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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 31. Oktober 2013

DER BUTLER (2013)

Regie: Lee Daniels, Drehbuch: Danny Strong, Musik: Rodrigo Leão
Darsteller: Forest Whitaker, Oprah Winfrey, David Oyelowo, Elijah Kelley, Terrence Howard, Cuba Gooding Jr., Lenny Kravitz, Clarence Williams III, Robin Williams, Liev Schreiber, John Cusack, Alan Rickman, James Marsden, Jane Fonda, Minka Kelly, Jesse Williams, Vanessa Redgrave, Alex Pettyfer, Aml Ameen, Nelsan Ellis, Jim Gleason, David Banner, Mariah Carey, Danny Strong
 The Butler
(2013) on IMDb Rotten Tomatoes: 71% (6,6); weltweites Einspielergebnis: $176,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 132 Minuten.

1863 ist in den USA die Sklaverei abgeschafft worden (siehe Steven Spielbergs "Lincoln"), doch auch in den 1920er Jahren war es in Teilen der Südstaaten noch ganz normal, daß Schwarze wie Leibeigene ohne Lohn auf Baumwollfarmen schuften mußten und der Gnade ihrer weißen Herren auf Gedeih und Verderb ausgesetzt waren. So ergeht es auch der Familie Gaines: Mutter Hattie (Mariah Carey, "Precious") wird vom Hausherren vergewaltigt, Vater Earl vor den Augen seines kleines Sohnes Cecil erschossen. Sobald er mit 15 Jahren halbwegs alt genug dafür ist, verschwindet Cecil von der Farm, muß aber feststellen, daß das Leben als Schwarzer in den ganzen Südstaaten nicht viel besser ist. Nur durch viel Glück findet er eine Anstellung als Diener und steigt schließlich (nun gespielt von Forest Whitaker, "Der letzte König von Schottland") zum Butler in einem noblen Hotel in Washington auf. Er heiratet Gloria (Oprah Winfrey), bekommt mit ihr zwei Söhne und lebt ein zufriedenes Leben. Eines Tages wird er an seiner Arbeitsstelle vom Personalchef des Weißen Hauses entdeckt, der ihm eine lukrative Stelle anbietet. Cecil nimmt an, noch nicht ahnend, daß er fast 30 Jahre lang im Weißen Haus bleiben und als Butler acht US-Präsidenten loyal und unauffällig dienen wird ...

Kritik:
Nachdem er im Jahr 2009 mit seinem bewegenden Sozialdrama "Precious", das bei sechs Nominierung zwei OSCARs gewann, seinen Durchbruch in Hollywood geschafft hat, widmet Regisseur Lee Daniels sich mit "Der Butler" wiederum einer stark afroamerikanisch geprägten Geschichte – und hat damit in den Vereinigten Staaten erneut einen Hit geschafft. Das ist kaum verwunderlich, da nicht nur der Kampf der Schwarzen um Gleichberechtigung vor allem in den 1950er und 1960er Jahren gezeigt wird (was ein wenig an "The Help" erinnert), sondern durch Cecils Arbeit auch im Schnelldurchlauf rund fünf Jahrzehnte amerikanischer Historie abgehandelt werden. Theoretisch basiert Daniels' Film auf einer realen Person namens Eugene Allen, doch in Wirklichkeit hat sich Drehbuch-Autor Danny Strong (der vielen Serienjunkies noch bekannt sein könnte als Darsteller des Jonathan in fast 30 Episoden von "Buffy – Im Bann der Dämonen") viele dramaturgische Freiheiten genommen, sodaß Allen eigentlich nicht viel mehr als die interessante Prämisse des jahrzehntelang loyalen schwarzen Butlers im Weißen Haus beisteuert.

Das wird von vielen kritisiert, und selbstverständlich darf man hinterfragen, ob es wirklich nötig war, Cecils Eltern im Film von Weißen vergewaltigen respektive ermorden zu lassen, obwohl Eugene Allens Familie (dankenswerterweise) nichts dergleichen widerfahren ist. Aber auf der anderen Seite läßt sich nicht leugnen, daß die Szene, in der die greise Familienmatriarchin (Vanessa Redgrave, "Anonymus") nach dem Mord an Cecils Vater – entsetzt von der Tat ihres eigenen Sohnes – den kleinen Jungen tröstend in ihren Arm nimmt und ihm mitfühlend versichert, sie werde aus ihm "einen richtigen Hausnigger" machen, ungeheuer wirkungsvoll ist. Ähnliches gilt später für den anhaltenden Familienkonflikt in der Gaines-Familie, denn während Cecil noch darauf vertraut, daß die Politik schon dafür sorgen werde, daß es den Schwarzen langsam besser geht, setzt sich sein ältester Sohn Louis (David Oyelowo, "Planet der Affen: Prevolution") aktiv in den Südstaaten für die Gleichberechtigung ein und nimmt dafür auch über ein Dutzend Verhaftungen in Kauf. Im Leben von Eugene Allen gab es eine solche Konstellation nicht, doch in "Der Butler" macht sie (obwohl einiges sehr konstruiert wirkt und natürlich auch ist) absolut Sinn, weil auf diese Weise eben nicht nur Cecils Perspektive der – leider sowieso nur sehr oberflächlich präsentierten – politischen Hintergründe präsentiert wird, sondern als Gegengewicht ebenfalls die Wut der "normalen" Schwarzen, die zunehmend selbstbewußt auf die Straße gehen, für ihre Rechte demonstrieren und sich auch durch Ku-Klux-Klan und andere Rassisten nicht mehr unterkriegen lassen wollen.

