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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 6. August 2014

22 JUMP STREET (2014)

Regie: Phil Lord und Christopher Miller, Drehbuch: Michael Bacall, Oren Uziel und Rodney Rothman, Musik: Mark Mothersbaugh
Darsteller: Channing Tatum, Jonah Hill, Ice Cube, Peter Stormare, Amber Stevens, Jillian Bell, Wyatt Russell, Keith Lucas, Kenny Lucas, Jimmy Tatro, Marc Evan Jackson, Nick Offerman, Dax Flame, Johnny Pemberton, H. Jon Benjamin, Rob Riggle, Dave Franco, Dustin Nguyen, Diplo, Steven Williams, Richard Grieco, Queen Latifah, Patton Oswalt, Bill Hader, Anna Faris, Seth Rogen
 22 Jump Street
(2014) on IMDb Rotten Tomatoes: 84% (7,0); weltweites Einspielergebnis: $331,3 Mio.
FSK: 12, Dauer: 112 Minuten.

Nach dem großen Erfolg ihrer Undercover-Mission an der High School dürfen die Cops Schmidt (Jonah Hill, "The Wolf of Wall Street") und Jenko (Channing Tatum, "Der Adler der neunten Legion") nun auf die Jagd nach deutlich größeren Fischen gehen. Eine versuchte Verhaftung des Drogenbosses "Ghost" (Peter Stormare, "Brothers Grimm") geht allerdings mächtig in die Hose, und so findet sich das dynamische Duo schnell wieder unter der Aufsicht von Captain Dickson (Ice Cube, "Three Kings") in der Jump Street wieder. Dieses Mal sollen sie verdeckt am College ermitteln, denn dort macht eine neue, gefährliche Droge die Runde, die bereits ein Todesopfer gefordert hat. Die Recherchen gehen nur zäh voran, doch immerhin findet Jenko in dem lässigen Footballer Zook (Wyatt Russell, "We Are What We Are") einen neuen Bromance-Kumpel, während Schmidt zarte romantische Bande zu der hübschen Kunststudentin Maya (Amber Stevens, TV-Serie "Greek") knüpft …

Kritik:
Nach dem von kaum jemandem erwarteten großen Kritiker- und (vor allem in Nordamerika) Publikumserfolg des betont selbstironischen TV-Serien-Reboots "21 Jump Street" ist nur zwei Jahre später fast die komplette Truppe zurück. Alle wichtigen Darsteller, die beiden Regisseure, Drehbuch-Autor Michael Bacall (unterstützt durch zwei weitere Schreiberlinge), auch die Musik stammt wiederum von Mark Mothersbaugh ("Die Tiefseetaucher"). Doch damit nicht genug der Kontinuität: Selbst die Handlungsstruktur entspricht fast komplett jener des vorangegangenen Films! Okay, das klingt zunächst gar nicht so positiv, sondern vielmehr nach einer typischen, ideenlosen Hollywood-Fortsetzung, die eigentlich nur einen Aufguß des erfolgreichen Originals darstellt. Doch für so etwas ist diese anarchische Truppe von Filmgeeks natürlich zu schlau – sie nutzt stattdessen die Möglichkeit, ebenjene typischen Hollywood-Fortsetzungen genußvoll durch den Kakao zu ziehen. Das gelingt in der zweiten Filmhälfte deutlich besser als in der erstaunlich zäh geratenen ersten, aber insgesamt ist "22 Jump Street" wiederum eine sehr unterhaltsame Action-Komödie geworden.

