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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 2. Februar 2018

JUMANJI: WILLKOMMEN IM DSCHUNGEL (3D, 2017)

Originaltitel: Jumanji: Welcome to the Jungle
Regie: Jake Kasdan, Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Scott Rosenberg, Jeff Pinkner, Musik: Henry Jackman
Darsteller: Dwayne Johnson, Karen Gillan, Kevin Hart, Jack Black, Nick Jonas, Morgan Turner, Alex Wolff, Ser'Darius Blain, Madison Iseman, Bobby Cannavale, Rhys Darby, Tim Matheson, Marin Hinkle, Missi Pyle
 Jumanji: Willkommen im Dschungel
(2017) on IMDb Rotten Tomatoes: 76% (6,2); weltweites Einspielergebnis: $957,7 Mio.
FSK: 12, Dauer: 119 Minuten.

Vier Teenager werden vom Schuldirektor zum Nachsitzen verdonnert. Im Kellerraum, in dem sie eine simple Strafarbeit verrichten sollen, finden sie eine alte Spielkonsole mitsamt einem Spiel namens "Jumanji". Da Spielen immer noch besser ist als stupide Fleißarbeit, probieren sie es aus – und werden direkt nach dem Start in das Spiel hineingezogen! Der Clou an der Sache: Sie sind nicht mehr sie selbst, sondern die Spielfiguren des Abenteuerspiels, die sie zuvor nur anhand der Namen und kurzer Beschreibungen ausgewählt hatten: Nerd Spencer (Alex Wolff, "My Big Fat Greek Wedding 2") wird so zum furchtlosen Muskelprotz-Archäologen Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson, "Hercules"), die oberflächliche Selfie-Tussi Bethany (Madison Iseman, "Tales of Halloween") zum vielfältig begabten Wissenschaftler Prof. Sheldon "Shelly" Oberon (Jack Black, "King Kong"); Sportskanone Fridge (Ser'Darius Blain, "Footloose") verliert einen halben Meter Körpergröße und findet sich als Dr. Bravestones treuer Helfer und Zoologe "Mouse" Finbar (Kevin Hart, "Ride Along") wieder, während Streberin Martha (Morgan Turner, "Wonderstruck") zu der spärlich bekleideten Martial Arts-Kämpferin Ruby Roundhouse (Karen Gillan, "Guardians of the Galaxy") avanciert. Um zurück in die Realität zu gelangen, müssen sie gemeinsam einen Fluch besiegen, der als Folge eines von Bravestones Erzrivale Russell Van Pelt (Bobby Cannavale, "Blue Jasmine") begangenen Raubs auf dem dschungelbedeckten Land Jumanji lastet – allerdings sind die Gefahren zahlreich und jeder von ihnen verfügt nur über drei Leben …

Kritik:
Als kurz vor Weihnachten 1995 der familienfreundliche Fantasyfilm "Jumanji" über ein lebendig werdendes Brettspiel in die Kinos kam, da sorgte das nicht für allzu viel Aufregung. Ja, die für die Zeit hervorragenden Spezialeffekte wurden gelobt und das galt auch für Robin Williams' gewohnt charismatisch-energetische Schauspielleistung, aber insgesamt fielen die Kritiken nur mittelmäßig aus und trotz des Feiertags-Schubs reichte es in den USA gerade eben so zum Knacken der $100 Mio.-Blockbuster-Marke. Global lief es besser, weshalb "Jumanji" insgesamt durchaus ein veritabler kommerzieller Erfolg war, in Williams' Liste der erfolgreichsten Filme knackte der Film jedoch kaum die Top 10. So gesehen war es auch nicht allzu verwunderlich, daß eine Fortsetzung nur halbherzig verfolgt wurde und das geplante Projekt zehn Jahre später schließlich ohne direkten Bezug zu "Jumanji" unter dem Titel der ebenfalls von Kinderbuch-Autor Chris Van Allsburg stammenden Vorlage "Zathura" veröffentlicht wurde (und floppte). Man kann also nicht unbedingt sagen, daß die Welt auf ein neues "Jumanji"-Abenteuer gewartet hätte. Da Hollywood aber bekanntlich sehr gerne auf mehr oder weniger bewährte Marken und Konzepte setzt, erschien beachtliche 22 Jahre nach dem Original, wiederum zu Weihnachten, mit "Jumanji: Willkommen im Dschungel" eine Fortsetzung, die sich allerdings fast nur mit ihrer (modernisierten) Prämisse am Vorgänger orientiert und ansonsten kaum Berührungspunkte hat. Und doch entpuppte sich das späte Sequel als ein Megahit, der in Nordamerika und weltweit selbst inflationsbereinigt ein Vielfaches dessen einspielte, was das Original erreichte! Dabei kann man nicht unbedingt behaupten, daß die Fortsetzung von "Bad Teacher"-Regisseur Jake Kasdan inhaltlich wesentlich besser wäre – es ist ein netter, sehr unterhaltsamer und jederzeit sympathischer Familien-Fantasyfilm, dessen größte Stärke seine nahezu perfekte Besetzung rund um Superstar Dwayne Johnson ist.

