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Sonntag, 2. Februar 2014

Nachruf: Maximilian Schell (1930-2014)

Am Samstag, den 1. Februar 2014, ist Maximilian Schell im Alter von 83 Jahren an den Folgen einer Rücken-Operation verstorben – und damit einer der besten und weltweit populärsten deutschsprachigen Schauspieler aller Zeiten. Schell, der in Österreich geboren wurde, in der Schweiz aufwuchs und vor allem in Deutschland und (vorübergehend) in den USA seine berufliche Heimat fand, war der erste deutschsprachige Schauspieler, der nach dem Zweiten Weltkrieg einen OSCAR gewann; außerdem war er über viele Jahrzehnte hinweg als Regisseur, Autor und Produzent in Kino, TV und Theater erfolgreich.


Maximilian Schell begann als Theaterschauspieler, doch nach ein paar ersten Auftritten in deutschen Kinofilmen wurde bereits Hollywood auf den gutaussehenden, großgewachsenen Mann mit der intensiven Ausstrahlung aufmerksam: Gemeinsam mit Marlon Brando, Dean Martin und Montgomery Clift drehte er das Kriegsdrama "Die jungen Löwen" (1958), in dem er einen Nazi-Offizier (und Vorgesetzten des von Brando gespielten deutschen Soldaten) spielt. Die Dreharbeiten zu diesem Film von Edward Dmytryk waren gleich in zweierlei Hinsicht wegweisend für Schell: Erstens blieb er durch den sowohl bei Kritikern als auch Zuschauern positiv aufgenommenen Film den Amerikanern im Gedächtnis, zweitens – und das war wohl noch wichtiger – brachte ihm sein Co-Star Brando die Feinheiten der englischen Sprache bei. Wenig später porträtierte Schell in dem US-Fernsehfilm "Judgement at Nuremberg" von Regisseur George Roy Hill ("Butch Cassidy und Sundance Kid") den deutschen Anwalt Hans Rolfe, der in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen einen hohen Richter der Nazi-Zeit verteidigt. Die Produktion kam so gut an, daß sie zwei Jahre später von Starregisseur Stanley Kramer ("Wer den Wind sät") aufwendig für das Kino verfilmt wurde – als einziger Darsteller wurde Maximilian Schell übernommen, obwohl an der TV-Version Stars und OSCAR-Gewinner wie Claude Rains ("Der Unsichtbare", "Vater dirigiert"), Melvyn Douglas ("Ninotschka"), Paul Lukas ("Die Wacht am Rhein") und Werner Klemperer (der allerdings erst ein paar Jahre später durch die TV-Serie "Ein Käfig voller Helden" Starruhm erntete) beteiligt waren.

Und welch grandiose Entscheidung es war, Schell in "Das Urteil von Nürnberg" erneut Hans Rolfe spielen zu lassen! Denn seine Darstellung des aufrechten, aber patriotischen Anwalts, der voller Leidenschaft für seinen Mandanten – den von Weltstar Burt Lancaster verkörperten Richter und (eigentlich) weltweit anerkannten, brillanten Rechtsexperten Dr. Ernst Janning – eintritt und überzeugend gegen eine Kollektivschuld des deutschen Volkes argumentiert, dabei aber zu seinem eigenen Erschrecken bei der Zeugenbefragung in beinahe tyrannische Muster verfällt, die aufzeigen, wie tief und teilweise unbewußt die Auswirkungen der Nazi-Zeit in den Deutschen dieser Generation verwurzelt sind, ist ohne jeden Zweifel eine der ganz großen Schauspielleistungen in der Geschichte des Kinos (in einem der besten Filme aller Zeiten). Bei einem schlicht sensationellen, aus Burt Lancaster, Spencer Tracy, Richard Widmark, Marlene Dietrich, Montgomery Clift und Judy Garland (sowie einem jungen William "Captain Kirk" Shatner) bestehenden Ensemble gelingt es Maximilian Schell mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit und Eleganz, noch ein Stückchen herauszuragen. Der OSCAR für den Besten Darsteller des Jahres 1961 war der gerechte Lohn, Weltruhm die einzig logische Konsequenz.

In den Folgejahren glänzte Schell neben Peter Ustinov in Jules Dassins Gaunerfilm "Topkapi" (1964), neben seiner ähnlich erfolgreichen Schwester Maria Schell und Jon Voight in Ronald Neames Verschwörungs-Thriller "Die Akte Odessa" (1974), in Arthur Hillers Theater-Adaption "The Man in the Glass Booth" (1975, OSCAR-Nominierung als Hauptdarsteller), in Fred Zinnemanns Drama "Julia" (1977, OSCAR-Nominierung als Nebendarsteller) und in den beiden Kriegsfilmen "Steiner – Das eiserne Kreuz" von Sam Peckinpah und "Die Brücke von Arnheim" von Richard Attenborough (beide 1977) sowie immer wieder im Theater im deutschsprachigen Raum, aber auch in London. Zu seiner gefeierten Paraderolle auf der Bühne wurde eine sehr klassische: Shakespeares "Hamlet". Zusätzlich versuchte er sich ab Ende der 1960er Jahre als Regisseur und Drehbuch-Autor in Theater und Kino und erwies sich auch in dieser Funktion als erfolgreich: Gleich sein Spielfilmdebüt als Regisseur (als Autor war er bereits zwei Jahre zuvor an der deutschen Kafka-Verfilmung "Das Schloß" beteiligt), die historische Literaturverfilmung "Erste Liebe", wurde 1971 für die Schweiz für den Auslands-OSCAR nominiert; mit seiner zweiten Regiearbeit, dem Drama "Der Fußgänger", trat er 1974 für die Bundesrepublik Deutschland an – und auch dieser Film wurde für einen Auslands-OSCAR nominiert. Zwei Jahre später realisierte Schell mit der Dürrenmatt-Adaption "Der Richter und sein Henker" (1975) seinen ersten englischsprachigen Film und arbeitete erneut mit Jon Voight zusammen, mit dem er seit "Die Akte Odessa" gut befreundet war – so gut sogar, daß er zum Patenonkel von Voights Tochter Angelina Jolie ernannt wurde.

Nach dem Disney-Science Fiction-Werk "Das schwarze Loch" (1979) zog sich Maximilian Schell zunehmend als Darsteller großer Rollen aus dem Kino zurück und konzentrierte sich neben gelegentlichen Auftritten in Nebenrollen von Filmen wie "Deep Impact", "John Carpenters Vampire" oder "Brothers Bloom" stärker auf Theater und Fernsehen. Zudem sorgte 1984 seine intime Dokumentation über Marlene Dietrich namens "Marlene" für Aufsehen, ähnlich war es 2002, als er "Meine Schwester Maria" über seine demenzkranke Schwester ins Kino brachte. Trotz diverser gesundheitlicher Probleme wirkte Schell bis zuletzt kraftvoll und stand weiterhin regelmäßig vor der Kamera. Umso unerwarteter kam sein Tod, der ihn ereilte, als er gerade in Kitzbühel zu TV-Dreharbeiten weilte.

R.I.P., Maximilian Schell.

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