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Freitag, 16. Dezember 2016

OSCAR-News: "Toni Erdmann" übersteht die erste Vorauswahl + SAG Award-Nominierungen (UPDATE!)

Gestern hat die Academy bekanntgegeben, welche neun nicht-englischsprachigen Filme die erste Hürde auf dem Weg zum OSCAR in der Auslands-Kategorie genommen haben - und der deutsche Mitfavorit "Toni Erdmann" ist dabei:

- "Tanna", Australien
- "Einfach das Ende der Welt", Kanada
- "Unter dem Sand", Dänemark
- "Toni Erdmann", Deutschland
- "The Salesman", Iran
- "The King's Choice", Norwegen
- "Paradise", Russland
- "Ein Mann namens Ove", Schweden
- "Mein Leben als Zucchini", Schweiz


Mit "Toni Erdmann" und "The Salesman" sind zwei Topfavoriten weiter im Rennen, auch "Unter dem Sand" und der Animationsfilm "Mein Leben als Zucchini" galten als aussichtsreich. Wie fast jedes Jahr hat die Academy aber auch schon einige kontroverse Entscheidungen getroffen und Mitfavoriten früh rausgeschmissen. Allen voran gilt das für Pablo Larraíns "Neruda" (Chile), Paul Verhoevens "Elle" (Frankreich), Pedro Almodóvars "Julieta" (Spanien) und Gianfranco Rosis "Seefeuer" (Italien). Falls sich jemand über das Fehlen von "Die Taschendiebin" wundert, der aktuell bei den US-Kritikerpreisen der größte "Toni Erdmann"-Konkurrent ist: Südkorea hat sich dazu entscheiden, einen anderen Film einzureichen ("The Age of Shadows") - und der hat es eben nicht geschafft. Pech gehabt ... Nicht unbedingt zu rechnen war auf der anderen Seite mit der Nennung der norwegischen, russischen und schwedischen Kandidaten (Xavier Dolans "Einfach das Ende der Welt" wurde in Cannes zwar kontrovers diskutiert, galt aber dennoch als reelle Möglichkeit). Letztlich werden fünf von diesen neun Filmen im Januar eine OSCAR-Nominierung erhalten, ich tippe auf: Deutschland, Iran, Norwegen, Australien, Schweiz.

Und bereits vorgestern hat die US-Schauspielergewerkschaft SAG die Nominierungen für ihre jährlichen Preise bekanntgegeben. Die sind ein wichtiger Gradmesser im OSCAR-Rennen, da die Schauspieler den größten Anteil an der Academy stellen und es viele Überschneidungen zwischen den SAG- und den OSCAR-Juroren gibt (dennoch nahmen in den letzten Jahren die Unterschiede bei den Nominierungen zu). Dieses Jahr gibt es etliche Überraschungen:


Beste Hauptdarstellerin:
- Amy Adams, "Arrival"
- Emily Blunt, "Girl on the Train"
- Natalie Portman, "Jackie"
- Emma Stone, "La La Land"
- Meryl Streep, "Florence Foster Jenkins"

Während mit Stone, Portman und Adams drei der vier Topfavoritinnen vertreten sind und Meryl Streep natürlich nie eine echte Überraschung bei Preisverleihungen ist, kann man Emily Blunts Nennung durchaus als eine handfeste Sensation werten. Zwar galt sie ursprünglich als eine Möglichkeit - das war aber, bevor das Thriller-Drama "Girl on the Train" zu ziemlich miesen Kritiken anlief und sich auch nicht unbedingt als kommerzieller Hit erwies. Klar, auch in einem mäßigen Film kann es tolle Schauspielleistungen geben - trotzdem steigen die Chancen auf Preise und Nominierungen erfahrungsgemäß ganz erheblich, wenn es sich insgesamt um einen guten Film handelt. Ich glaube zwar nicht, daß Blunt eine reelle Chance auf ihre erste OSCAR-Nominierung hat - die hier fehlende Isabelle Huppert ("Elle") wird bei den Academy Awards sehr wahrscheinlich dabei sein -, aber zumindest muß man sie nun wieder ernsthaft auf dem Zettel haben. Als Favoritinnen bei den SAG Awards schätze ich Portman und Stone ein.

