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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 10. Mai 2013

STAR TREK INTO DARKNESS (3D, 2013)

Regie: J.J. Abrams, Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch, Peter Weller, Zoe Saldana, Karl Urban, Simon Pegg, Anton Yelchin, John Cho, Alice Eve, Bruce Greenwood, Noel Clarke, Scott Lawrence, Nazneen Contractor, Deep Roy, Heather Langenkamp
 Star Trek Into Darkness
(2013) on IMDb Rotten Tomatoes: 86% (7,5); weltweites Einspielergebnis: $467,4 Mio.
FSK: 12, Dauer: 133 Minuten.

Nachdem Captain Kirk (Chris Pine, "Carriers") bei einer Beobachtungsmission wieder einmal zahlreiche Direktiven der Föderation mißachtet hat (wenn auch aus einem sehr guten Grund), wird er seines Amtes enthoben. Nur dank der Fürsprache seines Mentors Admiral Pike (Bruce Greenwood, "Flight") soll er unter diesem wenigstens als Erster Offizier an Bord der Enterprise verbleiben, während Mr. Spock (Zachary Quinto, "Margin Call") auf ein anderes Schiff versetzt werden soll. Doch es kommt alles anders, denn ein Terrorist namens John Harrison (Benedict Cumberbatch, "Dame, König, As, Spion") attackiert zuerst mit einer Bombe ein Archiv der Sternenflotte, und als daraufhin gemäß Vorschrift die hohen Tiere des Militärs inklusive der anwesenden Raumschiffkapitäne und ihrer Ersten Offiziere zu einer Dringlichkeitssitzung im Hauptquartier der Sternenflotte zusammenkommen, greift Harrison auch diese an. Da sich Kirk durch Eigeninitiative und Heldenmut auszeichnet, wird er wieder als Captain der Enterprise eingesetzt und erhält von Admiral Marcus (Peter Weller, "RoboCop") den inoffiziellen Befehl, Harrison – der sich auf die klingonische Heimatwelt Kronos geflüchtet hat – entgegen aller Gesetze kurzerhand zu eliminieren ...

Kritik:
Nach dem Ende von J.J. Abrams' erfolgreichem "Star Trek"-Reboot samt Etablierung einer alternativen Zeitlinie konnte man erwarten, daß es in der Fortsetzung nicht nur in Sachen Action, sondern endlich auch wieder handlungsmäßig richtig zur Sache gehen würde. In gewisser Weise tut es das auch, doch überraschenderweise erweist sich "Into Darkness" eher als zweiter Teil der Einführung in dieses neue alte Star Trek-Universum, an dessen Ende – das läßt sich ohne Spoilergefahr verraten – die Crew endgültig zusammengewachsen ist und sich auch vor den Entscheidungsträgern in der Sternenflotte bewährt hat. Deshalb wird die Enterprise dann auf eine fünfjährige Forschungsreise geschickt, über deren Verlauf hoffentlich (mindestens) der dritte Film in dieser Besetzung berichten wird. "Star Trek Into Darkness" hingegen erweist sich wie der Vorgänger als sehr actionbetonte und trotz einiger Ausflüge weitgehend erdbasierter Film, der die Möglichkeiten des reichhaltigen, von Gene Roddenberry kreierten Universums nur ankratzt. Man kann leidenschaftlich darüber diskutieren, ob ein solcher zweiter Einführungsfilm wirklich noch nötig gewesen wäre, ohne Frage ist aber auch "Into Darkness" sehr unterhaltsam geraten und hat sich genügend Star Trek-Flair bewahrt, um zumindest nicht allzu viele Hardcore-Trekkies zu vergraulen.

