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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 4. Februar 2015

KINOVORSCHAU WINTER/FRÜHLING 2015 (Teil 2)

Letztes Update vom 28. März: Die US-Komödie "Der Knastcoach" mit Will Ferrell und Kevin Hart wurde vom 23. April auf den 7. Mai verschoben.

Nachdem Teil 1 meiner Winter- und Frühlingsvorschau 2015 viele OSCAR-Kandidaten enthielt, bringen die Monate März und April wie jedes Jahr noch ein paar Nachzügler aus der Awards Season in die Kinos; außerdem gibt es schon die ersten Sommer-Blockbuster-Vorboten. Alles in allem sehen die beiden Monate recht vielversprechend aus. Die Auswahl der von mir kurz vorgestellten Filme ist nicht komplett (dafür empfehle ich den bis 2019 reichenden Startplan von InsideKino), sondern beschränkt sich auf die mir am interessantesten erscheinenden Werke, die auch mehr als nur einen Alibistart in zwei oder drei Kinos bundesweit erhalten sollten. Terminänderungen aktualisiere ich stets samstags (und weise zusätzlich in meinen Samstags-Updates darauf hin).

5. März:
Nachdem es Will Smith in den letzten Jahren sehr effektiv geschafft hat, seinen Superstar-Status mit fragwürdigen Karriere-Entscheidungen zu unterminieren (allen voran die Rolle im SF-Megaflop "After Earth" sowie die Ablehnung der Titelrolle in Quentin Tarantinos "Django Unchained"), versucht er nun, wieder zurück auf den Erfolgsweg zu finden. Mit der DC Comics-Adaption "Suicide Squad" stehen die Chancen diesbezüglich gut, zuvor steht die romantische Komödie "Focus" an. Daß Smith in dieser Art von Film funktionieren kann, hat er bereits mit "Hitch – Der Date Doktor" bewiesen, dieses Mal kommt noch eine Crime-Komponente dazu. Denn Smith spielt in "Focus" den erfolgreichen Kleinkriminellen Nicky, der eine junge Frau namens Jess (Margot Robbie, "The Wolf of Wall Street") als eine Art Lehrling annimmt – bis sich irgendwann trotz des beträchtlichen Altersunterschieds von etwa 20 Jahren romantische Gefühle entwickeln und die Dinge ziemlich kompliziert werden. Das Filmemacher-Duo Glenn Ficarra und John Requa hat bereits mit "Crazy, Stupid, Love." gezeigt, daß es aus dem mitunter ziemlich ausgelutscht wirkenden Genre noch einiges herausholen kann – es wäre wünschenswert, daß ihnen das auch mit "Focus" gelingt …

"Chappie":
Nachdem seine actionreiche Hollywood-SF-Dystopie "Elysium" qualitativ und kommerziell nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen konnte, hat sich der südafrikanische "District 9"-Regisseur Neill Blomkamp erst einmal einem etwas kleineren Projekt in seiner Heimat gewidmet. Der titelgebende Chappie ist der erste Roboter, der eigenständig Emotionen empfinden kann und "echte" künstliche Intelligenz besitzt. Manche Menschen sehen Chappie gerade deshalb als Gefahr an und wollen ihn vernichten, darunter der Soldat Vincent Moore (Hugh Jackman, "Wolverine – Weg des Kriegers") … Chappie wird per Motion Capture von Blomkamps Stamm-Schauspieler Sharlto Copley verkörpert, in weiteren Rollen sind Dev Patel ("Slumdog Millionär", als Chappies Erfinder), Sigourney Weaver ("Alien") und die exzentrischen südafrikanischen Rapper Yolandi Visser und Ninja (auch außerhalb ihrer Heimat ein bißchen bekannt mit ihrer Band Die Antwoord und dem Song "Enter the Ninja") zu sehen.

"Still Alice – Mein Leben ohne Gestern":
Vier Mal war die inzwischen 54-jährige Julianne Moore ("A Single Man") für den OSCAR nominiert – mit der fünften Nominierung, für ihre ergreifende Darstellung einer an Alzheimer erkrankten Professorin in "Still Alice", gilt sie als Topfavoritin für den überfälligen ersten Sieg. Der durchschnittliche Multiplex-Besucher wird sich eher weniger für Richard Glatzer und Wash Westmorelands ("The Last of Robin Hood") Drama interessieren, das sich nicht nur mit der Erkrankung an sich, sondern auch mit deren Auswirkungen auf ihre Familie befaßt – doch in den Arthouse-Kinos wird "Still Alice" mit Sicherheit sein Publikum finden.

"Verstehen Sie die Béliers?":
Wenn ein französischer Film in seiner Heimat ein Blockbuster ist, dann stehen die Chancen gar nicht schlecht, daß er auch in Deutschland erfolgreich laufen wird. Natürlich geht diese Rechnung nicht immer auf, aber Beispiele wie "Ziemlich beste Freunde", "Willkommen bei den Sch'tis" oder "Monsieur Claude und seine Töchter" zeigen deutlich auf, wie nah sich der französische und der deutsche Filmgeschmack doch sein können. "Verstehen Sie die Béliers?" startete bei unseren westlichen Nachbarn Mitte Dezember hinter "Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere" auf Platz 2, übernahm aber bereits in der Weihnachtswoche die Spitze der Charts und hat in den ersten sechs Wochen fünf Millionen Zuschauer angelockt. Die Handlung der Tragikomödie von Eric Lartigau ("Nachtblende"), die von einer Familie von Gehörlosen erzählt, deren Leben kräftig durcheinandergerät, als die 16-jährige Tochter Paula – die als einzige hören kann und deshalb fast den gesamten Alltag der Familie organisiert – die Chance erhält, eine spezielle Gesangsschule in Paris zu besuchen, mag auf den ersten Blick etwas weniger zugänglich erscheinen als die von anderen in Deutschland populären Franzosen-Blockbustern. Aber andererseits hat bereits 1996 Caroline Links OSCAR-Nominee "Jenseits der Stille" (übrigens mit einer französischen Hauptdarstellerin: Sylvie Testud) mit zwei Millionen Besuchern bewiesen, daß die Thematik in deutschen Kinos funktionieren kann, wenn der Film richtig gut gemacht ist. Und das ist "Verstehen Sie die Béliers?" wohl, wenn man den Kritikern Glauben schenken darf.

