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Dienstag, 12. Mai 2015

HAMATORA – THE ANIMATION (TV-Serie, 2014, Episoden 1-3)

Eigentlich bespreche ich ja auf "Der Kinogänger" Nomen est omen – nur Filme, aber wenn mir (wie in diesem Fall von Kazé Anime) ein Rezensionsexemplar zugesandt wird, schrecke ich natürlich auch nicht vor einer TV-Serie zurück. Zumal, wenn es sich nur um die ersten drei Folgen handelt und der Zeitaufwand somit nicht größer ist als bei einem Kinofilm.

Regie: Seiji Kishi und Hitoshi Kimura, Drehbuch: Tōka Machida und Jun Kumagi, Musik: Makoto Yoshimori
 Hamatora the Animation
(2014) on IMDb FSK: 12, Dauer: 70 Minuten.
Der 17-jährige Nice ist ein ziemlich fauler Teenager, der es sich am liebsten einfach gut gehen läßt. Murasaki ist vier Jahre älter und ziemlich das Gegenteil von Nice: ein fleißiger und betont verantwortungsbewußter junger Mann. Gemeinsam führen die beiden die Detektei Hamatora in Yokohama. Was sie dazu befähigt? Sie sind sogenannte Minimum Holder – Besitzer eines "Minimum-Gens", das ihnen eine übermenschliche Fähigkeit verleiht. Bei Nice handelt es sich um Schallgeschwindigkeit, bei Murasaki um gewaltige Greifkraft. Doch sind sie bei weitem nicht die einzigen Minimum Holder, und so treffen sie bei ihren Aufträgen immer wieder auf andere übermenschlich Begabte – und auf einen Serienmörder, der Minimum Holder grausam tötet und ihnen die Gehirne entfernt …

Kritik:
Um das gleich vorwegzuschicken: Ich bin alles andere als ein Anime-Experte. Allerdings bin ich kein kompletter Neuling, da ich schon zahlreiche japanische Animations-Kinofilme gesehen und teilweise auch hier rezensiert habe ("Wie der Wind sich hebt", "Die Reise nach Agartha", "Belladonna", "Blue Exorcist: The Movie") und mir im Lauf der Jahre einige der gelegentlich im deutschen Free-TV gezeigten Anime-Serien für Erwachsene zu Gemüte führte. Meine Favoriten in dieser Hinsicht sind bislang "Black Lagoon" und "Samurai Champloo", beides Serien, die gleichermaßen mit Humor, sympathischen Charakteren und interessanten Storylines aufwarten können. Nach den ersten drei Folgen kommt das auf eine Mischung aus Action, Comedy und ein bißchen Horror setzende "Hamatora – The Animation" zwar nicht an deren Qualität heran, macht aber ohne Frage Spaß.

Kazé Anime selbst beschreibt "Hamatora" auf seiner Homepage als Mischung aus den Comic-Mutanten "X-Men" und den humorvollen Krimiserien "The Mentalist" und "Leverage"; mir kam als erster Vergleich dagegen die TV-Serie "Heroes" in den Sinn. Hier wie dort geht es um ganz normale Menschen, die übernatürliche Fähigkeiten entwickeln und diese entweder für das Gute oder für das Böse einsetzen. Zugegeben, anders als bei "Heroes" lernen sie bereits als Kinder an einer Akademie, damit umzugehen (was dann tatsächlich eher an die "X-Men" erinnert, wo das dank Professor X zumindest auf einige der Mutanten zutrifft). Da es sich bei den beiden zentralen "Hamatora"-Figuren Nice und Murasaki jedoch um Akademie-Abbrecher handelt, die nun auf eigene Faust handeln, sind sie quasi in jeder nur denkbaren Hinsicht Außenseiter – ganz wie die "Heroes".