Da ich über den Verlauf der Handlung wegen großer Spoilergefahr nicht viel schreiben will, könnte ich an dieser Stelle im Grunde genommen auch meinen Text aus der Rezension des vorherigen Films übernehmen. Stärken und Schwächen sind nämlich fast identisch, Regisseur Abrams und sein eingespieltes Team aus Drehbuch-Autoren führen ihren Stil hochkonsequent fort. Das bedeutet bedauerlicherweise auch, daß – entgegen meiner Hoffnungen – die Handlung erneut klar die zweite Geige hinter den ausgedehnten Actionsequenzen spielt (der Prolog erinnert fast an den eines James Bond-Films), auch wenn sie geschickt Bezug auf die Original-Zeitlinie nimmt. Immerhin gibt es diesmal gleich zwei ernstzunehmende Bösewichte, von denen der offensichtliche (Harrison) noch beeindruckender ist als Eric Banas Romulaner Nero in "Star Trek". Als ich den ersten Trailer sah, war ich sogar zuversichtlich, daß Harrison-Darsteller Benedict Cumberbatch das Kunststück gelungen würde, als erster Darsteller in einem Star Trek-Film eine OSCAR-Nominierung zu erhalten, doch nach Ansicht des kompletten Films erscheint mir das ausgeschlossen. Nicht, weil Cumberbatch nicht die erwartet grandiose Leistung abliefern würde, sondern deshalb, weil seine stärksten Momente fast ausnahmslos bereits in den Trailern zu sehen waren. Seine Darbietung in "Into Darkness" ist zwar tadellos, aber eben doch nicht ganz so spektakulär wie es das Promomaterial erhoffen ließ. Der zweite Schurke der Story, dessen Name an dieser Stelle nicht verraten werden soll, ist hingegen etwas enttäuschend, da die Autoren für seine Motivation in die Mottenkiste der ausgelutschten Bösewicht-Klischees gegriffen haben.

Dafür haben sich die Darsteller der Enterprise-Crew erwartungsgemäß noch besser in ihre ikonischen Rollen eingefunden und harmonieren als Team bereits hervorragend. Vor allem Zachary Quinto überzeugt erneut als Spock mit facettenreichem Spiel, aber auch Chris Pine als Kirk, Zoe Saldana als Uhura, Karl Urban als Pille und Simon Pegg als Scotty lassen kaum Wünsche offen. Chekov und Sulu kommen wie in der Originalserie und im letzten Film etwas kurz, bekommen aber immerhin jeweils einen echten Heldenmoment spendiert – außerdem gibt es in der Art eines "Running Insider-Gags" gleich mehrere witzige Anspielungen auf die von Original-Sulu-Darsteller George Takei jahrelang forcierte, aber leider nie realisierte TV-Serie, die Sulus Abenteuer als Captain des Raumschiffs Excelsior hätte erzählen sollen.

Die zahllosen spektakukären Spezialeffekte aus der Trickschmiede von George Lucas' Firma ILM sind erstklassig geraten, die 3D-Qualität überzeugt ebenfalls (ohne zu begeistern) und kommt besonders bei den Weltraumszenen gut zur Geltung. Komponist Michael Giacchino ist zudem wieder einmal ein ausgezeichneter und abwechslungsreicher Score gelungen, der treibende Actionmelodien und im besten Sinne melodramatische Stücke geschickt kombiniert und immer wieder für Highlights wie bei der Begegnung mit den Klingonen sorgt. Apropos Klingonen: Neben diesen (in leicht überarbeitetem Design) gibt es auch noch unerwartete Kurzauftritte weiterer alter Bekannter, die für Trekkies eine wahre Freude sind. Auch wenn manche Kritiker Abrams vorwerfen, wie bereits im Vorgänger mit den vielen Anspielungen auf die früheren Serien und Filme nur von der eigentlich eher Star Trek-untypischen Actionlastigkeit (wobei sich das bei den jüngeren Serien und auch einigen Filmen wie dem populären "Der erste Kontakt" sowieso sukzessive geändert hat) ablenken zu wollen: Wer sich nicht zu sehr in diese fixe Idee verbeißt und akzeptieren kann, daß Abrams' Star Trek-Universum nicht mehr Roddenberrys Star Trek aus den 1960er Jahren ist, der dürfte erfreut darüber sein, daß Abrams und sein Team die Vergangenheit des Franchise keineswegs ignorieren, sondern vielmehr sogar bewußt ehren – allen Stiländerungen zum Trotz. Dennoch wäre für den nächsten Film ohne Frage eine etwas ruhigere und handlungsstärkere Geschichte äußerst wünschenswert, schon um der Abwechslung willen.

Fazit: "Star Trek Into Darkness" ist eine konsequente, sogar noch etwas actionlastigere Fortführung des "Star Trek"-Reboots von 2009, das die Stärken wie die hochsympathische Enterprise-Besatzung und die Einbettung in das altbekannte Star Trek-Universum ausbaut, es aber leider versäumt, die Schwächen in Sachen Handlung abzustellen. Alles in allem ist der direkte Vorgänger "Star Trek" aufgrund der etwas höheren Originalität einen Tick besser.

Wertung: 8 Punkte. 

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