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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit längerer Zeit das Cover meines neuen Buchs präsen...

Donnerstag, 12. August 2021

LOVE AND MONSTERS (2020)

Regie: Michael Matthews, Drehbuch: Brian Duffield, Matthew Robinson, Musik: Marco Beltrami und Marcus Trumpp
Darsteller: Dylan O'Brien, Jessica Henwick, Michael Rooker, Ariana Greenblatt, Ellen Hollman, Dan Ewing, Tre Hale, Bruce Spence, Melanie Zanetti (Stimme)
Love and Monsters (2020) on IMDb Rotten Tomatoes: 93% (7,3); weltweites Einspielergebnis: $1,1 Mio.
Altersempfehlung: 12, Dauer: 109 Minuten.
Als ein großer Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde alles Leben zu vernichten droht, gelingt es der Menschheit tatsächlich, ihn rechtzeitig mit Raketen zu zerstören. Nicht ganz so schöne Nebenwirkung: Die Chemikalien in den Raketen fallen auf die Erde zurück und sorgen dafür, daß die irdische Fauna – genau genommen nur die Kaltblüter – zu riesigen Monstern mutiert, von denen viele Appetit auf Menschenfleisch haben. Diesen Kampf können die Menschen nicht gewinnen, weshalb ein Großteil der Menschheit innerhalb kurzer Zeit ausgerottet wird und sich die meisten Überlebenden in unterirdische "Kolonien" zurückziehen. In einer dieser Kolonien lebt seit sieben Jahren Joel Dawson (Dylan O'Brien, "Maze Runner"), der allerdings zu seinem Leidwesen bis auf seine Kochkünste nicht viel in die kleine Gemeinschaft einbringen kann, da er beim Anblick der Mutanten zuverlässig in Schockstarre verfällt und somit nicht zum Kampf taugt. Dennoch beschließt Joel eines Tages, den Bunker zu verlassen und sich alleine auf den Weg zu einer 85 Meilen entfernten Kolonie zu machen, in der – wie er per Funk vor einiger Zeit erfahren hat – seine große Liebe Aimee (Jessica Henwick, "Underwater") wohnt. Seine Reise wäre schon bald blutig beendet, doch zum Glück findet er Unterstützung bei dem Hund "Boy" sowie den seit längerem auf der Oberfläche lebenden Clyde (Michael Rooker, "Guardians of the Galaxy") und Minnow (Ariana Greenblatt, "Avengers: Endgame"). Von ihnen lernt Joel genug, um zumindest eine reelle Chance zu haben, das Ziel seines Weges lebendig zu erreichen …
 
Kritik:
An dystopischen Filmen herrscht in Hollywood wahrlich kein Mangel, wie unzählige Beispiele von "Die Tribute von Panem" über "Blade Runner" oder "Gattaca" bis hin zu den zahlreichen Zombiefilmen belegen. Angesichts realer Probleme wie dem immer bedrohlicheren Klimawandel oder weltweiten Pandemien sollte man meinen, daß die Zuschauer eher an fröhlicheren Stoffen als Abwechslung von der harten Realität interessiert wären, aber nein: Während Komödien im Hollywood-Kino inzwischen beinahe ein Nischendasein fristen (in Europa sieht es etwas anders aus), kommen dystopische Stoffe in Kino und TV ("The Handmaid's Tale", "The Walking Dead") häufig glänzend an. In diese deprimierende Thematik ein wenig Humor einzubringen kann dabei nicht schaden – "Zombieland" und Fortsetzung lassen grüßen –, weshalb sich Paramount viel von dem seit 2012 (zunächst unter dem Titel "Monster Problems", der mir besser gefallen hätte) geplanten humorvollen Monsterabenteuer "Love and Monsters" versprach, zumal sich das Budget mit rund $30 Mio. in Grenzen hielt. Dann kam aber dummerweise kurz vor dem globalen Kinostart im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie dazwischen, weshalb der Film des südafrikanischen Regisseurs Michael Matthews ("Five Fingers for Marseille") in den fast allen Ländern direkt beim Streamingdienst Netflix veröffentlicht wurde. Das ist schade, denn "Love and Monsters" ist trotz eines eklatanten Mangels an Originalität unterhaltsam ausgefallen, sieht trotz seiner überschaubaren Produktionskosten richtig gut aus und hätte es sehr wohl verdient, auf einer großen Leinwand gesehen zu werden.
 