"Seventh Son" (3D):
Wenn ein Film erst mehr als ein Jahr nach Beendigung der Dreharbeiten in die Kinos kommt, ist das selten ein gutes Zeichen. Zugegeben, manchmal kann es bedeuten, daß die Produktion zwar gut, aber absolut nicht massenkompatibel ist, weshalb der jeweilige Verleih nicht so recht etwas mit ihm anzufangen weiß. In den meisten Fällen bedeutet es schlicht und ergreifend, daß der Film Mist ist. Nun, bei dieser 2012 gedrehten Verfilmung eines Jugend-Fantasyfomans von Joseph Delaney dürfte eine zu hohe Komplexität oder etwas in der Art eher nicht der Grund dafür sein, daß der ursprünglich vorgesehene Kinostart Anfang 2014 um mehr als ein Jahr verschoben wurde. Und die ersten Kritiken bestätigen die Befürchtung, daß "Seventh Son" – das Hollywood-Debüt des russischen Regisseurs Sergey Bodrov ("Der Mongole") – sicher kein qualitatives Highlight ist. Dabei ließ die Besetzung mit Jeff Bridges ("True Grit") und Julianne Moore in größeren Nebenrollen durchaus auf ordentliche Fantasy-Unterhaltung hoffen. Bridges verkörpert den Lehrmeister der jugendlichen Hauptfigur Tom Ward (Ben Barnes, fantasyerprobt als Prinz Caspian in zwei "Narnia"-Filmen), der ihm als neuer Monsterjäger nachfolgen soll; Moore spielt eine böse Hexe. Kommerziell scheinen sich die Verzögerungen immerhin nicht allzu negativ ausgewirkt zu haben, denn vor allem in Osteuropa und Asien ist "Seventh Son" erstaunlich gut angelaufen.

"Project: Almanac":
Dean Israelites Found Footage-Thriller ohne bekannte Namen in der Besetzung handelt von einer Gruppe Teenager, die die Baupläne für eine Zeitmaschine finden, diese bauen und in die Zeit zurückreisen, um ihre persönliche Zukunft zu verbessern. Nicht vollkommen überraschend müssen sie bei ihrer Rückkehr feststellen, daß ihre Eingriffe tiefgreifendere Auswirkungen hatten als erwartet. So tiefgreifende, daß sie die Maschine noch einmal benutzen müssen, um alles ungeschehen zu machen und sogar die Erfindung der Zeitmaschine zu verhindern!

"Fußball – Großes Spiel mit kleinen Helden" (3D):
Der spanisch-argentinische Animationsfilm über den jungen Tischfußball-Experten Joachim, der erlebt, wie Kicker-Figuren nach einem Unfall zum Leben erwecken, hat in spanischsprachigen Regionen bereits viele Preise gewonnen und könnte sich auch in Europa zu einem kleinen Überraschungshit beim jungen Publikum mausern.

"Afrika – Das magische Königreich" (3D):
Neil Nightingale ("Dinosaurier 3D") und Patrick Morris präsentieren in dem 3D-Dokumentarfilm die Schönheit der afrikanischen Natur – solange es sie noch gibt ...

12. März:
Die bisherige Bilanz des britischen Regisseurs Matthew Vaughn ist ziemlich makellos: "Layer Cake", "Der Sternwanderer", "Kick-Ass" und "X-Men: Erste Entscheidung" … ja, Vaughn steht für Qualität. Das läßt auch für die Graphic Novel-Verfilmung "Kingsman" hoffen, in der OSCAR-Preisträger Colin Firth ("Dame, König, As, Spion") einen smarten Geheimagenten spielt, der seinen lange vernachlässigten Neffen Eggsy (Newcomer Taron Egerton) zum Spion ausbildet, nachdem dieser in Konflikt mit dem Gesetz geraten ist. Nach der Ausbildung gehen sie ihren ersten gemeinsamen Fall an: Filmstars wie Mark "Luke Skywalker" Hamill werden entführt! In weiteren Rollen sind Samuel L. Jackson ("Black Snake Moan"), Mark Strong ("Robin Hood"), Jack Davenport ("Fluch der Karibik"-Reihe) und Sir Michael Caine ("Harry Brown") zu sehen. Die frühen Kritiken sind sehr positiv ausgefallen und lassen auf eine hochgradig unterhaltsame Agentenfilm-Parodie hoffen.

Das Märchen vom Aschenputtel ist mit Sicherheit eines der meistverfilmten in der Geschichte von Fernsehen und Kino. In den USA ist die Disney-Zeichentrickversion aus dem Jahr 1950 am beliebtesten, in Deutschland nicht zuletzt dank zahlloser TV-Ausstrahlungen im jährlichen (Vor-)Weihnachtsprogramm der tschechische Klassiker "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Fraglich, ob die neueste Adaption an der Beliebtheitsrangliste viel ändern wird – nach dem unerwarteten Riesenerfolg des letztjährigen "Maleficent" mit Angelina Jolie als böser Königin stehen aber zumindest die Chancen für einen kommerziellen Erfolg gut. Und angesichts der beteiligten Namen vor und hinter der Kamera könnte auch die Qualität passen: Shakespeare-Spezialist Kenneth Branagh, der bereits mit "Thor" einen ersten Schritt in eher märchenhafte Gefilde machte, führt Regie und hat in der Hauptrolle Lily James ("Zorn der Titanen", TV-Serie "Downton Abbey") besetzt. Als ihre Mutter agiert Hayley Atwell ("Captain America"), die fiese Stiefmutter wird von Cate Blanchett ("Der Hobbit") verkörpert und der edle Prince Charming von Richard Madden (Robb Stark in der TV-Serie "Game of Thrones").