Hauptdarsteller:
- Casey Affleck, "Manchester by the Sea"
- Ryan Gosling, "La La Land"
- Andrew Garfield, "Hacksaw Ridge"
- Viggo Mortensen, "Captain Fantastic"
- Denzel Washington, "Fences"

Mit Nominierungen für den Golden Globe und für den SAG Award hat sich Viggo Mortensen innerhalb weniger Tage vom nicht völlig chancenlosen, aber doch ziemlich krassen Außenseiter zu einer realistischen Option für die OSCAR-Nominierungen gemausert. Das Gegenteil trifft auf Tom Hanks zu, der nach der Globes-Enttäuschung erneut übergangen wurde, so sinken seine OSCAR-Aussichten deutlich. Gosling und Washington sollten ihre Nominierungen ziemlich sicher haben, Garfields Chancen sind durch die Nennung gestiegen. Favorit ist Casey Affleck.

Nebendarstellerin:
- Viola Davis, "Fences"
- Naomie Harris, "Moonlight"
- Nicole Kidman, "Lion"
- Octavia Spencer, "Hidden Figures"
- Michelle Williams, "Manchester by the Sea"

Keine Überraschungen hier, alle fünf könnten auch bei den OSCAR-Nominierungen auftauchen. Favoritinnen sind Williams, Harris und Davis.

Nebendarsteller:
- Mahershala Ali, "Moonlight"
- Jeff Bridges, "Hell or High Water"
- Hugh Grant, "Florence Foster Jenkins"
- Lucas Hedges, "Manchester by the Sea"
- Dev Patel, "Lion"

Auch hier ist eigentlich alles wie erwartet, am ehesten könnte noch Ben Foster ("Hell or High Water") nachrücken. Klarer Favorit ist Ali.

Ensemble:
- Captain Fantastic
- Fences
- Hidden Figures
- Manchester by the Sea
- Moonlight

Diese Kategorie gilt als die SAG-Entsprechung für die "Bester Film"-Kategorie - dennoch wäre eine OSCAR-Nominierung für "Captain Fantastic" in der Königskategorie eine echte Sensation - ebenso wie (wie hier) eine Nicht-Nominierung von "La La Land". "Fences", "Manchester by the Sea" und "Moonlight" sind dafür sehr aussichtsreiche Anwärter, "Hidden Figures" hat durchaus Chancen. Favorit bei den SAG Awards ist für mich "Manchester by the Sea".

Alle Nominierungen gibt es auf der SAG-Homepage. Verliehen werden die Preise am 29. Januar 2017.

Nachtrag vom 17. Dezember:
Da wenige Stunden, nachdem ich diesen Beitrag gepostet habe, die Academy auch noch die Shortlist der 10 Filme veröffentlicht hat, die im Rennen um den Spezialeffekt-OSCAR bleiben, schiebe ich diese Liste noch schnell hier nach anstatt dafür einen komplett neuen Artikel zu schreiben. Noch dabei sind also:

- Arrival
- BFG: Big Friendly Giant
- Captain America 3: The First Avenger - Civil War
- Deepwater Horizon
- Doctor Strange
- Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
- The Jungle Book
- Kubo - Der tapfere Samurai
- Passengers
- Rogue One: A Star Wars Story

Quelle: Pressemitteilung der Academy  

Von der ersten Vorauswahl von 20 Filmen ist also noch die Hälfte übriggeblieben, vor allem die Superhelden-Armada wurde kräftig ausgedünnt - am überraschendsten davon ist vermutlich das Fehlen von "Deadpool". Von den den zehn Filmen, die ich als wahrscheinlichste OSCAR-Nominees prognostizierte, sind immerhin noch acht dabei, nur bei "Sully" und "Warcraft" habe ich mich verschätzt, dafür hatte ich "Deepwater Horizon" und "BFG" unterschätzt. Noch einmal extra bemerkenswert ist, daß der (technisch in der Tat herausragende) Animationsfilm "Kubo" auch die zweite Hürde genommen hat und nun definitiv echte Nominierungschancen hat. Das wird angesichts der starken Konkurrenz allerdings schwierig, weshalb ich bei meiner bisherigen Prognose für die fünf ziemlich sicher erscheinenden OSCAR-Nominierungen bleibe und nur die Rangfolge der Wahrscheinlichkeit etwas anpasse (da ich seitdem "Phantastische Tierwesen" und "Rogue One" selbst gesehen habe):

- The Jungle Book
- Doctor Strange
- Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
- Rogue One: A Star Wars Story
- Arrival

Erste Nachrücker:
- Kubo - Der tapfere Samurai
- Passengers

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