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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

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Freitag, 15. Januar 2016

Kurz-Nachruf: Alan Rickman (1946-2016)

"Ich schneide euer verdammtes Herz mit einem Löffel heraus!" "Warum mit einem Löffel, Vetter; warum nicht mit einer Axt?" "Weil er stumpf ist, Trottel, es tut mehr weh!" Das ist der wohl berühmteste Filmdialog, an dem der große britische Theater- und Kinoschauspieler Alan Rickman beteiligt war. Als herrlich fieser Sheriff von Nottingham in Kevin Reynolds' "Robin Hood König der Diebe" avancierte er durch den süffisant-aufbrausenden Vortrag von diesen und weiteren Bonmots (auch ein Klassiker: "Jetzt ist es genug! Streicht die Küchenabfälle für die Aussätzigen und Waisen! Keine Gnade mehr bei Hinrichtungen! Und sagt Weihnachten ab!") zum heimlichen Star des Films.

Das war gewissermaßen eine Spezialität von Alan Rickman. Selten spielte er in großen Filmen Hauptrollen, aber immer wieder gelang es ihm, durch seine nuancierten Darbietungen in großen Nebenrollen nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Als seine bekannteste Rolle wird wohl die des undurchschaubaren Magie-Professors Severus Snape in der "Harry Potter"-Reihe in die Kinogeschichte eingehen. Acht Filme lang gelang es Alan Rickman (der übrigens der erklärte Wunschdarsteller von Autorin J.K. Rowling war), den griesgrämigen Zauberer so ambivalent anzulegen, daß er ebenso zu den Guten wie zu den Bösen gehören konnte (gut, mir war bereits nach dem ersten Film klar, wie sich seine Rolle entwickeln würde, aber das lag nicht an Rickman, sondern war eher der relativ durchschaubaren Dramaturgie von Rowlings Buchvorlage geschuldet). Zu Beginn seiner Filmkarriere wäre die Sache klar gewesen: Rickman spielt die Rolle? Dann muß es ein Bösewicht sein! Weltweit bekannt wurde Rickman 1988 als deutscher Oberbösewicht Hans Gruber und damit Bruce Willis' Gegenspieler im Actionklassiker "Stirb langsam", es folgten mit dem rassistischen Großgrundbesitzer Elliot Marston im australischen Western "Quigley der Australier" und eben dem Sheriff von Nottingham in "Robin Hood" weitere Bösewichte, die sein Rollenangebot vor allem aus Hollywood vermutlich eine Zeitlang ziemlich einengten.

Zu seinem Glück war er in seiner britischen Heimat schon lange vor dem Kino-Durchbruch mit "Stirb langsam" ein bekannter Theatermime, seine Landsleute wußten daher genau, daß er ein viel breiteres Rollenrepertoire beherrschte. Das durfte er 1995 auch einem globalen Publikum beweisen dank Ang Lees OSCAR-gekrönter Jane Austen-Verfilmung "Sinn und Sinnlichkeit", in der er (als melancholischer Colonel Brandon) einer sehr jungen Kate Winslet den Hof machte, sein Talent zum romantischen Helden nachweisen konnte. Damit war er sein Bösewicht-Image fast auf einen Schlag los und durfte auch in US-Produktionen vermehrt seine komische Seite zeigen. Unvergeßlich sind etwa seine Auftritte als göttlicher Herold Metatron in Kevin Smith' Religionssatire "Dogma" oder als einen außerirdischen Raumschiff-Offizier spielender Mime in der amüsanten "Star Trek"-Parodie "Galaxy Quest". Im 21. Jahrhundert überschattete sein Severus Snape natürlich alles, doch zwischen den acht Teilen der Reihe überzeugte Rickman auch in so unterschiedlichen Filmen wie dem modernen Weihnachts-Klassiker "Tatsächlich ... Liebe" (als durch seine von Heike Makatsch verkörperte Sekretärin in Versuchung geführter Familienvater), dem Autismus-Drama "Snow Cake", Tom Tykwers Bestseller-Verfilmung "Das Parfum", Tim Burtons Broadway-Musical-Adaption "Sweeney Todd" oder Lee Daniels' "Der Butler" (als US-Präsident Ronald Reagan).

Zwei Mal versuchte sich Alan Rickman zudem als Regisseur und Drehbuch-Autor; zwar wurden sowohl die Theaterverfilmung "The Winter Guest" (1997) als auch das im Frühjahr 2015 in den deutschen Kinos gestartete Kostümdrama "Die Gärtnerin von Versailles" durchaus wohlwollend besprochen, einen bleibenden Eindruck hinterließen sie im Gegensatz zu seinen Auftritten als Schauspieler eher nicht. Kurioserweise brachte es Alan Rickman übrigens nie zu einer OSCAR-Nominierung, doch gewann er unter anderem einen Golden Globe (für seine Titelrolle in dem TV-Film "Rasputin"), einen Emmy (ebenfalls für "Rasputin") und einen britischen BAFTA Award (für "Robin Hood"), außerdem wurde er zwei Mal für einen Tony Award (der "Broadway-OSCAR") nominiert.

Am 14. Januar 2016 erlag Alan Rickman in London im Alter von 69 Jahren einem Krebsleiden.

R.I.P.

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