"Die Trauzeugen AG":
In der mittelmäßig rezensierten US-Komödie spielt Comedian Josh Gad ("Wish I Was Here") einen einzelgängerischen jungen Mann, dem kurz vor seiner Hochzeit mit Gretchen (Kaley Cuoco-Sweeting alias Penny aus "The Big Bang Theory") auffällt, daß er keinen besten Freund hat, den er zum Trauzeugen machen könnte. Für Abhilfe sorgen soll Jimmy Callahan (Kevin Hart, "Denk wie ein Mann"), der für solche sozial schwierigen Fälle eine eigene Trauzeugen-Vermittlungsagentur eröffnet hat …

"Leviathan":
Das gesellschaftskritische russische Drama wurde international mit Preisen überhäuft (u.a. in Cannes und bei den Golden Globes) und ist auch für den Auslands-OSCAR nominiert – in der Heimat sind dagegen etliche Politiker und Kirchenvertreter nicht sehr glücklich damit, daß ausgerechnet dieser Film, in dem Korruption und andere Probleme der russischen Gesellschaft offen thematisiert werden, zu den OSCARs geschickt wurde. Wie dem auch sei: Die Kritiker sind begeistert von der fast zweieinhalbstündigen Geschichte eines einfachen Bürgers in einer kleinen Küstenstadt, der unter Mithilfe eines Kindheitsfreunds, der inzwischen ein erfolgreicher Moskauer Anwalt ist, gegen den korrupten Bürgermeister vorgehen will.

19. März:
"Die Bestimmung – Insurgent" (3D):
Im zweiten Teil der dystopischen Jugendbuch-Trilogie (deren letzter Film wie bereits bei "Die Tribute von Panem" zweigeteilt wird) muß sich die rebellische Tris (Shailene Woodley, "White Bird in a Blizzard") gegen hartnäckige Verfolger wehren, die sie im Kampf um die Vorherrschaft in der Gesellschaft als Gefahr betrachten. Um den Kampf zu bestehen, muß Tris nicht nur ihre wahre Bestimmung herausfinden, sondern auch diverse andere Geheimnisse lüften – dieses Mal sogar in 3D. Die Regie hat Robert Schwentke ("Flightplan") von Neil Burger übernommen.

Ursprünglich war das Schaf Shaun nur eine Nebenfigur in dem OSCAR-prämierten Knetgummi-Animationsfilm "Wallace & Gromit Unter Schafen"; später erhielt es eine eigene Kinder-TV-Serie, auf die nun der erste Kinofilm folgt. Und erste Kritiken lassen vermuten, daß den Aardman Studios mit diesem Film, in dem Shaun und seine tierischen Freunde verhindern müssen, daß "ihr" Bauer seinen Hof verläßt, ein weiteres Mal ein charmantes Meisterwerk für alle Altersklassen gelungen ist.

"A Most Violent Year":
Zu Beginn der Awards Season 2014/2015 wurde J.C. Chandors ("Margin Call") Thriller-Drama, das das Bestreben eines Einwanderers (Oscar Isaac, "Agora") schildert, seinen Weg in den USA zu gehen, als aussichtsreicher OSCAR-Anwärter gehandelt. Doch trotz starker Kritiken und diverser Kritikerpreise gab es am Ende keine einzige Nominierung für die Academy Awards. Das ist schade, sollte aber niemanden vom Kinobesuch abhalten. Die Geschichte des Films spielt 1981 in New York, statistisch gesehen einem der gewalttätigsten Jahre in der US-Großstadt überhaupt. Isaac erhielt für seine Rolle als zwar idealistischer, aber zielstrebiger Immigrant viel Lob, noch mehr ging allerdings an Jessica Chastain ("Zero Dark Thirty"), die seine ihn tatkräftig unterstützende Ehefrau spielt.

"The Boy Next Door":
Nachdem ihr letzter Film "Parker" ein ziemlicher Flop war, versucht es Teilzeit-Schauspielerin Jennifer Lopez nun mit einem erotisch angehauchten Thriller. Unter der Regie von Rob Cohen ("Dragonheart", "The Fast and the Furious") spielt sie eine frisch geschiedene Mutter, die sich auf einen One Night Stand mit dem jungen Nachbarn (Ryan Guzman) einläßt. Der erweist sich allerdings als reichlich anhänglich und besitzergreifend. Das klingt nicht wirklich nach einer originellen Story – und wurde in den USA von den Kritikern wenig überraschend mit Verrissen bedacht. Kommerziell ist "The Boy Next Door" dennoch deutlich erfolgreicher als es "Parker" war.

"Die Räuber":
In seinem letzten Film – einer Neuinterpretation des gleichnamigen Theaterstücks von Friedrich Schiller – spielt die österreichische Schauspiel-Legende Maximilian Schell ("Das Urteil von Nürnberg") einen Bankier, dem diverse Vergehen wie Unterschlagung und Urkundenfälschung zur Last gelegt werden. Sein Sohn Karl (Éric Caravaca) hat allerdings die Verantwortung dafür übernommen und in der Folge eine Gefängnisstrafe abgesessen. Nach seiner Entlassung will er die wahren Hintergründe der Geschichte aufdecken, denn er glaubt, daß sein eigener Bruder der wahre Verantwortliche ist. Um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, tut er sich mit einem Kriminellen (Tchéky Karyo, "Nikita") zusammen. Regie führte der Intendant der Ruhrfestspiele, Frank Hoffmann, gemeinsam mit dem Luxemburger Pol Cruchten.

"Das ewige Leben":
In Wolfgang Murnbergers schwarzhumorigem Krimi übernimmt der österreichische Kabarettist Josef Hader zum vierten Mal seine Kultrolle als Privatdetektiv Brenner. Dieses Mal kehrt er in seinen Heimatort zurück, wo er es mit einigen ihm nicht ausnahmslos wohlgesinnten alten Bekannten zu tun bekommt (einer wird von Tobias Moretti verkörpert) – und auch eine lange verdrängte Jugendsünde holt ihn ein ...

