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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Dienstag, 16. Mai 2017

GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2 (3D, 2017)

Regie und Drehbuch: James Gunn, Musik: Tyler Bates
Darsteller: Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Bradley Cooper, Vin Diesel, Kurt Russell, Michael Rooker, Karen Gillan, Pom Klementieff, Elizabeth Debicki, Sean Gunn, Chris Sullivan, Sylvester Stallone, Tommy Flanagan, Ben Browder, Alex Klein, Laura Haddock, Gregg Henry, Ving Rhames, Michelle Yeoh, Michael Rosenbaum, Miley Cyrus, Jeff Goldblum, Rob Zombie, David Hasselhoff, Seth Green, Molly Quinn, Stan Lee
 Guardians of the Galaxy 2
(2017) on IMDb Rotten Tomatoes: 82% (7,1); weltweites Einspielergebnis: $863,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 136 Minuten.

Ein Jahr, nachdem die aus dem Halbmenschen Peter "Star-Lord" Quill (Chris Pratt, "Jurassic World"), der grünhäutigen Gamora (Zoe Saldana, "Star Trek"), dem leicht unausgeglichenen Krieger Drax der Zerstörer (Dave Bautista, "Spectre"), dem genetisch optimierten Waschbären Rocket Raccoon (im Original gesprochen von Bradley Cooper, in der Synchronfassung von Fahri Yardim) und dem Baumwesen Baby Groot (Vin Diesel, "Riddick") bestehende Truppe von Außenseitern durch die Vernichtung der Kree-Armee von selbsternannten zu echten "Guardians of the Galaxy" wurde, erfüllt sie einen Auftrag der Sovereigns. Für diese goldhäutige, für große Arroganz bekannte Rasse sollen sie geheiligte Energiezellen vor einem gigantischen Monster beschützen und sie zur Hohepriesterin Ayesha (Elizabeth Debicki, "Everest") zurückbringen. Das gelingt, jedoch kann Rocket wieder einmal seine diebischen Pfoten nicht bei sich behalten und klaut einige der Zellen, weshalb die Guardians prompt von einer riesigen, ferngesteuerten Sovereign-Armee verfolgt werden. Die Rettung in letzter Sekunde erfolgt überraschend durch einen Mann, der sich ihnen als Peters leiblicher Vater vorstellt: Ego, der lebende Planet (Kurt Russell, "The Hateful 8")! Während Ego (in seiner menschlichen Form) Peter, Gamora und Drax zu jenem am anderen Ende der Galaxie befindlichen Planeten bringt, der er selbst ist, bleibt Rocket – mit Baby Groot und Gamoras gefangener Schwester Nebula (Karen Gillan, "Oculus") – zurück, um das vom Sovereign-Angriff schwer beschädigte Raumschiff zu reparieren. Doch schon bald erhält er ungebetenen Besuch von Peters altem Bekannten Yondu (Michael Rooker, "Super") und seinen wilden Ravagern, die die Sovereigns auf den Waschbär und sein Diebesgut angesetzt haben …

Kritik:
Wenn man einen großen Hit geschaffen hat und folgerichtig mit einer Fortsetzung beauftragt wird, stellt sich zunächst eine ganz wichtige Frage: merklich weiterentwickeln oder mehr oder weniger mehr vom Gleichen abliefern? Grob verallgemeinert bevorzugen professionelle Kritiker eher die erste Alternative, während Fans tendentiell die zweite bevorzugen. Eine kategorisch richtige Entscheidung gibt es natürlich nicht, beide Vorgehensweisen haben ihre Vorzüge und ihre Nachteile. Solange man sich nicht für eine Extremvariante entscheidet und entweder eine 180°-Wende hinlegt (wie David Fincher, der für "Alien 3" mal eben bis auf Hauptfigur Ripley alle Überlebenden des extrem populären, von James Cameron inszenierten Vorgängers abmurkste, großteils sogar off-screen) oder komplett auf Neuerungen verzichtet (wie zahlreiche Komödien-Sequels), kann eigentlich alles gut funktionieren. Marvel bevorzugt in seinem Marvel Cinematic Universe eindeutig die Devise "if it ain't broke … don't fix it!", was zwar für schwächere Kritiken für "Iron Man 2" oder "Thor 2" sorgte, aber gleichzeitig für Steigerungen der Einspielergebnisse ("Captain America 2" war die Ausnahme von der Regel mit besseren Kritiken UND besseren Einspielergebnissen). Insofern ist es kaum verwunderlich, daß auch "Guardians of the Galaxy"-Regisseur James Gunn in der Fortsetzung des gefeierten Weltraum-Abenteuers auf übermäßig Revolutionäres dankend verzichtet, sich stattdessen auf die zahlreichen Stärken des Erstlings besinnt und gleichzeitig die angesichts des großen Ensembles zwangsläufig noch bei weitem nicht ausgereizten Charaktere vertieft. Und diese Rezeptur geht auf, denn "Guardians of the Galaxy Vol. 2" macht über weite Strecken genauso viel Spaß wie der Vorgänger und übertrifft ihn am Ende mit einem überraschend emotionalen, perfekt in Szene gesetzten Finale noch.

