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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 6. Juli 2012

COLLATERAL (2004)

Regie: Michael Mann, Drehbuch: Stuart Beattie, Musik: James Newton Howard
Darsteller: Jamie Foxx, Tom Cruise, Jada Pinkett Smith, Javier Bardem, Bruce McGill, Mark Ruffalo, Peter Berg, Barry Shabaka Henley, Bodhi Elfman, Irma P. Hall, Debi Mazar, Paul Adelstein, Wade Williams, Jason Statham
 Collateral
(2004) on IMDb Rotten Tomatoes: 86% (7,4); weltweites Einspielergebnis: $217,8 Mio.
FSK: 16, Dauer: 120 Minuten.

Taxifahrer Max (Jamie Foxx, "Django Unchained") trifft auf einen lukrativen Kunden: Der smarte Vincent (Tom Cruise, "Rock of Ages", "Mission: Impossible – Phantom Protokoll") will ihm 600 Dollar zahlen, wenn er ihn die ganze Nacht über zu verschiedenen Adressen in Los Angeles kutschiert. Max willigt ein, muß aber bald feststellen, daß Vincent ganz und gar nicht der nette und harmlose Typ ist, der er auf den ersten Blick zu sein schien. In Wahrheit ist er ein Auftragskiller, der an jedem Zwischenhalt einen tödlichen Auftrag erledigen soll. Verzweifelt sucht Max nach einem Ausweg aus seiner mißlichen Lage, doch eine Flucht scheint unmöglich, da Vincent ihn stets im Auge behält ...

Kritik:
Wie nur wenige Hollywood-Regisseure hat Michael Mann einen ganz eigenen, unverkennbaren Stil geschaffen, der seine Filme durchzieht und aufwertet. Ob die oft verkannte erste Hannibal Lecter-Verfilmung "Blutmond", das Abenteuerepos "Der letzte Mohikaner", der Wirtschafts-Thriller "Insider" oder die Leinwandadaption der von ihm geschaffenen Kultserie "Miami Vice": Alle seine Filme zeichnen eine ungemein stylishe Inszenierung, eine unterkühlte Atmosphäre und hervorragend choreographierte Showdowns aus die, wie er mit "Insider" bewies, nicht immer mit Waffen ausgetragen werden müssen. Das perfekte Beispiel für den typischen Mann-Stil ist sein Meisterwerk "Heat", eine Großstadt-Krimiballade mit dem unvergeßlichen Aufeinandertreffen der Schauspielikonen Robert DeNiro und Al Pacino und dem legendären Shootout zwischen Gangstern und Polizei nach einem Banküberfall. An dieses Magnum Opus reicht "Collateral" zwar nicht ganz heran, dennoch zählt der Thriller zweifellos zu Manns besten Filmen.

Einerseits ist "Collateral" wie "Heat" ein typischer Großstadt-Thriller, andererseits über weite Strecken gleichzeitig ein intimes Zwei-Mann-Kammerspiel; ein klassisches, westernartiges Duell zweier scheinbar extrem unterschiedlicher, letztlich aber ziemlich ebenbürtiger Männer. Tom Cruise und Jamie Foxx mögen keine Schauspiel-Giganten wie die "Heat"-Darsteller DeNiro und Pacino sein – aber beide liefern hier exzellente Leistungen ab, Foxx wurde dafür sogar mit seiner zweiten OSCAR-Nominierung belohnt (ein Jahr nach seinem Gewinn für "Ray"). Zwar sind auch die Nebenrollen mit Schauspielern wie Jada Pinkett Smith ("Matrix Reloaded"), Mark Ruffalo ("The Avengers"), Bruce McGill ("Das Urteil", TV-Serie "Rizzoli & Isles") oder dem späteren OSCAR-Gewinner Javier Bardem ("Skyfall") gut besetzt, aber das Herz des Films ist ganz eindeutig das Psycho-Duell zwischen Vincent und Max.

Im Vergleich zu "Heat" ist "Collateral" trotz eines furiosen Finales erheblich ruhiger geraten. Das Erzähltempo hält genau die richtige Balance zwischen Action- und Charakterelementen, Cruise und Foxx erfüllen die von Drehbuch-Autor Beattie gut ausgearbeiteten Figuren absolut überzeugend mit Leben. Cruise beweist nicht zum ersten Mal, daß er in ungewöhnlichen Rollen wie dieser mit Abstand am besten ist, Foxx gelingt die Darstellung des sprichwörtlichen kleinen Mannes von der Straße, der durch eine Extremsituation gezwungen wird, alles aus sich herauszuholen, vollkommen nachvollziehbar. Michael Mann läßt ihnen auch genügend Zeit für die Ausgestaltung ihrer Rollen, ohne dabei die Nebenfiguren oder die Gesamtatmosphäre zu vernachlässigen. Tatsächlich sind es auf diese Weise sogar einige besonders ruhige Szenen, die für die erinnerungswürdigsten Momente sorgen. Und die für Mann so typischen, von seinen beiden Kameraleuten Dion Beebe und Paul Cameron detailverliebt durchchoreographierten Bildkompositionen beeindrucken mit edler Erhabenheit und tauchen das nächtliche Los Angeles in ein ganz neues Licht. Nicht unerwähnt bleiben darf auch der ausgezeichnete Soundtrack mit Musik von James Newton Howard sowie zahlreichen sehr guten und vor allem stimmigen Songs von Calexico, Miles Davis, The Roots und anderen.

Eine Bewertung der Handlung soll wegen akuter Spoilergefahr nur kurz und allgemein geschehen: Autor Stuart Beattie ("Fluch der Karibik", "Australia") hat eine ebenso originelle wie intelligente Story mit einigen Überraschungen und durchwegs glaubwürdigen Charakteren geschaffen. Einige Handlungselemente wirken allerdings etwas sehr konstruiert – das ist besonders unnötig, da es sich hierbei überwiegend um Nebensächlichkeiten handelt, die für die eigentliche Geschichte relativ unwichtig sind. Davon abgesehen gibt es jedoch wenig Grund zur Klage.

Fazit: "Collateral" ist ein Michael Mann-Film im besten Sinne: Ein visuell berauschender Thriller mit kluger Handlung, zwei erfreulich tiefgründigen, von Tom Cruise und Jamie Foxx stark verkörperten Hauptfiguren und einem tollen Soundtrack.

Wertung: 9 Punkte.


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