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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 5. Februar 2014

BROTHERS BLOOM (2008)

Regie und Drehbuch: Rian Johnson, Musik: Nathan Johnson
Darsteller: Adrien Brody, Mark Ruffalo, Rachel Weisz, Rinko Kikuchi, Maximilian Schell, Robbie Coltrane, Zachary Gordon, Max Records, Andy Nyman, Noah Segan, Nora Zehetner, Lukas Haas, Joseph Gordon-Levitt
 The Brothers Bloom
(2008) on IMDb Rotten Tomatoes: 66% (6,2); weltweites Einspielergebnis: $5,5 Mio.
FSK: 12, Dauer: 114 Minuten.

Bloom (Adrien Brody, "Predators") und Stephen (Mark Ruffalo, "Die Unfaßbaren") sind Brüder, die nach dem frühen Tod ihrer Eltern in unterschiedlichen Pflegefamilien aufwachsen. Beide ecken immer wieder an, da sie sehr eigenwillig sind und sich schon als Kinder als geschickte Trickbetrüger erweisen. Als die beiden erwachsen sind, können sie ihre Gauner-Fertigkeiten unter Anweisung eines Mannes mit dem Spitznamen "Diamond Dog" (Maximilian Schell, "Das Urteil von Nürnberg") perfektionieren und machen sich schließlich selbständig. Bloom ist die ewigen Betrügereien irgendwann zwar satt, aber sein älterer Bruder überredet ihn zu einem letzten Coup: Gemeinsam mit ihrer schweigsamen Partnerin "Bang Bang" (Rinko Kikuchi, "47 Ronin") wollen sie die schwerreiche Penelope Stamp (Rachel Weisz, "Die fantastische Welt von Oz") ausnehmen. Doch Bloom verliebt sich in die schöne, aber einsame Millionenerbin ...

Kritik:
"Brothers Bloom" ist sicherlich das bislang schwächste Werk des Regisseurs und Drehbuch-Autors Rian Johnson – was ihn aber keineswegs zu einem schlechten Film macht. Tatsächlich war es für Johnson wohl sogar genau das richtige Übergangswerk zwischen seinem Low Budget-Geniestreich "Brick" und seinem ersten "richtigen" Hollywood-Film, der sehenswerten SF-Actiongeschichte "Looper". Denn "Brothers Bloom" fühlt sich zweifelsohne noch wie der klassische Independent-Film an, der er ist (wenn auch mit $20 Mio. bereits ein ziemlich teurer) – die hochkarätige Besetzung und die etwas mainstreamigere Inszenierung weisen aber bereits den Weg zur A-Liga der Hollywood-Regisseure. Als Verehrer von "Brick" mag man das zwar bedauern, weil es fraglich ist, ob Johnson jetzt, wo er ganz andere finanzielle und personelle Möglichkeiten hat, jemals wieder solch ein Liebhaberprojekt angehen wird – aber andererseits kann Hollywood wahrlich jeden Filmemacher gebrauchen, der es versteht, Großproduktionen neben dem obligatorischen Krachbumm mit einer gewissen Klasse und auch einem gewissen Anspruch zu verbinden. Christopher Nolan ("Inception") kann schließlich nicht alles machen ...

Rian Johnsons Gaunerstück erweist sich als bunte Genremischung, die ihre einzelnen Teile zwar nicht immer völlig nahtlos miteinander verbindet, insgesamt aber viel Laune macht. In der ersten Filmstunde dominieren leicht skurriler Humor und raffiniert ausgetüftelte Betrügereien im "Ocean's Eleven"-Stil, wobei vor allem Rinko Kikuchi als Sprengstoffexpertin Bang Bang für einige grandios komische Szenen sorgt – nach ihrem gefeierten und OSCAR-nominierten internationalen Debüt in Alejandro González Iñárritus "Babel" spielt sie kurioserweise erneut eine stumme Rolle, die allerdings deutlich komödiantischer angelegt ist. Und Kikuchi beweist, daß sie knochentrockene Comedy ebenso problemlos beherrscht wie die herzzerreißende Tragik ihrer "Babel"-Figur Chieko. Dennoch bleibt sie eher so etwas wie ein origineller "comedic sidekick", die Hauptrollen haben eindeutig Brody, Ruffalo und Weisz inne.

Die ständig wechselnden Konstellationen der kaum vorhersehbaren, die (zweifelhaften) Helden durch die halbe Welt führenden Story sorgen für zahlreiche schöne Szenen und vor Wortwitz sprühende Dialogduelle, in deren Zentrum meist das von Brody und Weisz gespielte potentielle Liebespaar Bloom und Penelope steht. Die beide machen ihre Sache gut, doch die beste schauspielerische Leistung zeigt Mark Ruffalo (der damals noch bei weitem nicht so bekannt war wie er es seit seiner Hulk-Rolle im Marvel-Blockbuster "The Avengers" ist). Als dominanter älterer Bruder Stephen bleibt er stets noch ein Stückchen undurchschaubarer als die anderen Figuren der Geschichte und entwickelt sich somit nach und nach zum interessantesten Charakter. Da Stephen vor allem im sich gänzlich unerwartet entwickelnden letzten Filmdrittel auch im Mittelpunkt erstaunlich ernster Szenen steht, kann Ruffalo mit einer sehr nuancierten Darbietung glänzen, die seine beiden OSCAR-gekrönten Co-Stars Brody und Weisz glatt in den Schatten stellt.

Dabei kann man durchaus darüber diskutieren, ob die Wendungen dieser letzten halben Stunde dem Film eher nützen oder schaden. Einerseits wird "Brothers Bloom" dadurch ein ziemlich einzigartiger Film, andererseits wirkt die Handlungsentwicklung zunehmend konstruiert und ein wenig übertrieben. Speziell die Auftritte der von Filmlegende Maximilian Schell in seiner letzten US-Produktion routiniert verkörperten Figur des alten und gefährlichen Gauners Diamond Dog wirken fast immer "Deus ex machina"-mäßig – Diamond Dog ist nie wirklich in das Ensemble integriert, er taucht fast immer dann auf, wenn die Story an einem toten Punkt anzugelangen scheint.

Wie bei "Brick" stammt auch bei "Brothers Bloom" die Musik von Rian Johnsons Cousin Nathan und ist erneut gelungen, wenngleich bei weitem nicht so innovativ wie in dem brillanten Highschool-Film noir (dafür sind die edlen und teils recht ausgefallenen Kostüme ein echter Hingucker). Dessen Stars hat Johnson übrigens auch nicht vergessen und Joseph Gordon-Levitt, Nora Zehetner, Lukas Haas und Noah Segan Minirollen verschafft, was den beinahe familiären, warmherzigen Eindruck des Films nur noch verstärkt.

Fazit: "Brothers Bloom" ist ein temporeicher und unterhaltsamer Genre-Mix, der als reinrassige Gauner-Komödie beginnt und als Tragikomödie endet; die abwechslungsreiche Handlung wirkt teilweise ein wenig überambitioniert und zu konstruiert, dafür entschädigen die liebenswerten, gut gespielten Charaktere und der ausgeprägte Humor aber reichlich.

Wertung: 7,5 Punkte.


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