Wenngleich "Love and Monsters" eindeutig viele Genre-Vorbilder hat, die dem Skript von Brian Duffield ("The Babysitter") und Matthew Robinson ("Lügen macht erfinderisch") zur Inspiration dienten, sind die Parallelen zu den beiden beliebten "Zombieland"-Filmen von Ruben Fleischer am offensichtlichsten – wobei das angesichts deren Qualität ja nicht das Schlechteste ist. So etabliert "Love and Monsters" wie "Zombieland" zu Beginn auf humorvolle Art und Weise einige Überlebensregeln, wenn auch etwas weniger pointiert. Auch das Personal erinnert an das fast schon ikonische "Zombieland"-Quartett, wobei Protagonist Joel Jesse Eisenbergs Columbus entspricht, der abgebrühte Clyde Woody Harrelsons Tallahassee und seine junge Begleiterin Minnow Abigail Breslins Little Rock – bei Joels großer Liebe Aimee paßt der Vergleich nicht ganz so gut, aber mit etwas gutem Willen ist sie das Gegenstück zu Emma Stones Wichita. Dennoch gibt es genügend Unterschiede, um "Love and Monsters" nicht als bloßen Nachahmer einzustufen. An erster Stelle wäre zu nennen, daß der Komödien-Anteil erheblich niedriger ist und der Film generell bodenständiger wirkt – auf die stylishen Montagen und inszenatorischen Spielereien von "Zombieland" verzichtet Regisseur Matthews weitgehend. Daß das ziemlich gut funktioniert, hat vor allem zwei Gründe: die von Dylan O'Brien sehr sympathisch verkörperte Identifikationsfigur Joel und das phantasievoll-eklige Kreaturendesign, das "Love and Monsters" sogar eine verdiente OSCAR-Nominierung für die visuellen Effekte einbrachte.
 
Joel gibt gerade deshalb einen so guten Protagonisten ab, weil er kein strahlender Held ist, sondern ein ziemlicher Normalo ohne besondere Fähigkeiten, der sich irgendwie durchschlägt und einen funktionierenden moralischen Kompaß hat. Daß er den Bunker überhaupt verläßt, ist höchst untypisch für ihn, aber er ist nunmal auch ein hoffnungsloser Romantiker – und auch das macht ihn ungemein sympathisch. Seine etwas andere (Coming of Age-)Heldenreise durch das postapokalyptische Amerika hätte dabei gerne noch etwas einfallsreicher gestaltet werden können, denn die durchaus vorhandenen Storywendungen sind für erfahrene Kinogänger nicht wirklich überraschend, was auch am deutlich übertriebenen Foreshadowing liegt (so ziemlich alles, was Joels zwischenzeitliche Begleiter bezüglich der Monster ansprechen, ist irgendwann von Bedeutung). Phasenweise wirkt es außerdem so, als hätte man die Laufzeit etwas bemüht gestreckt, speziell die kurze, ziemlich für sich stehende Episode mit dem humanoiden Roboter Mav1s (in der Originalfassung gesprochen von Melanie Zanetti) wirkt inhaltlich eher überflüssig – ohne allerdings in irgendeiner Art und Weise zu stören. Die restliche Besetzung macht wie O'Brien einen guten Job, hat aber weit weniger Gelegenheit, ein eigenes Profil zu entwickeln – dennoch hätte ich absolut nichts gegen ein Spin-Off über Michael Rookers Clyde und Ariana Greenblatts Minnow einzuwenden … Eigentliches Highlight von "Love and Monsters" sind aber die Kreaturen, denen mit der Klassifizierung als "Monster" übrigens Unrecht getan wird – sie sind ja weiterhin Tiere, die ihren Instinkten gehorchen, nur daß ob der veränderten Verhältnisse nun sie die Jäger und die Menschen das Futter sind. "Böse" sind die überzeugend gestalteten "Monster" jedoch keinesfalls, was der Film erfreulicherweise auch thematisiert. Das ist nur ein Beispiel dafür, daß "Love and Monsters" zwar bei weitem kein perfekter Film ist, aber das Herz definitiv am rechten Fleck hat und einfach gute Unterhaltung bietet. Ich würde Joel gerne noch mehr Abenteuer in der Welt von "Love and Monsters" erleben sehen, aber einer möglichen Fortsetzung oder dem von mir gewünschten Clyde/Minnow-Spin-Off dürfte die Pandemie leider einen großen Strich durch die Rechnung gemacht haben; denn ein kommerzieller Erfolg ist der Film so fast ohne Kinoauswertung wahrscheinlich nicht geworden (wobei man im Streaming-Zeitalter ja nie weiß, ob es nicht doch noch irgendwie weitergehen kann, die Abrufzahlen bei Netflix waren wohl recht gut).
 
Fazit: "Love and Monsters" ist ein unterhaltsamer und humorvoller dystopischer Abenteuerfilm, der zwar nicht mit originellen Ideen punkten kann, dafür jedoch mit einem sehr sympathischen Protagonisten und toll gestalteten Kreaturen.
 
Wertung: 7,5 Punkte.

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