26. März:
"Der Nanny":
Für seine neueste Komödie tut sich Regisseur und Hauptdarsteller Matthias Schweighöfer wieder mit seinem "Schlussmacher"-Leinwandpartner Milan Peschel zusammen. Schweighöfer verkörpert den angehenden Baulöwen Clemens, der zugunsten seiner Karriere seine Familie ziemlich vernachlässigt. Also sucht er eine Nanny für seine beiden Kinder, die nicht unbedingt pflegeleicht im Umgang sind – und so landet Clemens schließlich bei der männlichen Nanny Rolf, gespielt von Peschel. Rolf hat allerdings Hintergedanken, hat er doch wegen Clemens' Bauplänen seine Wohnung verloren und will sich nun rächen …

"Home – Ein smektakulärer Trip" (3D):
Tim Johnsons ("Ab durch die Hecke") Dreamworks-Animationsfilm erzählt die Geschichte des außerirdischen Raumschiff-Captains Smek, der nach einer neuen Heimat für sein Volk, die Boov, sucht. Also klappert er Planet um Planet ab, doch keiner erfüllt alle Voraussetzungen – bis er die Erde erreicht. Die erweist sich als perfekt, weshalb die technologisch unterlegenen Menschen kurzerhand gegen ihren Willen umgesiedelt werden. Die eigentliche Hauptrolle des tolpatschigen Außerirdischen Oh, der mit einem Mißgeschick die Sicherheit von Menschen wie auch Boov gefährdet und diesen Fauxpas unbedingt ausbügeln will, wird im Original von "The Big Bang Theory"-Star Jim Parsons gesprochen, in der deutschen Synchronfassung übernimmt die Aufgabe Bastian Pastewka. Als Menschenmädchen Tip, das der Umsiedlung entkommen kann, ist in Deutschland Josefine Preuß zu hören (im Original: Rihanna), als Captain Smek Uwe Ochsenknecht (auf Englisch: Steve Martin).

"Tod den Hippies!! Es lebe der Punk":
Oskar Roehler, Spezialist für eher sperrige Filme mit meist schrägem Humor, die bei den Kritikern besser ankommen als beim Kinopublikum (z.B. "Der alte Affe Angst", "Agnes und seine Brüder", "Elemetarteilchen", "Quellen des Lebens"), präsentiert eine Tragikomödie, die im Ost-Berlin des Jahres 1980 spielt. Der 19-jährige Robert (Tom Schilling, "Oh Boy") flüchtet in den Westteil der Stadt, wo er sich in das Berliner Nachtleben stürzt und seine Punker-Attitüde voll auslebt. In weiteren Rollen sind die bezaubernde Emilia Schüle ("Besser als nix"), Frederick Lau ("Sein letztes Rennen"), Wilson Gonzalez Ochsenknecht ("Die wilden Kerle") und Hannelore Hoger (Hauptdarstellerin von Roehlers "Die Unberührbare") zu sehen.

"Eine neue Freundin":
Wenn François Ozon einen neuen Film in die Kinos bringt, dann ist das stets ein Freudentag für viele Arthouse-Kinogänger. Schließlich hat der französische Filmemacher mit Werken wie dem bewegenden Verlustdrama "Unter dem Sand", dem humorvollen Whodunit-Musical "8 Frauen", dem verwickelten erotischen Thriller "Swimming Pool", der heiteren Emanzipations-Komödie "Das Schmuckstück" oder der voyeuristischen Tragikomödie "In ihrem Haus" vielfach bewiesen, wie vielseitig talentiert er ist. Sein neues Werk – die Adaption einer Kurzgeschichte von Ruth Rendell – ist ein Drama, in dem ein kleines Mädchen namens Lucie seine Mutter an eine tödliche Krankheit verliert. Deren beste Freundin Claire (Anaïs Demoustier, "Sehnsucht nach Paris") kümmert sich nun verstärkt um Lucie, doch dabei merkt sie, daß deren Vater (Romain Duris, "Der Auftragslover") sich zunehmend feminin verhält – und sich in jeder Hinsicht immer mehr in seine verstorbene Frau zu verwandeln scheint …

"Scorpions Forever and a Day":
"Bandits"-Regisseurin Katja von Garnier präsentiert eine Dokumentation über eine der weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Bands: die Scorpions.

1./2. April:
"Fast & Furious 7":
Vroom vroom. Vrooooom! Quiiiietsch, vroom. Kaboom! Peng peng. Vroooom ... Sollte ich mit dieser präzisen Inhaltsangabe falsch liegen, möge man mich gerne berichtigen. Doch bitte nicht falsch verstehen, das ist gar nicht abfällig gemeint; ich habe zwar bislang nur die ersten beiden Teile der Reihe gesehen, mich von denen aber solide unterhalten gefühlt. Dennoch: Als Fan der Autoraser-Reihe weiß man ziemlich genau, was man von einem neuen Ableger zu erwarten hat. Wobei der siebte Teil – erstmals unter der Regie des eigentlichen Horrorexperten James Wan ("Conjuring", "Saw") – natürlich dadurch eine besondere Note erhält, daß es der letzte Film mit dem früh verstorbenen Co-Hauptdarsteller Paul Walker ist (dessen noch nicht gedrehte Szenen übrigens von seinen Brüdern als Doubles absolviert wurden). Und mit Jason Statham ("The Expendables") gibt es einen neuen Gegenspieler, zudem ergänzen Altstar Kurt Russell ("Die Klapperschlange", "Death Proof") und der Martial Arts-Spezialist Tony Jaa ("Ong Bak") den Cast.

"Best Exotic Marigold Hotel 2":
In der Fortsetzung des bittersüßen Überraschungserfolgs aus dem Jahr 2012 kehrt der Großteil der hochkarätigen Besetzung zurück, dazu gesellt sich mit Richard Gere ("Pretty Woman") ein weiterer Altstar, der sicher gut zu Dame Jude Dench, Dame Maggie Smith und Bill Nighy paßt. Der idealistische Hotelmanager Sonny (Dev Patel) verfolgt nach dem holprigen Start des Hotels im ersten Film nun sogar Expansionspläne, doch im Kern wird es natürlich wieder um die sympathisch-schrägen Figuren gehen. Da Regisseur (John Madden) und Drehbuch-Autor (Ol Parker) die Gleichen geblieben sind, muß man wohl keinen qualitativen Reinfall befürchten.

