächlich, selbst beim Finale der Geschichte hält er sich im Rahmen. Das ist ein wenig schade, denn es bleibt das Gefühl zurück, daß dem sorgsam aufgebauten Spannungsbogen ein echter Höhepunkt vorenthalten bleibt; andererseits sorgt das aber ebenfalls dafür, daß der Realismusgrad der doch ziemlich phantastischen Story bis zum Schluß erstaunlich hoch bleibt. Logischerweise ist die äußerst zurückhaltende, subtile Inszenierung der gruseligen Geschehnisse auch den unübersehbaren Budgetbeschränkungen geschuldet, aber das ändert nichts daran, daß diese Vorgehensweise leidlich funktioniert.

Fazit: "Rare Exports" ist ein als Horrorkomödie getarnter Genre-Mix, der seine etwas andere Weihnachtsgeschichte phantasievoll und atmosphärisch, dabei aber auch recht unspektakulär und vorhersehbar erzählt.

Wertung: 6,5 Punkte.


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