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In eigener Sache: Mein neues Filmbuch

Einigen Lesern ist bestimmt aufgefallen, daß ich in der rechten Spalte meines Blogs seit einigen Monaten das Cover meines neuen Buchs präs...

Freitag, 30. März 2012

HESHER (2010)

Regie: Spencer Susser, Drehbuch: Spencer Susser und David Michôd, Musik: Francois Tetaz
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Devin Brochu, Natalie Portman, Rainn Wilson, Piper Laurie, John Carroll Lynch, Audrey Wasilewski, Brendan Hill
 Hesher
(2010) on IMDb Rotten Tomatoes: 53% (5,7); weltweites Einspielergebnis: $0,4 Mio.
FSK: 16, Dauer: 101 Minuten.

Familie Forney droht nach dem Tod der Mutter zu kollabieren: Vater Paul (Rainn Wilson aus "Super" und "The Office") ist wie erstarrt, der 13-jährige Sohn T.J. (Devin Brochu) versucht mit wenig Erfolg, irgendwie mit der Situation klarzukommen und die betagte Großmutter Madeleine (die dreifache OSCAR-Nominee Piper Laurie aus "Carrie", "Haie der Großstadt", der TV-Serie "Twin Peaks" und vielen weiteren Klassikern) verzweifelt beinahe beim Versuch, die Familie irgendwie zusammenzuhalten. Doch dann tritt durch einen Zufall Hesher (Joseph Gordon-Levitt, "The Dark Knight Rises") in T.J.s Leben. Der grimmige Heavy-Metal-Fan lebt in einem Van, hat sich einen riesigen Stinkefinger auf den Rücken malen lassen und macht gerne Sachen kaputt und nach dem Treffen mit T.J. quartiert er sich kurzerhand bei dessen Familie ein. Paul hat nicht genügend Energie, um ihn daran zu hindern, Madeleine freut sich sogar über ein bißchen Gesellschaft und T.J. wird einfach keine Wahl gelassen. Doch Heshers Anwesenheit verändert die Menschen um ihn herum ...

Kritik:
"Hesher", das Langfilmdebüt von Regisseur Spencer Susser, ist im Grunde genommen ein Familiendrama mit einem Spritzer schwarzen Humors und einer großen Portion Anarchie (personifiziert von der Titelfigur). Die trostlose Familiensituation von T.J. wird glaubwürdig und ernsthaft illustriert, der gesamte Film ist von großer Melancholie durchzogen. Doch wo in anderen Werken dieser Art wohl vor allem über die Probleme geredet würde, setzt der Regisseur (und Co-Autor) hier auf die Figur des Hesher als Katalysator. Dessen Wut auf die Welt korrespondiert mit T.J.s fragiler Seelenlage, und doch beeinflusst Hesher den Jungen, erstaunlicherweise sogar auf eine positive Art und Weise. Dabei verhält sich Hesher über weite Strecken alles andere als vorbildhaft. Er stalkt T.J., hilft ihm aber nicht, wenn er vom Schultyrann verprügelt wird. Er stiftet ihn zur feurigen Rache an, nur um ihn dann einfach am "Tatort" zurückzulassen. Er mischt sich in T.J.s erste naive und natürlich aussichtslose Liebe zu der sehr freundlichen, aber selbst problembeladenen Supermarktkassiererin Nicole (Natalie Portman, "Black Swan") ein. Kurz: Er macht T.J.s Leben noch mehr zur Hölle, als es das ohnehin schon ist.

Und doch: Auf extrem verquere Art und Weise erinnert "Hesher" ein bißchen an Frank Capras berühmtes Weihnachtsmärchen "Ist das Leben nicht schön?" mit James Stewart und Hesher ist eine ziemlich perverse Version des Schutzengels Clarence. Auch wenn T.J. es (lange) nicht merkt: Heshers Anwesenheit hilft ihm und seiner Familie tatsächlich, wenn auch eher auf Umwegen. Die Subtilität, mit der Susser diese Beziehung der Familie Forney zu Störenfried Hesher schildert, ist erstaunlich und lobenswert, die Ehrlichkeit der Darstellung von Hesher mit all seinen Fehlern, aber auch seinen guten Seiten eine wahre Freude. Besonders berührend fällt dabei Heshers Beziehung zu T.J.s gutherziger, aber überforderter Großmutter Madeleine aus.

Für Joseph Gordon-Levitt, seit dem grandiosen Highschool-Film-Noir "Brick" einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler, ist die Figur des Hesher eine weitere Paraderolle. Aber ehrlich gesagt: Ich fand ihn in Filmen wie "Mysterious Skin", "Die Regeln der Gewalt" oder eben "Brick" noch deutlich besser. Natürlich spielt er den Hesher unglaublich cool und rotzig, aber schauspielerisch verlangt ihm diese Figur gar nicht so viel ab. "Hesher" ist generell eher ein Ensemblefilm, in dem alle wichtigen Darsteller überzeugen, ohne daß einer richtig hervorsticht. Passend zur Titelfigur besteht die musikalische Untermalung des Films übrigens großteils aus Songs von Metallica.

Fazit: "Hesher" erzählt eine eigentlich ganz einfache, unspektakuläre Geschichte über eine Familie am emotionalen Abgrund und macht aus ihr etwas Besonderes, indem er mit der anarchischen Titelfigur eine Person in die Handlung integriert, die so gar nicht dazu zu passen scheint es aber letztlich doch tut.

Wertung: 8 Punkte.

Nachtrag: Nach erneuter Sichtung habe ich von den anfänglichen 8,5 Punkten einen halben Punkt abgezogen.


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