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Montag, 30. Juli 2012

Klassiker-Rezension: DER HORNOCHSE UND SEIN ZUGPFERD (1981)

Originaltitel: La chèvre
Regie und Drehbuch: Francis Veber, Musik: Vladimir Cosma
Darsteller: Gérard Depardieu, Pierre Richard, Michel Robin, André Valardy, Corynne Charbit, Pedro Armendáriz Jr., Jorge Luke, Maritza Olivares, Sergio Calderon
 La chèvre
(1981) on IMDb Rotten Tomatoes: 50% (5,5); weltweites Einspielergebnis: $56,6 Mio.
FSK: 12, Dauer: 90 Minuten.

Marie (Corynne Charbit), die stets vom Pech verfolgte Tochter des französischen Konzernchefs Alexandre Bens (Michel Robin, "Leb wohl, meine Königin!"), verschwindet während des Mexiko-Urlaubs spurlos. Als der von Bens beauftragte Privatdetektiv Campana (Gérard Depardieu, "Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger", "Das Schmuckstück") trotz gewissenhafter Suche keinerlei Hinweis auf ihren Verbleib findet, greift der verzweifelte Bens zum letzten Strohhalm: Auf Anraten seines Betriebspsychologen schickt er Campana erneut nach Mexiko, nun allerdings in Begleitung des Buchhalters Perrin (Pierre Richard, "Und wenn wir alle zusammenziehen?", "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh"). Dessen ausschließliche Qualifikation für die Aufgabe ist es, daß er ein genauso großer Pechvogel ist wie Marie. Und tatsächlich führen Perrins ständige Unglücksfälle auf der Reise den skeptischen Campana schnell auf eine Spur, auf die er alleine niemals hätte stoßen können ...

Kritik:
Seit den 1970er Jahren ist Francis Veber einer der bekanntesten, erfolgreichsten und besten französischen Drehbuch-Autoren und Regisseure im Komödienbereich. Zahlreiche Filme, die er geschrieben ("Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh", "Ein Käfig voller Narren", "Die Filzlaus") und/oder inszeniert hat ("Ein Mann sieht rosa", "Dinner für Spinner") sind heute Klassiker des französischen Humors. "Der Hornochse und sein Zugpferd" (in Deutschland auch als "Ein Tolpatsch kommt selten allein" und "Der Pechvogel" veröffentlicht) war nach "Das Spielzeug" der zweite Film, bei dem er Regie und Drehbuch übernahm und er reiht sich nahtlos in Vebers Œuvre ein, was alleine in Frankreich mit mehr als sieben Millionen Kinobesuchern belohnt wurde.

Erstaunlich genug ist es, daß ein Film, dessen Witz letztlich nur auf Variationen des zentralen Pechvogel-Motivs basiert, als Ganzes so gut funktioniert. Das ist einerseits Vebers Drehbuch zu verdanken, in dem er die zentrale Entführungsgeschichte zwar einfach und im Kern wenig originell hält, aber doch mit einer Ernsthaftigkeit vorantreibt, als ob es sich um einen ganz normalen Krimi handeln würde. Durch diesen simplen, aber effektiven Kniff wirkt der Kontrast der Handlung zu Perrins meist herrlich absurden und präzise getimten Slapstick-Einlagen umso stärker. Der zweite Schlüssel zum Gelingen des Films ist Gérard Depardieu. So gut Publikumsliebling Pierre Richard den Pechvogel Perrin mit dessen unfreiwilligen Kapriolen auch verkörpert, seine Rolle würde nicht einmal halb so gut funktionieren ohne Depardieus Campana als Widerpart. Angesichts all dessen, was Perrin widerfährt, bekommt Depardieu mehr als genug Gelegenheit, einen Großteil seines bekanntlich beeindruckenden mimischen Repertoires einzusetzen – und diese Gelegenheit nutzt er mit sichtlichem Genuß. Seine Reaktionen auf Perrin wechseln ständig zwischen Verärgerung, mildem Amusement, Resignation, lakonischer Gelassenheit, Wut, Verzweiflung und hysterischem Gelächter. Richard sorgt für den Humor, Depardieu stellt sicher, daß er sich eins zu eins auf das Publikum überträgt. Chapeau!

Dennoch lassen sich einige Schwächen des Films nicht leugnen. Trotz der recht kurzen Laufzeit von rund eineinhalb Stunden nutzt sich das Konzept beinahe zwangsläufig ein wenig ab – dank Veber, Depardieu und Richard nicht so sehr, wie es eigentlich zu befürchten wäre, aber eben doch ein bißchen. Zudem mag die Dauerberieselung mit Panflötenmusik zwar zum lateinamerikanischen Setting passen, wirkt aber klischeehaft und geht auf Dauer etwas auf die Nerven. Des weiteren animiert die "Qualität" einiger in der zweiten Filmhälfte eingestreuter "Spezialeffekte" (z.B. ein aufgrund eines allergischen Schocks angeschwollener Richard oder ein Menschenaffe, der allzu klar erkennbar von einem Menschen im Affenkostüm gespielt wird) auch unter Berücksichtigung des damaligen Standes der Technik zum Fremdschämen. Doch schmälert das den Spaß an "Der Hornochse und sein Zugpferd" zum Glück nicht allzu sehr.

Erwähnenswert ist noch, daß der Film in Deutschland im Kino mit einer sehr klamaukhaften Synchronisation veröffentlicht wurde, die einen ziemlich schlechten Ruf genießt. Bereits 1985 wurde deshalb eine ernsthaftere Neusynchronisation eingesprochen, auf der diese Rezension basiert.

Fazit: "Der Hornochse und sein Zugpferd" ist eine herrliche, typisch französische Komödie, die dank gutem Drehbuch, witziger Slapstick-Einlagen und zweier starker Hauptdarsteller aus einer banalen Prämisse unwahrscheinlich viel herausholt.

Wertung: 8 Punkte.

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