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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 23. November 2012

DURST – THIRST (2009)

Originaltitel: Bakjwi
Regie und Drehbuch: Park Chan-wook, Musik: Jo Yeong-wook
Darsteller: Song Kang-ho, Kim Ok-bin, Shin Ha-kyun, Eriq Ebouaney, Mercedes Cabral, Kim Hae-sook, Song Young-chang, Ra Mi-ran, Oh Dal-su, Park In-hwan
 Bakjwi
(2009) on IMDb Rotten Tomatoes: 81% (6,9); weltweites Einspielergebnis: $13,0 Mio.
FSK: 16, Dauer: 134 Minuten.

Sang-Hyeon (Song Kang-ho, "The Host", "Memories of Murder") ist ein katholischer Priester in Südkorea, der insgeheim an seiner Berufung zweifelt. Durch die folgenreiche Teilnahme an einem mißglückten medizinischen Experiment – bei dem er einziger Überlebender im weiteren Sinne ist – wird er zu einer Art Vampir. Fortan bemüht er sich verzweifelt, seine veränderten Gefühle und das Verlangen nach Blut, das der Vampirismus in ihm weckt, mit seiner Tätigkeit als Priester in Einklang zu bringen. Anfangs gelingt ihm dies mit Müh' und Not, doch dann trifft er zufällig auf die unglücklich mit einem Jugendfreund Sang-Hyeons verheiratete Tae-joo (Kim Ok-bin), die er schließlich in sein dunkles Geheimnis einweiht. Sie zeigt sich ausgesprochen fasziniert und will die mit Sang-Hyeons Zustand einhergehenden unnatürlichen Fähigkeiten des leidgeprüften Geistlichen zu ihrem Vorteil nutzen – mit fatalen Folgen ...

Kritik
:

Wer mit der Arbeit des (neben dem erklärten Arthouse-Spezialisten Kim Ki-duk) international bekanntesten südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook vertraut ist, zu der seine Rache-Trilogie rund um das Meisterwerk "Oldboy", aber auch die schräge Science Fiction-Romanze "I'm a Cyborg, but that's OK" zählt, der weiß, daß man von diesem Mann keinen Film erwarten darf, der in irgendeiner Art und Weise "normal" ist. Das gilt auch und vielleicht sogar ganz besonders für "Durst", eine unkonventionelle Kombination aus blutigem Horrorfilm, einfühlsamer Romanze und moralphilosophischer Parabel (gewürzt mit einem guten Schuß Humor), die als Vampirfilm so ziemlich das Gegenteil der teenagerzentrierten "Twilight"-Reihe darstellt.

Wenn ein für seine ebenso extremen wie exzentrischen Einfälle berühmter Regisseur wie Park Chan-wook einen mehr als zweistündigen Vampirfilm dreht, dann erwartet man selbstredend, jede Menge Action und genial-verrückte Drehbuch-Wendungen dargeboten zu bekommen. Von letzteren gibt es in der Tat so einige, übergroße Vorhersehbarkeit kann man "Durst" sicher nicht unterstellen. Der Horror-/Actionanteil dagegen fällt gerade im Vergleich zu seiner Rache-Trilogie überraschend gering aus. Park nutzt die Vampir-Storyline vor allem als Metapher, weshalb sein Film über weite Strecken eher wie ein schräges, aber überraschend humorvolles Beziehungsdrama denn wie ein Vampirfilm wirkt. Das läßt sich auch damit erklären, daß Park im Abspann Émile Zolas dramatischen Roman "Thérèse Raquin" als Inspirationsquelle für die in der Tat strukturell recht ähnlich aufgebaute Handlung nennt.

Leider ist dieser Beziehungskram im Mittelteil der Geschichte sehr lang und mitunter auch arg übertrieben, beinahe slapstickartig geraten, was über kurz oder lang doch zu einer gewissen Übersättigung führt. Die spannenden moralischen Betrachtungen, speziell der wirklich fiese innere Konflikt von Sang-Hyeon, der als katholischer Priester und (Quasi-)Vampir gezwungen ist, zwei "Wesenheiten" in sich zu vereinen, wie sie unvereinbarer eigentlich nicht sein könnten und der deshalb von einer wahren Seelenpein geplagt wird, flicht Park zwar geschickt in die Liebesgeschichte ein. Für meinen Geschmack geschieht dies aber doch etwas zu subtil und somit zieht dieser Erzählstrang gegenüber den dominierenden Beziehungselementen deutlich den Kürzeren.

Glücklicherweise schließt Park seinen Film in der letzten halben Stunde jedoch mit einem famosen finalen Akt ab, in dem das Tempo deutlich angezogen wird. Das Vampir-Leitmotiv kommt nun endlich voll zum Tragen und wird schließlich zu einem höchst poetischen und wunderschön bebilderten Abschluß gebracht. Generell verdient die einige sehr unkonventionelle Einstellungen beinhaltende Arbeit von Parks Stamm-Kameramann Jeong Jeong-hun großes Lob, was ebenso für den melodischen Soundtrack von Jo Yeong-wook ("J.S.A.: Joint Security Area") gilt. Song Kang-ho liefert als schwermütiger, innerlich entzweigerissener Gottesmann wie gewohnt eine ausgesprochen charismatische Vorstellung ab und die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten erst 22 Jahre alte relative Newcomerin Kim Ok-bin überzeugt in der emotionalen weiblichen Hauptrolle nicht nur durch ihre außerordentliche Schönheit, sondern erweist sich als gleichwertige Leinwandpartnerin Songs.

Fazit
: "Durst
Thirst" ist eine kuriose und auch ziemlich unrunde, aber nichtsdestoweniger faszinierende und elegant inszenierte Mischung aus Horror- und anspruchsvollem Kunstfilm mit dramaturgischen Höhen und Tiefen. Der etwas zu lange Mittelteil plätschert phasenweise recht ziellos vor sich hin, dafür bleibt das poetisch-dramatische Finale positiv im Gedächtnis.

Wertung: 7,5 Punkte.


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