"Das blaue Zimmer":
Der Franzose Mathieu Amalric ist vor allem als Schauspieler bekannt ("Ein Quantum Trost", "Schmetterling und Taucherglocke"), doch mitunter führt er auch Regie. Seine bekannteste Regiearbeit ist bislang die schwarzhumorige Tragikomödie "Tournée", die 2010 zwei Preise in Cannes gewann. "Das blaue Zimmer" ist – wen soll es noch überraschen? – eine weitere Literaturverfilmung, hier ist der gleichnamige Krimi von Georges Simenon die Vorlage. Amalric selbst spielt die Hauptrolle des Familienvaters Julien, der scheinbar ein harmonisches Leben führt, in Wahrheit jedoch unzufrieden ist und eine Affäre beginnt. Daß diese Affäre Julien wenig später ins Visier von Polizei und Justiz bringen würde, hätte er nie gedacht …

"Every Thing Will Be Fine" (3D):
Bei der Berlinale wird Wim Wenders in diesem Jahr mit einem Ehrenbären bedacht, außerdem läuft sein neuer Film außer Konkurrenz im Wettbewerb. Nachdem sich Wenders in den letzten Jahren vorrangig auf Dokumentarfilme konzentriert hat und damit sehr erfolgreich war (sowohl "Pina" als auch aktuell "Das Salz der Erde" erhielten OSCAR-Nominierungen), widmet er sich mit diesem international besetzten und in 3D gedrehten Drama wieder der Fiktion. James Franco ("Spring Breakers") spielt die Hauptrolle des Autors Tomas, der den Tod eines Kindes zu verantworten hat und seine Schuldgefühle schriftstellerisch ausdrückt. Damit hat er großen Erfolg, mit dem er über die Jahre hinweg allerdings nicht ganz klarkommt. Charlotte Gainsbourg ("Melancholia") ist als Mutter des toten Jungen zu sehen, Robert Naylor ("Krieg der Götter") als dessen Bruder, Rachel McAdams ("To the Wonder") als Tomas' Freundin und Peter Stormare ("Brothers Grimm") als Herausgeber seiner Bücher.

"Gespensterjäger – Auf eisiger Spur":
In dem auf einem Roman von Bestseller-Autorin Cornelia Funke ("Tintenherz") basierenden Familien-Fantasyfilm von Tobi Baumann ("Der Wixxer") stößt der Junge Tom im Keller des Hauses auf ein (von Bastian Pastewka gesprochenes) Gespenst. Unerwartet erweist sich das Gespenst namens Hugo als sehr liebenswert, weshalb Tom ihm bei einer wichtigen Aufgabe helfen will: Wenn er nicht innerhalb einer Woche seine Gespenstervilla zurückerobert – aus der ihn ein böser "Kollege" vertrieben hat –, dann endet Hugos Existenz für immer! Unterstützung suchen und finden die beiden bei der Gespensterjägerin Hedwig (Anke Engelke) …

"Mara und der Feuerbringer":
Ex-"RTL Samstag Nacht"-Comedian und "Bernd, das Brot"-Miterfinder Tommy Krappweis feiert sein Kinodebüt als Regisseur, wobei er der Einfachheit halber direkt einen eigenen Roman adaptiert. Die titelgebende Mara (Lilian Prent) ist ein Teenager, der sich als letzte Seherin auf der Erde herausstellt und die drohende Ragnarök – den Weltuntergang – verhindern muß. Dabei hilft ihr ein Mythologie-Professor (Jan Josef Liefers), und schon bald stoßen sie auf einige nordische Gottheiten wie den von Christoph Maria Herbst ("Stromberg") verkörperten Loki und seine göttliche Ehefrau Sigyn (Eva Habermann, "Der Clown"). Ebenfalls mit von der Partie sind Heino Ferch ("Der Untergang") und Krappweis' "RTL Samstag Nacht"-Weggefährtin Esther Schweins.

9. April:
"Die Coopers – Schlimmer geht immer":
Kritiker beschreiben die Adaption eines in den USA populären Kinderbuchs als unoriginell, aber liebenswert. Die Geschichte des elfjährigen, vom Pech verfolgten Alexander (Ed Oxenbould), der den schlimmsten Tag seines jungen Lebens durchstehen muß, sollte auch in Deutschland ihr Publikum finden; zumal Alexanders Eltern mit Jennifer Garner ("Lügen macht erfinderisch") und Steve Carell ("Date Night") sehr sympathisch besetzt sind.

"Elser":
Es gibt Spötter, die behaupten, deutsche Filmemacher könnten nur zwei Dinge: (romantische) Komödien und Filme über den Zweiten Weltkrieg. Nun, das ist natürlich stark übertrieben, aber einen wahren Kern besitzt die Aussage schon. "Elser" fällt in die zweite Kategorie, denn es geht um das von Georg Elser leider erfolglos verübte Attentat auf Hitler wenige Wochen nach dem deutschen Angriff auf Polen. Regisseur Oliver Hirschbiegel hat ja bereits mit dem OSCAR-nominierten "Der Untergang" bewiesen, daß er die Thematik beherrscht – da "Elser" bereits mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde, sollte auch hier die Qualität stimmen. In der Titelrolle ist dabei erstmals seit seinem eindrucksvollen Debüt als Lehrer in Michael Hanekes "Das weiße Band" der Musiker und Theater-Schauspieler Christian Friedel wieder in einer großen Kinorolle zu sehen. An seiner Seite agieren Katharina Schüttler ("Zeit der Kannibalen"), Friedels "Das weiße Band"-Kollege Burghart Klaußner, Johann von Bülow ("Im Labyrinth des Schweigens") und als Hitler Udo Schenk (TV-Serie "In aller Freundschaft"), der diese Rolle übrigens bereits 2010 im französischen "Die Kinder von Paris" spielte.

"The F-Word – Von wegen gute Freunde!":
In den USA kam die etwas andere, unabhängig produzierte romantische Komödie von Michael Dowse ("Goon") gut an, in der Zoe Kazan ("Ruby Sparks") und Daniel Radcliffe ("Die Frau in Schwarz") ein verhindertes Liebespaar spielen. Denn Chantry befindet sich in einer eigentlich glücklichen langjährigen Beziehung, während Wallace nach einigen amourösen Rückschlägen keine Lust mehr auf eine feste Beziehung hat. Doch das noble Vorhaben einer platonischen Freundschaft zwischen den beiden entwickelt sich in der Umsetzung recht kompliziert …

"Der Kaufhaus Cop 2":
In der Fortsetzung des (inhaltlich arg seichten) Komödienhits aus dem Jahr 2009 spielt Kevin James erneut den schusseligen, aber gutherzigen Kaufhaus-Cop Paul Blart, der auf einer Reise nach Las Vegas mit seiner Tochter zufällig in einen großen Casino-Raub stolpert – und diesen natürlich verhindern will. Regie führt diesmal Andy Fickman ("Die Jagd zum magischen Berg").

