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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Donnerstag, 19. März 2015

BAYMAX – RIESIGES ROBOWABOHU (2014)

Originaltitel: Big Hero 6
Regie: Don Hall und Chris Williams, Drehbuch: Jordan Roberts, Daniel Gerson und Robert L. Baird, Musik: Henry Jackman
Sprecher der deutschen Synchronfassung: Amadeus Strobl, Bastian Pastewka, Daniel Fehlow, Andreas Bourani, Nora Hütz, Daniel Zillmann, Maria Hönig, Vera Teltz, Ronald Nitschke, Peter Flechtner
 Big Hero 6
(2014) on IMDb Rotten Tomatoes: 89% (7,3); weltweites Einspielergebnis: $657,8 Mio.
FSK: 6, Dauer: 102 Minuten.

Irgendwann in der nicht allzu fernen Zukunft lebt der 14-jährige Hiro Hamada in einer Metropole namens San Fransokyo. Hiro, der seit dem Tod der Eltern mit seinem älteren Bruder Tadashi bei seiner Tante Cass lebt, ist ein ziemlich typischer Teenager: rebellisch, vorlaut, aber auch ungemein gewitzt. Genauer gesagt ist er sogar ein kleines Genie, das sich mit selbstgebauten Mini-Robotern bei illegalen Roboter-Kämpfen Geld dazuverdient. Da er auf diese Weise auf die schiefe Bahn zu geraten droht, versucht ihm der besorgte Tadashi die Universität schmackhaft zu machen, an der er Teil des hochmodernen Robotik-Programms ist. Anfangs ist Hiro noch skeptisch, doch schnell ist er begeistert von dem, was Tadashi und seine Freunde unter der Führung von Professor Callaghan entwickeln. Letzterer bietet Hiro sogar einen Platz in seinem Team an  jedoch wirft wenig später ein schreckliches Unglück genau am Tag seines ersten großen wissenschaftlichen Triumphes den jungen Mann vollends aus der Spur. Bis er zufällig auf einen versteckten Prototyp des von Tadashi entwickelten Sanitätsroboters Baymax stößt. Durch den liebenswerten Roboter erfährt Hiro auch, daß besagtes Unglück in Wirklichkeit wohl ein gezielter Anschlag war, um seine Erfindung zu stehlen – und so machen sich Hiro, Baymax und vier weitere Robotik-Studenten aus Tadashis Gruppe auf, um den oder die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen …

Kritik:
Die Comic-Schmiede Marvel ist im Kinobereich bislang ausschließlich mit Realfilmen wie "The Avengers" oder "Guardians of the Galaxy" aufgefallen, animierte Filme und Serien waren dem Heimkinobereich vorenthalten. Mit "Baymax" ist diese strikte Trennung beendet, auch wenn das vielen Kinogängern gar nicht unbedingt auffallen dürfte – schließlich basiert der Film auf einem weitgehend unbekannten Comic und Disneys PR-Abteilung hat die Verbindung zu Marvel nicht übermäßig betont. Geschadet hat das "Baymax" nicht, wie neben dem hervorragenden globalen Einspielergebnis auch der OSCAR für den besten Animationsfilm des Jahres 2014 beweist. Verdient ist der Erfolg allemal, da das Regie-Duo Don Hall ("Winnie Puuh") und Chris Williams ("Bolt – Ein Hund für alle Fälle") einen rasanten Animationsspaß mit Superhelden-Anleihen geschaffen hat, der sich zwar inhaltlich weitgehend an gängige Genrekonventionen hält, dafür aber mit sympathischen Figuren und tollem Design gut zu unterhalten weiß. Daß es ein Marvel-Film ist, erschließt sich Kennern derweil schon aus zwei Gründen: Erstens gibt es eine zusätzliche Szene nach dem Abspann und zweitens absolviert Comic-Legende Stan Lee seinen obligatorischen Gastauftritt – diesmal eben in computeranimierter Form.

Obwohl die mitunter leicht an Pixars "Die Unglaublichen" erinnernde Handlung, wie angedeutet, nicht gerade vor Originalität sprüht, gelingt es dem Drehbuch die meiste Zeit über, die Balance zwischen Altbewährtem und kleinen, aber wichtigen Abweichungen zu wahren. Als besonders dankenswert empfinde ich es in diesem Zusammenhang, daß "Baymax" auf die von mir anhand der Prämisse lange befürchtete Schwarzweißmalerei verzichtet und stattdessen eine erfreulich durchdachte Auflösung zu bieten hat, die für das junge Kern-Zielpublikum sogar pädagodisch wertvoll sein dürfte (wobei dieser Aspekt recht subtil eingeflochten ist). Vor dieser Auflösung hangelt sich "Baymax" für meinen Geschmack dennoch einen Tick zu sehr an den etablierten dramaturgischen Schemata entlang, was ebenso wie der etwas zu actionbetonte Showdown auf Dauer ermüdend wirken kann; die Sache mit dem Showdown gilt allerdings für geschätzt 90% aller heutigen Hollywood-Blockbuster ...