Die Modernisierung der Handlung ist amüsant umgesetzt, indem wir gleich zu Beginn erleben, wie ein Vater das bekannte, halb an einem Strand vergrabene Brettspiel findet und dann seinem halbwüchsigen Sohn schenkt – der es achtlos in die Ecke wirft und sich lieber wieder seinem Videospiel widmet. Folglich macht das Brettspiel das, was jedes intelligente Brettspiel macht (oder auch nicht; woher soll ich das denn wissen?) und verwandelt sich über Nacht kurzerhand selbst in ein Videospiel namens "Jumanji"! Nach diesem Prolog lernen wir erst einmal unsere jugendlichen Protagonisten kennen, was wahrlich nicht originell abläuft, sondern auf Stereotype aufbaut. Das stimmt zunächst nicht sehr vertrauensvoll, wird jedoch im Handlungsverlauf auf erfreulich unverkrampfte, nicht zu oberlehrerhafte Weise ad absurdum geführt. Offensichtliche Inspiration sind die Coming of Age-Filme der 1980er Jahre mit ihrer typischen "Zusammen schaffen wir alles"-Botschaft – wenig einfallsreich, dafür ist das langsame Zusammenfinden der ungleichen Schüler hochgradig sympathisch umgesetzt. Dafür sorgt schon die Transformation der vier zum Nachsitzen verdammten Schüler in noch viel stereotypere Videospielfiguren, die so überhaupt gar nichts mit ihrem wahren Ich zu tun haben (zumindest auf den ersten Blick). Daß zusätzlich sogar noch Geschlechter- und Hautfarbentausch eingesetzt werden, ist eine gute Idee, die aber nicht wirklich konsequent verfolgt wird – "Jumanji: Willkommen im Dschungel" ist letztlich immer noch harmlose Familienunterhaltung mit zwar vorhandenem, aber klar limitierten Sendungsbewußtsein. Speziell Spencers Verwandlung in einen Afroamerikaner wird kaum erwähnt, was man positiv betrachtet mit gutem Willen auch als Symbol für Gleichberechtigung interpretieren kann beziehungsweise dafür, daß für die Jugendlichen die Hautfarbe vollkommen unerheblich ist. Bethanys Verwandlugn in einen (in ihren Worten) übergewichtigen alten Mann wird stärker thematisiert, zum Glück wird ein paar (sympathisch vorgetragenen) Kalauern zum Trotz aber auf allzu klischeehafte Gags á la Adam Sandler verzichtet.

Generell ist der Humor des zweiten "Jumanji"-Films nicht sonderlich anspruchsvoll und recht harmlos, dabei aber oft überraschend witzig. Das ist nicht zuletzt dem exzellenten Comedy-Timing der Schauspieler zu verdanken, die – wie erwähnt – sowieso die wohl größte Stärke des Films darstellen. Ex-Wrestler Dwayne Johnson ist bekanntlich nicht der beste Schauspieler aller Zeiten, für sein Comedy-Talent ist er jedoch seit langem bekannt und das setzt er hier gekonnt ein, wobei er besonders Bravestones vom Spiel vorgegebene Stärke "Beeindruckende Intensität" immer wieder höchst amüsant auf die Leinwand bringt. Jack Black ist ideal für die "hübsche Frau im Körper eines dicken Mannes"-Rolle und Karen Gillan demonstriert, daß ihr Rollenspektrum sowohl Badass-Charaktere als auch Kumpeltypen und Comediennes umfaßt. Einzig Kevin Harts Rolle ist recht austauschbar, er interpretiert sie aber ebenfalls mit sichtbarer Spielfreude. Die Videospiel-Thematik ist insgesamt ziemlich gelungen umgesetzt, wenngleich auch hier die mangelnde Konsequenz ins Auge sticht. Aus dieser Prämisse hätte man definitiv mehr herausholen können, speziell die Besonderheit, daß jede Spielfigur drei Leben hat, wird ziemlich phantasielos verschenkt, indem man sich für die lahmste Konstellation entscheidet und damit auf reichlich potentielle Dramatik und Spannung verzichtet. Bedauerlich ist zudem, daß der Story in der zweiten Hälfte zunehmend die Lust und auch die Ideen ausgehen, gegen Ende präsentiert "Jumanji: Willkommen im Dschungel" einen generischen Hollywood-Action-Showdown, der zwar mit sehenswerten Spezialeffekten aufwartet (obwohl das Budget mit $90 Mio. gar nicht so viel höher als beim $65 Mio. teuren 1995er-Film), bei dem Charme und Witz jedoch zu kurz kommen (ohne daß es deshalb langweilig würde). Im Vergleich zum originalen "Jumanji" fehlt es der Fortsetzung zudem ein wenig an der anarchischen Note, für die nicht zuletzt Robin Williams verantwortlich zeichnete. Somit ist "Willkommen im Dschungel" eine sehr kompetente, ungemein sympathische und stets unterhaltsame Fortsetzung, die sich ihren großen Publikumserfolg durchaus verdient hat, letztlich aber ein wenig zu sehr auf Nummer sicher geht. Eines ist angesichts des riesigen Erfolges allerdings klar: Auf den nächsten Teil werden wir nicht wieder 22 Jahre warten müssen ...

Fazit: "Jumanji: Willkommen im Dschungel" ist ein grundsympathisches und sehr amüsantes Fantasyabenteuer für die ganze Familie, das deutlich stärker auf bewährte Tugenden als auf neue Ideen setzt und deshalb im Handlungsverlauf etwas an Reiz verliert.

Wertung: Gut 7 Punkte.


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