"Halbe Brüder":
Eigentlich ist der deutsche Regisseur Christian Alvart vor allem für ernste, sogar ziemlich harte Stoffe wie den Serienmörder-Thriller "Antikörper", den SF-Horrorschocker "Pandorum" oder den Gruselfilm "Fall 39" bekannt. Mit "Halbe Brüder" wagt er sich nun jedoch an ein tragikomisches Roadmovie über drei erwachsene und sehr unterschiedliche Männer, die nach dem Tod ihrer Mutter erfahren, daß sie Halbbrüder sind. Natürlich ist diese Enthüllung ein Schock, den alle am liebsten verdrängen würden, zumal sie sich gegenseitig nicht gerade sympathisch sind. Doch um an das Erbe ihrer Mutter zu kommen, müssen sie zusammenarbeiten. Diese Story klingt nicht überragend originell, hat aber durchaus Potential – für Skepsis sorgt da bei mir schon eher die Besetzung der "halben Brüder" mit Rapper Sido, Komiker Tedros "Teddy" Teclebrhan und Fahri Yardim ("Der Medicus"). Aber wer weiß, vielleicht funktioniert es ja.

"Cake":
Obwohl die Kritiken für Daniel Barnz' ("Beastly") Drama höchst mittelmäßig ausgefallen sind, war "Cake" in den USA in den letzten Monaten in aller Munde. Der Grund: Hauptdarstellerin Jennifer Aniston ("Wanderlust") hat für ihre intensive, uneitle Darstellung der an chronischen Schmerzen leidenden, deshalb alkohol- und medikamentensüchtigen und dementsprechend unleidlichen Claire großes Lob und viele Preise erhalten. Für eine OSCAR-Nominierung reichte es letztlich jedoch nicht ganz, und so dürfte "Cake" in den deutschen Kinos trotz namhafter Besetzung (auch "Avatar"-Star Sam Worthington, William H. Macy und Anna Kendrick sind mit von der Partie) nur wenige Zuschauer anlocken.

"Warte, bis es dunkel wird":
Durch ihre Rollen in der vierten Staffel der TV-Serie "Californication" sowie in dem gelungenen Mysteryfilm "Odd Thomas" ist mir die nur 1,55m große Addison Timlin positiv im Gedächtnis geblieben, ihre Karriere hat jedoch leider noch nicht so richtig abgehoben. Mit dem Horrorfilm "Warte, bis es dunkel wird" von Alfonso Gomez-Rejon (der den Haupt- und den Publikumspreis des Sundance Film Festivals 2015 für sein Coming of Age-Drama "Me & Earl & the Dying Girl" gewann) wird sich das nicht ändern, trotzdem ist es schön, sie mal wieder in einer Hauptrolle zu sehen. Der im Original mit "The Town That Dreaded Sundown" viel stimmungsvoller betitelte Film ist ein Remake von "Der Umleger" aus dem Jahr 1976 und handelt von einer Kleinstadt, in der 65 Jahre nach einer berüchtigten Mordserie der nie gefasste Täter zurückgekehrt zu sein scheint. Timlin spielt die Schülerin Jami, die dem Mörder gerade noch entkommen kann und anschließend mit ihrer Großmutter und einem Freund Nachforschungen anstellt.

16. April:
"Run All Night":
Ein weiteres Mal frönt Liam Neeson ("The Grey") seinem offenbar sehr liebgewonnenen Hobby als spätberufener Actionheld: Unter der Regie des Spaniers Jaume Collet-Serra, mit dem er bereits "Unknown Identity" und "Non-Stop" gedreht hat, gibt Neeson diesmal einen ehemaligen Profikiller, der aufgrund eines unglücklichen Zwischenfalls mit seinem früheren (Gangster-)Boß aneinandergerät (der von Ed Harris verkörpert wird). Die US-Kritiken sind relativ wohlwollend ausgefallen, jedenfalls deutlich besser als zuletzt bei "Taken 3".

"Top Five":
Die Thematik ist schon in den USA nicht sehr zugkräftig gewesen, in Deutschland dürfte es noch viel schwieriger werden, interessierte Zuschauer zu finden. Dennoch: Die Kritiken für Chris Rocks "Comedian-Komödie", in der der "Rush Hour"-Darsteller den ehemals erfolgreichen, inzwischen aber in Reality-TV-Gefilde abgerutschen Stand Up-Comedian Andre spielt, sind exzellent ausgefallen. Zwar soll die Story von Andres Liebeswirren sowie seinen Bemühungen, sich als seriöser Schauspieler einen Namen zu machen, nicht übermäßig originell sein, dafür aber sehr charmant und mit viel Wortwitz umgesetzt.

"Das Glück an meiner Seite":
In dem Tränenzieher-Drama von George C. Wolfe ("Das Lächeln der Sterne") verkörpert Hilary Swank eine Pianistin, die (genau wie Stephen Hawking) an ALS erkrankt. In der chaotischen Studentin Bec (Emmy Rossum, TV-Serie "Shameless") findet sie eine Assistentin, die ihr nicht nur hilft, mit der Krankheit umzugehen, sondern auch zu einer sehr engen Freundin für sie wird. Die professionellen Rezensenten kritisieren eine übertrieben manipulative Erzählweise und eine vorhersehbare Handlung, aber beim "normalen" Publikum kommt "Das Glück an meiner Seite" ziemlich gut an.

"Nur eine Stunde Ruhe!":
Ex-Asterix Christan Clavier spielt in dieser französischen Komödie einen Jazz-Liebhaber, der eigentlich nur in Ruhe eine seltene Schallplatte, die er jüngst auf dem Flohmarkt erworben hat, anhören will – zu seinem wachsenden Verdruß jedoch ständig von Familienangehörigen und Nachbarn gestört wird. Das klingt durchaus amüsant und hat in Frankreich immerhin etwa eine Million Zuschauer in die Kinos gelockt.

