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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Mittwoch, 25. September 2013

PLANET DER AFFEN: PREVOLUTION (2011)

Originaltitel: Rise of the Planet of the Apes
Regie: Rupert Wyatt, Drehbuch: Rick Jaffa und Amanda Silver, Musik: Patrick Doyle
Darsteller: James Franco, Andy Serkis, Freida Pinto, John Lithgow, David Oyelowo, Brian Cox, Tom Felton, Tyler Labine, David Hewlett, Terry Notary, Karin Konoval, Chris Gordon, Ty Olsson, Jamie Harris, Chelah Horsdal, Mike Dopud
 Rise of the Planet of the Apes
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 81% (7,1); weltweites Einspielergebnis: $481,8 Mio.
FSK: 12, Dauer: 105 Minuten.
San Francisco in der Gegenwart respektive (nach einem Zeitsprung um fünf Jahre) der nahen Zukunft: Der junge Wissenschaftler Will Rodman (James Franco, "127 Hours") experimentiert verbissen an einem experimentellen Medikament gegen Alzheimer und das mit besonderem Ehrgeiz, da sein eigener Vater Charles (John Lithgow, "Cliffhanger") an ebendieser tückischen Krankheit leidet. Als es zu einem unglücklichen Zwischenfall mit einem der Schimpansen kommt, an denen das Medikament getestet wird, wird jedoch das gesamte Projekt von Wills Vorgesetztem Steven Jacobs (David Oyelowo, "Jack Reacher") auf Eis gelegt, der sämtliche Test-Affen unverzüglich eingeschläfern läßt – nur ein neugeborenes Affenbaby schmuggelt Will verbotenerweise aus dem Gebäude. Er nennt es Caesar und zieht es bei sich zu Hause wie ein eigenes Kind auf, während er gleichzeitig penibel die Wirkung des eingestellten Alzheimer-Medikaments auf das Tier studiert. Und diese Wirkung ist erstaunlich, denn nicht nur scheint es hervorragend gegen die Krankheit zu helfen, sondern zusätzlich auch die Intelligenz des Affen beträchtlich zu steigern ...

Kritik:
Als 20th Century Fox ankündigte, ein Prequel zu der von 1968 bis 1973 fünf Filme umfassenden Kultreihe "Planet der Affen" zu drehen, gab es viele Gründe, skeptisch zu sein. Einer davon war der zehn Jahre zuvor trotz ordentlicher Einspielergebnisse ziemlich mißglückte Versuch Tim Burtons, ein Remake des Originals "Planet der Affen" zu drehen. Daß mit dem Briten Rupert Wyatt ("The Escapist") ein noch ziemlich unerfahrener Regisseur dazu auserkoren wurde, das knapp $100-Mio.-Projekt umzusetzen, löste auch nicht gerade Begeisterungsstürme aus und das Autoren-Ehepaar Rick Jaffa und Amanda Silver hatten seit "Das Relikt" im Jahr 1997 kein Drehbuch mehr geschrieben, das realisiert wurde. Und überhaupt: Wer sollte sich schon für eine in der Gegenwart spielende Vorgeschichte des Science Fiction-Klassikers mit Charlton Heston interessieren, deren Story zudem vom (mauen) vierten Film der Original-Reihe namens "Eroberung vom Planet der Affen" inspiriert ist? Aber manchmal gelingt Hollywood dann eben tatsächlich das Kunststück, aus vermeintlich schlechten Voraussetzungen einen nie erwarteten Hit zu machen. "Planet der Affen: Prevolution" ist unter dem Strich ein solcher Hit, und zwar sowohl kommerziell als auch künstlerisch.

Dabei beginnt Wyatts Film noch relativ konventionell. Die erste Hälfte des für ein Hollywood-Großprojekt recht kurzen Werks ist zwar handwerklich gut gemacht, aber auch nicht viel mehr. Handlung und Figuren – beispielsweise ein von Tom Felton ("Harry Potter"-Reihe) in bester "Draco Malfoy"-Manier verkörperter sadistischer Tierheim-Wärter – wirken arg klischeehaft, zudem gibt es einige Logiklöcher und die "menschlichen" Hauptdarsteller Franco, Lithgow und Freida Pinto ("Slumdog Millionär") bleiben verhältnismäßig blaß. Caesar dagegen, "dargestellt" mittels bewährtem Motion-Capture-Verfahren von Andy Serkis (Gollum in "Der Hobbit", "King Kong"), weiß ebenso wie in der zweiten Hälfte seine gleichfalls komplett computergenerierten "Affenfreunde" zu beeindrucken. Keine Frage, die diversen Menschenaffen sind in diesem Film die eigentlichen Stars. Eine OSCAR-Nominierung für die visuellen Effekte war die logische Konsequenz, eigentlich wäre sogar ein Sieg verdient gewesen (der ging stattdessen an Martin Scorseses "Hugo Cabret").

In der zweiten Filmhälfte zeigen Regisseur Rupert Wyatt und sein Team dann, was sie auch erzählerisch wirklich drauf haben: Das Erzähltempo wird ganz erheblich gestrafft, die Menschen verkommen endgültig zu bloßen Nebendarstellern und die Affen übernehmen eindrucksvoll die Herrschaft über die Kinoleinwand. Zeitweise reiht sich nun ein spektakulärer und denkwürdiger Moment an den anderen, zudem ist der Handlungsverlauf kaum mehr vorhersehbar (sofern man vorher nicht allzu viel über den Filminhalt liest, denn die Gefahr, dadurch gespoilert zu werden, ist ziemlich hoch). Zusätzlich unterstrichen wird die Rasanz der Geschehnisse durch die sehr gelungene musikalische Begleitung von Patrick Doyle ("Thor"), die die spannende und dabei erstaunlich tiefgründige Story nur noch stärker voranzutreiben scheint. Und die Anhänger der Originalfilme freuen sich über zahlreiche mal mehr, mal weniger (Stichwort "Freiheitsstatue") subtile Anspielungen, die aber nie gezwungen wirken. Erfreulicherweise wurde die Qualität hier vom weltweiten Kinopublikum belohnt, weshalb im Sommer 2014 die Fortsetzung "Dawn of the Planet of the Apes" ins Haus steht (wobei aber "Cloverfield"-Regisseur Matt Reeves hinter der Kamera Rupert Wyatt ablöst).

Fazit: "Planet der Affen: Prevolution" ist ein großteils sehr gelungenes Kultfilm-Prequel, das vor allem mit der technisch brillanten Darstellung und Interaktion der intelligenten Affen begeistert, daneben aber ebenfalls eine erfreulich intelligente Story zu bieten hat – da kann man großzügig darüber hinwegsehen, daß die erste Filmhälfte zu zahm ausfällt und generell die menschliche Figurenzeichnung im Vergleich zu den Affen eher unterentwickelt ist.

Wertung: 8 Punkte.


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