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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 26. März 2013

EKKELINS KNECHT (2008)

Regie: Reinhard Kungel, Drehbuch: Peter Klewitz, Musik: Patrick Ehrich
Darsteller: Peter Klewitz, Katrin Klewitz, Philipp Sprongl, Till Klewitz, Yvonne Brosch, Silke Heimann, Ralph Traunbauer, Kay Weidelich, Wolfgang Brun, Gernot Ostmann, Holger Wilhelm, Klaus Jugl, Hubertus Hinse, Andreas Karl, Philipp Weiche
 Ekkelins Knecht
(2008) on IMDb Rotten Tomatoes: -; deutsches Einspielergebnis: $0,04 Mio.
FSK: 12, Dauer: 110 Minuten.

14. Jahrhundert, finsterstes Mittelalter: Der mittellose Konrad (Philipp Sprongl) wird nach dem Tod seiner Eltern durch die Pest durch einen glücklichen Zufall zum Roßknecht des Ritters Ekkelin Geyling (Peter Klewitz). Dieser liegt in Fehde mit dem reichen Burggrafen von Nürnberg und überfällt immer wieder Nürnberger Kaufleute auf dem lukrativen Handelsweg von Prag nach Nürnberg. Der Burggraf sucht und erhält die Hilfe des Kaisers, der Ekkelin enteignen läßt. Doch der stolze Ritter und seine Getreuen lassen sich nicht entmutigen und verbreiten weiterhin Angst und Schrecken unter den Nürnberger Kaufleuten ...


Kritik:
"Ekkelins Knecht" (auf DVD unter dem Titel "Raubritter" erschienen) ist ein echtes Kuriosum in der deutschen Filmlandschaft: Ein fränkischer Ritterfilm! Dabei handelt es sich bei diesem Liebhaber-Projekt um eine absolute Low-Budget-Produktion, denn das Budget beträgt lediglich 250.000 Euro und die Besetzung besteht fast ausschließlich aus Laiendarstellern. Immerhin Reinhard Kungel hatte schon vorher etliche Erfahrungen als Regisseur von TV-Dokumentationen gesammelt. Angesichts dieser Voraussetzungen ist das Ergebnis, das im Jahr 2008 nur in bayerischen Kinos zu bewundern war, aller Ehren Wert.

Die Darsteller sind vor allem optisch sehr gut gewählt. Die schauspielerischen Fähigkeiten sind bei den meisten zwar begrenzt (oder zumindest mangels Erfahrung ausbaufähig), was man vor allem dann bemerkt, wenn sie den Mund aufmachen. Die Dialoge sind teilweise sowieso sehr umständlich und hölzern geraten und die Art des Vortrags läßt zweifelsohne die fehlende professionelle Ausbildung erkennen. Wenn man sich aber erst einmal daran gewöhnt hat, stört es nicht allzu sehr, außerdem machen gerade die Hauptdarsteller ihre Sache alles in allem ziemlich gut.

In technischer Hinsicht merkt man "Ekkelins Knecht" das niedrige Budget erwartungsgemäß besonders deutlich an, allerdings muß man das Bemühen der Filmemacher loben, die stark begrenzten Mittel zu überdecken. Einige Kamera- und Montagetricks (Überblendungen, Farbspielereien und ähnliches) wirken zwar recht unbeholfen, heben die Produktion insgesamt aber zumindest über reines TV-Niveau hinaus. Lediglich der gelegentliche Einsatz der wackligen Handkamera wirkt fehl am Platz. Die musikalische Untermalung durch Patrick Ehrich changiert zwischen (meist) gut gemacht und (selten) gut gemeint.

Was "Ekkelins Knecht" an spektakulären Schauwerten und filmischer Professionalität fehlt, macht er durch seine Detailverliebtheit und den unbedingten Willen zur Authentizität wieder wett. Dank der Mithilfe von Wissenschaftlern und Mittelalter-Gruppen wurde versucht, alles so historisch korrekt wie möglich aussehen zu lassen. Das betrifft natürlich zunächst das Offensichtliche wie Kleidung und Kulissen (daß sich in Franken reihenweise geeignete Burgen als Drehorte für Mittelalterfilme anbieten, erweist sich dabei als sehr vorteilhaft), aber auch die Darstellung des eher erbärmlichen Lebens der "kleinen Leute" – zu denen letztlich auch ein eigentlich unbedeutender Ritter wie Ekkelin zählt. Die Authentizität geht gar so weit, daß sämtliche Darsteller mit (hoffentlich falschen ...) sichtlich verfaulten Zahnpartien ausgestattet wurden! Was ehrlich gesagt so manche Kußszene eher unappetitlich macht, aber man kann eben nicht alles haben ...

Bezüglich der Handlung läßt sich erfreulicherweise eine recht steile Lernkurve konstatieren. Während der Beginn noch holprig, überfrachtet und teilweise arg klischeehaft geraten ist, wird die Story im Laufe der fast zwei Stunden immer besser und interessanter, phasenweise sogar beinahe tiefgründig. Auch die relativ vielen wichtigen Figuren sind einigermaßen glaubwürdig gezeichnet und die zentrale Schlachtszene erfreut das Auge des Betrachters mit einer sorgfältigen Choreographie (wenngleich es mitunter schwerfällt, die verschiedenen Parteien auseinanderzuhalten).

Fazit: "Ekkelins Knecht" ist ein sehr mutiger und somit lobenswerter Versuch, einen historisch korrekten Mittelalterfilm zu drehen. Wer keinen Hollywood-Prunk erwartet und sich mit den primär budgetbedingten Schwächen der Low-Budget-Produktion arrangieren kann, der darf sich auf einen gelungenen Ritterfilm mit Herz und Hirn freuen.

Wertung: Wohlwollende 7 Punkte.


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