"The Pyramid – Grab des Grauens":
In diesem von den US-Kritikern ziemlich verrissenen Horrorfilm geht es um ein amerikanisches Archäologen-Team (dessen Anführer von "Dallas Buyers Club"-Akteur Denis O'Hare gespielt wird), das in Ägypten auf eine bislang unentdeckte, ungewöhnlich geformte Pyramide stößt. Deren Erkundung läuft erwartungsgemäß nicht ganz reibungslos ab. "The Pyramid" ist das Regiedebüt von Grégory Levasseur, der für Alexandre Aja die Drehbücher u.a. zu "The Hills Have Eyes" und "Mirrors" schrieb.

"PK":
Obwohl Bollywood auch in Deutschland eine treue Fangemeinde hat, laufen indische Filme im deutschen Kino normalerweise nicht wirklich gut. Die in ihrer Heimat sehr positiv rezensierte Science Fiction-Komödie "P.K." hat allerdings weltweit über $100 Mio. eingespielt und ist damit der kommerziell erfolgreichste indische Film aller Zeiten, allein mehr als $10 Mio. kommen aus den USA (ebenfalls ein Rekord). Vielleicht ist also auch bei uns ein Achtungserfolg drin für die Geschichte des liebenswerten Außerirdischen PK (Aamir Khan, "Dhoom 3"), der die Menschen und ihre Philosophien und Religionen studieren will, aber mit seinen direkten, naiven Fragen selbst großen Einfluß auf seine Studienobjekte nimmt.

23. April:
Das erste große Blockbuster-Highlight des Jahres 2015 hat keine leichte Aufgabe: Wie soll man die von den vorherigen Filmen des "Marvel Cinematic Universe" und dabei speziell dem extrem beliebten ersten "The Avengers" sowie zuletzt dem etwas unerwartet hervorragend angekommenen "Captain America 2" geschürten Erwartungen erfüllen? Klar, die Interaktion zwischen Iron Man, Thor, Hulk und Captain America wird sicher wieder für viel Belustigung sorgen, für die Action werden zudem Nick Fury, Black Widow und der seit dem Vorgänger "vermisste" Hawkeye zuständig sein. Außerdem gibt es mit dem von James Spader ("Lincoln") per Motion Capture verkörperten und ursprünglich von Tony Stark erschaffenen Roboter Ultron einen neuen Bösewicht, der von Fans der Comicvorlage (in der allerdings Hank "Ant-Man" Pym der Ultron-Schöpfer ist) mit Spannung erwartet wird. Zudem wird die Nazi-Geheimorganisation Hydra, deren Aktivitäten sich bislang auf die beiden Captain America-Filme beschränkten, eine Rolle spielen – und auch Loki ist wieder mit von der Partie. Das klingt zweifellos alles sehr spannend, zumal man nicht vergessen darf, daß hiermit die nächste Phase von Marvels Superhelden-Abenteuern eingeleitet wird, die u.a. im dritten "Captain America"-Film zu einem "Civil War" (so der Untertitel) zwischen den Protagonisten ausarten soll. Und irgendwo im Hintergrund ist auch immer noch "Guardians of the Galaxy"-Bösewicht Thanos im Spiel. Genau deshalb stellen sich Zweifler die bange Frage: Kann ein einzelner Film dieses Füllhorn voller Figuren und Handlungsstränge zu einem funktionierenden Ganzen vereinen? Normalerweise wäre ich ebenfalls skeptisch – wenn nicht wie bei "The Avengers" Joss Whedon als Regisseur und Drehbuch-Autor die Fäden in der Hand halten würde. Denn Whedon hat in Fernsehen oder Kino bislang eigentlich nie enttäuscht, wenn man ihm seine kreative Freiheit gelassen hat …

"Big Eyes":
Nach zuletzt einigen eher durchwachsenen Filmen ("Alice im Wunderland", "Dark Shadows") hat sich der auf skurrile Stoffe spezialisierte US-Filmemacher Tim Burton wieder einmal etwas ernsthafteren Gefilden zugewandt – keine schlechte Idee, schließlich ist sein liebevolles Porträt der Trashfilm-Legende "Ed Wood" bis heute einer seiner beliebtesten und besten Filme. Und tatsächlich: Auch "Big Eyes", die Geschichte der amerikanischen Malerin Margaret Keane (Amy Adams, "American Hustle"), deren von extrem großen Augen dominierte Gemälde erst dann zu Verkaufsschlagern werden, als ihr Ehemann Walter (Christoph Waltz, "Wasser für die Elefanten") behauptet, er hätte sie gemalt, hat bei den Kritikern viel Lob erfahren. Ein späterer Kultstatus wie bei "Ed Wood" ist zwar eher nicht zu erwarten, dennoch sollte "Big Eyes" auch beim deutschen Arthouse-Publikum auf genügend Interesse stoßen.

Wer hätte das gedacht: Ein iranischer Vampir-Western begeistert auf der ganzen Welt Kritiker und Kinogänger! Auf Festivals hat Ana Lily Amirpours unkonventionelle (von Elijah Wood coproduzierte) Mischung aus Italo-Western, Film noir und Vampirromanze zahlreiche Preise abgestaubt – hierzulande wird die atmosphärische, aber eher rudimentäre Geschichte einer heruntergewirtschafteten, von Verbrechern beherrschten iranischen Stadt, in der ein einsamer weiblicher Vampir (mit Kopftuch!) sein Unwesen treibt, noch vor dem regulären Kinostart im Programm der Fantasy Filmfest Nights im März zu sehen sein.

Als Drehbuch-Autor hat der britische Schriftsteller Alex Garland vor allem in Zusammenarbeit mit Danny Boyle bereits tiefen Eindruck hinterlassen: Er schrieb "Trainspotting", "The Beach", "28 Days Later" und "Sunshine", außerdem (für andere Regisseure) "Alles, was wir geben mussten" und "Dredd". Mit "Ex Machina" feiert Garland nun sein Regiedebüt. Dabei handelt es sich um einen Roboter-Thriller, in dem ein reiches Computergenie (Oscar Isaac) einen jungen Angestellten (Domhnall Gleeson, "Unbroken") beauftragt, eine Woche lang an einem geheimen Test mit seiner neuesten Erfindung teilzunehmen: einem äußerst fortschrittlichen, intelligenten weiblichen Roboter (Alicia Vikander, "Anna Karenina"). Von den Kritikern wird "Ex Machina" bereits als einer der besten und intelligentesten Science Fiction-Filme in den letzten Jahren gefeiert.

