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Freitag, 13. September 2013

DIE SÖHNE DES GENERALS YANG (2013)

Originaltitel: Saving General Yang
Regie: Ronny Yu, Drehbuch: Edmond Wong und Ronny Yu, Musik: Kenji Kawai
Darsteller: Adam Cheng, Shao Bing, Ekin Cheng, Xu Fan, Wu Chun, Ady An, Vic Chow, Fu Xin Bo, Raymond Lam, Li Chen, Li Qian, Yu Bo, Bryan Leung, Vivi Lee, Chen Zhi-Hui
 Saving General Yang
(2013) on IMDb Rotten Tomatoes: -; weltweites Einspielergebnis: $12,8 Mio.
FSK: 16; Dauer: 102 Minuten.

Antikes China: General Yang (Adam Cheng, "Der Vollstrecker") ist seit vielen Jahren der erfolgreiche und beliebte Heerführer der Song-Dynastie und zugleich stolzer Vater von sieben kampferprobten Söhnen. Als die beiden jüngsten Söhne sich zu einem kleinen Fehler mit weitreichenden Folgen hinreißen lassen, muß jedoch auch der General den Preis dafür zahlen. Denn als die Khitan mit einem Heer in das Reich einfallen, wird der rivalisierende General Pan (Bryan Leung) mit dem obersten Kommando betraut, während Yang ihn als Frontkommandeur und damit inmitten der Kämpfe unterstützen soll. Yang gerät in einen Hinterhalt, wird von Pan im Stich gelassen und kann sich mit dem Rest seiner Männer in einem verfallenen Dorf in den Bergen verschanzen. Als die Nachricht von Yangs Dilemma die Heimat erreicht, machen sich seine sieben Söhne mit einigen Soldaten sofort auf, ihn zu retten – begleitet allerdings von einer Prophezeiung, wonach nur sechs von ihnen zurückkehren werden. Tatsächlich gelingt es den Söhnen problemlos, zu ihrem verwundeten Vater vorzudringen. Doch die Schwierigkeiten beginnen damit erst, denn ihr Widersacher aus Khitan, Yelu Yuan (Shao Bing, "Let the Bullets Fly – Tödliche Kugeln"), hat ein sehr persönliches Motiv dafür, die gesamte Familie Yang leiden zu lassen ...

Kritik:
In China ist die Legende der Familie Yang sehr beliebt und über die Jahre in vielfacher Form künstlerisch umgesetzt worden, im Rest der Welt weitgehend unbekannt. In diesem Fall dürfte das ein Vorteil für den Rest der Welt sein, denn während "Saving General Yang" in seiner Heimat ob der überraschungsarmen Inszenierung und der mangelhaften Figurenzeichnung teils heftig kritisiert wurde, erweist sich die Entwicklung des antiken Schlachtenepos in der zweiten Hälfte für unbedarfte Zuschauer als erfreulich unvorhersehbar.

Dabei wirkt "Saving General Yang" lange Zeit wie ein typischer, eher mediokrer chinesischer Historienfilm. Die wie so oft recht pathetisch erzählte Story über Liebe, Loyalität und Verrat entfaltet sich in den gewohnten Bahnen, es gibt große Schlachten zu pompöser Musik, wie man das eben so kennt aus dem modernen chinesischen Kino. Daß die Yang-Familie dem Zuschauer dabei doch ziemlich fremd bleibt und es Regisseur und Co-Autor Ronny Yu ("Freddy vs. Jason", "Jet Li's Fearless") kaum gelingt, die sieben Söhne – die sich selbst untereinander meist nicht mit Namen, sondern mit ihrer "Nummer" (z.B. Sohn/Bruder Nr. 4) rufen – irgendwie unterscheibar zu machen, ist dabei natürlich alles andere als ideal.

Leider ändert sich an diesem Aspekt bis zum Ende der Geschichte nicht mehr viel, und doch entwickelt "Saving General Yang" zunehmend ganz andere, unerwartete Qualitäten. Wesentlich interessanter als die sieben Söhne kommen beispielsweise zahlreiche Nebenfiguren herüber, obwohl diese stets nur wenige Szenen haben. Es ist schon ein Stück weit kurios, daß die Drehbuch-Autoren einerseits zeigen, wie sie in kürzester Zeit und mit minimalen, aber effektiv eingesetzten dramaturgischen Mitteln denkwürdige Charaktere gestalten können, während sie andererseits dabei versagen, die Protagonisten, denen viel mehr Zeit gewidmet wird, lebendig wirken zu lassen. Vor allem von Antagonist Yelu Yuan, der von Shao Bing in einer zugleich lässigen und bedrohlichen Art verkörpert wird, die stark an Chow Yun-Fat ("The Killer") erinnert, und seinen zwei namenlosen (und, wenn ich mich nicht irre, sogar textlosen), aber markanten Adjutanten würde man gerne mehr zu Gesicht bekommen; aber auch General Yangs Rivale Pan, der keineswegs als kaltblütiger Verräter gezeigt wird, sondern als hin- und hergerissener Mann mit Gewissensbissen, hinterläßt im Grunde genommen einen stärkeren Eindruck als die eigentlichen Hauptfiguren.

Und trotz dieses in der Theorie erheblichen Mankos funktioniert "Saving General Yang" als Ganzes ziemlich gut. Das ist, wie erwähnt, vor allem der Storyentwicklung in der zweiten Filmhälfte geschuldet, die sich deutlich anders entfaltet als von Nicht-Kennern der Legende erwartet. Natürlich ist man es als erfahrener Kinogänger oder auch Leser gewohnt, daß sich Prophezeiungen wie die hier über die Rückkehr der Söhne geäußerte eher auf Umwegen bewahrheiten; insofern ist es keine Überraschung, daß das bei "Saving General Yang" genauso abläuft. Welche Umwege die Prophezeiung allerdings nimmt, hätte ich zu Beginn des Films nicht einmal ansatzweise erraten – und ich schätze, das wird den meisten Zuschauern ähnlich ergehen. Daraus ergibt sich ein äußerst erfreulicher Überraschungsmoment, auch die schon verloren geglaubte Spannung ist unvermittelt wieder da – und das sogar stärker als zuvor. Hilfreich ist zudem, daß die Kampfszenen sich zu diesem Zeitpunkt immer mehr von den anfänglichen, nur mittelmäßig aufregend in Szene gesetzten Massenschlachten hin zu in jeder Hinsicht persönlichen Duellen wandeln. Zwar reicht auch deren Choreographie nicht an jene Höhepunkte der Kampfkunst heran, die z.B. Yuen Woo-Ping ("The Grandmaster") oder Donnie Yen ("Ip Man") regelmäßig präsentieren, aber die Zweikämpfe fallen deutlich spektakulärer und somit befriedigender aus als die ziemlich unübersichtlichen Schlachten in der ersten Filmhälfte.

Fazit: "Saving General Yang" ist ein typisch chinesisches Schlachtenepos, das mit seiner wenig aufregenden Kernstory und dem eklatanten Mangel an charismatischen Protagonisten zunächst recht mittelmäßig ausfällt, in der zweiten Hälfte aber mit unerwarteten Wendungen, interessanten Nebenfiguren und deutlich verbesserten Kampfszenen zu fesseln weiß.

Wertung: 7,5 Punkte.


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