Der größte Unterschied zu Teil 1 ist das weitgehende Fehlen eines klassischen Antagonisten. Überzeugende Bösewichte zu entwickeln ist ja seit jeher ein großes Problem der Marvel-Filme (bis auf den charismatischen Loki ist eigentlich keiner wirklich im Gedächtnis geblieben), doch daß hier die Sovereigns als treibende Kraft der Geschehnisse herhalten müssen, sorgt schon für Stirnrunzeln – kommen die goldhäutigen Angeber doch eher wie Witzfiguren daher denn wie eine echte Bedrohung. Zugegeben, sie sorgen für Amüsement. Vor allem, daß ihre Raumschiffe aus einem Kontrollzentrum heraus gesteuert werden wie die Spielfiguren in einem Spielhallen-Arcade-Automaten der 1980er Jahren (samt passender Soundeffekte!), während die Piloten von den nicht aktiven – oder bereits "abgeschossenen" – Kameraden angefeuert, im Mißerfolgsfall gehänselt werden wie in einer Teenagerkomödie von John Hughes, ist ein wunderbar nerdiges Detail, wie es sich in Hollywood wohl nur ein James Gunn (oder ein Joss Whedon) ausdenken kann. Aber als Antagonisten kann man die Sovereigns einfach nicht ernst nehmen. In anderen Filmen kann sich so etwas ziemlich negativ auf das Gesamterlebnis auswirken (die "Ghost in the Shell"-Realverfilmung ist ein gutes Beispiel dafür), in "Guardians of the Galaxy Vol. 2" ist es dagegen aus zwei Gründen kein echtes Problem.

Der erste Grund ist, daß die Guardians schlicht und ergreifend dermaßen amüsant sind, daß man ihnen auch mit allergrößter Freude beim Nichtstun, beim Streiten oder beim Diskutieren zusehen würde. Daß sie mangels Konkurrenz noch stärker im Mittelpunkt stehen als im ersten Teil, ist deshalb vollkommen unproblematisch, zumal Gunn durch die relativ schnelle Aufteilung in zwei Gruppen für Abwechslung und interessante Konstellationen sorgt – ein altbewährtes Mittel, das schon in "Star Wars Ep. V: Das Imperium schlägt zurück" wunderbar funktionierte und zuletzt auch (mit einer noch größeren Stückelung) in "Star Trek Beyond". Bemerkenswert ist dabei allerdings, daß das eigentlich etwas weniger prominent besetzte und auch deutlich unharmonischere Team aus Rocket, Baby Groot, Nebula und Yondu für meinen Geschmack deutlich unterhaltsamer ausfällt als die Erlebnisse von Peter, Gamora, Drax, Ego und dessen empathisch veranlagter Dienerin Mantis (Pom Klementieff aus Spike Lees "Old Boy"). Das liegt vermutlich daran, daß der Handlungsstrang von Rocket und Co. seinen Schwerpunkt auf Action und Humor setzt – die verzweifelten Versuche, den leicht abzulenkenden Baby Groot dazu zu bringen, einen ganz bestimmten Gegenstand zu beschaffen, sind zweifellos das humoristische Highlight des Films –, während bei Peter und Konsorten vorwiegend die Gefühle im Vordergrund stehen. Das ist natürlich nachvollziehbar angesichts des Kennenlernens von Vater und Sohn (Drax und Mantis nähern sich einander ebenfalls – recht unbeholfen – an, was auch in dieser Gruppe für Humortupfer sorgt), dazu gut geschrieben und gespielt und infolgedessen keinesfalls langweilig; trotzdem, die Rocket-Gruppe macht mehr Spaß …