Leider bietet die erste Folge "Das Ei des Kolumbus" keinen idealen Einstieg in die Welt von "Hamatora". Statt sich groß mit Erklärungen aufzuhalten, begnügen sich die Macher damit, das Publikum einfach in die Geschichte hineinzuwerfen, was anfangs doch etwas irritiert (wenn man nicht vorher das Prequel-Manga gelesen hat). Erst nach und nach – und auch noch auf die weiteren Episoden verteilt – erfährt man mehr über die Hintergründe sowohl dieser von den Minimum Holdern beeinflußten (aber ansonsten in der japanischen Gegenwart angesiedelten) Welt und von den zentralen Figuren. Das ist einerseits eine recht anspruchsvolle und nach der ersten Konfusion geschickt durchgeführte Vorgehensweise, aber andererseits wäre ein etwas gemächlicherer Einstieg mit wenigstens einer kurzen Vorstellung der Protagonisten schon nett gewesen. Zu denen zählen übrigens neben Nice und Murasaki auch einige Helfer und Freunde sowie ein permanent hungriges Mädchen ohne Erinnerung namens Hajime – und der leitende Polizeibeamte Superintendent Art, der Hamatora regelmäßig Aufträge mit einem Bezug zu Minimum Holdern zuschanzt. In den ersten drei Folgen können die einzelnen Mitglieder dieses Ensembles naturgemäß noch nur sehr bedingt Profil entwickeln, doch Entwicklungspotential ist auf jeden Fall vorhanden.

Selbiges trifft auf die Fälle der Detektei zu. Die sind zunächst nicht allzu originell und werden relativ rasch abgehandelt, wobei es zumindest regelmäßig zu recht spektakulär anzusehenden Kräftemessen der Helden mit gegnerischen Minimum Holdern kommt. Außerdem ist bereits innerhalb der ersten drei Folgen ein klarer qualitativer Aufwärtstrend erkennbar, der auch vor ernsten, gesellschaftskritischen Themen (Mobbing, Vorurteile, medizinische Experimente) nicht zurückschreckt – am interessantesten und spannendsten ist jedoch die zunächst mysteriöse Rahmenhandlung rund um den Minimum Holder-Serienkiller, die garantiert in den späteren Folgen immer stärker in den Mittelpunkt rücken und dann vermutlich auch den Vergleich mit "The Mentalist" rechtfertigen wird. Die Genremischung ist jedenfalls erfrischend, auch wenn der Wechsel von bewußt überzogenen Comedy-Einlagen (speziell von der ziemlich kindischen Nebenfigur Birthday) zu ernsthaften oder sogar gruseligen Momenten manchmal arg abrupt daherkommt.

Fazit: "Hamatora – The Animation" ist (ausgehend von den ersten drei von insgesamt zwölf Episoden der ersten Staffel) eine spaßige Anime-Serie, die auf den ersten Blick vorrangig auf leichte Unterhaltung setzt, aber erfreulicherweise die leisen Zwischentöne bei ernsten Themen nicht vernachlässigt – wobei die durchaus noch stärker in den Vordergrund rücken dürfen.

Wertung: 7 Punkte, Tendenz steigend.

Vol. 1 von "Hamatora – The Animation" ist Anfang April 2015 bei Kazé Anime auf DVD und Blu-ray erschienen. Zum Bonusmaterial zählen neben einem Sammelschuber für die gesamte Staffel ein Booklet und Band 1 (von 3) des lesenswerten "Hamatora"-Prequel-Mangas, der auf fast 200 Seiten willkommene Hintergründe zur Entstehung der Detektei und zu den Figuren liefert. Neben der deutschen Tonspur werden sich Puristen freuen, daß auch die japanische Sprachfassung enthalten ist, deutsche Untertitel gibt es natürlich ebenfalls. Da ich leider nicht Japanisch spreche, kann ich die Qualität der deutschen Fassung nur bedingt beurteilen, aber kurze Stichproben zeigen zumindest, daß die deutschen Stimmen den japanischen Vorbildern ziemlich stark ähneln. Vol. 2 der Serie erscheint übrigens am 29. Mai, Band 2 des Mangas Anfang Juni.

Bei Gefallen an meinem Blog würde ich mich über die Unterstützung von "Der Kinogänger" mittels etwaiger amazon.de-Bestellungen über einen der Links in den Rezensionen oder das amazon.de-Suchfeld in der rechten Spalte freuen.


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