"Hubert von Goisern – Brenna tuat's schon lang":
Marcus H. Rosenmüller ("Wer früher stirbt, ist länger tot") präsentiert einen musikalischen Dokumentarfilm über den österreichischen Alpenrock-Liedermacher Hubert von Goisern.

"Mülheim – Texas: Helge Schneider hier und dort":
Der Dokumentarfilm von Andrea Roggon ("Soy libre") beleuchtet das ereignisreiche Leben des vielfältig talentierten Künstlers und Komikers Helge Schneider.

30. April:
"The Gunman":
Wer behauptet, daß nur Liam Neeson in bereits etwas fortgeschrittenerem Alter zum populären Actionkino-Held werden kann? Sean Penn ("Mystic River") scheint nun jedenfalls auch etwas von dieser lukrativen Nische abhaben zu wollen (die er bereits vor einigen Jahren mit dem actionreichen, aber unterschätzten Polit-Thriller "Der Dolmetscher" ansatzweise und dabei sehr überzeugend bediente) und versucht sich unter der Regie des genreerfahrenen Pierre Morel ("96 Hours", "From Paris with Love") als einsamer Wolf im Kampf gegen eine zahlenmäßig klar überlegene Übermacht. Penn spielt in der Adaption des Romans "Position: Anschlag liegend" von Jean-Patrick Manchette den ehemaligen Elitesoldaten und Profikiller Martin Terrier, der mit seiner großen Liebe ein friedliches Leben führen will. Die Geheimorganisation, für die er früher gearbeitet hat, will ihn allerdings nicht einfach gehen lassen ... Neben Penn sind Javier Bardem ("Skyfall"), Idris Elba ("Pacific Rim") und Ray Winstone ("Noah") zu sehen.

"Die Gärtnerin von Versailles":
Kate Winslet ("Der Vorleser") spielt in diesem lose auf Tatsachen basierenden Kostümfilm die Gärtnerin Sabine de Barra, die den Auftrag erhält, für den "Sonnenkönig" Louis XIV. (Alan Rickman, der nach "The Winter Guest" zum zweiten Mal Regie führt) einen einzigartigen Park für das Schloß Versailles zu gestalten. Als Frau ist sie in ihrer Funktion nicht bei jedem im Hofstaat willkommen, zumal sie im royalen Intrigantenstadel mit ihrer geradlinigen Ehrlichkeit deutlich heraussticht. Doch gerade aufgrund ihrer unkonventionellen Art gewinnt sie auch Freunde und Verehrer, allen voran den unglücklich verheirateten Landschaftskünstler André Le Notre (Matthias Schoenarts, "Bullhead"). Kritiker bemängeln, daß es der Handlung an Esprit und Originalität fehle, doch als reines Unterhaltungskino mache "Die Gärtnerin von Versailles" nicht zuletzt dank der hochkarätigen Besetzung durchaus eine gute Figur.

Fabrikarbeiter Jerry (Ryan Reynolds, "Green Lantern") ist ein netter, aber etwas einfältiger Typ auf der Suche nach der Liebe. Dummerweise hat er auch erhebliche psychische Probleme, die sich vorrangig darin manifestieren, daß seine beiden Haustiere mit ihm sprechen. Während das bei Hund Bosco weniger problematisch ist, drängt Katze Mr. Whiskers Jerry dazu, Menschen umzubringen, die ihm im Weg stehen. Der Mix aus romantischer Komödie, schwarzhumorigem Horrorfilm und einfühlsamer Charakterstudie ist sicher etwas gewöhnungsbedürftig, macht aber insgesamt viel Spaß. Tip: In der Originalfassung anschauen (in der Reynolds alle Tiere spricht – und das hervorragend)!

"Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest" (3D):
In ihrem voraussichtlich letzten Kino-Animationsabenteuer bekommt es die Fee Tinkerbell mit der titelgebenden Kreatur "Nimmerbiest" zu tun. Während die Wächterfeen das vermeintliche "Monster" schnellstmöglich loswerden wollen, erkennt Tinkerbell, daß es sich in Wirklichkeit um ein harmloses, gutmütiges Tier handelt. Also müssen Tinkerbell und ihre Freunde das Nimmerbiest in Sicherheit bringen, ehe die Wächterfeen ihm etwas zu Leide tun können …

"Kein Ort ohne Dich":
Auch 2015 darf natürlich eine neue Nicholas Sparks-Adaption nicht fehlen. Nachdem zuletzt "The Best of Me" übel floppte, soll nun Regisseur George Tillman Jr. ("Notorious B.I.G.") die überwiegend weiblichen Sparks-Fans zurück in die Kinos locken. Ganz einfach wird das wohl nicht, denn große Stars fehlen in der Besetzung. Die Handlung klingt sehr nach Sparks: Die Liebesgeschichte eines jungen Paares (Scott Eastwood und Britt Robertson) wird mit dem Schicksal eines alten Mannes (Alan Alda aus der Kultserie "M*A*S*H") verknüpft, der nach einem Autounfall schwer verletzt und hilflos feststeckt und von seiner verlorenen großen Liebe halluziniert. Diese Story sollte doch viel Raum für ganz große Gefühle lassen …

"Fassbinder":
Zu seinem 70. Geburtstag erinnert der Dokumentarfilm an den früh verstorbenen Filmemacher Rainer Werner Fassbinder, der dem deutschen Kino und Fernsehen in den 1970er und frühen 1980er Jahren mit gesellschaftskritischen, ebenso intelligenten wie oft kontrovers diskutierten Meisterwerken wie "Die bitteren Tränen der Petra von Kant", "Angst essen Seele auf", "Welt am Draht", "Lili Marleen" oder "Berlin Alexanderplatz" zahlreiche Sternstunden geschenkt hat.

Damit ist meine Vorschau auf März und April 2015 am Ende angelangt. Den ersten beiden Monaten der "Summer Season" werde ich mich voraussichtlich im März im ersten Teil meiner großen Sommervorschau widmen.


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