Glücklicherweise entschädigen dafür der hohe Humorgehalt von "Baymax" und das Ensemble voller liebenswürdiger Charaktere. Titelheld (zumindest im deutschsprachigen Bereich, denn der Originaltitel bezieht sich ja auf die gesamte Sechsergruppe) Baymax ist einfach in jeder Hinsicht knuffig, der eigentliche Protagonist Hiro hat zwar – realistischer- und innerhalb der Story auch nachvollziehbarerweise – einige Schwächen, gibt aber dennoch einen guten Helden wider Willen ab, mit dem man gerne mitfiebert. Und die vier weiteren Teammitglieder – die taffe GoGo, der vernünftige Wasabi, die enthusiastische Honey Lemon und der tolpatschige Fred – sind so liebenswürdig, daß man sie am liebsten knuddeln möchte. Die größte Überraschung für mich war allerdings, wie gut mir das Figurendesign gefallen hat. Ich betone ja eigentlich in fast jeder neuen Animationsfilm-Rezension, wie sehr ich von Hand gezeichnete Figuren den mir noch immer zu generisch und glatt aussehenden computeranimierten vorziehe. Dennoch muß ich neidlos anerkennen: Die Charaktere in "Baymax" sehen richtig gut aus und haben Ecken und Kanten, die ihnen Individualität verleihen – vielleicht ist das ja dem Einfluß der zahlreichen japanischen Animationskünstler im Team zu verdanken, jedenfalls finde ich das Figurendesign wesentlich besser als in den meisten anderen US-Animationsfilmen der letzten Jahre (inklusive dem Megahit "Die Eiskönigin"). Sogar noch schöner sind allerdings die leicht futuristischen Umgebungsgrafiken ausgefallen – speziell die etwas weiter entfernten Stadtansichten wirken ausgesprochen überzeugend und elegant. Die 3D-Qualität kann ich übrigens nicht beurteilen, da ich eine 2D-Vorstellung besucht habe – es gibt aber etliche Szenen, bei denen ich mir gut vorstellen kann, daß sie in 3D noch beeindruckender sind.

Daß die Figuren in der deutschen Synchronfassung dermaßen sympathisch rüberkommen – abgesehen selbstverständlich vom Bösewicht der Geschichte, der aber lobenswerterweise eine glaubwürdige Motivation hat und eigentlich gar nicht so böse ist –, ist natürlich auch der gut ausgewählten Sprecherriege zu verdanken. Bei der Auswahl der deutschen Sprecher wurde zum Glück weitgehend auf Stunt-Casting mit Promis verzichtet, stattdessen sind größtenteils professionelle Sprecher zu hören, die ihre Sache sehr gut machen und zu den Charakteren passen, denen sie ihre Stimme leihen. Die einzigen prominenten Namen im Stimmen-Cast sind Komiker Bastian Pastewka und Sänger Andreas Bourani. Pastewka kann man aber kaum als Stunt-Casting abqualifizieren, weil der so etwas einfach richtig gut kann – das beweist er auch als naiver, aber stets hilfsbereiter und bedingungslos loyaler Baymax. Und Bourani ist mir jedenfalls nicht negativ aufgefallen. Besonders gut fand ich neben Pastewka Amadeus Strobl als Protagonist Hiro sowie Vera Teltz (sonst Synchronsprecherin von Naomie Harris und Noomi Rapace, Serienjunkies kennen sie als deutsche Stimme von Robin Tunney in "The Mentalist", Taraji P. Henson in "Person of Interest" und Pamela Adlon in "Californication"), deren klangvolle Stimme aber leider nur in relativ wenigen Szenen als Tante Cass zum Tragen kommt.

Fazit: "Baymax – Riesiges Robowabohu" ist ein rundum gelungenes, rasantes futuristisches Animationsabenteuer für die ganze Familie, das mangelnde Innovativität durch sympathischen Humor, liebenswerte Charaktere und eine tolle Optik mehr als wettmacht.

Wertung: 8 Punkte.

LIEBE GEHT DURCH DEN MAGEN (2014):
Als Vorfilm gibt es den ebenfalls OSCAR-prämierten und sehr niedlichen Kurzfilm "Liebe geht durch den Magen" (Originaltitel: "Feast"), in dem ein kleines Hündchen namens Winston von seinem Herrchen nach Strich und Faden verwöhnt wird – bis Herrchen eine Freundin findet, die auch bei Winston Wert auf eine gesunde Ernährung legt …
Wertung: Ebenfalls 8 Punkte.


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