Interessant und erhellend ist auch die unterschiedliche Sichtweise von Vater und Sohn: Während der frei und sogar relativ privilegiert aufgewachsene Sohn sich engagiert für die Rechte der schwarzen Minderheit einsetzt und damit – trotz gelegentlicher Fehler – die Sympathien eines Großteils des Publikums genießen dürfte, hat sein Vater selbst noch eine Quasi-Leibeigenschaft und die Willkür der weißen Herren erlebt und sorgt sich deshalb vor allem um die Sicherheit seiner Familie. Beide wollen letztlich das Gleiche, ihre sehr verschiedenen Lebenserfahrungen sorgen aber dafür, daß sie lange Zeit den jeweils anderen nicht verstehen können. Entsprechend steht das Familienleben der Gaines' ganz klar im Mittelpunkt von "Der Butler" und ist auch die größte Stärke des Films. Cecil, seine Frau Gloria und die beiden Söhne Louis und Charlie (Elijah Kelley, "Red Tails") sind sowieso die einzigen Figuren, die wirklich überzeugend gezeichnet sind, während fast alle anderen allzu schablonenhaft wirken. So ist es auch kein Wunder, daß vor allem Forest Whitaker, US-Talkqueen Oprah Winfrey (in ihrer ersten richtig großen Rolle seit ihrer OSCAR-Nominierung für Spielbergs "Die Farbe Lila" 1985) und David Oyelowo schauspielerisch beeindrucken (Kelley spielt eher eine Nebenrolle).

Die vielen Stars, die vor allem im Weißen Haus zu sehen sind, erweisen sich dagegen als eher störend. Es ist einfach viel zu offensichtlich, daß es sich größtenteils um reines Stunt-Casting handelt, da man speziell für die US-Präsidenten namhafte und werbewirksame Schauspieler haben wollte. Ob die dann tatsächlich zu ihren Rollen passen, war dabei offensichtlich eher nebensächlich, denn optisch halten sich die Ähnlichkeiten meist in sehr engen Grenzen und auch schauspielerisch gibt es kaum preiswürdige Darbietungen. Lediglich Robin Williams ("Der Club der toten Dichter") als Dwight D. Eisenhower, Liev Schreiber ("Taking Woodstock") als Lyndon B. Johnson und Alan Rickman ("Tatsächlich ... Liebe") als Ronald Reagan wissen zu überzeugen, wohingegen John Cusack ("Ein Mann, ein Mord") als Richard Nixon, James Marsden ("Hairspray") als John F. Kennedy und Jane Fonda ("Barbarella") als Nancy Reagan eher fehl am Platze wirken. Aber da die Präsidenten, die Cecil in seiner Zeit im Weißen Haus erlebt, sowieso nur wenige Szenen haben (drei, darunter Jimmy Carter, fehlen sogar komplett), stört das wenigstens nicht allzu sehr – im Gegensatz zu der Tatsache, daß diese wenigen Szenen stellvertretend für die recht oberflächliche Behandlung des eigentlichen Filmthemas stehen. Wie gesagt: Lee Daniels und Danny Strong ging es ganz offenbar vor allem um die Bürgerrechtsthematik anhand der letztlich fiktiven Familie Gaines. Das ist sicher ehrenwert und in diesem Bereich auch überzeugend umgesetzt, nur hätte man dafür nicht die Geschichte des realen Eugene Allen als Alibi hernehmen müssen. Denn aus der hätte man wesentlich mehr herausholen können.

Fazit: "Der Butler" ist ein unterhaltsamer Blick auf die amerikanische Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg (mit einem klaren Schwerpunkt auf der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre), der in den Hauptrollen mit starken Schauspieler-Leistungen glänzt, aber unter einigen unpassend besetzten Nebenfiguren und einer generellen Oberflächlichkeit leidet.

Wertung: 7 Punkte.


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