Trotz der vielen witzigen Anspielungen und Seitenhiebe auf Hollywood im Allgemeinen und Sequels im Speziellen ist der Drogenhändler-Plot allerdings ein kleines Problem von "22 Jump Street". Schon im Vorgänger war der nahezu identische Handlungsstrang sehr alibihaft und vorhersehbar, aber doch noch einigermaßen … nunja, angemessen. Im zweiten Teil wird auf diesen Handlungsstrang aber noch weniger Zeit und Sorgfalt verwendet, was unter anderem dazu führt, daß eigentlich jeder, der irgendwann mal eine beliebige Krimiserie gesehen hat, deutlich früher auf die "überraschenden" Wendungen kommen muß als Schmidt und Jenko – was diese (und ihre Vorgesetzten) logischerweise noch dümmer aussehen läßt als das in ihren Figuren sowieso angelegt ist. In Verbindung mit den erwähnten Anlaufschwierigkeiten, die mit einem anfangs etwas zu starken Schwerpunkt auf Fremdschämhumor sowie einer generellen vergleichsweisen Gagarmut während Schmidts und Jenkos Eingewöhnungsphase am College zusammenhängen, fällt diese Schwäche deutlich schwerer ins Gewicht als im ersten Film.

So richtig in Fahrt kommt "22 Jump Street" eigentlich erst, als der bereits im Vorgänger zum heimlichen Star des Films avancierte cholerische Captain Dickson stärker in die Handlung integriert wird, dessen Zynismus und Wutausbrüche Ice Cube herrlich rüberbringt. Dicksons direkte Integration in den zentralen Drogendealer-Plot dient zugleich dazu, die bis dahin etwas zerfransten Handlungsstränge zu vereinigen und nun zügig auf einen ausgedehnten Showdown zuzusteuern, der so wunderbar albern, temporeich und anarchisch ausfällt, daß es eine wahre Freude ist. Die Gagdichte nimmt in dieser zweiten Hälfte nicht nur erheblich zu, die Witze werden im Schnitt auch deutlich besser und lassen einen des öfteren laut loslachen. Wie bei "21 Jump Street" werden sich Filmkenner ob diverser Anspielungen und Zitate besonders gut amüsieren, wenn etwa Channing Tatum selbstironisch an seine Rolle im Emmerich-Film "White House Down" erinnert oder eine wahrlich absurde Verfolgungsjagd passenderweise vor dem "Benjamin Hill Institute for Film Studies" endet (wer den Gag nicht versteht: einfach mal nach "Benny Hill" googlen …).

Channing Tatum und Jonah Hill harmonieren erwartungsgemäß ebenso gut miteinander wie im Vorgänger, auch die noch einmal erweiterte homoerotische Komponente dieser "Bromance" bringen sie gut rüber. Von den Nebendarstellern hinterläßt vor allem Amber Stevens als Maya viel Eindruck – absolut vorstellbar, daß sie in eventuellen weiteren Fortsetzungen wieder mit von der Partie sein wird. Erstaunlich ist außerdem, wie groß die Ähnlichkeit des Darstellers von Jenkos neuem Kumpel Zook zu seinem Vater ist, denn Wyatt Russell ist der Sprößling von keinem Geringeren als Kurt "Die Klapperschlange" Russell! Der auf schräge Rollen abonnierte Peter Stormare ist als Alibi-Bösewicht des Films leider deutlich unterfordert, auch wenn er im Finale wenigstens noch ein paar nette Szenen bekommt. Dafür entschädigen diverse witzige Cameos, auch Anhänger der TV-Serie "21 Jump Street" dürfen sich erneut über Kurzauftritte zweier damaliger Charaktere freuen (die allerdings weit weniger spektakulär ausfallen als die von Johnny Depp und Peter DeLuise im Vorgänger). Und als krönenden Abschluß erhalten wir während des Abspanns bereits einen Vorgeschmack auf die nächsten 22 (!) Fortsetzungen der Abenteuer von Schmidt und Jenko, von denen einige sehr vielversprechend aussehen ("27 Jump Street: Culinary School", "31 Jump Street: Ninja Academy") …

Fazit: "22 Jump Street" ist eine unterhaltsame Action-Komödie voller (Selbst-)Ironie, die zwar unerwartet schwerfällig in die Gänge kommt, in der chaotischen zweiten Hälfte aber spielerisch an die bewährten Anarcho-Comedy-Stärken des Vorgängers anknüpft.

Wertung: 7,5 Punkte.


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