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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

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Freitag, 27. Juli 2012

THE RAID (2011)

Originaltitel: Serbuan maut
Regie und Drehbuch: Gareth Huw Evans, Musik: Mike Shinoda und Joseph Trapanese
Darsteller: Iko Uwais, Ray Sahetapy, Pierre Gruno, Doni Alamsyah, Yayan Ruhian, Joe Taslim, Eka "Piranha" Rahmadia, Tegar Satrya, Ananda George, Verdi Solaiman
 Serbuan maut
(2011) on IMDb Rotten Tomatoes: 85% (7,5); weltweites Einspielergebnis: $9,1 Mio.
FSK: 18, Dauer: 101 Minuten.

Im Morgengrauen wird eine 20-köpfige Polizeieinheit vor einem Hochhaus mitten in den Slums der indonesischen Hauptstadt Jakarta abgesetzt, ohne zu wissen, worum es geht. Der ergraute Lieutenant Wahya klärt die teilweise noch sehr unerfahrenen Polizisten über das Ziel ihrer geheimen Mission auf: In dem Hochhaus residiert der mächtige Gangsterboß Tama, der durch seine Kontakte bis in die höchsten Kreise von Politik und Polizei hinein fast unantastbar zu sein scheint. Der brisante Einsatz soll ihn und seine zahllosen Schergen überraschen, doch nachdem die Cops um den jungen, kampfsporterprobten Rama (Iko Uwais) die ersten Etagen noch quasi im Handstreich einnehmen, werden sie schließlich entdeckt und von Tamas gut bewaffneten Schlägern in einen Hinterhalt gelockt. So werden die Jäger zu Gejagten und die wenigen Überlebenden des Hinterhalts müssen sich entscheiden: Versuchen sie zu fliehen – oder wollen sie, so aussichtslos dieses Unterfangen nun auch erscheinen mag, ihren Auftrag zu Ende zu bringen und Tama erledigen?

Kritik:
Bereits seit dem Spätsommer 2011 hat der humorlose Actionkracher "The Raid" des in Wales geborenen, aber in Indonesien lebenden Regisseurs Gareth Evans auf diversen internationalen Filmfestivals für Furore gesorgt. In Amsterdam, Toronto und Dublin gewann er sogar Preise, auch bei Robert Redfords berühmtem Sundance Film Festival kam "The Raid" beim Publikum hervorragend an. So gut, daß er in den USA auch regulär in die Kinos kam und nun ebenfalls in Deutschland.

So ganz kann ich die Begeisterung allerdings nicht nachvollziehen. Ja, "The Raid" ist ein erfrischend geradliniger Actionfilm mit exotischem Setting und gut choreographierten Martial Arts-Kämpfen. Aber die Story ist – wiewohl sie durchaus ein paar Überraschungen bereithält und damit bereits etlichen Genrevertretern etwas voraus hat – sehr dünn, die meisten Charaktere sind uninteressant und die Darsteller wurden offensichtlich eher auf Grundlage ihrer kampfsportlichen als ihrer schauspielerischen Fähigkeiten ausgesucht. Zudem sind die schier endlos aneinandergereihten Kampfszenen für eine Länge von rund 100 Minuten eine Spur zu monoton geraten. Letztlich ist das sicher Geschmackssache, aber wenn man wie ich mit den grandiosen Martial Arts-Spektakeln von Jackie Chan und Jet Li aufgewachsen ist, von denen selbst die inhaltlich schlichtesten eigentlich immer mit atemberaubenden und vor allem auch innovativen Kampfszenen aufwarten konnten, dann erwartet man von einem weltweit gefeierten neuen Genrevertreter wie "The Raid" einfach mehr.

Oberbösewicht Tama bekommt zwar ein paar nette Szenen spendiert, in denen er andeuten kann, warum er so gefürchtet ist, insgesamt bleibt er aber doch eher blaß. Interessanter sind seine beiden führenden Handlanger Andi (Doni Alamsyah) und "Mad Dog" (Yayan Ruhian) ausgestaltet, die außerdem gemeinsam mit dem zentralen und einigermaßen charismatischen Protagonisten Rama für die Kampf-Highlights sorgen. Denn diese gibt es eindeutig im zum Glück dominierenden Martial Arts-Bereich, der mit harten, sorgfältig choreographierten Duellen aufwarten kann, wohingegen die blutigen Schießereien vergleichsweise uninspiriert wirken.

Für die internationale Verwertung wurde "The Raid" übrigens eigens ein neuer Soundtrack spendiert, der aus der Feder von "Linkin Park"-Mastermind Mike Shinoda sowie Joseph Trapanese stammt und das Gezeigte angemessen aggressiv untermalt. Lobenswert ist zudem Evans' stylish-düstere Bildsprache, die um einiges innovativer ausfällt als die Handlung des Films und das geringe Budget der Independent-Produktion gekonnt verbirgt.

Fazit: "The Raid" ist ein echter Actionkracher, der das Herz von Genrefans mit seiner furios-kompromißlosen Mischung aus Schießereien und Martial Arts-Kämpfen zweifellos höher schlagen läßt. Wer von einem guten Film – auch einem guten Action-Film – jedoch mehr als nur Action nonstop erwartet, den könnte die bloße Aneinanderreihung von Kampfszenen auf Basis einer eher rudimentären Story und mäßig interessanter Figuren auf Dauer ermüden.

Wertung: 7 Punkte.


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