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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

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Mittwoch, 28. März 2018

SMOKIN' ACES (2006)

Regie und Drehbuch: Joe Carnahan, Musik: Clint Mansell
Darsteller: Ryan Reynolds, Ray Liotta, Jeremy Piven, Ben Affleck, Martin Henderson, Peter Berg, Chris Pine, Kevin Durand, Maury Sterling, Common, Tommy Flanagan, Joseph Ruskin, Andy Garcia, Taraji P. Henson, Alicia Keys, Jason Bateman, Nestor Carbonell, Joel Edgerton, Matthew Fox, Vladimir Kulich, Curtis Armstrong, Wayne Newton, Joe Carnahan
 Smokin' Aces
(2006) on IMDb Rotten Tomatoes: 29% (4,4); weltweites Einspielergebnis: $57,1 Mio.
FSK: 16, Dauer: 104 Minuten.
Der Las Vegas-Entertainer Buddy "Aces" Israel (Jeremy Piven, "Sin City 2") soll für das FBI als Kronzeuge gegen den Mafia-Paten Primo Sparazza (Joseph Ruskin, "Die Ehre der Prizzis") aussagen. Um das zu verhindern, wird ein Kopfgeld von einer Million Dollar auf ihn ausgesetzt, das naturgemäß eine ganze Reihe gefährlicher Gestalten anlockt, die das Geld haben wollen: Von dem Neonazi-Brüder-Trio Darwin (Chris Pine, "Wonder Woman"), Jeeves (Kevin Durand, TV-Serien "Lost", "The Strain") und Lester Tremor (Maury Sterling, TV-Serie "Homeland") über den Kautionsjäger Jack (Ben Affleck, "Argo"), das afroamerikanische Auftragskillerinnen-Duo Sharice (Taraji P. Henson, "Hidden Figures") und Georgia (R 'n' B-Sängerin Alicia Keys in ihrem Schauspieldebüt) bis zu dem begnadeten Verwandlungskünstler Lazlo (Tommy Flanagan, TV-Serie "Sons of Anarchy") ist alles vertreten. Das FBI unter Führung der Agents Carruthers (Ray Liotta, "Killing Them Softly") und Messner (Ryan "Deadpool" Reynolds) soll Israel vor all diesen Gestalten beschützen …

Kritik:
Eigentlich ist es ein Rätsel, wie die US-Actionkomödie "Smokin' Aces" es geschafft hat, KEIN guter Film zu werden – wohl ein klassischer Fall von "das Ganze ist weniger als seine Teile". Denn Regisseur und Drehbuch-Autor Joe Carnahan ist zwar kein ganz Großer seiner Branche, hat aber mit Werken wie dem düsteren Polizei-Thriller "Narc" oder dem dramatischen Survival-Abenteuer "The Grey" nachdrücklich bewiesen, daß er einiges auf dem Kasten hat. Und wenn man sich im Rückblick das Ensemble anschaut, das er für "Smokin' Aces" zusammengestellt hat, dann muß man ihm beinahe prophetische Gaben attestieren (oder, realistischer betrachtet, ein sehr gutes Auge für vielversprechende Talente), denn da tummeln sich einige Schauspieler, die seinerzeit noch weitgehend unbekannt waren, inzwischen aber renommierte Akteure oder gar echte Stars sind. "Person of Interest"- und "Empire"-Darstellerin Taraji P. Henson ist dafür das beste Beispiel, aber auch der spätere "Sons of Anarchy"-Star Tommy Flanagan, Chris "Captain Kirk" Pine, Joel Edgerton ("Red Sparrow"), Jason Bateman ("Game Night"), Rapper Common (TV-Serie "Hell on Wheels") und sogar Ryan Reynolds befanden sich noch ziemlich am Anfang erfolgreicher Karrieren. Wenn man dann noch die wendungsreiche Story und den lässig-brutalen Stil des Films betrachtet, die sehr offensichtlich von Quentin Tarantinos frühen Werken ("Reservoir Dogs", "Pulp Fiction") inspiriert sind, dann fragt man sich wirklich, wie das nur schiefgehen konnte. Doch es ist schiefgegangen, und zwar ziemlich.

Woran es liegt? Wahrscheinlich primär daran, daß es sich wesentlich leichter anhört, einen ordentlichen Tarantino-Klon zu schaffen, als es das tatsächlich ist. Anstatt sich auf sich selbst zu verlassen, versucht Carnahan, Tarantino zu imitieren, scheitert allerdings daran, daß seine Dialoge bei weitem nicht an die aberwitzigen Qualitäten seines Vorbilds heranreichen und meist nur pseudo-cool wirken. Sie sind zwar ebenfalls sehr schräg, aber nur selten wirklich gewitzt oder auch nur amüsant. Ähnliches gilt für diverse nur bedingt geschmackssichere Momente, die immer wieder eingestreut werden, jedoch (anders als bei Tarantino) selten wenigstens zum Schmunzeln verleiten ... Außerdem wirkt der Film generell nicht wie aus einem Guß, sondern eher wie eine uninspirierte Aneinanderreihung von Einzelszenen. Tatsächlich ist die erste Hälfte sogar erschreckend langweilig geraten: Man sieht der namhaften Darstellerriege beim (auch wegen der Fülle an Figuren) weitgehend belanglosen Agieren zu und fragt sich, wann es denn nun endlich richtig losgeht.

Daß "Smokin' Aces" aller Enttäuschung zum Trotz kein Totalausfall ist, liegt daran, daß es irgendwann dann eben sehr wohl losgeht. Das dauert zwar viel zu lange, aber sobald es zum sehr ausführlichen, reichlich blutigen Showdown im Penthouse des Luxushotels in Las Vegas kommt, in dem Israel sich versteckt hält, wird man für die vorherige Langeweile doch noch einigermaßen entschädigt. Die Schußwechsel und Nahkämpfe sind rasant inszeniert und teils ziemlich spektakulär choreographiert, dabei sehr bleihaltig und voller – mal mehr, mal weniger – überraschender Wendungen. Logik und Glaubwürdigkeit gehen dabei zwar komplett über Bord, angesichts des Spaßfaktors dieses späten, von einer hörenswerten Songauswahl (u.a. von Motörhead, The Stooges, The Prodigy, OutKast, Ennio Morricone) begleiteten Actiongewitters läßt sich das jedoch problemlos verschmerzen. Das gilt allerdings nicht für Carnahans letzte Fehlentscheidung – nicht mit diesem Höhepunkt aufzuhören, sondern noch einen ermüdenden Epilog anzuhängen, in dem krampfhaft (und vergeblich) versucht wird, der insgesamt sowieso arg vorhersehbaren Story nachträglich noch einen tieferen Sinn zu verleihen. Das ist ebenso überflüssig wie ärgerlich und sorgt dafür, daß die qualitative Achterbahnfahrt namens "Smokin' Aces" auf einem ziemlich tiefen Punkt endet. 2010 folgte dennoch das (direkt fürs Heimkino produzierte) Prequel "Smokin' Aces 2: Assassins' Ball", in dem aber nur einige Nebendarsteller des ersten Teils zurückkehren und der noch deutlich schlechtere Kritiken erhielt (ich habe ihn nie gesehen).

Fazit: "Smokin' Aces" ist eine tarantinoeske Actionkomödie mit bemerkenswert hochkarätigem Schauspielensemble, die daran scheitert, daß Regisseur und Drehbuch-Autor Carnahan nicht Quentin Tarantino ist – der actionreiche Showdown macht Spaß, der Rest des Films langweilt.

Wertung: Knapp 5 Punkte.


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