Der zweite Grund, warum die Sovereigns – die in Teil 3 aber doch noch ein ernstzunehmender Gegner werden könnten, wie eine der fünf (!) zusätzlichen Szenen während des Abspanns zeigt – verschmerzbar sind, ist, daß sie nur als Platzhalter fungieren. Erst spät im Verlauf des gut zweistündigen Films offenbart sich nämlich der eigentliche Gegenspieler des Films. Das läßt logischerweise nicht viel Raum, um ihn als solchen zu etablieren, funktioniert aber trotzdem gut und führt zu einem der besten und spektakulärsten MCU-Showdowns bislang. Zugegeben, die Guardians finden ein wenig arg schnell den einzigen, aber praktischerweise vergleichsweise gut erreichbaren Schwachpunkt dieses übermächtigen Gegners heraus, was mit Sicherheit keine Bonuspunkte für Glaubwürdigkeit einbringt. Aber hey, was soll's? Der finale Kampf ist rasant in Szene gesetzt und gut choreographiert, protzt mit starken (3D-)Spezialeffekten, schafft es aber gleichzeitig, auch den wunderbaren Humor in den Dialogen der ungleichen Gefährten nicht zu vernachlässigen, und kulminiert schließlich in dem bereits erwähnten, hochgradig emotionalen Moment. Da ist eine etwas strapazierte Glaubwürdigkeit in der Herleitung selbstredend locker verschmerzbar!

Schauspielerisch ist Kurt Russell eine echte Verstärkung für "Guardians of the Galaxy Vol. 2". Es dürfte nicht gar so einfach sein, den "Avatar" eines lebenden, quasi unsterblichen Planeten glaubwürdig zu verkörpern, aber Russell gelingt es, Ego so darzustellen, daß die Ähnlichkeiten mit seinem Sohn Peter unübersehbar sind, man gleichzeitig aber nie vergißt, daß er eben kein Mensch ist, sondern im Grunde genommen so etwas wie ein Gott (wenn auch "mit kleinem g", wie er selbst bescheiden sagt), der eine ganz andere Sichtweise auf das Leben, die Liebe und das ganze Universum hat. Zudem harmoniert Chris Pratt hervorragend mit Russell, während die übrigen Darsteller der Guardians und ihrer Freunde ihre gute Arbeit aus dem Erstling fortsetzen – meine Favoriten bleiben Drax mit seinem recht speziellen Verständnis von Umgangsformen und Humor und Yondu, für mich schon im ersten Teil heimlicher Star der Geschichte. Erfreulich ist außerdem, daß Karen Gillan als Gamoras entfremdete Schwester Nebula etwas mehr zu tun bekommt als zuvor. Achja, und einige Gastauftritte mit Potential für kommende Abenteuer gibt es auch noch – darunter von Sylvester Stallone ("Creed") als früherer Yondu-Mentor Stakar, der sich in einer weiteren zusätzlichen Szene mit einigen anderen, ebenfalls von prominenten Darstellern (darunter Ving Rhames und Michelle Yeoh) verkörperten Ravagern zu einer eigenen Heldengruppe mit Comicwurzeln zusammentut, deren Erlebnisse man in der Tat gerne verfolgen würde – sowie einen Running Gag rund um Peters Jugendidol David Hasselhoff und natürlich wieder eine exzellente 1980er Jahre-Songauswahl (u.a. mit Cat Stevens' "Father and Son" und Fleetwood Macs "The Chain" sowie "Mr. Blue Sky" von ELO, das die witzige Vorspannsequenz unterlegt), die mir sogar etwas besser gefällt als beim ersten Film.

Fazit: "Guardians of the Galaxy Vol. 2" ist ein mindestens ebenso großer Weltraum-Spaß wie der Vorgänger, entwickelt die sympathischen Figuren behutsam weiter und punktet mit einem relativ unkonventionellen, auf ein sehr emotionales Finale hinauslaufenden Storyverlauf.

Wertung: 9 Punkte.


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